Zum Inhalt Zum Menü
Farbiger Bogen Farbiger Bogen Ei Schwerpunktthemen Zahnrad Lupe Share on Twitter Twitter Logo Share on Facebook Facebook Logo Share via E-Mail E-Mail Pfeil lang Pfeil nach unten Pfeil nach links Pfeil nach rechts Karte mit Marker Newsletter Links Bestellservice Literaturtipps Studien Elternbildung Login/Logout Hand Schließen Marker mit Hand YouTube Ei-Rahmen für Bilder info forum head helpdesk home info list logout message student task upload add burger burger_close courses delete download edit check link media preview preferences-elearning image share play-store-icon app-store-icon
Zum Inhalt Zum Menü

Haben Sie Mut und Hoffnung!

von Golli Marboe

Elternbildung
Elternbildung
Elternbildung

Wissen Sie, wann sich in sogenannten „normalen“ Jahren die meisten Menschen das Leben nehmen? Weder im Herbst, wenn es dunkel wird, noch zu Weihnachten, wenn es ans Herz geht, nein – im Mai. Dann nämlich, wenn die sogenannten „gesunden“ Menschen wieder hinaus ins Bad, an die Luft gehen, wenn Frühlingsgefühle um sich greifen. Dann wird es für einsame Menschen noch einsamer. Denn dann fühlen sie sich noch viel mehr als Außenseiter, als eh schon immer.

Eine erfolgreiche Impfkampagne und das Ende der Pandemie werden hoffentlich bei vielen von uns eine solche „Frühlings“ Euphorie auslösen. Aber gerade deshalb ist es in diesen Tagen so wichtig, über jene zu sprechen, die sich auch dann, wenn es der Gesellschaft wieder gut geht und Covid überwunden scheint, immer noch nicht am Leben freuen werden können. Weiterhin depressiv, einsam oder gar suizidal sind.

Sie kennen das bestimmt aus Ihrer eigenen Jugend, Sie lesen es in etlichen Berichten zu Studien, die dieser Tage veröffentlicht werden: ganz besonders betroffen von psychischen Krisen sind in diesen Wochen junge Menschen. Als ob die Pubertät und die danach oft quälende Orientierungssuche als junge Erwachsene nicht Aufgabe genug wären! Jetzt kommt auch noch die Pandemie dazu. Für diese jungen Männer und jungen Frauen sollten wir jetzt zusätzliche Hilfestellungen aufbauen und dafür Sorge tragen, dass auch sie in den Tagen nach der Pandemie einen Weg aus ihrer Einsamkeit finden.

Wir Angehörige, wir Eltern und Freunde müssen Mut zeigen. Mut mit der Ansprache und durch Nachfrage: Hast Du suizidale Gedanken? Diese Frage zu stellen ist ein Zeichen der Anteilnahme. Ein Zeichen der Solidarität und – entgegen vieler Vorurteile – kein Trigger, der einen Suizid auslösen könnte.

Bitte trauen Sie sich diese Frage zu stellen!

Mut zu ÄrztInnen zu gehen.Elternbildung

Sollte Ihr Kind stürzen und sich das Bein brechen. Dann würden Sie keine Sekunde zögern und ins Unfalkrankenhaus fahren. Warum denkt man, dass eine tiefe Depression, also eine chronische Krankheit, nicht von „Profis“ behandelt gehört?

Tun Sie alles Ihnen Mögliche, um Ihr Kind in eine Therapie zu bringen. Der regelmäßige Austausch mit einer Therapeutin und eine etwaige medikamentöse Therapie machen Ihr Kind nicht „dumpf“. Ganz im Gegenteil, gut eingestellte Medikamente und eine Vertrauensperson außerhalb der Familie können Ihrem Kind helfen das Leben wieder als lebenswert erkennbar zu machen!

Nun haben wir es dieser Tage mit zwei weiteren gesellschaftlichen Phänomenen zu tun: die psychischen Probleme junger Menschen nehmen zu. Die Dekonstruktion alter ehemals gesellschaftlich prägender Einrichtungen, wie politische Parteien, Gewerkschaften oder Kirchen wirken nicht mehr wie früher.

Aber wo finden nun junge Menschen einen Ausweg aus einer Depression, aus ihrer Einsamkeit – wo finden sie Ideen für Orientierung?

Nun ist es so, dass der durchschnittliche Österreicher und insbesondere junge Menschen, acht bis zehn Stunden täglich mit Medien verbringen. Wenn nun gerade dort nicht über psychische Gesundheit gesprochen wird, dann wirkt das wie ein Brandbeschleuniger. Betroffene depressive oder gar suizidale Menschen fühlen sich noch einsamer.

Die Zunahme tiefer Traurigkeit trifft sich mit einer gut gemeinten Idee von Journalistinnen und Medienmenschen: aus Angst vor Nachahmung vermeiden es Autorinnen und Autoren über Suizide und schwere psychische Probleme, über Schicksale von Hinterbliebenen zu schreiben oder zu posten. Dementsprechend müssen wir uns – in einer angemessenen Form – gerade in Medien öffentlich über psychische Gesundheit mehr austauschen.

Dazu gibt es wissenschaftliche Studien der Med Uni Wien. Diese Studien zeigen, dass es bei der Berichterstattung und Thematisierung von Suiziden nicht nur die Gefahr eines „Triggers und negativen Nachahmungseffektes“ gibt (gemeinhin bekannt als „Werther Effekt“); sondern es kann bei angemessener und kundiger Thematisierung psychischer Gesundheit auch einen positiven Nachahmungseffekt und eine präventive Wirkung in Bezug auf Suizid geben. Dieses neue Phänomen nennt man „Papageno-Effekt“.

Papageno will sich in der Zauberflöte aus Angst und Verzweiflung darüber, seine geliebte Papagena womöglich nie wieder zu sehen, das Leben nehmen. Doch dann kommen ihm „Drei Buben“ zu Hilfe. Sie zeigen ihm einen Ausweg, die drei Jungen machen ihm Hoffnung und sie zeigen Papageno damit vor allem auch, dass er nicht alleine ist.

Wir alle können diese Hilfe „von außen“ bieten. Suizidale und depressive Menschen möchten niemand anderen verletzen oder sich gar bei irgendjemandem rächen. Wir Eltern, wir Angehörige, das Umfeld wir sind aus falsch verstandener Scham oft viel zu zurückhaltend. Es ist keine Verletzung der Intimsphäre jemand anderen zu fragen, wie es denn seelisch ginge! Im Gegenteil, es ist ein Zeichen von Gleichgültigkeit, wenn man selbst das eigene Kind nicht fragt, wie es denn der Psyche geht!

Aber selbst, wenn es dann zu einer Katastrophe kommen sollte und sich ein naher Mensch ein Leid antut versuche ich zu unterscheiden zwischen Schuld und Mitverantwortung. In den wenigsten Fällen haben Angehörige, Freunde oder andere Hinterbliebene „Schuld“ an der Einsamkeit, an der Depression oder am Suizid eines nahen Menschen.

Sehr wohl aber tragen wir alle Verantwortung für unser Tun: im persönlichen Umgang mit den nächsten Menschen, im Diskurs mit unserer Familie und natürlich auch in der Gesellschaft. Psychische Gesundheit ist wahrlich nicht nur Privatsache, sondern eben auch Teil unseres gesellschaftlichen Lebens.  In einer Gesellschaft und in einem politischen Klima, in dem Außenseiter mehr wertgeschätzt würden, gäbe es weniger Einsamkeit und damit auch wesentlich weniger psychische Probleme. Eine von Marktwirtschaft und Meinungsforschung getriebene politische Atmosphäre tendiert zu kollektivistischen und dem Mehrheitsgeschmack folgenden Tendenzen.

Mein Sohn Tobias schrieb in einer seiner Ton-Bild-Collagen: „Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt, weil die Hoffnung gar nicht sterben kann.“

Gerne möchte ich Sie einladen, diesem Gedanken zu folgen und auch in Ihrem Leben zuzulassen. Sowohl dann, wenn in Ihrem Umfeld jemand sehr traurig und einsam ist, als auch für den Fall, dass Sie sich selbst als depressiv und verzweifelt wahrnehmen.

Hoffnung tröstet.

Mehr Informationen zum „Papageno-Effekt“ in einem Gespräch mit Dr.Thomas Niederkrotenthaler von der MedUni Wien:
https://www.vsum.tv/podcasts/14-thomas-niederkrotenthaler-was-ist-der-papageno-effekt-10-09-2020/

Video „Der einsamen Astronaut“, jenes Lied von Tobias, das nach seinem Tod Freunde von ihm als Musikvideo gestaltet haben (Regie: Marc Jarabe) und das Tobias ca. zehn Jahre vor seinem Tod geschrieben hat:
https://vimeo.com/464779840


KommentareElternbildung

Derzeit gibt es noch keine Kommentare zu dieser Stimme