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Lesen

von BEd. Lisa Lanier Lucaciu

Unser Leben war vor den Kindern ein sehr spontanes Dasein, begleitet von verrückten Ideen und spontanen Aktionen. Das änderte sich rapide mit der Geburt unseres ersten Sohnes.
Wir mussten uns erst an die Verantwortung gewöhnen, an die Situationen, dass wir immer für alle Eventualitäten vorbereitet sein müssen. Das beinhaltet auch das Durchführen gewisser Rituale, die für Kinder enorm wichtig sind. Hierzu zählt auch das Ritual des Vorlesens.
Mit unserem ersten Kind begannen wir sehr früh, ich ließ mich im örtlichen Buchhandel beraten und wir begannen mit Bilderbüchern, ohne Text und dicken, reißfesten Seiten. Das war gar nicht immer einfach. Ich plapperte einiges daher, erzählte was mir zu den Bildern einfiel und erwartete, dass mein Kind mir voller Neugier und Interesse zuhörte. Dem war natürlich nicht so. Er kostete lieber daran, und schmiss sie anschließend quer durchs Zimmer, das war ein Freudenfest für ihn. Das konnte er immer und immer wieder machen.
Mit der Geburt unseres zweiten Kindes mussten mein Mann und ich uns erst an die neue Situation gewöhnen. Die Zeit, die zum Vorlesen gedacht war, wurde verschoben, stattdessen mussten die Kinder gebadet werden, der Kleine war aber schon früher müde, deswegen musste er früher essen, dann habe ich mich zweigeteilt und alles war gut. Wenn es nur so wäre. Leider ließ ich dann meistens die Lesezeit ausfallen und die Kinder wurden mit einem Küsschen und einem kleinen Gebet ins Bettchen gesteckt.
Mit dem dritten Kind wurden wir, mein Mann und ich, einfallsreicher. Wir wurden nicht nur ideenreicher, sondern auch gelassener. Mittlerweile haben wir vier Kinder und wir haben ein ganz tolles System gefunden, dass wir unseren Tagesablauf, unsere Aufgaben und Rituale tagtäglich schaffen. Wir haben uns umorganisiert, sind aber entgegengesetzt offener geworden, einfach Situationen zuzulassen, die nicht ganz nach Plan verlaufen. Dann passiert es einmal, dass die Kinder 20 Minuten später schlafen gehen, da sie sonst nicht zur Ruhe kommen, wenn sie die Fortsetzung des Räuber Hotzenplotzs nicht hören.
Und die Gute-Nacht-Geschichten bestehen nicht mehr nur aus ausgesuchten Büchern, die abends immer fortgesetzt werden, sondern auch aus Kurzgeschichten, die wir aus dem Internet haben. Wir suchen die Geschichten nach Alter und Dauer aus. Somit habe ich eine Kurzgeschichte, die den Kindern unheimlich gut gefällt, aber anschließend noch die Zeit bleibt, die ich brauche, um Dinge zu erledigen, die nicht warten können.
Mein Mann brauchte recht lange sich daran zu gewöhnen, dass es abends immer eine Geschichte gibt, da ich ihm immer nahe legte, den Kindern ein Buch vorzulesen. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, und es fällt ihm nicht leicht deutsche Bücher zu lesen, geschweige denn vorzulesen. Deswegen erzählt er „Mitmach-Geschichten“. Das sind meist erfundene Geschichten, er beginnt zu erzählen und die Kinder erfinden den Hauptteil, oder den Schluss. Wir sind gerade dabei auch Geschichten vorzulesen, die in seiner Muttersprache sind. Meinem ältesten Sohn war das anfangs gar nicht recht, da die Kenntnisse unserer Kinder in dieser Sprache minimal sind. Doch unsere Tochter übersetzt immer die Geschichten anhand der vorhandenen Bilder. Es ist eine Freude ihr zuzuhören, manchmal erzählt sie die Geschichte so genau, dass ich schon fast dabei einschlafe, nicht weil die Geschichten nicht spannend sind, sondern weil sie bis spät nachts erzählen kann.
Mittlerweile ist es so, dass wir auch eine Vorlesezeit von 15 Minuten tagsüber eingeführt haben. Da lesen aber nicht wir, sondern die Kinder. In dieser Zeit hat ein Kind unsere volle Aufmerksamkeit und liest mit einer unbeschreiblichen Leidenschaft und kann zeigen was es kann.
Das klingt jetzt alles so toll und vorbildlich, klar versuchen wir uns täglich die Zeit zu nehmen, aber wir sind auch nur Menschen. An manchen Abenden wollen und können wir nicht. Unsere Großen lesen dann abends selbst und die Kleinen kuscheln sich mal dazu und hören gespannt den Erzählungen der Geschwister zu. Und wenn es mal abends keine Geschichte gibt, dann ist es für sie auch o.k. Sie wissen, dass es meistens am nächsten Tag eine umso spannendere Geschichte gibt.
Das Lesen soll doch Spaß machen und eine Auszeit vom Alltag sein. In dieser Zeit können wir in eine andere Welt eintauchen, und mit der Familie auf eine Reise gehen die kaum etwas fordert, aber so viel gibt.


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