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ZWEI AUF EINMAL

von Mag. Anita Koukal

„Man braucht nur fünf Mann, dann ist es easy“, hat der stets optimistische Zwillingspapa im Trubel zwischen Füttern, Erbrochenes Aufwischen und Kinder Umziehen einmal ausgerufen. Ja, mit fünf Mann wär‘s wirklich easy. Nur hat Frau die nie.
Alles wird besser. Das ist nur eine Phase. Sie werden größer. Dann können sie auch mal bei uns schlafen…

Ja… dann…

Wenn die Nerven blank liegen, die Nächte wie die Tage sind, nur dunkler, ist „dann“ keine Option. JETZT. Jetzt brauche ich Entlastung. Jetzt bin ich überfordert. Jetzt will ich Ruhe. Nur zwei Stunden allein sein. S c h l a f e n. Bitte.

Unsere zwei sind jetzt zwei.

JETZT ist wirklich schon vieles besser. Ich wage zu behaupten, dass wir es jetzt sogar einfacher haben, als Eltern von nur einem Kind. Unsere beiden spielen zusammen. Sie essen, weil das andere Kind isst. Sie schlafen parallel, planbar, immer zur selben Zeit.
Und: Während viele unserer Freunde relativ unmotiviert das zweite Kind „angehen“ (das erste soll kein Einzelkind bleiben, der Altersabstand soll nicht zu groß sein, jetzt sind wir noch im Wickeln drin…), müssen wir uns nicht zum zweiten Kind „durchringen“. – Wir haben schon zwei!
Rückblickend sind die zwei Jahre schnell verflogen. Aber ich weiß… wenn der Tag noch vor einem liegt, erscheint er unendlich lang.

Doppelter Ausnahmezustand

Als unsere Zwillinge in der 31. Schwangerschaftswoche geholt wurden, lag eine Zeit des Bangens hinter und vor uns. Wird alles gut gehen? Ohnmacht und Kampfgeist. Zwei Gefühle, die eigentlich nicht zueinander passen, aber ausdrücken, wie ich mich in der Schwangerschaft und den ersten Tagen nach der Geburt gefühlt habe. Meine Tochter kam mit nur 820 Gramm zur Welt. Ein Schock und ein Wunder. – Denn sie hat es geschafft.
Das Leben wurde ihr bereits in der 10. Schwangerschaftswoche abgesprochen. Zwei Drittel zu klein war ihre Plazenta. Bei jedem Ultraschall die Angst: lebt sie noch?
Ja, sie hat es geschafft. Und wie! Meine Tochter ist eine Kämpferin. Sie macht ihren Weg. 
Jetzt sind unsere Kinder wie die „normal“ Geborenen. Aber: Ob beide gesund zur Welt kommen, sie sich altersgemäß entwickeln, war über Monate ungewiss. Zwei meiner Freundinnen sind gerade Mama geworden. Sie fragen mich dies und das, und ich muss oft sagen: „Ich bin keine geeignete Referenzmami.“ Meine Kinder sind zehn Wochen zu früh per Kaiserschnitt geholt worden und wurden sofort auf die Neonatologie gebracht. Nach der Geburt gab es kein Kuscheln, kein an die Brust Legen. Beide wurden über Wochen sondiert. Milliliterweise wurde ihnen meine frisch abgepumpte Muttermilch über eine Sonde in den Magen geleitet. Gestillt habe ich später nur meinen Sohn, meine Tochter war nicht kräftig genug, um von der Brust zu trinken.
Ein „Familienbett“ war undenkbar. Atmung und Herzfrequenz unsere Frühchen wurden monatelang mittels Monitor überprüft.
Während frisch gebackene Eltern „normal“ geborener Kinder gerade die ersten Tage und Wochen mit ihren Babys bewusst genießen können, absolute Entschleunigung und Zeitlosigkeit erfahren, waren wir „im Radl“. Wir mussten funktionieren, pünktlich „das Programm“ durchziehen. Quasi in der Endlosschleife.

Im Radl

Hände und Brust gründlich reinigen, Hände desinfizieren.
Muttermilch in sterile Becher abpumpen, Kind 1 vom Monitor abschließen, wiegen, Gewicht notieren, Muttermilch sondieren, Kind aufstoßen lassen, umziehen, da Nahrung teilweise erbrochen wurde, erneut wiegen, um zu sehen, wie viel es im Magen behalten hat. Wickeln, während des Schlafs an den Monitor anschließen, erneut schlafend sondieren, um Erbrochenes auszugleichen.
Kind 2 vom Monitor abschließen, wiegen, Gewicht notieren, sondieren oder – sofern es genug Kraft hat – mit der Flasche füttern bzw. sogar an die Brust legen, aufstoßen lassen, erneut wiegen, um zu sehen, wie viel das Kind eigenständig von der Brust trinken konnte, nachsondieren. Wickeln, während des Schlafs an den Monitor anschließen.
Wiederholung mit jedem Kind alle zwei Stunden, nachts alle zweieinhalb bis drei Stunden.
Zehn Wochen im Krankenhaus.

Gute Rahmenbedingungen schaffen, Auszeiten einfordern und a r b e i t e n !
Bis zur Ankunft der Kinder war jedes Element unserer Wohnung wohl gewählt und geschmackvoll platziert. Heute leben wir in einem Indoor-Spielplatz. Mit Kindern ist alles permanent im Wandel, auch die eigenen vier Wände müssen den neuen Bedürfnissen angepasst werden.
Was sticht oder gar giftig ist, muss auf kurz oder lang weg. Pflanzen ade, Gitterbetten juhe! Bettchen, Babywippen und Spielbogen wurden für die erste Zeit in mehrfacher Ausführung in der Wohnung verteilt. Wenn zwei Wippen im Bad stehen, kann Mami auch mal duschen gehen!

Alles nach Plan?

Mit einem Baby läuft nichts nach Plan. Mit zwei läuft nichts mehr ohne. Seit wir Eltern sind, sind unsere Wochen durchstrukturiert. Kinderzeit, Arbeitszeit, Freizeit und nach Möglichkeit hätten wir gern auch noch ein bisschen Zeit als Paar… ja… Manches bleibt gerade in den ersten Monaten auf der Strecke, aber ein guter Plan, der nicht immer ganz eingehalten werden kann, ist besser als gar keiner.

Familienpraktikantinnen – Junge Hilfe, 2x/Woche

Beim „Zwillingstreff“ im Wiener Hebammenzentrum erhielt ich einen Tipp, den ich gern an Wiener Eltern vieler Kinder bzw. werdende Mehrlingseltern weitergebe: Die Caritas und die „Kalvarienberggasse“ bieten eine dreijährige Fachausbildung für Sozialberufe an und suchen für ihre 15- bis 17-Jährigen SchülerInnen „Lehrfamilien“. Die PraktikantInnen kommen während der Schulzeit zwei Vormittage bzw. Nachmittage direkt zu den Familien nach Hause und unterstützen bei der Betreuung der Kinder und im Haushalt.
Ich habe mich noch während der Schwangerschaft als „Lehrmutter“ beworben und mit September (unsere Zwillinge waren zu diesem Zeitpunkt drei Monate auf der Welt) zwei Praktikantinnen bekommen. Jasmine kam zwei Vormittage und Marie zwei Nachmittage pro Woche zu uns. – Ein Segen! Arzt- und Krankenhaustermine konnten stressfrei gemeinsam absolviert werden, eine Ausfahrt mit dem Kinderwagen schenkte mir ein Stündchen Zeit allein.
Im zweiten Lebensjahr, wo schon vieles leichter ging und auch die Arztbesuche bedeutend weniger wurden, haben wir auf eine Schülerin „reduziert“. Jetzt, nach Praktikumsende, bleibt Angelika mir als unregelmäßige Hilfe und den Kindern als heiß geliebte Spielpartnerin erhalten.

Webadressen der Schulen:

http://seegasse.caritas-wien.at
http://www.kalvarienberggasse.at
Die Einteilung der Praktikumsplätze erfolgt meist schon im März, April. – Also lieber früh anfragen!
Kosten: ca. 50 Euro/Monat und Praktikantin

Arbeitspause neu definiert

Schon in der Schwangerschaft war klar ausgemacht: 1x pro Woche, konkret jeden Mittwoch, ist die Mami außer Dienst. Da ist Papa- und Oma-Zeit. Punkt. Aus. Mein Mann und ich sind selbstständig. Wir können uns unsere Arbeitszeiten flexibler einteilen als Angestellte. Als Rechtsanwalt arbeitet Alexander aber 40 Stunden und mehr pro Woche. Zeitmanagement ist das Um und Auf. Ich leite jeden Mittwoch Kreativworkshops für Kinder. – Seit 12 Jahren. – Und hoffentlich noch ein ganzes Weilchen. „Nebenbei“ bin ich auch noch als Kommunikationsberaterin und Grafikdesignerin tätig. Spät abends und an den Wochenenden werden Logos entworfen, Folder und Webseiten konzipiert, Bilder retuschiert, Schönes gestaltet. Ich liebe meine Arbeit, jeden einzelnen Auftrag. Zeit für meine Projekte zu finden, war nicht immer leicht. Doch ich bin dankbar, meine Arbeit nur eingeschränkt und nie ganz aufgegeben zu haben. Jetzt, wo unsere Zwillinge in den Kindergarten kommen, können die Aufträge wieder langsam anwachsen, können die Kinderworkshops ausgebaut werden. Hurra!

Manches macht man am besten allein

So schön es ist, Kinder zu haben, Eltern zu sein: Manches macht Mami einfach besser allein: Shoppen mit zwei Babys hat keinen Fun-Faktor. Einmal habe ich unterwegs ein Kleid gesehen, das ganz dringend anprobiert werden musste. Der Versuch, den Doppelwagen unfallfrei zur Umkleide zu bringen und ihn dann auch noch in die Kabine zu integrieren, sah sicher lustig aus und hat dank weitem Vorhang auch super geklappt. Doch… wenn beide gerade dann zu brüllen anfangen, wenn man in der familienfreundlich adaptierten Kabine in der Unterwäsche da steht, fällt es schwer, noch zu beurteilen, ob einem das Kleid steht. Frau denkt nur noch: In diesem Leben brauch ich sowieso nur Schlabberleibchen und Spucktuch. Ach!
Kaufen Sie das Kleid. Sie werden es ausführen. Vielleicht nicht heute, aber spätestens in ein paar Monaten. Alle Kinder werden größer. Auch die eigenen.


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