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Alltag – Vollzeitjob mit Überstunden und Wochenendarbeit

von Mag. Irene Kernthaler-Moser

Ein Neugeborenes zu betreuen und pflegen bedeutet mindestens acht Stunden Arbeitszeit täglich, auch am Wochenende – und zwar dann, wenn das Baby es braucht. Wenn der Haushalt daneben nicht mehr perfekt läuft, ist das nicht weiter tragisch, sondern höchstens ein Anlass, sich Hilfe zu suchen.

Gratulation, liebe junge Mutter. Sie haben einen neuen Vollzeit-Job, mit garantierten Überstunden in der Nacht sowie am Wochenende. Das alles mit einem „Chef“, der sich in gar nichts auskennt und zu jeder Tages- und Nachtzeit nach Hilfe schreit. – So könnte man, nüchtern betrachtet, die erste Zeit mit Ihrem Baby zu Hause umschreiben. Gemeint ist: Das Kleine zu betreuen und zu pflegen ist nichts, was nebenbei erledigt werden könnte. Es braucht in der ersten Zeit Ihre volle Aufmerksamkeit und den größten Teil Ihrer Kraft. Und muss deshalb Vorrang vor allem anderen haben.

Das bedeutet, dass sich Ihr Leben ändert. Ordnung, Pläne, exakte Regelmäßigkeit im Tagesablauf sind mit einem Baby unmöglich. Das Kleinkind, nicht die Uhr oder ein „Stundenplan“, geben vor, was wann geschieht. Nach und nach wird sich ein neuer Rhythmus einspielen und sich auch das Kleine regelmäßiges Essen, Schlafen und Wachen angewöhnen. Zunächst aber ist vor allem Flexibilität und Improvisationstalent gefragt.

Sie selbst, der Vater und die Geschwister, müssen sich daran gewöhnen, dass das Baby in der ersten Zeit im Vordergrund steht. Das heißt auch, dass der Haushalt nicht mehr so perfekt laufen kann wie früher. Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie es nicht schaffen, die Wohnung tipp-topp sauber zu halten, den Bügelkorb leer zu bekommen oder täglich ein frisch gekochtes Essen auf den Tisch zu bringen.

Dazu haben Sie einfach nicht die Zeit: Pflege und Versorgung eines „pflegeleichten“ Babys brauchen rund acht Stunden pro Tag, und das täglich. Für Kinder mit besonderen Bedürfnissen wie z.B. Schreibabys ist oft noch wesentlich mehr nötig. Nicht zu übersehen ist dabei die große Müdigkeit junger Mütter (und oft auch Väter): Die allermeisten Neugeborenen können nicht durchschlafen, brauchen auch in der Nacht Nahrung, Hilfe und Zuwendung.

Das Gefühl, nie mehr für irgendetwas Zeit zu haben und mit nichts mehr fertig zu werden, kennen fast alle jungen Mütter. Entwickeln Sie deshalb kein schlechtes Gewissen. Überlegen Sie stattdessen, wie Sie sich das Leben erleichtern können: Was können Sie einfach bleiben lassen? Wer kann wobei helfen? Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vor allem wenn Sie Alleinerzieherin sind, versuchen Sie – möglichst schon vor der Geburt – sich ein Netz von Helfer und Helferinnen aufzubauen, überlegen Sie, welche Tätigkeiten Sie weglassen, verschieben oder außer Haus geben können.

Eine solches „Netz“ kann Ihnen auch helfen, das bei vielen jungen Müttern entstehende Gefühl der Isolation zu verringern. Es ist nicht leicht, die viele „Arbeit“, die oft große Müdigkeit und das Bedürfnis nach Kontakten „nach außen“ unter einen Hut zu bekommen. Lassen Sie sich aber auch nicht unter Druck setzen, wenn Ihnen nicht nach Besuchen ist. Was vor allem in der ersten Zeit vorrangig zählt, sind Ihre und die Bedürfnisse Ihres Kindes.

Tipps für die Mutter

  • Richten Sie sich nach Ihrem Kind. Und nützen Sie seine Schlafenszeiten für sich selbst: Schlafen Sie, lesen Sie, telefonieren Sie mit FreundInnen. Der Hausputz kann warten.
  • Auch wenn es sich um das Privatleben handelt: es ist nicht verboten diese Fragen sachlich anzugehen. Schreiben Sie einmal alles auf und besprechen Sie mit Ihrem Partner, wie er das sieht. Probieren Sie aus, was für Sie beide passen könnte.
  • Sorgen Sie vor für Tage, an denen Sie zu nichts kommen, weil Sie in der Nacht kaum geschlafen haben oder das Baby so unruhig ist. Achten Sie darauf, dass die nötigsten Lebensmittel, Kosmetikartikel und Waschmittel immer im Haus sind. Wenn Sie kochen, dann machen Sie gleich eine doppelte Portion und frieren einen Teil ein. Sie haben dann an besonders stressigen Tagen zumindest Ihre Mahlzeit griffbereit.
  • Verabschieden Sie sich von der Idee des „perfekten Haushaltes“. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie die Hausarbeiten in der Regel nicht mehr in einem Zug erledigen werden können. Es wird einige Etappen brauchen, die Küche aufzuräumen oder den Wäschekorb leer zu bügeln, weil das Baby immer wieder weint.
  • Vielleicht ist es Ihnen schon vor der Geburt gelungen ein Netz von Helfern und Helferinnen aufzubauen. So könnte Ihnen die Großmutter beim Bügeln helfen, die Nachbarin bringt Milch und Semmeln mit, wenn Sie das Haus nicht verlassen können. Der Vater kann Ihnen Großeinkäufe und viel Hausarbeit abnehmen.
  • Lassen Sie sich nicht von FreundInnen und Verwandten, die unbedingt das neue Baby sehen wollen, unter Druck setzen. Halten Sie telefonisch oder per E-Mail Kontakt, damit Sie sich nicht ganz „aus der Welt“ fühlen. Schaffen Sie sich vielleicht einen Anrufbeantworter an, damit Sie entscheiden können, wann Sie plaudern wollen.

Tipps für den Vater

  • Worüber – glauben Sie – freut sich ihre Partnerin und frischgebackene Mutter besonders, wenn sie aus dem Spital nach Hause kommt? Vielleicht über eine aufgeräumte Wohnung? Über aufgefüllte Vorräte? Über das frisch gelüftete Kinderzimmer? Vielleicht fragen Sie ihre Partnerin, was sie sich wünscht.
  • Vor allem in der ersten Zeit nach der Geburt wird Ihnen viel Geduld und Zurückhaltung abverlangt. Frauen sind dann meist sehr empfindlich, oft haben sie starke Gefühlsschwankungen. Das mag Ihnen oft sehr fremd erscheinen, aber keine Sorge: wenn sich alles eingependelt hat, dann werden Sie Ihre Partnerin wiedererkennen.
  • Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Partnerin noch sehr erschöpft und labil ist, dann sollten Sie sie auch vor Besuchen – wenn nötig auch der Großeltern – schützen.
  • Entlasten Sie Ihre Partnerin so weit wie möglich von der Haushaltsarbeit. Fragen Sie Ihre Partnerin täglich neu, was Sie ihr abnehmen können. Das kann sich auch ständig ändern. Ärgern Sie sich nicht: Sie muss sich erst auf das neue Leben mit dem Baby einstellen und rausbekommen, wie sie es am besten organisiert

Tipps für Großeltern, Tanten, Onkel, Freunde

  • Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie nicht gleich am Anfang die Mutter und das neue Kind besuchen dürfen. Die Geburt war für beide anstrengend, sie brauchen jetzt Ruhe. Ein Willkommens-Strauß, eine aufgeräumte Wohnung, ein Kuchen, der sie erwartet, kann der Mutter auch von Ferne zeigen, dass Sie sich mit Ihr freuen.
  • Bieten Sie nach Möglichkeit Hilfe an. Wenn sie angenommen wird, helfen Sie in der ersten Zeit nur bei der Hausarbeit und nicht beim Baby. Auch im Interesse das Kindes sollten sich jetzt vor allem die Eltern um das Kleine kümmern.
  • Überlegen Sie, wie Sie der jungen Mutter helfen können, ohne sie zu belasten: Nehmen Sie Bügelwäsche mit und liefern Sie sie gebügelt wieder ab. Bringen Sie Gekochtes oder Gebackenes mit, damit sie nicht selbst kochen muss.
  • Fassen Sie es nicht als Kränkung auf, wenn die junge Mutter Ruhe braucht oder die jungen Eltern mit ihrem Kind lieber allein sein wollen. Die junge Familie ist gerade damit beschäftigt sich kennen zu lernen. Sehr bald werden sich alle Beteiligten freuen Sie zu sehen!

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