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Arten internationaler Jugendaustauschprogramme – Was ist das richtige für mein Kind?

von Dipl.-Psych. Bent Richter

Langfristige Auslandsaufenthalte sind für uns beinahe schon zur Normalität geworden. Sie sind fakultativer oder verpflichtender Bestandteil einer Vielzahl von Ausbildungswegen unserer Kinder und fast schon ein fester Bestandteil unseres Lebens.
Man möchte meinen, dass ein Auslandsaufenthalt an sich Mittel zur Entwicklung einer breiten Spanne positiv besetzter Entwicklungsziele und Persönlichkeitseigenschaften geworden ist. Er soll der Überwindung von Vorurteilen und Beseitigung von Stereotypen genauso dienen wie der Persönlichkeitsentwicklung – z.B. durch die Förderung eines starken Selbstbewusstseins oder der Entwicklung von Selbstständigkeit. Zusätzlich soll er der Herausbildung gesellschaftlich anerkannter Kompetenzen dienen, wie z.B. Sprach- und Kommunikationsvermögen. Überspitzt ausgedrückt dominiert in der Umgangsauffassung stillschweigend der gemeinsame Nenner: Auslandsaufenthalte sind grundsätzlich gut – egal wann oder wie man diese absolviert.
Das stimmt als so allgemein und pauschal getroffene Aussage natürlich nicht. Sehen wir von den bei unpassend ausgewählten Aufenthaltformen einmal von den nicht erreichten Zielen (ungenügender Spracherwerb, nicht gelungener Anschluss an die Gastumgebung, etc.) ab, so ist auch die Auftrittswahrscheinlichkeit unerwünschter Folgen und Entwicklungen relativ hoch. Beispielsweise kehren jedes Jahr Jugendliche vorzeitig aus ihrem Auslandsaufenthalt zurück, weil sie den Anschluss an ihre Gastumgebung nicht schaffen – mögliche mittel- und langfristige Konsequenzen für ihr Selbstbild inklusive. Darüber hinaus gibt es klare Hinweise darauf, dass Vorurteile, Stereotypen oder kulturelle Differenzen durch unreflektiert durchgeführte Auslandsaufenthalte eher geschürt, überwunden warden – auf beiden Seiten.
Um diese ungewollten Entwicklungen zu vermeiden, sollte man sich rechtzeitig und sehr bewusst für eine Form des Austauschs entscheiden,  die den eigenen Erwartungen und Voraussetzungen wirklich entspricht. Die pauschale Herangehensweise “Auslandsaufenthalte sind gut per se” wäre in ungefähr so, als reiche es aus, sein Kind in einem Sportverein anzumelden und schon würde eine Sportlerin oder ein Sportler aus ihm. Um in einem Sport erfolgreich zu sein bedarf es einer Reihe notwendiger Rahmenbedingungen. Es muss nicht nur eine passende Sportart gewählt werden (z.B. Fußball, Turnen), es bedarf auch eines Sportvereins mit (gutem) Fußball- oder Turnprogramm, grundlegende individuelle Voraussetzungen auf Seiten des Kindes. Dazu gehören zum Beispiel eine Reihe von Entwicklungsvoraussetzungen, ausreichend Motivation und Durchhaltevermögen sowie ein geeignetes Einstiegsalter. Und es bedarf Eltern die Vertrauen in die Arbeit ihres ausgewählten Sportvereins und in ihr Kind haben. Nur dann hat man die Voraussetzungen erfüllt, um über längere Zeit gemeinsam an einem Strang zu ziehen und erfolgreich den Sport zu erlernen.
Analog des gezogenen Vergleichs gibt es bei den Auslandsaufenthalten eine Vielzahl von Austauschtarten (oder -typen) unter denen man wählen kann. Die Übersicht enthält einige  bei uns verbreitete Austauscharten – sortiert chronologisch nach angedachter Alterstufe:  
Schwerpunktzielerreicht durchSprachreisen, Sprachaufenthalte Sprachlernenspezielle Lernumgebung für Spracherwerb, oft Einbindung touristischer ElementePrivatschul- und Internatsaufenthalteakademisches Lernenspezielle schulische Lernumgebung unter
Einbindung interkultureller ElementeSchüleraustausch, Gastfamilien-, HighschoolprogrammeKulturlernen, umfassende persönliche EntwicklungEinbindung in Lebensalltag einer Gastfamilie und GastschuleArbeits- und Praktikaaufenthalte, Soziale Dienste, Au PairArbeitserfahrung im AuslandSpezifische Arbeitsumgebung,  teilweise unter Anbindung an ein FamilienlebenWork & TravelTourismus und JobbenStudien- und Universitätsaufenthalteakademisches Lernen(spezielle) akademische  Lernumgebung, oft unter
Einbindung in internationales Umfeld

Natürlich gibt es Überschneidungen im Erlernten  – auch im Sport werden einzelne Teilfähigkeiten von mehreren Sportarten geteilt und gefördert. In ihrer grundsätzlichen Ausrichtung, in den grundsätzlichen (Bildungs-)Zielen und dem Umfang der (Lern-)Erfahrung unterscheiden sich die unterschiedlichen Austauscharten jedoch sehr stark voneinander und stellen deshalb ganz unterschiedliche Anforderungen an Jugendliche, Austauschorganisation und Austauschumfeld.
Angesichts der angesprochenen Risiken misslungener Auslandsaufenthalte und gemessen an den zu deren Vorbereitung notwendigen persönlichen und finanziellen Ressourcen ist eine sorgfältige Beschäftigung mit dem Thema vorab und eine wohlüberlegte Auswahl des passenden Auslandsaufenthaltes sehr wichtig.
Wer sich gezielt Arbeitserfahrung im Ausland aneignen möchte, sollte sich über einen passenden Arbeits- und Praktikumsaufenthalt informieren und nicht erwarten, dass ein Work & Travelprogramm für einschlägige Arbeitserfahrung sorgt. Wer allerdings einfach mal weg möchte, um ein Land zu bereisen, Leute zu entdecken und nebenbei für die Reisekasse jobben möchte, für den ist dieses Programm sicherlich eine Überlegung wert.  Oder – wer sein Gastland unbedingt bereisen möchte, sollte sich besser nicht für ein Schüleraustauschprogramm bewerben, denn hier würde er diesbezüglich enttäuscht. Wer allerdings tief in das Leben seines Gastlandes eintauchen und das Leben eines grundverschiedenen Familienalltags erlernen möchte, findet beim Schüleraustausch ein Zuhause.
Drum prüfe, wer sich an ein Austauschprogramm bindet. Mit einer bewussten Auswahl des Austauschprogrammes und des passenden Zeitpunkts steigt die Chance auf einen gewinnbringenden Auslandsaufenthalt enorm – für beide Seiten. Dies allein ist natürlich noch kein Garant für den letztendlichen Erfolg – allerdings eine der wichtigsten Voraussetzungen um Entäuschungen und ungewollte Heimkehren zu vermeiden.


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