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Baby beruhigen – ein Fall für Sie oder doch auch Ihn?

von Dieter Breitwieser-Ebster

Elternbildung
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Elternbildung

Wenn Paare ein Kind bekommen, sind manche Rollen klar verteilt. Aus biologischer Sicht wächst das ungeborene Kind im Bauch der Frau heran, sie bringt es zur Welt und kann es – wenn es die Umstände erlauben – stillen. Die Rolle des nicht schwangeren Partners ist auf den ersten Blick nicht ganz so einfach. Tatsächlich kann der Vater aber, bis auf eben das Stillen, alles machen und sich um das Baby kümmern. Und das nicht nur, wenn es zufrieden gluckst, lacht oder schläft.

Stellen Sie sich vor, dass jetzt im Moment Ihr Baby schreit. Sie möchten diesen Artikel gerne zu dem Thema „Wie beruhige ich mein Baby“ lesen, um sich Unterstützung oder Tipps im Umgang damit zu holen. Sie halten das Kind im Arm und nun geben Sie zusätzlich die Schlagworte „Baby schreien Hilfe“ in eine Internet-Suchmaschine ein und bekommen 22 800 000 Ergebnisse. Es kann sein, dass Sie jetzt noch gestresster oder noch mehr überfordert sind. Mit dem Schritt, das Baby im Arm zu halten, liegen Sie aber bereits sehr richtig, wie auch in „Das PAPA-Handbuch“ von Richter und Schäfer[1] beschrieben wird. Laut dem Handbuch und auch aus eigener Erfahrung heraus, kann sich ein Kind bereits durch sanftes Herumtragen, ihm vorsingen oder vorsummen beruhigen lassen.

Babys haben BedürfnisseElternbildung

Vergessen Sie bitte nicht, dass schreiende und weinende Babys bis zu einem gewissen Grad normal sind. Sollte sich trotz aller Versuche keine Beruhigung einstellen, empfiehlt es sich, ärztlichen Rat einzuholen. Jedoch: weinen oder schreien oder auch andere Geräusche aus dem Mund eines Babys sind eine Möglichkeit, wie es die eigene Stimmung oder Bedürfnisse ausdrücken kann. Hinzukommen das Spiel von Mimik und Gestik, sowie jede Form der Freude.

Neugeborene oder Babys im Alter bis zu einem Jahr, die jetzt sofort ihr Bedürfnis befriedigt haben möchten und nicht genau wissen, was da eigentlich rund um sie herum los ist, drücken dies anders als Erwachsene und mitunter durch weinen in all seinen Facetten aus.

Ihr Baby wird das niemals machen, um Sie zu ärgern und Richter und Schäfer geben dabei zu bedenken, dass Eltern dennoch darauf mit „Hilflosigkeit, Verzweiflung oder gar Wut“ reagieren können, jedenfalls aber wird von Ihnen eine riesige Portion Geduld verlangt. Mit der Zeit werden Sie herausfinden, welches Ritual oder welche Art der Beruhigung für Sie und das Kind passend ist[2].

Die Auslöser für „schlechte Laune“ beim Kind, oder eben Schreien in den kommenden Lebensjahren sind recht ähnlich zu denen von Erwachsenen: Hunger, Müdigkeit, Hitze oder Kälte, aber auch wenn zu viele äußere Reize über den Tag verteilt aufgetreten sind oder ein nächster Entwicklungsschritt bevorsteht.

Ein zentrales Element für eine gute Entwicklung ist laut dem Schweizer Kinderarzt und Autor Remo Largo[3] „Geborgenheit und Zuwendung“. Wenn nun Ihr Kind weint oder unzufrieden wirkt, dann geben Sie ihm diese Sicherheiten, indem Sie es auf den Arm nehmen, es sanft schaukeln, selber tief durchatmen und dadurch Ruhe ausstrahlen[4].

Dieses Wissen kann für Sie schon Sicherheit geben, weil es normal ist, weil es zur Entwicklung eines Babys dazugehört und weil es für das Baby überlebenswichtig ist, sich zu melden.

Erste Hilfen, um Ihr Kind zu beruhigenElternbildung

Nach Durchsicht einiger der oben genannten 22 800 000 Google-Ergebnisse werden Sie erkennen, dass Ihnen Ihr Kind in der Regel etwas mitteilen will und dass es mit relativ einfachen Aktionen Ihrerseits zur Befriedigung der Bedürfnisse kommen kann: das Kind nah am Körper wiegen, mit ihm kuscheln, es herumtragen, ihm vorsingen, etwas zu Essen anbieten, spazieren gehen, oder ein Schnuller etc.

All diese Hilfen können von Männern gleicherweise wie durch Frauen angeboten und durchgeführt werden. Jede Person wird es jedoch ein klein wenig anders machen. Es kann durchaus vorkommen, dass Ihr Kind auf dem Arm des Vaters sich anders beruhigt, weil er es eben anders hält oder tätschelt, als dies am Arm der Mutter geschieht oder dass ein Kind durch die tiefere Stimme eines Mannes leichter zur Ruhe findet.

Aufgaben partnerschaftlich aufteilen und gemischte GefühleElternbildung

Wenn ich einen Workshop für werdende Väter leite und die Möglichkeit habe, mit den werdenden Müttern auch kurz zu sprechen, ist immer mein Wunsch an diese, sie mögen bitte den Vätern alle Aufgaben (bis auf das Stillen) zutrauen und partnerschaftlich aufteilen. Denn nur durch das Tun kann Vater oder Mutter in diese Rolle hineinwachsen und die Situationen meistern. Auch können Menschen viel leichter ein weinendes Kind an jemand anderen „abgegeben“, dem die Aufgabe zugetraut wird.

Jesper Juul spricht in diesem Zusammenhang in seinem Buch „Mann & Vater sein“ davon, dass sich Männer öfter gegenüber den Müttern als gute Väter erklären müssten. Dass ihnen in manchen Situationen nicht zugetraut wird, damit zurecht zu kommen[5].

Bevormunden, Zurechtweisen oder oftmaliges Ausbessern könnten dazu führen, dass Mann, der ein aktiver Vater sein möchte, sich zurückzieht, sich weniger einbringt und im schlimmsten Szenario die Kinderbetreuung seinlässt. Dennoch ist es äußert wichtig und empfehlenswert, sich auszutauschen, was gut funktioniert oder auch mal danebengegangen ist. Einander abwechseln gibt in schwierigen Situationen die Möglichkeit, neue Energie zu tanken, durchzuatmen, die Aufgaben partnerschaftlich zu teilen.

Neben all der Geduld, die aufgebracht werden soll, kann es aber durchaus vorkommen, dass Sie Gefühle entwickeln und verspüren, die Ihnen bislang fremd waren oder gar unangenehm sind.

Im Buch „Baby Jahre“ von Remo Largo beschreibt der Autor, dass nächtliches Aufwachen durch das Schreien des Babys Aggressionen auslösen können[6].

Die gemischten Gefühle – ob in der Nacht oder am Tag – zwischen Liebe und „hör endlich auf zu schreien“ bis hin zu Ohnmacht gegenüber einem kleinen Wesen sind eine sehr große Herausforderung für Eltern. Nehmen Sie diese Gefühle aber wahr, ernst und reden Sie darüber. Männern wird oft vorgehalten, dass sie wenig über ihre Gefühle sprechen – besonders hier geht es aber nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern um das Wohl eines anderen Menschen und womöglich um die Partnerschaft, weshalb es Mut erfordert, sich zu öffnen und an sich zu arbeiten.

Wenn Sie die Möglichkeit haben und sich abwechseln können, tun Sie das. Wir müssen nicht alleine mit allem fertig werden, holen wir uns Unterstützung und sprechen darüber (siehe weiterführende Links)! Selbst wenn Überforderung, Übermüdung, Gefühle der Wut oder Ärger normal sind – man darf es nicht am Kind auslassen. Wie oben erwähnt, handelt das Kind aus seinen Bedürfnissen heraus und nicht, weil es Sie ärgern oder wütend machen will.

Und wenn ich alleine bin?Elternbildung

Wenn man alleine ist, kann das Kind leider nicht an eine zweite, ausgeruhte Person „abgegeben“ oder eine Auszeit genommen werden, um neue Kräfte zu sammeln.

Es gilt aber auch hier, üben Sie von Beginn an! Achten Sie auf so viel Körperkontakt wie nur möglich – auch in ruhigen Zeiten und wenn Ihr Baby entspannt ist. So gewöhnt es sich an Sie und weiß, dass Sie die Person sind, auf die es sich verlassen kann, wo es beschützt und geliebt wird. Ganz unabhängig vom Geschlecht des Elternteils.

Unterschied zwischen Männern und Frauen beim Beruhigen des BabysElternbildung

Wenn sich zwei Männer um ein Pflege- oder Adoptivkind kümmern, werden sie diese Herausforderung meistern. Ganz ohne leibliche Mutter. Und genauso ist es auch in jeder anderen Partnerschaft. Jeder Elternteil wird durch Ausprobieren und es-einfach-machen herausfinden, wie das Baby beruhigt werden kann. Wenn Sie Eltern sind oder werden, dann stehen Sie immer wieder vor neuen Aufgaben, auf die Sie sich, aber auch Ihr Kind einstellen müssen und die es anzunehmen gilt. Ganz klar ist jedoch auch, dass hier kein Meister und keine Meisterin vom Himmel fällt, sondern dass es bedeutet, sich mit dem Baby, dem Alltag und mit sich selbst auseinanderzusetzen. Verlangen Sie nicht von Ihnen selbst, dass Sie alles vom ersten Tag an können. Manchmal ist Erziehung auch, sich Fehler einzugestehen und Sachen neu zu bewerten bzw. zu überdenken. Haben Sie den Mut dazu und auch, sich Unterstützung und Hilfe zu holen, wenn Sie überfordert sind oder merken, alle oben genannten Hilfestellungen beruhigen Ihr Baby nicht.

Weiterführende Links:

https://www.papainfo.at/

https://www.dmoe-info.at/ueber_uns/organisationen-ueberblick


Literatur:

Richter, Robert; Schäfer, Eberhard (2013). Das Papa-Handbuch. Gräfe und Unzer Verlag

Largo, Remo. Interview im Onlinemagazin Swissmom. Online unter: https://www.swissmom.ch/kind/praktisches/geistige-entwicklung-und-sprache/interview-mit-remo-largo/ zuletzt abgerufen am 14.01.2021

Largo, Remo (2013): Baby Jahre. Piper Verlag. 12. Auflage

Juul, Jesper (2017): Mann & Vater sein. Verlag Herder.

 

[1] Vgl. Richter, Robert / Schäfer, Eberhard (2013). Das Papa-Handbuch. Gräfe und Unzer Verlag (S. 112ff)

[2] Ebd. S. 113

[3] Vgl. https://www.swissmom.ch/kind/praktisches/geistige-entwicklung-und-sprache/interview-mit-remo-largo/

[4] Vgl. Richter, Schäfer (2013). ebd. S. 113

[5] Vgl. Juul, Jesper (2017): Mann & Vater sein. Verlag Herder. S. 135ff

[6] Vlg. Largo, Remo (2013): Baby Jahre. Piper Verlag. 12. Auflage. S. 204