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Baby led weaning – der breifreie Beikostweg

von MA Manuela Christl

Die Methode der breifreien Beikosteinführung ist eigentlich nicht neu. Publiziert wurde darüber aber erstmals von Gill Rapley, einer englischen Kinderkrankenschwester und seitdem erfreut sich dieser Weg immer größerer Beliebtheit.

Was genau ist denn nun Baby led weaning?

„Baby led weaning“ bedeutet übersetzt „vom Baby geführtes Entwöhnen/Abstillen“ und meint die Einführung von fester Beikost ab Erreichen der Beikostreife. Der Übergang von Muttermilch bzw. Milchnahrung wird bei der herkömmlichen Breimethode vor allem von den Eltern bestimmt. Bei BLW ist das anders – hier bestimmt das Kind Tempo und übernimmt die Führung selbst. Es vollzieht diese instinktiv und seinen Fähigkeiten entsprechend und entscheidet selbst, wann es damit beginnen will. Das Kind lässt sich von seinem natürlich Hungergefühl leiten und orientiert sich am Verhalten von Eltern und Geschwistern. Wenn man die gesamte Entwicklung des Kindes beobachtet, es dreht sich auf den Bauch, fängt an zu krabbeln, zu laufen und zu sprechen, wann es will, erscheint einem das Konzept von BLW durchaus logisch.
Bei BLW sitzt das Kind mit am Familientisch und isst mit was die anderen auch essen – babygerecht zubereitet. So wird das Essen nicht püriert, sondern in babyhandgerechte Portionen zerteilt, sodass das Kind es gut greifen kann. Es darf mit dem Essen spielen und es mit all seinen Sinnen erforschen, auch wenn es anfangs dabei nicht wirklich etwas zu sich nimmt. Anfangs steht nur der Forscherdrang und der Spaß an der Sache im Vordergrund – nicht das satt werden. Das Baby darf selbst bestimmen wie viel es isst und was es isst. Zusätzlich bekommt es weiterhin Muttermilch bzw. Milchnahrung nach Bedarf und bestimmt auch hier selbst den Zeitpunkt, wann es diese nicht mehr möchte.

Ab wann kann das Baby feste Nahrung bekommen?

Laut WHO-Empfehlung soll ein Baby die ersten 6 Monate ausschließlich gestillt werden bzw. Milchnahrung zu sich nehmen. Das liegt vor allem daran, dass man annimmt, dass Babys Verdauungssystem davor nicht in der Lage ist, die feste Nahrung gut zu verarbeiten und alle darin enthaltenen Nährstoffe herauszulösen. Muttermilch bzw. Milchnahrung sind leicht verdauliche Kost, die alles enthält, was das Kind in den ersten 6 Monaten an Kalorien bzw. Nährstoffen benötigt. „Wissenschaftlichen Studien zufolge erhöht sich das spätere Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen wie hohem Blutdruck, wenn Babys vor dem sechsten Monat mit fester Nahrung gefüttert werden.“ (Baby-led Weaning – das Grundlagenbuch, Gill Rapley & Tracey Murkett) Manche Babys sind auch erst später soweit und zeigen die typischen Beikostreifezeichen erst wenn sie älter sind. Die Beikostreife ist gegeben, wenn das Kind

  • mit minimaler Unterstützung aufrecht sitzen kann
  • es großes Interesse am Familienessen zeigt
  • der Zungenstoßreflex, mit dem das Baby in den Mund geratenes nach vorne schiebt, um nicht zu ersticken, stark abgeschwächt ist
  • es koordinierte Hand-Mund-Bewegungen machen kann
  • es Kaubewegungen imitiert.

Sind diese Zeichen erfüllt, kann mit dem Abenteuer begonnen werden.

Wie funktioniert nun BLW?

Das Kind wird weiter nach Bedarf gestillt bzw. bekommt weiterhin nach Bedarf Milchnahrung. So ist gesichert, dass es gut mit allem was nötig ist, versorgt ist und das Ausprobieren von Lebensmitteln zunächst als Abenteuer betrachtet werden kann, das NICHT dem satt werden dient. Wenn die Mahlzeiten eingenommen werden, sitzt das Baby sitzt im Hochstuhl oder am Schoß eines Elternteils mit am Tisch. Hände waschen vorher nicht vergessen! Es bekommt anfangs zum Beispiel ein Stück gedünstete Karotte, oder ein Brokkoliröschen. Alles was gesund ist und vom Baby leicht und sicher ergriffen und in den Mund gesteckt werden kann, ist erlaubt. Wichtig zu beachten ist, dass das Essen salz- und zuckerfrei ist. Beides eignet sich nicht für Babyernährung. Anfangs greifen Babys mit der ganzen Hand, erst später üben sie sich im so genannten Pinzettengriff (Zeigefinger-Daumen). Daher sollten die Lebensmittelstücke für den Anfang so groß sein, dass sie ein wenig aus der Babyhand hinausragen. Gemüse sollte nicht zu weich, aber natürlich auch nicht zu hart sein.  
Am Anfang steht der Forscherdrang, das Spiel, das unvoreingenommene Kennenlernen der Nahrungsmittel. Das Kind wird seine Koordinationsfähigkeiten stetig erweitern und täglich dazu lernen. An Geduld darf es den Eltern hier nicht fehlen, denn es kann schon eine ganze Weile dauern, bis das Baby auch endlich anfängt, richtig zu essen. Die Mengen sollten nicht im Vordergrund stehen, auch der Gedanke des „Milchmahlzeit Ersetzens“ hat bei BLW keinen Platz. Verschiedene Nahrungsmittel werden angeboten und vom Baby manchmal geschätzt und manchmal gänzlich abgelehnt.
Nach einigen Wochen isst das Kind mit, was für alle gekocht wurde – sofern salz- und zuckerfrei, nicht zu scharf oder ähnliches. Viele Familien berichten von einem neuen Bewusstsein für gesunde Ernährung, von dem die ganze Familie profitiert. Frisch zu kochen und auf Fertigprodukte zu verzichten, ist dabei sehr wichtig! Außerdem sollte auf Salz, Zucker und ganze Nüsse verzichtet werden.
Zur Sicherheit muss gesagt werden, dass viele Eltern sich fürchten, ihr Kind könne an einem Stück eher ersticken als an einem Löffel voll Brei. Das ist so nicht richtig. An beidem könnte ein Kind ersticken! Daher ist es notwendig, das Kind beim Essen nie alleine zu lassen, es aufrecht sitzen zu lassen und ihm keinesfalls Nahrungsmittel in den Mund zu schieben, die es nicht möchte. Einige Eltern besuchen einen Erste Hilfe-Kurs, der gibt Sicherheit und beruhigt und ist somit jedenfalls zu empfehlen.

Was sind die Vorteile von BLW?

Essen sollte immer ein Genuss sein – für die Kleinen wie die Großen! Da BLW dem Kind die Führung überlässt und eine aktive Teilnahme an den Familienmahlzeiten bietet, macht das Essen eigentlich immer Spaß. Auch wird dadurch sehr wahrscheinlich eine gesunde Einstellung zum Essen vermittelt, denn BLW ist ein sehr natürlicher Entwicklungsprozess und vertraut dem Sättigungsgefühl des Babys. Es lernt außerdem Lebensmittel mit ihren verschiedenen Konsistenzen und Geschmacksnuancen kennen und das Baby verbessert bei jeder Mahlzeit vielzählige Fähigkeiten, wie die Feinmotorik. Ein zusätzlicher Vorteil ist die Stärkung von Babys Selbstvertrauen, da es die Dinge selbst machen darf und so an Erfahrung gewinnt und kein Misstrauen dem Essen gegenüber entwickelt. Da das Kind sich von Geburt an selbst ernährt hat – stillen bzw. Milchnahrung nach Bedarf – und man ihm diese Selbstbestimmung weiterhin zugesteht, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es auch später seine natürlich Appetitkontrolle beibehält und so Übergewicht vermieden werden kann.
Als weiteren großen Vorteil ist das Bewusstsein zu gesunder Ernährung, das durch ein BLW-Baby auch bei den anderen Familienmitgliedern erzeugt bzw. gestärkt wird. Gesund und frisch zu kochen, ist nicht nur für ein Baby, sondern für jeden Menschen wichtig und wertvoll.
Bei allen Vorteilen, die BLW mit sich bringt, darf man nicht vergessen, zu erwähnen, dass BLW auch anstrengend sein kann. Und das bezieht sich vor allem auf die Sauerei, die der Forscherdrang der Kleinen anrichtet. Aber auch auf die Geduld und das Vertrauen, das Eltern für diese Art der Beikost-Einführung aufbringen müssen. Die Zügel aus der Hand zu geben, fällt Eltern oft schwer. Doch das Baby das Tempo bestimmen zu lassen, darauf zu vertrauen, dass es so viel isst, wie es braucht, ist gerade hierbei unumgänglich.

Wo kann ich mich informieren?

Das Lesen des Grundlagenbuchs von Gill Rapley & Tracey Murkett (Baby-led Weaning, Das Grundlagenbuch) ist eine sehr gute Vorbereitung auf den Weg, den man mit seinem Baby beschreiten möchte. Es gibt außerdem einige interessante Seiten zum Thema im Internet, die einen guten Überblick bieten. Einen Erfahrungsbericht zur Einführung breifreier Beikost finden Sie unter www.junikabeginntzuessen.com.


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