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Bewegung ist/macht schlau

von Mag. Barbara Witzmann

Elternbildung
Elternbildung
Elternbildung

Kinder wollen hüpfen, klettern, balancieren und sie lieben das Schwindelgefühl. Dieser natürliche Bewegungsdrang hat eine wichtige Funktion für die gesamte Entwicklung. Denn wenn Kinder sich bewegen – und damit sind alle grob- und feinmotorischen Aktivitäten gemeint – dann trainieren sie zugleich ihre geistige Fitness, sie stärken dabei ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten und sie können kreatives Potential freisetzen – kurz sie entwickeln dabei ihre gesamte Persönlichkeit.

Lebens- und Bewegungsraum heute und die Bedeutung aller SinneElternbildung

Leider wird dieser natürliche Bewegungsdrang im Kinderalltag aus vielen verschiedenen Gründen gebremst. So werden Kinder etwa nicht nur von den Eltern sondern auch von der Gesellschaft angehalten, sich möglichst ruhig und „raumsparend“ zu bewegen. Aufgrund von Zeitmangel, großer Distanzen und auch Bequemlichkeit werden viele Wege oft mit dem Auto zurückgelegt. Dabei kommen Kinder nicht nur um ihre Bewegung, sie erhalten auch eine zersplitterte kognitive geographische Karte (mental map).
Und bei Fußwegen werden Kinder – wenn es schnell gehen muss – vielfach lieber mit dem Buggy geschoben oder angehalten schneller zu gehen, denn wer mit Kindern unterwegs ist kennt das: Jeder Hauseingang, jede Balanciermauer, jede Absperrkette ist interessanter als der gerade, zielstrebige Weg. Sie bewegen sich dabei aber ganz nach dem Motto „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ und sammeln dabei wertvolle Erfahrungen. Die Straßenkultur – Kinder treffen sich mit Gleichaltrigen ohne Verabredung und ohne Erwachsene – ist stark rückgängig und ist aus heutiger verkehrstechnischer Sicht tatsächlich gefährlich.

Und vielfach stehen gerade in Stadtgebieten natürliche Spiel- und Entdeckungsräume, in denen sich Kinder frei bewegen können, nicht (mehr) zur Verfügung. Dabei ist beispielsweise das Laufen auf einem unebenen Boden – wie etwa im Wald oder auf der Wiese – ganz wesentlich für den Ausbau der koordinativen Fähigkeiten.

Die Bedeutung der SinneElternbildung

Denn Bewegungserfahrungen laufen im Zusammenspiel mit allen Sinnesorganen, wobei die körpernahen Sinne – auch Basissinne genannt – eine besonders wichtige Rolle spielen. Zu einseitige Sinneserfahrungen hingegen, bei denen etwa die meisten Erfahrungen über die beiden Fernsinne Augen und Ohren laufen, können die Entwicklung hemmen.

Bewegung ist/macht schlauElternbildung

Doch warum ist oder macht Bewegung schlau? Die einfache Rechnung „Je mehr sich ein Kind bewegt, desto schlauer wird es“ geht so natürlich nicht auf. Und wenn beispielsweise Kinder einfach nicht stillsitzen können, ständig aufhüpfen und herumtoben, dann sind sie deswegen nicht unbedingt motorisch geschickt.

Motorisch geschickte Kinder können Bewegungen gezielt einsetzen, indem sie die Bewegung beherrschen und nicht, indem sie von der Bewegung beherrscht werden. Sie können Bewegungen steuern und auch deshalb wieder bremsen. Ruhe und Bewegung wechseln sich ab und in beiden Phasen sind sie nicht fahrig sondern konzentriert – so ist ein Kind, das über einen Baumstamm balanciert, hochkonzentriert, um nicht herunterzufallen. Und umgekehrt hat man über Messungen des Hautwiderstandes festgestellt, dass bei intensivem geistigem Tun oder Arbeiten auch die körperliche Anstrengung sehr hoch ist (vgl. Pauen 1999 in: Zimmer 2004).

In einer Studie von Dordel und Breitlecker (2003), die die Aufmerksamkeitsleistung von Schulklassen untersuchte, fand man deutliche Unterschiede zwischen Klassen, die hohen und die niederen Bewegungsanteil hatten: Ohne Bewegung sank die Konzentration von der ersten bis zur fünften Stunde so weit ab, dass kaum mehr aufmerksames Arbeiten möglich war – umgekehrt wurde in den „Bewegungsklassen“ nicht nur ein Erhalt, sondern sogar eine Steigerung der Konzentration festgestellt, wobei die größte Steigerung in den Klassen war, in denen der Unterricht als bewegter Unterricht ablief (Rhythmisierung von Bewegung und Ruhe, Ergonomische Arbeitsplätze, Dynamisches Sitzen,…).
Insofern könnte Sesselschaukeln auch als Meldung des Gehirns – „Ich brauch Bewegung, um mich konzentrieren zu können“ – verstanden werden.

Motorisches Geschick erhalten die Kinder im Laufe ihrer Entwicklung in vielen kleinen Einzelhandlungen alle Sinne betreffend, die sie im Alltag in ihrem Tempo ausführen können. Sie entwickeln dabei ihre gesamte Persönlichkeit.

Begreifen geht über (Be-)greifen – Bewegung und DenkentwicklungElternbildung

Kognition ist die Fähigkeit Umweltinformationen zu erwerben, zu speichern und zu verarbeiten. Das kindliche Denken entwickelt sich über Sinneseindrücke, die über aufsteigende Nervenbahnen an das Gehirn geleitet und dort verarbeitet werden:
Im Gehirn befindet sich unser Zentralnervensystem, deren wichtigste Bausteine die Nervenzellen (Neuronen) sind. Über elektrische Signale werden Informationen zwischen den Nervenzellen ausgetauscht. Die Übertragung erfolgt Mithilfe der Synapsen in zumeist chemischer Form anhand von Neurotransmittern. Eine genaue und schnelle Übermittlung funktioniert aber nur, wenn Synapsen in „Übung“ sind, also wenn sie ständig benutzt werden: Umso häufiger Synapsen benutzt werden, umso schneller können Verbindungen hergestellt werden. Die Verbindungen zwischen den Nervenzellen werden dabei immer differenzierter und komplexer. (vgl. Zimmer 2004, Berk 2005, Spitzer 2002)

Jede Sinneserfahrung ist dabei Nahrung für unser Gehirn und jede Wiederholung einer Erfahrung beschleunigt die Übertragung: Eine Lieblingsbeschäftigung von Kleinkindern, ständig Gegenstände hinunterzuwerfen, kann demnach auch als erste Physikstunde betrachtet werden. Über das Anfassen und Abschlecken von Dingen wiederum erhalten sie notwendige Informationen über die Oberflächenbeschaffenheit von Gegenständen und üben zugleich auch Sprache (Begriffsbildung). Die Raumwahrnehmung ist eine Voraussetzung für das Schreiben und Lesen lernen und auch für einfache mathematische Operationen. So kann man beispielsweise die Buchstaben b d p q nur über seine Lage im Raum erkennen.

Im (Bewegungs-)spiel merken Kinder, dass runde Gegenstände rollen, leichte Gegenstände schneller bewegt werden können und es lernt über das Prinzip von Ursache und Wirkung, wenn es zum Beispiel über eine Wippe balanciert.

Denken ist in den ersten Lebensjahren in erster Linie aktives Handeln. Über Experimentieren, Erforschen und Erproben erschließt sich ein Kind die Welt, umso besser, wenn es im Kinderalltag möglichst oft heißt: „Please touch!“

Quellenangaben:Elternbildung

Berk, L. (2005): Entwicklungspsychologie. München: Pearson.

Dordel, S.; Breithecker, D.: Bewegte Schule als Chance einer Förderung der Lern- und Leistungsfähigkeit. In: Haltung und Bewegung (2003) 2, 5–15

Kiphard, E. (2002): Wie weit ist ein Kind entwickelt: Eine Anleitung zur Entwicklungsüberprüfung. Dortmund: verlag modernes lernen.

Spitzer, M. (2002): Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Berlin, Heidelberg: Spektrum

Witzmann, B. (2005): Purzelbaum und Klettermax: Ein Behelf für spielerische Bewegungserziehung. Salzburg: Eltern-Kind-Zentrum.

Zimmer, R. (2004): Handbuch der Bewegungserziehung. Freiburg im Breisgau: Herder.

Zimmer, R. (2006): Handbuch der Sinneswahrnehmung – Grundlagen einer ganzheitlichen Erziehung. Freiburg: Herder


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