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Christkind, Weihnachtsmann, Nikolaus…woran sollen Kinder glauben?

von Mag. Karl Veitschegger

Ein Kind wird im Normalfall die in seiner Familie übliche Weihnachtstradition problemlos übernehmen. Durch bestimmte Bräuche und Rituale, die es mit Personen, die ihm vertraut sind, vollzieht, „weiß“ das Kind, „wann das Herz da sein soll“ (A. de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz). Freilich ist es gut, wenn Eltern sich einig sind, wie sie mit ihrem Kind feiern wollen, ob sie vom Christkind oder Weihnachtsmann reden, ob sie mit dem Kind in eine Märchenwelt eintauchen oder es eher „realistischer“ anlegen wollen. Da auch Vater und Mutter von verschiedenen Traditionen kommen können, ist eine Klärung im Interesse des Kindes gut. Mit Phantasie lassen sich unterschiedliche Traditionen auch kombinieren oder sie können friedlich nebeneinander existieren: „Bei Tante Berta kommt der Weihnachtsmann, bei uns das Christkind. Schulfreund Mehmet feiert nicht Weihnachten, aber seine Familie feiert andere Feste, die auch sehr schön sind…“ Je klarer aber eine eigene Familientradition konzipiert und gelebt wird, desto leichter ist es für Kinder, andere Erfahrungen, die sie „von außen“ mitbringen, einzuordnen. Zumindest bei uns war das so.
Als wir unsere beiden Töchter bekamen, haben meine Frau und ich uns auf einige Grundlinien für das Weihnachtsfest geeinigt. Aus katholisch geprägten Herkunftsfamilien kommend, wollten wir unseren Kindern Weihnachten als das Fest der Geburt Jesu vermitteln. Wir bezeichneten den neugeborenen Jesus als „Christus-Kind“ oder auch kurz „Christkind“. Mit Hilfe einer gut illustrierten Kinderbibel erzählten wir ihnen von den Ereignissen um die Geburt Jesu und spielten diese auch immer wieder in der Wohnung nach. Ich musste den unfreundlichen Wirt darstellen, der „Maria“ und „Josef“ in Betlehem kein Quartier gab. Unter meinem Schreibtisch fand dann regelmäßig die Geburt des „Kindes“ statt, indem der Lieblingsbär aus dem Pyjama-Bauch unserer Ältesten rutschte und in einen Schuhkarton gelegt wurde, der als Krippe diente. Darüber leuchtete meine Taschenlampe als Stern von Betlehem.
Auch Eltern, die sich nicht für besonders religiös halten, können – so denke ich – ihren Kindern Jesus-Geschichten aus einer guten Kinderbibel vorlesen oder erzählen. Kinder begegnen in Jesus einer Person, die zu den Menschen gut ist, vor allem zu den Kleinen, Armen und Kranken, einer Person, die auch schwere Fehler verzeiht, die Mut zur Versöhnung macht und allen sagt, dass sie liebenswert sind. So wird Urvertrauen gestärkt. Unschwer lässt sich dann erklären: Aus Freude über das Gute, das durch Jesus in die Welt gekommen ist, feiern viele Menschen in aller Welt sein Geburtsfest – und daher gibt es auch schöne Geschenke. Manche feiern lauter, manche leiser. Für unsere beiden Kinder, die in der Stadt aufwuchsen, war trotz des wochenlangen Weihnachtsrummels der familiäre „kitschige“ Christbaum mit Lametta, bunten Kugeln, echten Kerzen und Sternwerfern immer der unüberbietbare emotionale Höhepunkt des Heiligen Abends. Die Krippe erzählte von der Geburt Jesu und .das Weihnachtsvideo mit Benjamin Blümchen fügte sich harmonisch in die Festfreude.

Wer bringt die Geschenke?

Sowohl in meiner als auch in der Herkunftsfamilie meiner Frau brachte das „Christkind“ die Geschenke, wobei nicht genauer definiert wurde, wer dieses Christkind ist und wie es das mit dem Gabenbringen anstellt. Wir glaubten also beide nie an ein Wesen, das mit dem Baum durch das Fenster fliegt. Irgendwie hatte das geheimnisvolle Christkind etwas mit dem Kind in der Krippe zu tun. Das reichte uns. Da ich eine sehr religiöse Großmutter mit aufklärerischer Tendenz hatte, wurde der Akzent in meiner Familie stark auf die Geburt Jesu gelegt. Seinem Geburtsfest, so die Großmutter, verdanken wir die Geschenke. Von daher war ich nicht sonderlich enttäuscht, als ich von Mitschülern erfuhr, dass Eltern die Weihnachtsgeschenke besorgen. Geschah doch alles irgendwie im Auftrag des „wahren Christus-Kindes“. Eltern als „Christkind“ oder Helfer des Christkindes – das hatte doch was! So vermittelten wir es später auch unseren Kindern. Auch laut Brauchtumskunde werden mit dem Wort „Christkind“ zwei verschiedene Gestalten bezeichnet: einerseits das Jesuskind und andererseits ein (oft weiblich gedachtes) engelhaftes Wesen, das die Geschenke bringt. Letzteres geht auf Krippenspiele und Weihnachtsumzüge früherer Zeiten zurück, in denen als Engel verkleidete Jugendliche an die Umstehenden Gaben verteilten. Auf diese Gabenbringer beziehen sich auch volkstümliche Ausdrücke wie „patschertes Christkindl“ oder die Frage, ob das Christkindl „wohl brav“ war. Unsere Töchter, inzwischen beide erwachsen, sagen, dass sie mit unserer Art des Feierns und des „Christkind-Erklärens“ zufrieden waren und sich eine tiefe Weihnachtsfreude bis heute bewahren konnten.
Je märchenhafter und phantastischer Eltern ihren Kindern Christkind und Gabenbescherung schildern und je mehr sie darauf drängen, dass auch alles „wirklich so ist“, desto härter kann für Kinder die eines Tages unvermeidliche Entmythologisierung ausfallen. Manche Erwachsene erzählen, wie sehr sie als Kinder enttäuscht waren, als sie, meist von anderen Kindern in Kindergarten oder Volksschule, die „Wahrheit“ erfahren mussten. Warum haben mich meine Eltern angelogen? Eine quälende Frage. Wer also in seinen Kindern den Glauben an ein Zauber-Christkind, das eigenhändig den Christbaum schmückt und die Päckchen darunter legt, weckt, muss auch überlegen, wie er später diesen Mythos aufklärt. Eine Möglichkeit sehe ich darin, einem Kind zu erklären, dass es verschiedene Arten von Wahrheit gibt. Wahr sind eben nicht nur Dinge, die wir sehen und angreifen können, wie ein Haus, ein Baum, ein Auto usw. Es gibt auch Wahrheiten, die wir Menschen nicht angreifen und wie Dinge festhalten können, die aber dennoch ungemein wichtig für uns sind: Freude, Liebe, Dankbarkeit… Und Wahrheiten, die unserem Leben Bedeutung geben, drücken wir gerne symbolisch aus – in Bildern und Geschichten. (Das tun auch die Märchen.) Und in diesem Sinn ist das Christkind, das Geschenke bringt, ein wunderbares Symbol für die Wahrheit der Liebe, der Überraschung, der Freude und damit letztlich für das große Geheimnis unseres Daseins, das uns immer wieder mit erwünschten und unerwarteten Gaben überrascht.
Für andere ist der drollige Weihnachtsmann die ideale Verkörperung der Festfreude in kalter Winterzeit. Zu unseren Kindern kam nie ein Weihnachtsmann, wohl aber der „Nikolaus“, allerdings schon am Abend des 5. Dezembers. Wir haben von vornherein gesagt, dass ein Mann oder eine Frau den Nikolaus spielt, also jenen Heiligen, der vor vielen, vielen Jahren in der heutigen Türkei gelebt und viel Gutes getan hat. Er hat auch oft das Böse besiegt. Das Böse, so erklärten wir unseren Kindern, wird durch den Krampus spielerisch dargestellt, der aber nie über die Schwelle unserer Wohnung treten darf – außer in Schokoladeform. Der Weihnachtsmann, so spann die kindliche Phantasie weiter, ist die lustige Ausgabe des „Nikolaus“, der im roten Pyjama oder Pelzanzug im Fernsehen und in den Kaufhäusern Werbung macht. Dass er sich häufig am Nordpol herumtreiben und auch ein Rentier namens Rudolph haben soll, verstörte das weihnachtliche Weltbild unserer Töchter nicht. Rudolph hieß auch einer ihrer Großväter und das verhalf dem Weihnachtsmann, auch wenn er im Ranking der Emotionen nie an das Christkind herankommen konnte, doch auch zu einigen Sympathiepunkten.


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