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Cyber-Mobbing

von DI Barbara Amann-Hechenberger

Hoffentlich ist Ihnen das noch nicht passiert: Das eigene Kind ist plötzlich verschlossen, still und zurückgezogen. Sie ahnen, irgendetwas ist vorgefallen. Eine der zahllosen Erklärungen kann sein, dass Ihr Kind Opfer von Cyber-Mobbing geworden ist.

Was ist Cyber-Mobbing?

Cyber-Mobbing ist das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen von Personen im Internet oder via Handy – meist über einen längeren Zeitraum hinweg.

Dazu werden unterschiedliche Internet- und Handydienste herangezogen – wie z. B. E-Mail, Instant Messaging, Chatrooms, Diskussionsforen, Soziale Netzwerke, Foto- oder Videoplattformen, Blogs, Anrufe, SMS, Nachrichten auf der Mailbox, Handykameras etc.

Cyber-Mobbing kommt in den meisten Fällen in Zusammenhang mit Mobbing vor. Zu den Besonderheiten von Cyber-Mobbing zählen allerdings:

  • Inhalte verbreiten sich rasch, sind einem großen Publikum zugänglich und oft nicht oder nur sehr schwer zu entfernen.
  • Cyber-Mobbing stellt einen "Rund-um-die-Uhr-Eingriff" in die Privatsphäre dar, der vor den eigenen vier Wänden nicht halt macht.
  • Personen, die andere online mobben, agieren oft (scheinbar) anonym.
  • Die Rollen der Täter und Opfer sind nicht einfach zu trennen: Attacken können sich auch in Form von Gegenattacken gegen den ursprünglichen Täter wenden.

Wie kann ich mein Kind schützen?

Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Wir können unsere Kinder nicht wegsperren, in goldene Käfige setzen oder von unangenehmen Zeitgenossen fernhalten, um sie vor Cyber-Mobbing zu schützen. Wir können aber versuchen, ihnen das notwendige Rüstzeug mitzugeben, um mit solchen unangenehmen Situationen und Erfahrungen bestmöglich fertig zu werden.

Ihr Kind sollte…

  • … erkennen können, wenn es sich in einer unangenehmen Situation befindet und bereits in einem frühen Stadium bemerken, dass "etwas nicht stimmt". Dazu ist es wichtig, dass Ihr Kind mit den eigenen Gefühlen kompetent umgehen kann. Diese ausdrücken und erzählen zu können, ist ein weiterer wichtiger Schritt.
  • … auf unangenehme Bemerkungen von Gleichaltrigen passend reagieren können. Nicht jeder Kommentar zu einem Bild, nicht jedes Posting in einem Sozialen Netzwerk etc. muss auf die Waagschale gelegt werden. Ihr Kind sollte in der Lage sein zu entscheiden, wie es auf solche Provokationen reagiert. Die Bandbreite kann dabei von "Ignoranz" bis hin zu "Hilfe holen" reichen.
  • … für sich oder Freundinnen und Freunde Hilfe holen können. Dazu zählt sowohl sich den Eltern anzuvertrauen, als auch zu wissen, welche Pädagoginnen und Pädagogen weiterhelfen können.

Alle diese Fähigkeiten müssen von klein an erlernt und geübt werden. Eine gute Vertrauensbasis, bei der Kinder sich nicht vor negativen Reaktionen oder Verboten ihrer Eltern fürchten müssen, ist eine wichtige Voraussetzung dafür.

Wie kann ich mein Kind unterstützen, wenn es Opfer wird?

Kinder, die Opfer von Cyber-Mobbing werden, sprechen oft lange nicht darüber und brauchen unter Umständen Zeit, bis sie sich an eine erwachsene Vertrauensperson wenden. Sollte man eine solche Situation vermuten, ist es daher notwendig, immer wieder Gesprächsangebote zu machen. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie zu ihm stehen und es auf jeden Fall unterstützen – was auch immer passiert.

Wendet sich ein Kind an eine erwachsene Bezugsperson, so ist es wichtig, das Kind auf jeden Fall ernst zu nehmen. Schuldzuweisungen oder Vorwürfe sind jetzt fehl am Platz ("Ich hab es dir ja immer gesagt", "Hättest du nicht…"). Zielführender ist es, gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, welche Schritte nun gesetzt werden.

Sinnvolle nächste Schritte können sein:

  • Sicherheitseinstellungen und Verhalten in Sozialen Netzwerken hinterfragen.
  • Gemeinsam überlegen: Wer könnte dahinter stehen? Eventuell die Eltern der Täter/innen ansprechen.
  • Fake-Profile und Verunglimpfungen dem Sozialen Netzwerk melden. Wenn das nicht hilft, den Internet Ombudsmann unter www.ombudsmann.at informieren.
  • In der Schule aktiv werden: Mit dem Klassenvorstand – in schweren Fällen mit der Direktion – sprechen. Hilft das nicht, die Schulaufsicht einschalten.

Weniger sinnvolle Schritte sind:

  • Von der Nutzung Sozialer Netzwerke oder des Handys abraten bzw. dies verbieten. Auch wenn ein Soziales Netzwerk oder das Handy "Austragungsorte" von Cyber-Mobbing sind, so sind das oft auch jene Orte, wo Kinder Unterstützung durch andere erhalten. Verbieten Sie das Handy oder das Internet, so unterbinden Sie auch die Kontakte zu den Unterstützerinnen und Unterstützern Ihres Kindes.
  • Mit gleicher Münze heimzahlen. Um den eigenen Zorn loszuwerden, wenden manche Cyber-Mobbing-Opfer ähnliche Vorgehensweisen an und werden damit selbst zur Täterin oder zum Täter.

Wie binde ich die Schule ein?

Immer wieder kommt es vor, dass sich Lehrende in Bezug auf Cyber-Mobbing abgrenzen wollen und darauf hinweisen, dass das private Umfeld der Kinder zuständig ist. Die Praxis zeigt, dass es sich hier um einen Graubereich handelt und unklar ist, ob die Schule reagieren muss oder nicht.

Die Schule wird vor allem dann aktiv, wenn Lehrende bemerken, dass sich Geschehnisse negativ auf den Unterricht auswirken. Der Hinweis, dass Cyber-Mobbing-Vorfälle den Unterricht stören und das Klassenklima beeinträchtigt, ist daher ein gutes Argument.

Reagieren die Lehrenden nicht und spricht sich auch die Direktion gegen eine Auseinandersetzung mit den Vorfällen in der Schule aus, so kann es sinnvoll sein, den/die Bezirksschulinspektor/in einzuschalten.

Was tue ich, wenn mein Kind Täter/in ist?

Vermutet man, dass das eigene Kind ein/e Täter/in ist, so ist – wie auch bei den Opfern – schnelles Handeln gefragt. Dazu gehört es, rasch auf das Kind einzuwirken und die Beiträge sofort zu löschen.

In einem weiteren Schritt ist es sinnvoll, in Gesprächen mit dem Kind zu eruieren, was der Grund für diese Vorgehensweise war. Ist das Kind beispielsweise davor selbst Opfer gewesen, so ist es wichtig, dass dem Kind in diesem Zusammenhang geholfen wird.

Wichtig ist aber auch, als Elternteil eindeutig Position zu beziehen und klar zu machen, dass Rache nicht der richtige Weg ist. Ein solches Verhalten muss für das Kind Konsequenzen haben. Dafür kommen z. B. unterschiedliche Formen der "Wiedergutmachung" oder zumindest eine Entschuldigung beim Opfer in Frage. Weiters sollte gemeinsam mit dem Kind überlegt werden, welche alternativen Formen der Konfliktbewältigung möglich sind.

TV Beitrag zu Cybermobbing

Am 28. Juni wurde das Thema in der ORF-Sendung "direkt – das Magazin" im Rahmen eines TV-Beitrages behandelt. Der ORF stellte uns freundlicherweise den Beitrag zur Verfügung.


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