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Das Phänomen der Händigkeit

von Mag. Erna Schönthaler

Aus frühgeschichtlichen Funden und von Höhlenmalereien ist bekannt, dass bereits der urzeitliche Mensch eine Händigkeit entwickelt hatte. Es gab Linkshänder, doch so wie heute war die Mehrzahl der Menschen rechtshändig. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die Händigkeit Gegenstand der neuropsychologischen und neurophysiologischen Forschung. Bis heute sind viele Fragen offen und dieses komplexe und facettenreiche Phänomen der cerebralen Spezialisierung beschäftigt die Forschung weiterhin. Händigkeit wird allgemein als bevorzugter und geschickterer Gebrauch einer Hand definiert. Vor allem bei Bewegungen, die hohe Geschicklichkeit erfordern und bei Tätigkeiten, bei denen eine Hand hält und die andere agiert, äußert sich die Händigkeit eines Menschen.

Unabhängig vom Kulturkreis sind etwa 15-20 % aller Menschen Linkshänder. Es gibt mehr männliche Linkshänder, wobei das Verhältnis Männer zu Frauen etwa 5:4 beträgt. In der Erbfolge wirkt sich die Linkshändigkeit der Mutter stärker aus. Wenn beide Eltern Linkshänder sind, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind die linke Hand bevorzugt bei 46%. Sind beide Eltern Rechtshänder, so liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind Linkshänder wird bei 2%. Zwillinge haben meist – jedoch nicht immer – die gleiche Händigkeit.

Bis heute konnte kein „Linkshänder-Gen“ gefunden werden, und mit einfachen Erbgesetzen lässt sich die Vererbung der Händigkeit nicht erklären. Marian Annett und Chris McManus haben in den 70er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts unabhängig voneinander begonnen genetische Modelle zu entwickeln. McManus geht davon aus, dass es auf einem Gen ein Allel mit zwei verschiedenen Ausprägungen gibt. Je nach Zusammentreffen der Allele ist ein Kind rechtshändig oder der Zufall entscheidet, ob es rechts- oder linkshändig wird. Auch bei dem Modell von Annett spielt der Zufall eine wichtige Rolle. Im Unterschied zu McManus nimmt sie jedoch an, dass nicht die Handpräferenz, sondern die Geschicklichkeit vererbt wird.

Die Forschung hat bestätigt, dass Linkshänder mit der linken Hand die gleiche Geschicklichkeit wie Rechtshänder mit der rechten Hand besitzen. In den Leistungen der nichtbevorzugten Hand übertreffen linkshändige Menschen die Rechtshänder. Erklärt wird dieses Phänomen dadurch, dass viele Alltagsgegenstände für Rechtshänder ausgelegt sind, und Linkshänder dadurch ihre rechte Hand mehr schulen als Rechtshänder ihre linke Hand.

Händigkeit in der kindlichen Entwicklung – das linkshändige Kind

Mit acht Monaten bevorzugen die meisten Kinder eine Hand beim Greifen, wenn ihnen Spielsachen vor der Körpermitte angeboten werden. Im Alter von 2-3 Jahren ist die Händigkeit des Kindes meist schon deutlich erkennbar. Beim Zeichnen, Schneiden, Kämmen, Zähne putzen, Hämmern verwendet es konstant eine Hand. In manchen Situationen experimentiert das Kind, und probiert vor allem unbekannte Tätigkeiten sowohl mit der einen als auch mit der anderen Hand aus.

Kinder sind sehr beeinflussbar und dürfen in der Entwicklung ihrer Händigkeit nicht irritiert werden. Sie sollten daher den Löffel, den Bleistift (oder ein anderes „Werkzeug“) selbst ergreifen, und weder in die eine noch in die andere Hand „gedrückt“ bekommen. Sobald ein linkshändiges Kind Interesse für die Schere zeigt, benötigt es eine Linkshänderschere. Diese Scheren sind so konstruiert, dass beim Schneiden der Blick auf die Schneidelinie frei ist, und die Schneidblätter fest aneinander gedrückt werden, damit ein exakter Schnitt möglich ist. Versucht ein linkshändiges Kind mit einer Rechtshänderschere zu schneiden, rutscht das Papier häufig zwischen den Schneidblättern durch und wird nicht geschnitten. Wenn das Kind eine vorgezeichnete Form ausschneiden möchte, schneidet es entweder neben der Linie, weil es den Strich nicht sieht, oder es nimmt eine ungewöhnliche Position ein, damit es genau schneiden kann.

Im ersten Schuljahr soll sowohl das linkshändige als auch das rechtshändige Kind eine physiologische Stifthaltung erlernen. Ein Kind, das mit der linken Hand schreibt, hat selten eine/einen linkshändige/n LehrerIn als Vorbild. Das Wissen über die richtige Blattneigung und andere Anleitungen für das Schreiben mit der linken Hand werden erst in den letzten Jahren in der LehrerInnenausbildung unterrichtet. Auch in den Fächern technisches und textiles Werken, bildnerische Erziehung und Sportunterricht muss die Linkshändigkeit eines Kindes berücksichtigt werden. Jede Technik muss entsprechend der Händigkeit vermittelt und entsprechendes Werkzeug zur Verfügung gestellt werden.

Unklare Händigkeit – Händigkeitstestung

Bei der Mehrzahl der Menschen ist die Händigkeit eindeutig: eine Hand wird bevorzugt verwendet, und diese ist auch die geschicktere. Wenn die Händigkeit eines Kindes mit fünf Jahren noch nicht erkennbar ist, sollte eine Händigkeitstestung durchgeführt und eventuell weitere Untersuchungen gemacht werden. Bei der Händigkeitstestung wird sowohl die Handpräferenz als auch die Geschicklichkeit der Hände getestet.

Das Kind wird bei verschiedenen spielerischen Tätigkeiten beobachtet. Dazu werden dem Kind einhändige Aktivitäten (z.B.: würfeln, einen Kreisel in Schwung setzen, Ball werfen) und beidhändige Aktivitäten (z.B.: einen Nagel einschlagen, Papier reißen, Büroklammern aufstecken) angeboten. Neben der Häufigkeit mit der eine Hand verwendet wird, wird auch erfasst, ob die Verwendung einer Hand vom Schwierigkeitsgrad der feinmotorischen Anforderung oder von der Lokalisation des Gegenstandes abhängen.

Der zweite Teil einer Testung ist der Erfassung der Geschicklichkeit gewidmet (z.B.: welche Hand mehr Münzen aufsammeln kann, welche Hand schneller kleine Stifte stecken und diese umdrehen kann, welche Hand in der Strichführung exakter ist). Zusätzlich zur Leistung wird auch die Qualität, die Koordination und Harmonie der Bewegung beobachtet.

Bei manchen Kindern stellt sich heraus, dass die Hand, die sie bevorzugt verwenden, nicht die geschicktere Hand ist. Ursache dafür können minimale feinmotorische Probleme sein. Diese Kinder führen einfache Tätigkeiten mit ihrer präferierten Hand und feinmotorisch schwierigere Aufgaben mit der geschickteren Hand aus. Es wird geschätzt, dass etwa 2 von 100 Kindern viele Alltagstätigkeiten mit der rechten Hand ausführen und für das Schreiben und Zeichnen bereits im Kindergartenalter die linke Hand wählen. Umgekehrt sind es wahrscheinlich etwa 2 von 1000 Kindern, deren Handpräferenz links liegt und die mit der rechten Hand schreiben. Da diese Kinder ihre Schreibhand im Alltag nicht so viel „trainieren“, erreichen sie meistens nicht die gleiche Leistung, wie Kinder deren bevorzugte Hand auch die geschicktere ist.

Bei wenigen Kindern wird deutlich, dass sie ein und dieselbe Aktivität links aber auch rechts ausführen. Wird diesen Kindern z. B. ein Kreisel rechts der Körpermitte angeboten, ergreifen sie diesen mit der rechten Hand. Liegt der Kreisel links, nehmen sie ihn mit der linken Hand.

In beiden Fälle unklarer Händigkeit ist eine ergotherapeutische Behandlung zu empfehlen. Durch gezielte Therapie steigern die Kinder ihre Geschicklichkeit und Kinder, die keine Handpräferenz haben, entwickeln eine Routine für Alltagstätigkeiten. Da dieser Prozess Zeit benötigt, sollten Kinder mit unklarer Händigkeit etwa ein Jahr vor Schulbeginn getestet werden, damit eine Behandlung rechtzeitig beginnen kann.

Ein Kennzeichen von ausgeprägter Händigkeit ist, wenn beide Hände gut zusammenspielen und einander ergänzen.


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