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Deshalb sind Märchen auch heute noch zeitgemäß…

von Folke Tegetthoff

Um sich diesem Thema zu nähern, ist es zunächst unerlässlich, einen Blick zurück zu werfen: Märchen waren, ebenso wie Sagen, Legenden, Mythen bis ins frühe 19. Jahrhundert, also gerade einmal rund 200 Jahre, ausschließlich Literatur für Erwachsene. Vor allem auch deshalb, weil der Begriff „Kindheit“ in unserem, heutigen Sinn nicht oder nur sehr vage existierte. Über Jahrtausende wurden Märchen mündlich weitergegeben, waren dadurch wie ein lebendiger Organismus, der sich stets, durch die Erzähler, verändern und weiterentwickeln konnte und deshalb sowohl in seiner Sprache und als auch Symbolik ein jeweiliges Spiegelbild gesellschaftlicher Prozesse widerspiegelte.
Märchen und Sagen hatten auch eine ganz wichtige sozialpolitische Funktion, konnten sie doch, durch ihre Symbolik, ungestraft Kritik an herrschenden Systemen üben. Konnten sie (auch) in direkter (derber) Sprache „dem Volk aufs Maul schauen“ und waren sie auch, als Reaktion auf eine immer stärken werdende Religiosität, Ventil erotischer Phantasien.
Dann kamen die Gebrüder Grimm, konservative Pädagogen, und erkannten in den Märchen ein ungeheures Potential für ihren Einsatz in der Erziehung von Kindern. Auch dies ist im Kontext mit der nun immer stärker einsetzenden Hinwendung zum Kind zu sehen – durch Schulpflicht, durch psychologische, medizinische Erkenntnisse, natürlich auch durch soziale Veränderungen entstand „Kindheit“, d.h. wurde das Kind nicht mehr nur als „kleiner Erwachsener“ gesehen, sondern als eine eigenständige Persönlichkeit mit eigenständigen Bedürfnissen.
Indem die Grimm Brüder die von ihnen gesammelten (und zum Großteil aus dem Französischen entlehnten) Märchen moralisierten, zensurierten, pädagogisierten wurde aus den ehemals „erwachsenen“ Märchen die „Kinder-und Hausmärchen“, die noch heute weltweit als Synonym für Märchen stehen.
Ohne weiter zu hinterfragen wuchsen Kinder auf allen Kontinenten über eine lange Zeit mit diesen Märchen auf – und trugen offensichtlich keinen Schaden davon. Logisch, denn Märchen transportieren – trotz und ungeachtet der Einflussnahme der Grimm – ein unbewusstes Basiswissen der Menschheit, sind ein direkter Zugang zu unserem kollektiven Unterbewusstsein, sind wie ein zu Wort gewordener genetischer Code.
Waren sie früher insofern ein wichtiges Kommunikationsmittel, als sie Wissen, Informationen, Politisches, Gesellschaftliches, Soziales, aber auch Klatsch und Klatsch transportierten, Kinder (und natürlich auch nach wie vor Erwachsene) in die Welt einführten, Muster und Regeln auf spielerische Art zu vermitteln imstande waren, so sehe ich ihre Funktion heute wieder ganz auf Kommunikation reduziert: Märchen, erzählt und/oder vorgelesen dienen heute primär als Brücke zwischen Erwachsenen, insbesondere Eltern und Kindern. In einer Zeit, in der die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen eine immer größer werdende ist, ist das Märchen, und zwar egal ob klassisch oder modern, ob als Sage oder Geschichte, das einfachste und zugleich perfekteste Werkzeug für diesen Brückenschlag. Heute, genauso wie vor hunderten von Jahren sehnen sich Kindern nach diesem direktesten Kontakt – wenn jemand sagt: Komm her, ich erzähle Dir eine Geschichte. Und das Kind in seine Arme nimmt und es in eine fremde Welt führt – mit der Sicherheit, es auch von dort wieder zurückzubringen. DESHALB sind Märchen so wichtig: Heute schenken sie das, wonach Kinder sich am allermeisten sehnen – Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit.


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