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Die besondere Situation

von Mag. Helga Bürger-Stebernjak

Rund um die Lebensmitte Kinder zu bekommen, ist kein neues Phänomen. Statt um Nesthäkchen oder Nachzügler handelt es sich aber heute häufiger um das erste Kind eines Paares. „Spät“ heißt oft einfach: „spät entschlossen“.

Heute gibt es eine große Zahl möglicher Familienformen. Die hohe Scheidungsrate ist einer der Gründe für Ein-Eltern-Familien, Stief- und Patchworkfamilien. Dadurch ist auch das Alter bei der (neuerlichen) Familiengründung sehr variabel.

Der richtige Zeitpunkt für ein Kind unterliegt mehr denn je der persönlichen Entscheidungsfreiheit. Typische Aussagen später Eltern sind:
„Es hat sich halt nicht früher ergeben.“
„Ich wünsche mir erst jetzt ein Kind.“
„Ich hatte bisher nie den richtigen Partner / die richtige Partnerin.“
„Ich war beruflich zu eingespannt.“
„Ich hatte bisher einfach andere Prioritäten.“
„Ich dachte, ich bin zu alt, und dann wurde ich plötzlich schwanger.“
„Erst jetzt fühlen wir uns reif für eine Familie.“
„Wir haben es halt drauf ankommen lassen.“
„Es hat lange nicht geklappt, und zuletzt haben wir uns für Künstliche Befruchtung / Adoption entschieden.“

Was auch immer der Grund ist: Späte Eltern sind genauso gute Eltern.

Sind wir „späte Eltern“?

In der Literatur nennt man Frauen, die nach ihrem 35. Geburtstag ein Baby bekommen, „späte“ Mütter. In Ihrer Umgebung werden Sie aber beobachten, dass diese Gruppe wächst und sich selbst nicht als „spät“ betrachtet. „Spät“ klingt eher abwertend, weil immer „zu spät“ oder „gerade noch“ mitklingen. Auch die Väter werden immer älter, aber bei ihnen wird meist gar nicht nach Lebensjahren gefragt.

Das Alter, in dem eine Mutter von Ärzten als „spät“ eingestuft wird, hat sich in letzter Zeit verschoben. Lag es früher bei 30 Jahren, ist jetzt ebenfalls der 35. Geburtstag ein Stichtag. Dabei geht es um statistische Risiken, die nichts über den individuellen Gesundheitszustand aussagen.

Eine Altersgrenze lässt sich also schwer definieren. Es geht auch um Ihr Selbstverständnis als Eltern. Die Dinge haben eben eine andere zeitliche Reihenfolge in Ihrem Leben. Wer zuerst Kinder bekommt und dann Karriere macht, wird ja auch nicht als „späte(r) Berufstätige(r)“ bezeichnet.

Was sagt die Statistik?

In vielen Industrieländern sind Mütter über 35 die am schnellsten wachsende Gruppe von Müttern. In Österreich wurden 1997 laut Statistik Austria rund 7.000 Frauen zwischen 35 und 40 Jahren Mutter, 2006 waren es bereits 11.600. In der Altersgruppe 40 bis 45 Jahre ist diese Zahl innerhalb von fünf Jahren von 1.600 auf über 2.300 angewachsen.

Auch das Alter bei der Geburt des ersten Kindes steigt seit Jahren beständig. Lag es 1991 noch bei 25,1 Jahren, war die durchschnittliche Erstgebärende 2006 schon knapp 28 Jahre alt.

Demgegenüber sinkt die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau seit 1965 stetig. Mit derzeit 1,4 Kindern hat sie sich seit damals genau halbiert.

Welche Herausforderungen kommen auf uns zu?

Grundsätzlich dieselben Herausforderungen wie auf jüngere Eltern!

Allerdings sind Sie vielleicht in einer anderen Startposition. Sie haben mit einigem Zeitaufwand Ihren Beruf, Ihre Partnerschaft und eine gewisse Routine in Ihrem Leben aufgebaut. Unabhängigkeit und Freiheiten, wie Sie sie gewöhnt waren, sind mit einem Kind schwer vereinbar. Plötzlich 24 Stunden am Tag für ein Baby verantwortlich zu sein, ist trotz aller Vorfreude ein Bruch in Ihrem bisherigen Alltag. Rechnen Sie mit Einschränkungen Ihrer Spontaneität und sprechen Sie als Paar so früh wie möglich ab, wie Sie einander konkret entlasten können.

Auch die finanzielle Situation sollten Sie im Auge behalten. Es kann zu einer Belastung werden, wenn bisher beide Partner erwerbstätig waren und ihr eigenes Einkommen hatten und eine/r jetzt weniger verdient, da sie/er den überwiegenden Teil der Kinderbetreuung übernimmt.

Je nachdem, wie fit Sie sind, kann es sein, dass Sie auch die körperlichen Anstrengungen des Elternseins stärker spüren als Jüngere. Nächtliche Schlafunterbrechungen, schreiende oder trotzige Kleinkinder, bewegungshungrige kleine Weltentdecker – all das kostet Mütter wie Väter viel Energie.

Welche Vorteile genießen späte Eltern?

Wenn Sie Ihre Familie später gründen, gehen Sie wahrscheinlich bewusster und mit größerer Sorgfalt an dieses Lebensprojekt heran. Das macht Sie zu idealen Eltern: ausgeglichen, zufrieden, tolerant und persönlich gefestigt.

Sie sind realistischer und haben gelernt, mit Schwierigkeiten umzugehen. Sie haben nicht das Gefühl, etwas zu versäumen, sondern genießen im Gegenteil die neuen Erfahrungen als Eltern. Ihre Lebensbeziehungen hatten Zeit, sich zu bewähren, und sind haltbar. Wahrscheinlich haben Sie beruflich Fuß gefasst und sind finanziell abgesichert. Späte Väter haben meist weniger Scheu, für ihr Kind beruflich zurückzustecken.

Dank dem heutigen Lebensstil und der medizinischen Versorgung stehen Sie mit Ende 30 bis Anfang 40 körperlich und seelisch am Höhepunkt Ihres Lebens. Das kommt auch Ihrem Kind zugute!

Tipps

  • Machen Sie sich bewusst, dass Sie in guter Gesellschaft sind – die Zahl der späten Eltern nimmt stetig zu.
  • Besprechen Sie miteinander die Vorteile und eventuelle Nachteile, jetzt Eltern zu werden.
  • Lassen sie sich ganz bewusst auf ihr Kind ein – und genießen Sie diese neue Lebensphase.
  • Lassen sie sich nicht von Vorurteilen anderer beeinflussen.
  • Beobachten Sie in aller Ruhe, wie unterschiedlich Eltern mit ihren Kindern umgehen.
  • Denken Sie daran, dass trotz guter Vorbereitung das Leben mit Kindern ein ständiges Abenteuer ist und nicht komplett vorbereitet werden kann.
  • Suchen Sie eine faire Lösung für Ihre finanzielle Situation, mit der beide Partner zufrieden sind.

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