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Ein beziehungsorientierter Start – Die sensible Eingewöhnung

von Mag.a Claudia Neubauer

Was ist mir für mein Kind in einer Fremdbetreuung wichtig?

Folgende Gedanken und Überlegungen sollten sich Eltern bereits im Vorfeld bei der Entscheidung einer Kinderbetreuung machen:

  • Welchen genauen Betreuungsschlüssel pro Kindergruppe gibt es?
  • Wie gestaltet sich der Tagesablauf?
    • Welche Bildungsziele werden verfolgt?
    • Gibt es eine Ruhephase und wann findet diese statt?
    • Welches Zusatzangebot oder Schwerpunkte gibt es in der täglichen pädagogischen Arbeit?
  • Welches Küchenkonzept wird verfolgt und angeboten?
  • Gibt es in der Einrichtung die Möglichkeit eines Außenbereichs (Garten, Terrasse oder umliegende Parks, Spielplätze etc.)
    • Wie erfolgt eine Fixanmeldung?
      • Nicht jede Einrichtung passt für jedes Kind beziehungsweise für die Eltern des Kindes: Daher macht es durchaus Sinn – sich vorerst zu informieren, welche Einrichtungen in der nächsten Umgebung in Frage kommen und diese auch direkt zu besuchen und zu vergleichen. Das Kind verbringt in der Regel sehr viel Zeit in einer pädagogischen Einrichtung – außerhalb des Elternhauses und daher sollte die Entscheidung und fixe Anmeldung in einer Kindertageseinrichtung gut überlegt sein.

Die sensible Eingewöhnung:

  • Die Eingewöhnungsphase gestaltet sich in der Regel – abhängig auch vom Alter des Kindes unterschiedlich.
  • Ein kindzentrierter- und beziehungsorientierter Ansatz ist allerdings zu empfehlen.
    • Dies bedeutet, dass sich die unterschiedlichen Phasen der Eingewöhnung an die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes und dem Aufbau eines Beziehungs- und Bindungsverhaltens zwischen Kind und pädagogischen Fachpersonal, außerhalb des Elternhauses, orientieren.
  • Auch wenn die Einrichtung in der Regel gewisse Handlungsabläufe sowie Empfehlungen vorgibt, hat jede Kleinkindgruppe bez. jeder Kindergarten jedoch auch gewisse Öffnungs- und Schließzeiten. Immer wieder sehen Eltern die Fremdbetreuung auch als Dienstleistung und es ist somit auch das Recht der Eltern diese Öffnungszeiten zu nutzen.
  • Aus diesem Grund ist ein reger Kommunikationsaustausch zwischen dem Elternhaus und der Einrichtung sehr wichtig, damit die Fachkräfte individuell auf die Lebensplanung der jeweiligen Familie eingehen können.
  • Es macht durchaus einen Unterschied, ob die Mutter bez. der Vater beispielsweise nach 14 Tagen der Eingewöhnung wieder Vollzeit berufstätig ist, geringfügig arbeitet, keiner beruflichen Arbeit nachgeht, oder zuhause noch ein weiteres Kind zu versorgen hat etc.
  • Zu Beginn ist daher die Zielsetzung bei der „sanften Eingewöhnung“ das jedes einzelne Kind langsam in den Tagesablauf integriert wird und nicht wie z.B. am „ersten Schultag“, dass ALLE Kinder gemeinsam zeitgleich starten.
  • Außerdem spielt auch die Anzahl der Erwachsenen vor allem in der Kleinkindgruppe eine wesentliche Rolle. Bei einem Betreuungsschlüssel von zwei bis drei Erwachsenen sowie den Eltern des neuen Kindes – ist die hohe Anzahl an Erwachsenen meist auch für die restliche Kindergruppe eine Überforderung und ein „normaler Tagesablauf“ kann somit nicht gewährt werden.
  • Daher ist es sinnvoll, dass sich die Eltern im Vorfeld genau überlegen – wer die Eingewöhnungsphase mit dem Kind begleitet und sich dafür auch die notwendige Zeit nimmt.
  • Am ersten Tag sind meist auch beide Elternteile willkommen – dies zeigt auch Wertschätzung gegenüber der täglichen pädagogischen Arbeit und Interesse von Seiten der Eltern. Allerdings ab den zweiten Tag ist es empfehlenswert, dass nur eine fixe Bezugsperson – egal ob Mutter oder Vater, oder auch Oma, Kindermädchen etc. die Eingewöhnungsphase zur Gänze übernimmt. Dies bietet auch dem Kind Klarheit und eine konstante Vorgehensweise.
  • Immer wieder zeigt die Praxis, dass es durchaus empfehlenswert ist – dass an den ersten Tagen der Eingewöhnung das Kind außerhalb der geregelten „Bringzeit“ kommt, da beispielsweise nach 9:00 bereits alle anderen Kinder in der Gruppe angekommen sind und das pädagogische Betreuungspersonal wirklich den Fokus auf das „neue Kind“ lenken kann. Ebenso ist es wichtig, dass nur der gruppenführende Pädagoge – die Pädagogin als Ansprechpartner für die Eltern der Kindergruppe zuständig ist und nicht mehrere wie z.B. Assistenten etc. Auch dies schafft Klarheit und ist für einen beziehungsorientierten Start wichtig.
  • Meist zeigen sich gerade sehr junge Kinder – ab dem ersten Lebensjahr zu Beginn sehr euphorisch und anderen Gleichaltrigen zugewandt. Sie sind gegenüber anderen Kindern in der Kindergruppe offen und sind von den neuen Eindrücken und Spielimpulsen positiv gestimmt.
  • Daher ist es ratsam immer in einer freien Spielsituation – ohne pädagogischen Angeboten zu starten. Das Kind soll die Möglichkeit erhalten die neue Umgebung zu erkunden und die Eltern bez. die Mutter kann dadurch auch mit den Betreuern und restlichen Kindern in Kontakt treten.
  • Auch sind diese Eindrücke oft eine ziemliche „Reizüberflutung“ für so kleine Kinder und deshalb sollte man die Dauer an den ersten ein bis zwei Tagen nicht überstrapazieren. Es ist immer von Vorteil, wenn das Kind an den ersten Tagen in einer positiven Situation nach max. 30-50min die Einrichtung wieder verlässt und dafür am nächsten Tag wieder gerne in die Kindergruppe zurückkommt.
  • Viele Einrichtungen arbeiten mittlerweile bei der Eingewöhnung nach dem „Berliner Modell“, welches aus sogenannten drei Phasen besteht:
    1. die Grundphase = erstes Kennenlernen und Aufbau der Grundbeziehung
    2. die Stabilisierungsphase = die erste Trennung von der Bezugsperson (Mutter, Vater, etc.) und die Stabilisierung in der neuen Umgebung
    3. die Schlussphase und Vorschau = ritualisierte Abläufe sowie liebevolle Zuwendung der neuen Bezugsperson geben dem Kind Orientierung und Sicherheit.
  • „Das Berliner Eingewöhnungsmodell nach infans (Laewen, Andres & Hedevari 2003) stützt sich auf die Bindungstheorie von John Bowlby. Die Grundlage des Modells ist die Beachtung der Bindung des Kindes an seine Mutter und der unterschiedlichen Bindungsqualitäten. In der Regel werden mit der Anwendung des Berliner Eingewöhnungsmodells ein bis ca. drei Wochen für die Eingewöhnung eines Kindes benötigt.“ BRAUKHANE,KNOBELOCH;(2011)Kitafachtexte
  • Je nach Kind sowie dem Alter des Kindes – auch abhängig davon ob das Kind erstmalig fremdbetreut wird oder bereits zuvor in einer anderen Einrichtung betreut wurde, ist es sinnvoll je nach Befinden des Kindes die Zeitsequenzen täglich zu erweitern. Je weniger Zeit die Bezugsperson (Mutter, Vater, Großmutter) zur Verfügung hat – desto rascher müssen die Sequenzen gesteigert werden.
  • Aus pädagogischer Sicht (Berliner Modell) ist die Empfehlung, spätestens ab dem vierten Tag das Kind kurz alleine in der Kindergruppe zu beaufsichtigen. Die Bezugsperson sollte allerdings die Einrichtung nicht ganz verlassen und jederzeit für das Betreuungspersonal erreichbar bleiben.
  • Auch ist nicht jeder Tag, hinsichtlich der Trennung gleich und es kann sein, dass an manchen Tagen das Kind bereits länger alleine in der Gruppe bleibt und an anderen Tagen wieder kürzer.
  • Im Schnitt sprechen wir von einer Zeitdauer von ca. zwei bis drei Wochen, in welcher das Kind nach und nach immer längere Zeitsequenzen alleine die Kindergruppe besucht.
  • Diese Phase ist vor allem wichtig, damit das Kind – die Pädagogin oder den Pädagogen als weitere Bezugsperson annimmt und sich nach und nach ein Bindungsverhalten bilden kann.
  • Fast immer kommt es nach ca. zehn Tagen nochmals zu einem emotionalen Einbruch und Trennungsschmerzen sind die Folge. Davon sollte man sich als Elternteil nicht abschrecken lassen. Dies ist ein „normaler Abnabelungsprozess“ und das Kind hat langsam verinnerlicht, dass dieser „ritualisierte Tagesablauf“ nun täglich wiederkehrt.
  • Oft ist dieser Prozess des Loslösens und Abgrenzens gerade aber auch für die Mutter oder den Vater schwierig und mit vielen Emotionen verbunden.
  • Je mehr Vertrauen die Eltern in die tägliche pädagogische Arbeit des Fachpersonals haben, desto einfacher ist es auch für das Kind und die Eltern selbst diese neue Situation der Fremdbetreuung anzunehmen.

Wie können Kinder von ihren Eltern im Vorfeld unterstützt werden?

  • Es ist sinnvoll, bereits vor der Eingewöhnung in einer Kindertagesbetreuung den Kontakt mit gleichaltrigen Kindern zu pflegen und zu fördern.
    • z.B. regelmäßiger Besuch in Spielgruppen oder Spielplätzen
  • Angleichung des täglichen ritualisierten Tagesablaufes der Einrichtung wie z.B. die Essenszeiten oder den Mittagsschlaf auch zuhause übernehmen.
  • Ein wichtiger „Abnabelungsprozess“ ist auch die Umstellung der Ernährung des Kleinkindes, da bei einer Fremdbetreuung nicht immer auf alle Bedürfnisse und Vorlieben beim Essverhalten Rücksicht genommen werden kann.
    • Im Vorfeld bereits das Wochenmenü der Einrichtung studieren und eventuell dieses auch im eigenen Haushalt integrieren.
    • Es empfiehlt sich auch das Kind zuvor bereits abzustillen, da meist gerade durch das Stillen eine sehr enge Bindung zwischen Mutter und Kind gegeben ist und dies ebenso meist die Eingewöhnungsphase verlängern kann.

Weitere Überlegungen, die sich Eltern stellen sollten?

  • Bin ich selbst bereit – mein Kind ein Stück weit „los zu lassen“ und inwieweit bin ich für andere Bezugspersonen, gegenüber meinem Kind, offen?
  • Wie gehe ich als Elternteil damit um, wenn mein Kind zu Beginn viel weint und Trennungsschmerzen hat?
  • Was genau ist mir als Mutter oder Vater wichtig und was wünsche ich mir für mein Kind? Dies sollte auch dem Kind klar formuliert werden wie z.B.
    • Ich freue mich für Dich, dass Du nun andere Kinder – gleichaltrige zum Spielen hast.
    • Ich weiß, dass es Dir dort gefallen wird, weil wir für Dich diese Einrichtung ausgewählt haben.
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Start in eine Kindertageseinrichtung und welche Aspekte sollten beachtet werden?
    • Veränderungen im Tagesablauf aufgrund von Wiedereinstieg ins Berufsleben, einem weiteren Geschwisterkind, Umzug etc.
    • Wann ist eine Urlaubsplanung sinnvoll – vor oder nach einem gelungenen Start in der Fremdbetreuung?
  • Mit welchen Betreuungskosten muss monatlich gerechnet werden?
    • Sind diese auch für einen längeren Zeitraum (wie z.B. bei einem geplanten Familienzuwachs)finanzierbar, damit das Kind eine konstante Kindergartenzeit hat und ein weiterer Neustart vermieden werden kann?
  • Wieviel Vertrauen habe ich in die pädagogische Arbeit der Fremdbetreuung und akzeptiere deren Ratschläge und Vorgangsweisen?

„Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist“
TENZER, A: (*1954), deutscher Philosoph und Pädagoge

 

Quellen:

  • BRAUKHANE, K. KNOBELOCH, J:„Das Berliner Eingewöhnungsmodell – Theoretische Grundlagen und praktische Umsetzung“, unter
  • https://www.kitafachtexte.de/uploads/media/KiTaFT_Braukhane_Knobeloch_2011.pdf(abgerufen am 17.10.2017).
  • G. HAUG-SCHNABEL, S. (12.überarbeitete Aufl. 2016) in: Kindergarten heute; wissen kompakt; Themenheft zu fachwissenschaftlichen Inhalten; Kinder unter 3 – Bildung, Erziehung und Betreuung von Kleinstkindern; HERDER

Büchertipp:

  • BURAT-HIEMER, E. (1. Aufl. 2011) Ein gelungener Start in die Kita: Behutsame Eingewöhnung von 0-3-Jährigen; Cornelsen
  • LAEWEN, H.J; ANDRES, B.(4. Aufl.2003) Die ersten Tage – Ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege; Cornelsen 

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