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Einfach mal machen lassen!

von Mag. Miriam Reichel

Selbstverwirklichung und inhaltliche Verantwortung  anstatt stringenter CVs und Führungspositionen – die Karrierevorstellungen der Generation Y haben sich verschoben. 
„Der Gedanke, jemals Schriftsteller zu werden, lag mir damals […]fern;  – und schon durch das väterliche Beispiel und Vorbild war mir die ärztliche Laufbahn in jenen jungen Jahren als unausweichlich und hoffnungsvoll vorgezeichnet.“  Diese Zeilen stammen aus der Feder eines bedeutenden österreichischen Schriftstellers. Arthur Schnitzler beschreibt darin rückblickend, wie sich seine  beruflichen Zukunftsvorstellungen während seiner Jugend in den 1870er Jahren gestalteten. Mit einem gleichsam erfolgreichen wie angesehenem Arzt zum Vater, konnte sich der junge Mann, trotz seiner  sich bereits deutlich bemerkbar machenden Leidenschaft und des Talents für Dichtung, nichts anderes vorstellen, als ebenfalls die väterliche Laufbahn einzuschlagen und Medizin zu studieren.  Aber damals, vor über 130 Jahren, herrschte im Wiener Bildungsbürgertum doch noch ein völlig anderes Verständnis von Kindeserziehung als heute, möchte man meinen.  Schließlich war Autoritäten noch widerspruchslos  zu gehorchen, höhere Bildung ein Privileg, ein geradliniges Curriculum Vitae mit möglichst steilem Aufstieg der Karriereleiter das Nonplusultra.
Tatsächlich scheint sich bis heute, zumindest punkto Erstrebenswertigkeit  eines stringenten Karriereweges entsprechend der elterlichen Vorstellungen  in den Köpfen vieler Menschen noch recht wenig getan zu haben. Das Jus-Studium der Staatsanwalts-Tochter stellt sich nach einigen Semestern doch nicht als das Richtige heraus? Lieber trotzdem zu Ende machen, als an das Jungunternehmer-Hirngespinst des Nachwuchses zu glauben. Durchbeißen statt dem Bauchgefühl zu folgen, zur Sicherheit. Und im Lebenslauf sieht es letztendlich auch besser aus. Cat Stevens besingt das ewige Dilemma zwischen „auf die Eltern hören“ und „den Nachwuchs einfach mal machen lassen“ auch in seinem berühmten Song „Father and Son“.  Dort belehrt der Vater seinen Sohn:  „You’re still young, that’s your fault, there’s so much you have to know“. Nie wird der Sohn widersprechen können, reicht doch sein Erfahrungshorizont, gemessen in Lebensjahren,  niemals an den des Vaters heran.
„Nicht mit uns!“, wehrt sich die so genannte „Generation Y“, wenn man so will, die Bildungselite der 2010er Jahre. Antiautoritär erzogen und bestens ausgebildet, weit gereist und „digital native“, selbstständig und selbstbewusst  scheint sich die Vorstellung von „Karriere“  für die heute auf den Arbeitsmarkt drängende Generation der 20 bis 30-jährigen verschoben zu haben. So ist für die Arbeitsmarkt-Newcomer ein möglichst hoher Rang in der beruflichen Hierarchie  laut einer  Studie des Deutschen Führungskräfteverbandes ULA  (2012) wenig  erstrebenswert.  Die Generation Y wünsche sich von ihrer beruflichen Zukunft  hingegen flache Hierarchien, inhaltliche Verantwortung und  die Möglichkeit zur Work-Life-Balance.
Bestätigt wird dieses Bild auch durch die Online-Berufsorientierungsplattform whatchado.net (http://www.whatchado.net). In derzeit über 450 Kurzinterviews erzählen dort Berufstätige von ihrem Karriereweg sowie den Licht- und Schattenseiten ihres Jobs. Mittels Online-Fragebogen, dem „Interessensmatching“ (http://www.whatchado.net/matching) kann man sich aus der Vielfalt der Videos auch gezielt jene herausfiltern lassen, die am besten zu den eigenen Interessen und beruflichen Vorstellungen passen. Was sich beim genaueren Hinsehen zeigt, ist erstaunlich: Unter den Werdegängen der Interviewpartner stellen lineare Lebensläufe zunehmend die Ausnahme dar.
Hingegen versuchten sich viele der Befragten im Laufe ihrer Karriere in den unterschiedlichsten Tätigkeiten, um am Ende bei jenem Beruf zu landen, der ihnen aus heutiger Sicht am meisten entspricht.  Womöglich wären sie jedoch ohne die Ausschläge in ihrem Karriereweg niemals dort gelandet.  Besonders viel erfährt man über die Persönlichkeit der Interviewpartner bei ihren Antworten auf die Frage nach den Ratschlägen an ihr 14-jähriges Ich. Hier empfiehlt der Großteil der Befragten, punkto Karriereplanung seine eigenen Träume zu verwirklichen, auf sein Herz hören und sich nicht von anderen beeinflussen oder von seinem Weg abbringen zu lassen.
Die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung im Arbeitsleben nimmt also insbesondere für die jungen Arbeitnehmenden einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Am Ende des Monats zählt nicht nur der Nettobetrag am Lohnzettel, sondern mehr denn je auch das Maß an Identifizierbarkeit mit dem beruflichen Alltag in all seinen Facetten.  Damit dies möglich wird, muss der gewählte Beruf den eigenen Interessen, Fähigkeiten und Zukunftsvorstellungen so nahe wie möglich kommen, nicht denjenigen der Eltern oder Großeltern, so gut sie es mit dem Nachwuchs auch zu meinen glauben.


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