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Erziehungsstile – den eigenen Weg finden

von Barbara Dolak

Erziehungsstile gibt es viele. Eltern entwickeln im Laufe der Zeit individuelle Grundhaltungen, die abhängig von eigenen Wert- und Normvorstellungen, Erfahrungen und Umwelteinflüssen sind. Was wir alle gemeinsam haben, sind intuitive Verhaltensweisen, die die Basis für gelingende Erziehung darstellen.
„Kinder müssen mit Erwachsenen sehr viel Nachsicht haben.“
(Antoine de Saint-Exupéry, französischer Flieger u. Schriftsteller) 
… und oft müssen auch Erwachsene mit sich selbst sehr viel Nachsicht haben – besonders Eltern. In dem Moment, wo wir zum ersten Mal ein Kind anvertraut bekommen, entsteht ein übergroßes Bedürfnis, möglichst alles zu tun, um dessen Entwicklung zu unterstützen, es zu beschützen und zu begleiten, wo immer es geht. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist die Zeit der Elternschaft geprägt von Zweifeln, Ängsten und Sorgen, denn sehr schnell bemerken wir: Patentrezepte gibt es nicht.

Eltern-Werkzeug

Beruhigend ist, dass wir Menschen mit einem gewissen Rüstzeug ausgestattet sind, um diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen – der intuitiven elterlichen Kompetenz. Dabei handelt es sich um eine Verhaltensbereitschaft, die seit Beginn der Menschheitsgeschichte unser Überleben sichert. Diese Fähigkeiten sind prinzipiell in uns verankert und werden beim Kontakt mit dem Baby sehr schnell sichtbar.
Wir nehmen kindliche Signale schon bei Neugeborenen wahr und können Gefühle wie Freude, Wut oder Angst am Kind unmittelbar richtig verstehen. Entsprechend reagieren wir darauf angemessen und zeigen je nach Situation Trostverhalten, beginnen mit dem Kind zu spielen oder zu kuscheln, pflegen oder beruhigen es. Dazu verwenden wir ganz automatisch unsere Stimme, unseren Gesichtsausdruck und unsere Gestik, benutzen intuitiv die richtige Körperhaltung und nehmen automatisch den passenden räumlichen Abstand zum Kind ein. Dabei bleibt die Aufmerksamkeit so lange auf das Kind gerichtet, bis die elterliche Reaktion das Kind entsprechend stabilisiert hat. Auch das Baby und später das Kleinkind hilft mit. Es zeigt durch sein Verhalten – es beruhigt sich, zeigt Freude oder Zeichen der Entspannung –  dass es verstanden wurde und die Eltern genau das Passende gemacht haben. Man spricht vom positiven Feedbacksignal des Kindes. Diese förderliche Eltern-Kind-Interaktion wird auch als „Engelskreis“ (nach M. Papoušek) bezeichnet. Es handelt sich also um ein System, das darauf ausgerichtet ist, sich der aktuellen Situation, der Persönlichkeit, dem Entwicklungsstand und den Bedürfnissen des Kindes laufend anzupassen. Eltern sein muss man eigentlich nicht lernen, man bekommt es als Intuition in die Wiege gelegt. 
Wie effizient genau dieses Werkzeug eingesetzt werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Verschiedene Umstände können uns den Zugriff auf die elterlichen Kompetenzen erschweren. Aktueller Stress oder Ablenkung, besonders belastende Lebensphasen beispielsweise, traumatische Erfahrungen in der eigenen Lebensgeschichte, oder auch die starke Beeinflussung von verschiedenen äußeren Meinungen und Empfehlungen können die ursprünglichen intuitiven Handlungsimpulse blockieren und lassen häufig Unsicherheiten entstehen.

Erkennen Sie sich wieder?

Stellen Sie sich folgendes Beispiel vor:

Die Sonne scheint, am Spielplatz treffen sich Anna (4 Jahre) und Valentin (3 Jahre) in der Sandkiste. Nach kurzem Taxieren erfolgt Annäherung und schließlich wird gemeinsam an einem Sandkuchen gebaut. Doch die Harmonie ist von kurzer Dauer… es kommt zu einem Streit um eine herrenlose blaue Schaufel. Was passiert?

  • Situation 1: Annas Vater steht bereits in den Startlöchern. In dem Moment, als er den Konflikt kommen sieht, greift er bereits verbal ein und redet auf die Kinder ein. Er versucht erst, die beiden mit mitgebrachten Reiswaffeln abzulenken. Valentins Mutter ist gerade mit Telefonieren beschäftigt und dem Geschehen abgewandt. Schließlich halten beide Kinder in einer Hand jeweils eine sandige Reiswaffel, die jeweils zweite Hand versucht die blaue Schaufel an sich zu ziehen – der Konflikt bleibt bestehen. Nachdem Annas Vater die sandigen Reiswaffeln wieder entfernt hat und Annas Mund mit einem Feuchttuch reinigt, beginnt Valentin zu jammern. Er ruft nach seiner Mutter. Diese hat das Telefonat bereits beendet, bemerkt aber bei den Schaukeln eine Bekannte und beginnt eine Unterhaltung. Annas Vater versucht in der Zwischenzeit, seine Tochter dazu zu überreden mit der grünen Schaufel zu spielen. Unterdessen wird Valentins Jammern dringlicher und lauter. Er versucht, Anna wegzuschubsen. Annas Vater überzeugt seine Tochter schlussendlich, den Spielplatz zu verlassen und eine blaue Schaufel zu kaufen. Die Begegnung findet ein Ende, Valentin bleibt allein in der Sandkiste zurück und läuft kurz darauf zu seiner Mutter.
  • Situation 2: Annas Vater beobachtet den aufkeimenden Konflikt. Annas Mutter ist mit Telefonieren beschäftigt und  hat dabei den Blick auf Valentin gerichtet. Die Kinder versuchen beide, die blaue Schaufel zu bekommen. Sie äußern dies zuerst jeweils gegenüber dem anderen Kind, Anna wendet sich dann aber ihrem Vater zu. Dieser reagiert mit der Frage: „Ihr möchtet beide mit der blauen Schaufel spielen?“ Anna bejaht, Valentin ruft nach seiner Mutter. Diese beendet ihr Telefonat und erkundigt sich nach der Situation. Sie hört zu und schlägt dann vor, dass zuerst Anna drei Minuten mit der Schaufel spielen darf und dann Valentin an der Reihe ist. Sie zeigt den Kindern die Stoppuhr auf ihrem Handy und zögerlich willigen beide ein. Annas Vater lächelt die Kinder an und ermutigt Anna, Valentins Abwarten anzuerkennen. Schon nach zweieinhalb Minuten übergibt Anna die blaue Schaufel an Valentin.

Was ist passiert?

In der ersten Situation bringt Annas Vater sehr viele neue Reize in die Situation ein ohne die Fähigkeiten der Kinder einzubeziehen. Valentins Mutter reagiert gar nicht auf die Signale ihres Sohnes. Sie ist zwar physisch anwesend, an der Situation jedoch in ihrer elterlichen Präsenz nicht beteiligt. Der Vater tut zu viel und die Mutter zu wenig. Beides hilft den Kindern nicht in ihrem Konflikt weiterzukommen.
In der zweiten Situation halten sich beide Eltern in ihrem Eingreifen zurück, bis deutliche Signale ihrer Kinder kommen (Blickkontakt, verbale Aufforderung). Sie machen klar, dass sie die Lage der beiden verstehen, Lösungsansätze werden vorgeschlagen und ausgehandelt. Auf Ablenkung wird verzichtet. Die Kommunikation bleibt aufrecht und die Situation wird begleitet, bis der Konflikt gelöst ist.
Aus diesen Beispielen ergeben sich also drei unterschiedliche Verhaltensweisen: 

  • Die Eltern greifen zu stark ein. Man spricht auch von überregulierendem elterlichem Verhalten. Eltern können Kindern auch zu viele Anregungen geben, dann spricht man von überstimulierendem Verhalten oder sie agieren überkontrollierend, die Eltern übernehmen also zu viel Kontrolle. (Annas Vater, Situation 1)
  • Die Eltern erkennen nicht, dass ihr Kind Unterstützung braucht und reagierten unterregulierend. Sie geben zu wenige Anregungen, wobei man von unterstimulierendem Verhalten spricht, oder sie verhalten sich unterkontrollierend. (Valentins Mutter, Situation 1)
  • Wenn Eltern verstehen, was ihr Kind braucht und ihm genau so viel Unterstützung oder Anregung geben wie es braucht, dann spricht man von adäquatem elterlichem Verhalten. (Valentins Mutter, Annas Vater, Situation 2)

In Eltern-Kind-Beziehungen findet man meistens alle drei Verhaltensweisen. Kaum eine Mutter oder ein Vater zeigt durchgehend adäquates elterliches Verhalten. Immer wieder haben wir selbst mit alltäglichen Umständen zu tun, die uns in unserer Aufmerksamkeit den Kindern gegenüber ablenken, die uns Signale übersehen lassen. Verschiedene Auslöser können auch dazu führen, dass wir unsicher oder ängstlich sind und dies zum Beispiel mit Überbehütung zu kompensieren versuchen. Ausschlaggebend ist, wie wir überwiegend agieren. Daraus ergibt sich auch der jeweilige Erziehungsstil. 

Die eigene elterliche Kompetenz stärken

Unabhängig davon, wie der eigene Erziehungsstil konkret aussieht, herausfordernd ist Erziehung in jedem Fall. Häufig kommt es zur Blockade unserer intuitiven elterlichen Kompetenz, wenn wir starken Stress haben oder psychisch stark belastet sind. Eine erste Maßnahme kann die Inanspruchnahme von Hilfe sein. Manche Babys sind für Eltern auch schwerer zu verstehen wie z.B. Schreibabys“. Kinder, die an einer Krankheit leiden oder ein Behinderung haben, stellen Eltern vor besondere Herausforderungen und das intuitive Verhalten führt zu keinem befriedigenden Ergebnis.
Sehr oft sind es aber auch persönliche Beziehungserfahrungen, die uns in der Kindererziehung beeinflussen. Außerdem kann die Fülle an Informationen, die aus dem Umfeld aber auch aus Ratgebern oder in Form von Fachmeinungen kommen, verwirrend und verunsichernd sein. 
Der Austausch mit anderen Eltern kann eben diese Unsicherheiten reduzieren. Auch Elternbildungsveranstaltungen bündeln meist die Fülle an Informationen zu verschiedenen Eltern-Themen und dienen ebenso der Stärkung elterlicher Kompetenz. Professionelle Beratung oder Begleitung können uns in Krisenzeiten unterstützen.
Doch bei allen Angeboten von außen gilt es nicht zu vergessen, dass niemand so geeignet ist Kinder zu erziehen und zu begleiten, wie deren Eltern. Die Tatsache, dass Eltern ihre Kinder mit ihrer ganz eigenen Persönlichkeit, ihren Stärken und Schwächen und ihren Bedürfnissen am besten kennen und der Fakt, dass Eltern von Grund auf intuitive Kompetenz besitzen ist die Grundlage für eine gelingende und zufriedenstellende Erziehung. 


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