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Fernsehen von Geburt an? – Entwicklungspsychologische Voraussetzungen

von Mag.a Michaela Kienberger

Sobald sie krabbeln können, versuchen sie, sich zum Fernsehgerät hinzubewegen. Bereits in diesem Alter beachten sie vor allem die Sendungen, die sie mögen und erkennen diese an der Anfangsmusik. Rund um das erste Lebensjahr fangen Kleinkinder an, sich zu Musik aus dem Fernseher zu bewegen und die Figuren im Apparat anzusprechen. Die Aufmerksamkeit wird aber nur für kurze und einfache Sequenzen mit geringem Tempo aufrechterhalten. Zweijährige kommentieren das Gesehene und imitieren Handlungen. Sie können Figuren auseinanderhalten und ihre Lieblinge benennen. Wiedererkennen spielt in dieser Entwicklungsphase eine wichtige Rolle. Im dritten Lebensjahrt wird die Aufmerksamkeitsspanne für medial vermittelte Inhalte deutlich länger und die Attraktivität des Fernsehens für Kinder steigt. Für Eltern stellen sich in dieser Zeit neue Fragen. Sie überlegen, wie viel und welcher Medienkonsum gut für ihre Kinder ist, ob Fernsehen für die Kleinsten schädlich oder förderlich ist und wie sich Fernsehverstehen eigentlich entwickelt.

Der Entwicklungspsychologe Michael Charlton beschäftigt sich mit den Anfängen der Medienkompetenz. Für ihn führen drei Entwicklungslinien zu einem angemessenen Mediengebrauch des Kindes. Als Grundvoraussetzung die Entwicklung der kommunikativen Kompetenz, um überhaupt kommunizieren zu können. Die Entwicklung der kognitiven Kompetenz, um den Sinn des Medienangebots verstehen zu können und die Entwicklung der emotionalen Kompetenz, um interessierende Themen auswählen und bedrohliche Themen abwehren zu können. Das Bilderbuch ist weltweit und schichtenübergreifend immer noch das Leitmedium im Kleinstkindalter. Noch bevor das Kind sprechen kann, wird mit seiner Hilfe die Basis jeder Kommunikation, nämlich das Zeigen und Benennen, gefestigt. Für das Kleinkind verbindet sich dabei der Wunsch nach gemeinsamem Tun beim Vorlesen mit dem Interesse zu lernen, indem es das Gesehene mit Begriffen verbindet. Die Wahrnehmungsentwicklung hängt eng mit der Sprachentwicklung zusammen. Das Bilderbuchbild hat den Vorteil, dass man sich beliebig lange über jeden Gegenstand unterhalten, vor und zurückblättern und dazu unterstützend auf etwas zeigen kann.

Im Laufe des zweiten Lebensjahres beginnt sich die zweite Voraussetzung zum kompetenten Medienumgang zu entwickeln, nämlich die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinversetzen zu können. Um ein mitempfundenes Gefühl auf den eigentlich Betroffenen beziehen zu können, muss der Beobachter eine Ich-Andere Unterscheidung treffen, z.B. ein Kind sich selbst im Spiegel erkennen können. Die Welt aus der Perspektive einer anderen Person sehen zu können ist eine kognitive Fähigkeit, die sich erst ab dem vierten Lebensjahr schrittweise entwickelt. Eine weitere für einen sinnvollen Fernsehkonsum notwendige Voraussetzung ist die Fähigkeit, Erzählungen rekonstruieren und selbst erzählen zu können. In Fernsehgeschichten sieht sich ein Kind mit verschiedenen Personen oder Figuren konfrontiert, die unterschiedliche Handlungen setzen und im Zuge dieser Abläufe gleichzeitig oder auch hintereinander auftauchen. Oft laufen Erzählungen in Medien nach einem bestimmten, genrespezifischen Aufbau ab, wie z.B. ein Märchen. Am Ende des dritten Lebensjahres können Kinder das „Drehbuch“ bestimmter Ereignisse, z.B., die des Weihnachtsfestes, wiedergeben, Das genügt aber noch nicht, um Medienformate, wie z.B. die Werbung, identifizieren und in ihrer kommunikativen Absicht einordnen zu können. Im Falle der Werbung gelingt das den meisten Kindern erst am Ende der Kindergartenzeit, bei typhischer Erwachsenengenres noch wesentlich später.

Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren konzentrieren sich beim Zusehen auf einzelne Aspekte. Die geordnete und zeitliche Abfolge des Filmverlaufes hat jetzt noch wenig Bedeutung, die Kinder erinnern sich vor allem an ihnen bekannte Einzelheiten. Vorschulkinder können filmischen Handlungen oft zwar nicht zur Gänze folgen, aber sie können sie lustig finden, sie „erleben“ und ihnen Bedeutung zuweisen. Ein Kind nimmt das wahr, was ihm subjektiv wichtig ist und was es auf dem Hintergrund seiner Erfahrung interpretieren kann. Das bedeutet auch, dass Kinder anders wahrnehmen als Erwachsene und z.B. „Tom und Jerry“ nicht brutal, sondern lustig finden. Umgekehrt ist es nicht immer das scheinbar Harmlose, oder in den Augen der Erwachsenen qualitativ Wertvolle, das Kinder weniger belastet. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Charlton ist daher die Entwicklung der emotionalen Kompetenz, die es Kindern ermöglicht, sie interessierende Themen auswählen und bedrohliche Themen abwehren zu können. Für jedes Kind schaut das persönliche Bedrohungserlebnis jedoch anders aus. Verbindliche allgemeingültige Aussagen darüber was beängstigend wirkt, sind schwer zu treffen. Anders als die kognitive und kommunikative Kompetenz entwickelt sich die emotionale Kompetenz bei jedem Kind sehr individuell und kaum vorhersehbar. Generell kann man aber feststellen, dass bedrohliche Szenen, die einen Bezug zum eigenen Alltag des Kindes haben, Ängste auslösen können. Zum Beispiel, wenn sich Eltern streiten oder wenn ihnen ein Unfall passiert. Plötzliche laute oder gruselige Geräusche in Fernsehsendungen lösen ebenfalls Unbehagen aus.

Besonders schädlich ist sehr realistisch dargestellte Gewalt. Reality-TV, Nachrichtenprogramme und gewalthaltige Filme für Erwachsene sowie Programmhinweise für solche sind nicht für Kinder geeignet. Besonders problematisch ist die Darstellung von Misshandlung, Krankheit und Tod von Kindern, aber auch Gewalt in mysteriösen oder unbegreiflichen Kontexten, wie in diversen Hexen- und Zauberer-Formaten. Kinder können sich davon sehr schwer distanzieren oder rationale Erklärungen heranziehen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass Kinder nicht Gewalthandlung selbst, sondern die Folgen beim Opfer bewerten und daher der Schaden und nicht die Absicht entscheidend ist. Daher sind Bilder von leidenden Opfern für kleine Kinder nicht verkraftbar. Darüber hinaus ist die Wahrnehmung von Gewalt abhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Umfeld – vor allem aber auch von der eigenen Gewalterfahrung. Wie Fernsehen und der folgende Verarbeitungsprozess generell immer in die unmittelbaren Beziehungen und das Erleben des jeweiligen Kindes integriert und davon beeinflusst ist. Daher sind Empfehlungen bezüglich Einstiegsalter oder der Dauer des Fernsehkonsums nur unter Beachtung dieser individuellen Parameter auszusprechen:

  • Kinder unter drei Jahren sind damit beschäftigt, die wirkliche Welt zu erkunden und zu begreifen. Direkter Kontakt mit Bezugspersonen und Spielerfahrungen mit „echten“ Dingen sind in diesem Alter das Wichtigste. Wenn Fernsehen, dann in überschaubare Einheiten, d.h. eine Sendung, höchstens 20 Minuten, besser 10 Minuten für die Kleinsten und gemeinsam mit einem Elternteil.
  • Für Dreijährige eine halbe Stunde/Tag, am besten in zwei Portionen mit Pause und ebenfalls gemeinsam mit Erwachsenen oder älteren Geschwistern.
  • Vier- bis Sechsjährige sollen höchstens 45 Minuten am Tag fernsehen. Wenn der Computer dazukommt, sollte dieses Budget für die Gesamtnutzungszeit nicht überschritten werden. Auch sie sollten noch bei ihren Medienerlebnissen begleitet werden.

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