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Geschlechtssensible Erziehung in den Familien

von Mag.a Natalie Bayer-Chisté

Jedes Kind – unabhängig von seinem Geschlecht – hat individuelle Charakterzüge, Talente, Bedürfnisse und Vorlieben. Aus neuropsychologischer Sicht weiß man heutzutage wie ungemein wichtig es für eine gute Entwicklung ist, die Bedürfnisse der Kinder zu erkennen und richtig einzuordnen. Je unvoreingenommener es Eltern gelingt sich auf ihre Kinder einzulassen, umso besser. Starre Erwartungen, genaue Vorstellungen wie Kinder sein sollten haben zumeist schlechten Einfluss auf die psychischen Entwicklungspotenziale und den Selbstwert der Kinder. Kinder können sich in weiterer Folge nicht frei entfalten.
Viele Eltern bemühen sich um eine gendergerechte Erziehung. Sie denken darüber nach, wie ihre Kinder offene, vorurteilsfreie Menschen werden können. Wie sie die Geschlechtsidentität ihres Sohnes oder der Tochter stärken können, ohne irgendwelchen gesellschaftlich geprägten Klischees zu folgen. Gelingen kann die Umsetzung dieses Wunsches, wenn Eltern ihr Rollenverhalten und das ihrer Umwelt reflektieren und im Alltag zum Thema machen. Und das ist wirklich gar nicht immer einfach. Eltern, Verwandtschaft, KindergartenpädagogInnen, Lehrer, Freunde aber auch Zeitungsbilder, Werbungen, Fernsehen und Bücher beeinflussen Kinder täglich. Eltern und Kindern werden auf vielen Ebenen suggeriert, wie tolle Frauen oder tolle Männer scheinbar zu sein haben. Schlägt man einen Spielzeugkatalog auf, weiß man gleich was für „coole“ Jungs oder eher für „brave“ Mädchen gedacht ist. Aus der Sozialpsychologie wissen wir, wenn die Umgebung das Geschlecht in irgendeiner Weise thematisiert dann hat das Auswirkungen auf den Geist, Verhalten und die Wahrnehmung vor allem auch auf die Selbstwahrnehmung. 

Über das Unbewusste

Besonders hoch ist der Einfluss unbewusster Haltungen und unausgesprochenen Einstellungen der Bezugspersonen auf das Kind. Kinder übernehmen in viel größerem Ausmaß was „nicht gesagt“, aber doch in subtiler Weise ausgedrückt wird, sogar dann wenn es möglicherweise der ausgesprochenen Meinung der Eltern wiederspricht. Gerade über Buben und Mädchen tragen Eltern eine Vielzahl unbewusster Vorstellungen in sich. Diese zeigen sich im Alltag etwa durch einen weniger begeisternden Tonfall, weniger echter anteilnehmender Aufmerksamkeit, Unsicherheiten von Vater oder Mutter bei bestimmten Tätigkeiten oder Spielen. So gibt es Buben die schon im erstaunlichen Alter von Drei jedes vorbeifahrende Auto am Motorgeräusch erkennen während es die Töchter im selben Alter nicht können. Hier geht es nicht um unterschiedliche Talente von Mädchen und Buben sondern ganz einfach um die vermehrte Freude und Zuwendung des Vaters, wenn er den Sohn auf die Geräusche aufmerksam macht und die Tochter nicht. Von den Kindern wird verinnerlicht wer von den Eltern mit wirklicher innerer Überzeugung mit ihnen am Boden balgt, sporteln geht, die Jausenbrote schmiert, ihnen die Nase putzt oder sie beim Einschlafen tröstet. Wer von den Eltern erledigt spontan den Abwasch, das Auswechseln der Glühbirne im Kinderzimmer oder repariert das Legoauto. Wie viele unbewusste Motive wir in uns tragen, belegen Studien in erschreckender Weise, wenn sie aufzeigen wie unterschiedlich Eltern bereits mit Ihren Neugeborenen umgehen, je nachdem welches Geschlecht es hat. Es gibt geschlechtssensible Unterschiede in der Art wie und in welchem Ausmaß sie mit den Babys sprechen, ihre Gefühle bewerten  oder ihre Fähigkeiten einschätzen. Auch wie viel Körperkontakt und Kuscheleinheiten ein Kind bekommt hängt davon ab, ob es ein Bub oder ein Mädchen ist. Buben bekommen nach wie vor von Anfang an mehr Autos und Werkzeuge, Mädchen mehr Puppen und Haushaltsutensilien. Auch wenn Eltern aktiv dagegen steuern sammeln sich diese Geschenke von Omas, Opas und Tanten unweigerlich an.

Doch wie entwickelt sich nun die Geschlechtsidentität eines Kindes?

Auf der Suche nach der eigenen Geschlechtsidentität neigen Kindergartenkinder manchmal dazu, die typischen Rollenklischees der Geschlechter zu überzeichnen. Vielen Mädchen-Eltern wird die „Rosa-Glitzer-Prinzessinnenphase“ ein wohlbekannter Begriff sein. Plötzlich wollen die kleinen Damen bei jeder Wetterlage rosa Kleidchen tragen und stöckeln in Mamas Schuhen mit funkelnden Ketten und Krönchen geschmückt durch das Kinderzimmer, das rosa gestrichen werden musste. Je funkelnder und kitschiger desto besser. Eine Phase, die bei manchen Eltern auf wenig Begeisterung und Verständnis stößt, da die Sorge aufkommt, dass die eigene Tochter so gar nicht gleichberechtigt in ein oberflächliches Barbie – Frauenbild hineingleitet. Und die Buben? Auf der Suche nach dem, was einen typischen Mann ausmacht wird gekämpft, gerauft und mit Autos und Baumaterial gespielt. Jeder Stock und jede Paprolle wird zur Pistole umfunktioniert mit der dann wild herum geballert wird. Puppen und mädchenhaftes ist „bäh“. Manche Eltern tun sich schwer mit diesem scheinbar aggressiven und wilden Verhalten. Groß ist die Sorge andererseits von manchen Bubeneltern, wenn ihr Sohn auch plötzlich Mamas Nagellack probiert, sich als Prinzessin verkleidet oder gar in einem Kleid in den Kindergarten gehen will.
Doch was steckt wirklich hinter dieser überzeichneten Welt in rosa oder blau? Im Laufe der Entwicklung der Geschlechtsidentität wird kleinen Kindern sehr bald bewusst, welchem Geschlecht sie angehören. Dass dieses jedoch konstant und langfristig gleichbleibend ist, verstehen sie erst im Laufe der Zeit. So kann eine Aussage wie „Warum hast du ein blaues Leiberl an – bist du denn ein Bub?“ eine Dreijährige sehr verwirren und verunsichern – „Bin ich plötzlich ein Bub oder kann ich einer werden, wenn ich mich anders kleide/ verhalte?“ Gerade weil sie noch so unsicher sind, klammern sich Kinder häufig an oberflächliche Äußerlichkeiten, die ihnen bei der Orientierung und Kategorisierung helfen – also helfen, die Welt zu verstehen: Männer haben kurze Haare, Frauen lange; Männer tragen blau, Frauen rosarot. Es geht hier auch um das Ausprobieren verschiedener Rollen – auch mal die Rolle des anderen Geschlechts- und das Verstehenlernen der Umwelt.
Erst, wenn die Entwicklung der Geschlechtsidentität fortgeschritten ist und verstanden wird, dass Geschlecht nicht von solchen Merkmalen abhängig ist, können die Kinder darauf verzichten, sich an solche Klassifikationshilfen zu klammern.
Das heißt eine wirklich gendergerechte Erziehung ist ein sich ständig wandelnder Prozess. Umso mehr gilt es wachsam zu sein und seine eigenen Wünsche und Wertvorstellungen (und die des Lebensumfeldes) an die Tochter oder den Sohn zu reflektieren und mit den Bedürfnissen der Kinder abzugleichen und gemeinsam zu besprechen. Eltern sind immer das Vorbild, an dem Kinder sich orientieren und von dem sie lernen. Und letztendlich ist nicht wichtig ob wir Frauen und Männer gleich oder unterschiedlich sind, ob das eine besser und das andere schlechter ist. Wir sind alle Menschen mit unterschiedlichen Begabungen, Fähigkeiten und Bedürfnissen und die gilt es zu respektieren. Wir müssen nicht alle gleich sein sondern ergänzen uns in unserer Einzigartigkeit. Jeder sollte die Möglichkeit haben, offen seinen eigenen Weg zu gehen unabhängig davon, ob er zufällig als Mann oder Frau geboren wurde.


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