Zum Inhalt Zum Menü
Farbiger Bogen Farbiger Bogen Ei Schwerpunktthemen Zahnrad Lupe Share on Twitter Twitter Logo Share on Facebook Facebook Logo Share via E-Mail E-Mail Pfeil lang Pfeil nach unten Pfeil nach links Pfeil nach rechts Karte mit Marker Newsletter Links Bestellservice Literaturtipps Studien Elternbildung Login/Logout Hand Schließen Marker mit Hand YouTube Ei-Rahmen für Bilder info forum head helpdesk home info list logout message student task upload add burger burger_close courses delete download edit check link media preview preferences-elearning image share play-store-icon app-store-icon

Geschwisterkinder – Herausforderung und Bereicherung im familiären Medienalltag

von Mag.a Michaela Kienberger

Die Mediensozialisation eines Kindes hängt demnach eng damit zusammen, was die Geschwister tun, sie sind sich Modelle für positives und negatives Verhalten. Das führt zu Auseinandersetzung, in Form von gemeinsamen Medienhandeln und Gesprächen darüber, aber ebenso in Form von Streit über Verfügbarkeit und Auswahl.

Medienwelten und Familiensysteme sind eng miteinander verknüpft und nicht selten übernehmen Medien Aufgaben im Familienmanagement. Sie schaffen Zeit für Ruhe ebenso wie für Arbeit, ersetzen den Babysitter und manchmal die Krankenschwester. Sie kommen von morgens bis zum Zubettbringen der Kinder zum Einsatz und begleiten diese beim Entspannen, Spielen und Lernen. Verantwortung der Eltern ist es, das Ausmaß des Medieneinsatzes zu steuern und die Art und Weise des Umganges sowie die Inhalte zu bestimmen. Wie in anderen Fragen der Erziehung auch, stellen sich den Eltern in der Praxis der Medienerziehung andere Aufgaben als erwartet. Die Mehrheit der Mütter und Väter gibt an, dass sie bei ihren erstgeborenen Kindern noch eher ihre ursprünglichen Konzepte umsetzen konnten, als bei ihren weiteren Kindern. Probleme in der Medienerziehung verändern, bzw. vermehren sich mit steigender Kinderzahl. Jüngere Geschwister streben vor allem danach, das Gleiche zu dürfen oder mitzumachen, wie ihre älteren Geschwister und diese werden auf ihre Rechte pochen und altersorientierte Forderungen anmelden.

Es ist keine einfache Aufgabe den Medienkonsum von Kindern unterschiedlicher Altersklassen entwicklungsgemäß und gleichzeitig gerecht für alle zu regulieren und es gibt keine allgemeingültigen Patentrezepte. Wichtig ist, gemeinsame Absprachen zu treffen, eine Balance zwischen Verbotenem und Erlaubtem zu finden und situationsbedingt jedem Kind attraktive Alternativen zum Medienkonsum anbieten zu können. Dabei sollten Eltern beachten, dass diese Vereinbarungen regelmäßig neu adaptiert werden und nur solche Regeln wirksam werden, die die Kinder verstehen und deren Berechtigung sie akzeptiert haben. Hilfreich dabei ist, dass das Zutrauen in die Kompetenz der Kinder mit den Erfahrungen der Eltern mit jedem Kind wachsen. Sie sind ExpertInnen für ihre Kinder und wissen am besten, was für diese geeignet ist und was nicht. Die theoretischen Informationen über den richtigen Umgang mit Medien für Kinder, woher auch immer gespeist, werden in der Praxis zum Wissen über das Beste für das eigene Kind. Diese gewonnene Erziehungssicherheit führt zu mehr Gelassenheit mit dem Thema Medien, zu mehr Zutrauen und Zumuten. Eltern sollte aber bewusst sein, dass es sich hier um ein sensibles Grenzgebiet handelt. Das Hinzukommen eines neuen Familienmitgliedes fordert nicht nur neue Strategien, sondern überfordert oft auch Eltern und Kinder. So berichten Eltern auch davon, dass sie aus organisatorischen Gründen, weil es die Umstände erfordern oder manchmal aus Bequemlichkeit Dinge im Umgang mit Medien akzeptieren würden, die sie beim ersten Kind noch anders, meist strenger, gehandhabt hätten. Es geht dabei um Inhalte, die jüngere Geschwisterkinder im Vergleich früher sehen dürfen, um den ersten Kontakt mit Medien oder um die Zeitspanne, die mit einem Medium oder Inhalt, verbracht werden darf.

Geschwisterkinder steigen also früher und anders in das Mediengeschehen ein, weil sie mit dem Medienhandeln, dem Medienbesitz ihrer Geschwister sowie Sachzwängen in einer Familie konfrontiert sind. Das birgt aber auch Vorteile. Ältere Geschwister müssen sich auch aus einer anderen Perspektive, aus der des Vermittlers, mit einem Medium bzw. dessen Inhalt auseinandersetzen. Sie stärken am Lehren ihr Selbstwertgefühl und können durch das Weitergeben ihres Wissens an jüngere Geschwister immer wieder dazulernen. Die jüngeren Geschwister wiederum profitieren durch die besonderen Vermittlungsarten, die Kinder untereinander anwenden.

Medienkompetenz wird damit auf beiden Seiten gefördert. So ist z.B. das gemeinsame Fernsehen, unabhängig von Alter und Geschlecht, ein reichhaltiger Fundus an Gesprächsthemen zwischen Geschwisterkindern. Die Identifikation mit Medienhelden der Älteren wird von den jüngeren Geschwistern übernommen und weitergepflegt. Auch der Umgang mit Medien und ihren Inhalten wird über Geschwister vermittelt. Zum Beispiel lesen vor allem ältere Schwestern ihren jüngeren Geschwistern gerne vor, oft schon in spielerischer Art und Weise, bevor sie selber lesen können. Oder sie spenden Rat und Trost bei Unsicherheiten und Angst auslösenden Szenen im Fernsehen, indem sie etwa medial erzeugter Angst emphatisch begegnen und ihr momentan etwas entgegensetzen. Geschwister können sich ganz anders ineinander hineinversetzen, holen einander dort ab, wo sie gemeinsam stehen und vertrauen auf das Urteil des anderen. Sie sind sensibel für den sprachlichen und geistigen Entwicklungsstand ihrer jüngeren Geschwister, passen ihnen ihr eigenes Sprachverhalten an. Sie sind näher dran an den Gefühlen, die das Gesehene, Gehörte, Gelesene auslösen mag. Sie teilen ihre Sprache und die Art des Erlebens. Während Eltern sich kognitiv mit einer Aufgabe beschäftigen, geschieht das bei Kindern handelnd und spielerisch. Im Zusammensein mit ihren Geschwistern lernen sie die Gedanken und Gefühle des Geschwisters zu durchschauen, richtig zu deuten und darauf bestmöglich zu reagieren. Geschwister lieben sich und streiten viel und mögen dabei das Gefühl zusammen zu sein und sich gemeinsam die Welt zu erschließen. Medien sind ihnen dabei ein Hilfsmittel unter anderen, die sie gemeinsam auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden einsetzen.


Kommentare

Derzeit gibt es noch keine Kommentare zu dieser Stimme


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Mehr erfahren