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JUGENDCOACHING – Beratung für Jugendliche am Übergang von der Schule in den Beruf und Unterstützung bei der Heranführung an die Ausbildungspflicht

von Mag. Thomas Eglseer

Bildung und Ausbildung spielen eine zentrale Rolle wenn es um die Integration in den Arbeitsmarkt geht. Junge Menschen mit guter Ausbildung werden seltener arbeitslos und haben später höhere Verdienstmöglichkeiten. Um die Bildungs- und Ausbildungschancen junger Menschen in Österreich zu erhöhen, wurde im August 2016 das Ausbildungspflichtgesetz in Kraft gesetzt. Künftig müssen alle Personen unter 18 Jahre nach der Pflichtschule eine weitere Schule besuchen oder eine Ausbildung machen. Die Ausbildungspflicht ist Kern der Initiative AusBildung bis 18 und gilt erstmals für jene Jugendlichen, deren Schulpflicht 2017 endet.

Jugendcoaching ist ein zentrales Programm, das unterstützend hinsichtlich der Ziele der Ausbildungspflicht tätig ist. Das Angebot setzt am Übergang von der Schule in den Beruf an und trägt dazu bei frühzeitige Aus(Bildungs)abbrüche zu verhindern. Ebenso versucht das Jugendcoaching Jugendliche, die aktuell keiner Ausbildung (Schule, Lehre), Weiterbildung oder Beschäftigung nachgehen, wieder zurück in AusBildungssysteme zu bringen.

Die Übergangsphase von der Schule in den Beruf ist für die Jugendlichen, aber auch die Erziehungsberechtigten herausfordernd. Wo liegen meine Stärken und Fähigkeiten? Welche Ausbildung ist für mich geeignet? Welchen Beruf könnte ich ergreifen? Ich bin ausbildungspflichtig, weiß aber nicht was ich tun soll? Ich habe Probleme – woher bekomme ich Hilfe? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen die jungen Menschen. Jugendcoaching bietet dabei den Jugendlichen und Erziehungsberechtigten professionelle Beratung und Unterstützung insbesondere bei der Entscheidung über ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg. Das Betreuungsangebot umfasst darüber hinaus die individuelle Unterstützung in persönlichen und sozialen Problemfeldern der Jugendlichen, welche die Ausbildungsfähigkeit behindern können. Ziel ist es, anhand von Stärken und Fähigkeiten der Jugendlichen die idealen nächsten Schritte zu planen und so den erfolgreichen Übertritt ins zukünftige Berufsleben zu ermöglichen.

Wer kann Jugendcoaching in Anspruch nehmen?
Das Coaching richtet sich sowohl an abbruchsgefährdete/orientierungslose Schüler und Schülerinnen ab dem 9. Schulbesuchsjahr als auch an Jugendliche bis zum vollendeten 19.Lebensjahr (19. Geburtstag), die sich nicht mehr in einem AusBildungssystem (Schule, Lehre, etc.), einer Weiterbildung oder Beschäftigung befinden. Jugendliche mit einer Behinderung bzw. einem so genannten sonderpädagogischen Förderbedarf können das Jugendcoaching bis zu ihrem vollendeten 24. Lebensjahr (24. Geburtstag) in Anspruch nehmen. Jugendliche, die der Ausbildungspflicht unterliegen können sich gleichfalls an das Jugendcoaching wenden.

Wie läuft das Jugendcoaching ab?
Nach der Kontaktaufnahme wird in einem Erstgespräch durch den/die Coach zunächst abgeklärt, wo der „Schuh drückt“ und ob bzw. wie das Jugendcoaching weiterhelfen kann. Erscheint es sinnvoll, dann wird ein individueller Beratungstermin mit dem/der Jugendlichen vereinbart. Wenn es vom Jugendlichen gewünscht ist, können die Erziehungsberechtigen in den Coaching-Prozess miteinbezogen werden.

Das Jugendcoaching basiert auf einem Stufen-Modell, je nach Intensität und Dauer der Beratung:

In Stufe 1 geht es in erster Linie um Weitergabe von Informationen, mit denen Jugendliche unter Umständen selbstständig die nächsten Schritte gehen können. Häufig ist es hier mit ein paar wenigen Gesprächen getan. Benötigt der/die Jugendliche allerdings intensivere Unterstützung, dann gibt es die Möglichkeit der Stufe 2 oder 3.

In Stufe 2 gibt es eine detaillierte Beratung zum Thema Berufsorientierung, aber auch Hilfe zur eigenen Entscheidungsfindung, wohin die „Reise“ gehen soll – Lehre oder Schule oder man braucht Lösungen für persönliche Probleme… Die Beratungsleistung kann maximal 6 Monate in Anspruch genommen werden.

In Stufe 3 findet der/die Jugendliche in einem intensiveren Coachingprozess gemeinsam mit dem Berater oder der Beraterin heraus, wo die Stärken und Fähigkeiten liegen und es wird an den eigenen (beruflichen) Vorstellungen für die Zukunft gearbeitet.

In Stufe 2 und 3 sollen praktische Erfahrungen in der Ausbildungs- und Arbeitswelt durch „Schnuppern“ z.B. in Betrieben gesammelt werden. Insgesamt kann das Jugendcoaching bis zu etwa einem Jahr dauern. Die Beratung erfolgt in allen Fällen auf freiwilliger Basis und sie ist kostenlos! Jugendcoaching dient allerdings nicht dazu, Lern- und Nachhilfe zu geben, Deutschkurse anzubieten, in Schuldenfragen, bei Suchtproblemen, oder in psychosozialen Notfällen zu unterstützen, sondern die Jugendcoaches übergeben in solchen Fällen in Form einer qualifizierten Weiterverweisung an die zuständigen Professionen und Stellen.

Im Rahmen Ausbildungspflicht für Jugendliche unter 18 Jahre kommt eine weitere Stufe (Stufe 0) hinzu, die Heranführung an die AusBildung bis 18. Hier geht es primär um die Kontaktaufnahme zum/zur ausbildungspflichtigen Jugendlichen bzw. zu ihren Erziehungsberechtigten und eine gezielte Weiterverweisung an Angebote durch die die Ausbildungspflicht erfüllt wird. Jugendliche, die die Pflichtschule mit dem Schuljahr 2016/2017 beenden, bilden die erste ausbildungspflichtige Alterskohorte.

Wie komme ich zum Jugendcoaching?

  • Über die Schule: In den meisten Schulen (Hauptschule, Neue Mittelschule, Allgemein- und Berufsbildende mittlere und höhere Schulen, etc.) ist den Lehrerinnen und Lehrern das Jugendcoaching bekannt und sie können den Kontakt zwischen dem/der Jugendlichen und dem/der Jugendcoach herstellen. An vielen Schulen ist ein/e Jugendcoach zu bestimmten Zeiten auch vor Ort und kann den/die Jugendlichen direkt in der Schule beraten.
  • Über Beratungseinrichtungen: Jugendliche und/oder Eltern können sich direkt an die Jugendcoachingeinrichtungen in ihrer Nähe wenden, wo dann die Beratung stattfindet. Darüber hinaus sind Jugendcoaches teilweise auch direkt in Jugendzentren tätig.
  • Eine Übersicht über die Jugendcoaching Anbieter im jeweiligen Bundesland inklusive Kontaktmöglichkeiten findet sich auf der NEBA-Website http://www.neba.at/jugendcoaching
  • Auskünfte zum Thema Übergang Schule – Beruf sowie zur Ausbildungspflicht (AusBildung bis 18) erteilen Koordinierungsstellen in den Bundesländern. Serviceline: 0800 700 118 (kostenlos) oder per Mail: Info@AusBildungbis18.at. Ein Überblick zu den einzelnen Koordinierungsstellen kann von der Website der BundesKOST heruntergeladen werden: http://www.bundeskost.at/kooperation/regionale-koordinierungsstellen.html

Jugendcoaching ist ein Angebot des Sozialministeriumservice und wird seit dem Jahr 2013 in allen Bundesländern angeboten. Es etablierte sich in kurzer Zeit zu einem Vorzeigemodell im Bereich Übergang Schule-Beruf. Im Jahr 2016 boten in Österreich 35 Einrichtungen Jugendcoaching an, knapp 490 Coaches waren im Einsatz. Es wurden 45.132 Teilnahmen im Jugendcoaching verzeichnet. (Quelle: MBI-Daten Sozialministeriumservice, BundesKOST)

Weitere Angebote des Sozialministeriumservice, die Jugendliche am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt unterstützen sind: Produktionsschule, Berufsausbildungsassistenz, Arbeitsassistenz und Jobcoaching. Alle Leistungen sind unter der Dachmarke NEBA (Netzwerk Berufliche Assistenz) zusammengefasst. Informationen dazu finden Sie unter www.neba.at

Für Auskünfte steht auch das Sozialministeriumservice zur Verfügung: www.sozialministeriumservice.at, Telefon: 05 99 88 (kostenlos)

 

 


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