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Kinder achtsam ins Leben begleiten

von Dr. Luitgard Derschmidt

Elternbildung
Elternbildung
Elternbildung

Wir Menschen kommen  einfach zu früh auf die Welt. Ein Neugeborenes ist darauf angewiesen, dass es  versorgt wird, sonst wird es seine  Geburt nicht lange überleben. Dabei geht es nicht nur um füttern und wickeln. Eigentlich wird das Fundament für eine stabile, selbstbewusste Persönlichkeit schon in den ersten Monaten des Lebens gelegt. Alles das, was unser Kind braucht, um die Herausforderungen des Lebens gut zu meistern, muss es von den  ersten Augenblicken seines Lebens an lernen. Man kann auch später noch nachlernen, wenn die ersten Gelegenheiten verpasst werden, aber das ist viel schwieriger und aufwändiger.  Die meisten Erwachsenen wissen intuitiv, was ganz kleine Kinder brauchen und reagieren spontan, vor allem zu Beginn, ganz richtig. Füttern, wickeln, liebhaben, Körperkontakt … Das alles brauchen Kinder, um zu überleben.

Wir Eltern wollen aber nicht nur, dass unsere Kinder überleben, sondern dass sie gut leben, damit sie sich auf dieser Welt wohlfühlen und glücklich werden. Menschenkinder wollen aus sich selbst heraus groß und stark werden und sie können das auch, wenn sie gut begleitet und unterstützt werden. Menscheneltern tun sich meist unheimlich viel an, damit das Leben ihrer Kinder gelingt. „Sie sollen es einmal besser haben als ich“ sagen viele und überlegen meist nicht, was das „besser“ bedeuten könnte.

Kinder müssen gut ernährt, gut gepflegt, behütet und geliebt werden, das wissen und wollen die meisten Eltern. Ein Kind braucht darüber hinaus vom ersten Tag an Wertschätzung als eigene Persönlichkeit  und Aufmerksamkeit, sein Leben lang.

Ein Kind braucht Sicherheit, dass es versorgt wird, so lernt es sich selbst und anderen vertrauen. Es kann seine Bedürfnisse zunächst nur durch Schreien anmelden. Früher hat man gesagt, man soll Kinder nur schreien lassen, damit sie lernen, sich selbst zu beruhigen oder noch schlimmer, sie müssen „erzogen werden“, sie sollen früh genug merken, dass nicht alles nach ihrem Kopf gehen kann. Inzwischen weiß man aber, wie wichtig zuverlässige Fürsorge und schnelle Reaktion ist  und dass sich allein gelassen fühlen schlimme Folgen hat.

Aber Schreien bedeutet  nicht unbedingt immer Hunger und wenn Kinder bei jedem Muckser gestillt werden, werden sie meist „gestillt“ im wahrsten Sinne des Wortes. Aber möglicherweise lernen sie dann leider auch, dass durch Essen jedes Bedürfnis befriedigt wird und Essen der wichtigste Lustgewinn ist.

Sicherheit ist auch für später ganz wichtig. Dazu helfen klare, sinnvolle Regeln, um sich auszukennen und zu wissen, wie man dran ist. Ein Hin und her, einmal so, einmal anders, verwirrt und verunsichert Kinder. An diese Regeln müssen sich auch die Eltern halten!

Menschen sind Kontaktwesen. Es ist inzwischen klar bewiesen, dass schon Neugeborene von sich aus Kontakt aufnehmen, auch wenn das zuerst sehr wenig zielgerichtete Aktionen zu sein scheinen. Bei kleinen Kindern übersieht man das oft. Auch wenn sie nicht sprechen können, so zeigen sie doch ganz klar und deutlich, dass sie Kontakt wollen, durch kleine Laute, durch Blicke und mit der Zeit auch durch ein Lächeln. Diese Kontaktaufnahme muss bemerkt und erwidert werden. Ich nehme dich wahr, du hast meine Aufmerksamkeit, ich will dich verstehen! Ein wichtiges Fundament ist Aufmerksamkeit und Beachtung: das Kind  als eigenständige Person wahr und ernst zu nehmen. Beim Füttern, beim Wickeln, beim Spazierengehen  es anschauen und Verbindung mit ihm halten. Wenn man beim Spazierengehen mit dem Handy, das heißt mit jemandem anderen redet, so ist das Zurückweisung und kränkt. Wenn man sich beim Wickeln durch andere Beschäftigungen vom Kind ablenken lässt und das Kind nicht beachtet, so verletzt das und tut weh. Kinder, denen Erwiderung verweigert wird, werden lethargisch und ziehen sich zurück.

Sprich mit deinem Kind, auch wenn es noch nicht reden kann, zeig ihm alles Mögliche und so die ganze Welt. Sing ihm etwas vor oder sag ihm die kleinen Sprüchlein und Abzählreime. Der Hirnforscher Gerald Hüther sagt: „Singen ist Kraftfutter für Kindergehirne“ und der Rhythmus der Sprüchlein geht ins Ohr. Wichtig ist die ungeteilte Aufmerksamkeit. Nicht unbedingt  immer, aber immer wieder. Interessiere dich wirklich für dein Kind. Kinder sind eigenständige Menschen und zuweilen ganz anders, wie ihre Eltern glauben. Begegne deinem Kind immer mit Wertschätzung, auch schon dem ganz kleinen „Würmchen“ und es wird sich selbst wertschätzen und auch dir mit Wertschätzung begegnen, auch später, wenn es zu Auseinandersetzungen und Konflikten kommen wird. Lerne dein Kind „lesen“,  wie der Schweizer Kinderarzt Remo H. Largo schreibt, beachte es mit Aufmerksamkeit und versuche immer wieder, es zu verstehen. Es verändert sich, wenn es sich entwickelt. Und frag es, wie es ihm geht. Hilf schon dem ganz kleinen Kind, über sich und seine Gefühle zu reden. Gefühle muss man benennen lernen. So lernt man sie auch selbst kennen und  wahrnehmen.

Das sollte eine Grundhaltung meinem Kind gegenüber sein: Ich will wirklich wissen, wie es dir geht und wer du bist. Oft macht man sich ein Bild von seinem Kind und man glaubt es zu kennen und alles über das Kind zu wissen. Es ist doch meines! Und womöglich soll es meinem eigenen Bild,  ganz gegen seine Eigenschaften und Fähigkeiten, auch noch entsprechen! Lern dein Kind immer wieder neu kennen, nicht weil du meinst, es dirigieren zu müssen, sondern weil du es liebst, weil du echtes Interesse an deinem Kind hast, auch später noch, wenn es nicht mehr herzig, sondern oft auch ziemlich schwierig ist. Zeig und sag ihm oder ihr: „ Auch wenn ich nicht alles mag, was du tust oder wie du etwas tust, aber dich mag ich.“ Und bleib in Kontakt, in Beziehung, um dein  Kind immer wieder neu kennen zu lernen. Wenn Kinder heranwachsen, müssen sie sich dauernd verändern.

Ein Tipp: Zeichne einen Kreis, eine „Torte“ für die gesamte Zeit, die du mit deinem Kind sprichst. Und dann zeichne tortenstückartig ein, wie viel dieser Zeit ihr über welche Themen miteinander sprecht. Kommen da Themen vor: wie es dir geht, wovon du träumst, deine  Freunde, deine Sehnsüchte und Wünsche, wie siehst du dich, wo willst du hin? Diese Fragen sind natürlich je nach Alter des Kindes anders zu formulieren.  Aber frag nur, wenn du es wirklich wissen willst. Nur fang möglichst früh damit an. Wenn die Kinder verstummt sind, ist es sehr schwer, sie wieder zum Sprechen zu bringen. Es geht um ein wirkliches Interesse, das ich an meinem Kind habe oder um Dinge, die ich mit meinem Kind teilen will,  nicht um eine pädagogische Maßnahme. Kinder sind in jedem Alter sehr empfindlich und spüren sofort, wenn etwas nicht echt ist. Akzeptiere zuerst einmal, was das Kind, der Jugendliche sagt und bewerte nicht. Abwertung seiner Meinung oder seiner Ansichten sind schädlich! Versuche zunächst einmal, zu verstehen.

Die Wertschätzung deinem Kind gegenüber, deine Achtsamkeit, deine Aufmerksamkeit fördert den Selbstwert des Kindes und kommt auch deinem eigenen Selbstwert zugute. Eine Gegenseitigkeit, die jede, wirklich jede echte Beziehung ausmacht.


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