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Mehrsprachige Erziehung in Familie und Schule

von Prof. İnci Dirim

Gegenwärtig wachsen viele Kinder zwei- und mehrsprachig auf. In Großstädten wie Wien spricht oft die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen im Schulalter zu Hause (neben dem Deutschen) eine andere Sprache als Deutsch. Mehrsprachigkeit ist alltägliche Normalität. In vielen Familien wird Bosnisch, Arabisch, Türkisch, Polnisch oder eine andere Migrationssprache gesprochen. Die Kinder versuchen ihre ersten Worte in diesen Sprachen auszusprechen, lernen in diesen Sprachen zu fragen, Gefühle ausdrücken, zu streiten, zu singen, zu erzählen und sich zu unterhalten. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund entwickeln bei entsprechender Erziehung Potenziale in zwei oder mehr Sprachen. Dennoch haben es diese Kinder in der monolingual deutschen Schule oft nicht leicht, weil sie den sprachlichen Erwartungen der Schule nicht entsprechen. Obwohl so viele Kinder zwei- und mehrsprachig aufwachsen, ist das Bildungssystem in Österreich – wie in anderen europäischen Staaten – weitestgehend darauf eingerichtet, mit einsprachig deutschen Kindern zu arbeiten. Es gibt zwar viele gute Einzelprojekte und verschiedene Maßnahmen für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften für den Umgang mit Mehrsprachigkeit. Diese Vorkehrungen genügen jedoch leider (noch) nicht und Kinder, die vor der Einschulung den sprachlichen Anforderungen ihrer Umgebungen gewachsen waren, drohen mit Eintritt in die Schule sprachlich – und damit auch leistungsmäßig – zu scheitern.
Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass zweisprachige Bildungsangebote dazu geeignet sind, die Ressourcen von zwei- und mehrsprachig aufwachsenden Kindern aufzugreifen, mit ihnen zu arbeiten und sie im Sinne einer Bildungsmehrsprachigkeit auszubauen. Bilinguale Kindergärten und Schulen oder zumindest Kindergärten und Schulen, die in den pädagogischen Alltag, in den Regelunterricht mehrsprachige Vorgehensweisen einbeziehen, wären ideal für zwei- und mehrsprachig aufwachsende Kinder aus Migrationsfamilien, aber auch für Kinder, die im Elternhaus monolingual deutschsprachig aufwachsen.
Kinder können viele Sprachen lernen. Festzuhalten ist, dass kein Kind auf Grund von bilingualen Förderangeboten überfordert wird, im Gegenteil: die Kinder bekommen in solchen Angeboten die Möglichkeit, ihr gesamtes Sprachrepertoire zu benutzen und auszubauen. Auch der muttersprachliche Unterricht in den Migrationssprachen und frühe Fremdsprachenangebote sind zu begrüßen – vorausgesetzt, dass sie die individuellen Zugänge der Kinder berücksichtigen und sie weder unter- noch überfordern. Für Kinder, die zu Hause und in ihrer Umgebung wenig Deutsch sprechen, sollte die Schule Förderangebote bereit stellen und zwar über mehrere Jahre hinweg und in allen Unterrichtsfächern. Kurzfristige Fördermaßnahmen bringen oft nur kurzfristige Erfolge; vielmehr müssen die Kinder in ihrer Sprachentwicklung vom pädagogischen Personal professionell begleitet werden.
Auch Eltern haben die Möglichkeit, die Sprachentwicklung ihrer Kinder zu beobachten und bewusst zu unterstützen. Mit den Kindern viel sprechen, ihnen vorlesen, ihnen sprachlich gute Medienangebote zu machen (z.B. Fernsehsendungen) sind einige wenige, aber sehr nützliche Aktivitäten. Viele Eltern möchten, dass ihre Kinder zweisprachig aufwachsen. Dennoch sind Kinder keine „Kopie“ ihrer Eltern  und leben in anderen Lebensumständen als sie. Eltern entscheiden, in welcher Sprache oder welchen Sprachen sie mit ihren Kindern sprechen möchten – in diese Entscheidung sollte sich niemand einmischen, wie sie auch fallen mag für Einsprachigkeit, für Mehrsprachigkeit, für welche Sprache(n) auch immer. Im Vordergrund sollte die Beziehung zwischen Kindern und Eltern stehen: Eltern sollten sich nicht dazu zwingen oder gezwungen werden, mit ihren Kindern in einer bestimmten Sprache zu sprechen und ihre Kinder nicht dazu zwingen eine bestimmte Sprache zu verwenden, unabhängig davon, ob es sich um die Herkunftssprache oder das Deutsche handelt. Eltern sollten sich auch nicht davon irritieren lassen, dass die Kinder eine Präferenz für eine der Sprachen entwickeln oder die Sprachen gemischt verwenden – das sind gewöhnliche Erscheinungen des zwei- und mehrsprachigen Aufwachsens. Wichtig wäre eine reichhaltige Kommunikation mit verschiedenen Mitteln und die Haltung des Respekts, mindestens die der Akzeptanz gegenüber einem Sprachgebrauch, der anders geartet ist als der monolinguale. Sprachmischungen und neue Formen der Sprachen sind in migrationsgesellschaftlichen Umgebungen als „normal“ anzusehen und Kinder lernen, in welcher Situation sie gemischt sprechen können oder monolingual sprechen sollten. Dennoch wäre es im Falle einer Verunsicherung immer ratsam Fachpersonal, z.B. Sprachtherapeuten, zu konsultieren – jedes Kind, ob ein- oder mehrsprachig, könnte in eine Lage geraten, sprachtherapeutisch behandelt werden zu müssen. Es gilt die Sprachentwicklung der Kinder zu beobachten, zu fördern und im Falle von Schwierigkeiten zu intervenieren.  Ob in Schule oder Elternhaus; generell lässt sich sagen: im Vordergrund sollten Anregungen und Angebote stehen, nicht Verbote oder sogenannte „Sprachengebote“.

Foto: Barbara Mair, barbaramair.com


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