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Mit Unterschieden leben

von Mag. Katharina Ratheiser

Konflikte gehören zum Leben. Es geht nicht darum, sie zu vermeiden. Sondern darum, sie zu lösen oder zu regeln. Und das kann man lernen.

„Komm schon, mach kein Drama draus!“ Dietmar versteht nicht, warum Susi so stur ist. Gut, seine drei Kinder können ganz schön chaotisch sein. Aber gerade heute haben sie beim Heimkommen die Hände gewaschen, Ball und Springschnur verstaut und bis zum Abendessen ruhig im Kinderzimmer gespielt. Doch ihre Stiefmutter Susi ist noch immer nicht zufrieden. „Wenn es meine Kinder wären, hätte ich ihnen schon beigebracht, im Haushalt zu helfen. Sie könnten den Tisch decken und nach dem Essen ihre Teller wegtragen. Dafür sind sie wohl alt genug.“ Dietmar nimmt seine Söhne in Schutz: „Ich dressiere sie halt nicht. Sie halten doch brav deine übrigen Ordnungsgebote ein.“ Das Abendessen verläuft in schlechter Stimmung.

Als die Kinder im Bett sind, geht Dietmar auf Susi zu: „Worum geht es denn eigentlich?“ Susi überlegt kurz und antwortet: „Ich glaube, es geht darum, dass du mir manchmal vor den Kindern in den Rücken fällst. Das stört mich sehr.“ Dietmar denkt an den Dialog von vorhin und gibt ihr recht. Er hat auch etwas auf dem Herzen: „Wenn ich dir zuhöre, denke ich, ich bin ein unfähiger Vater, der seine Kinder in Unordnung und Schmutz aufwachsen lässt.“

Bei dem Paar geht es also weniger um den momentanen Konflikt. Durch die einleitende Frage von Dietmar und die ehrliche Antwort von Susi wird eine Klärung möglich. Das Gesprächsklima ist gerettet. Die beiden werden sich auf Grundregeln einigen, die sie gegenüber den Kindern einheitlich vertreten. Susi wird etwas flexibler sein, was Ordnung betrifft. Und Dietmar wird das Thema nicht mehr vor den Kindern anschneiden.

Was über die Grundregeln hinausgeht, können Elternteil und Stiefelternteil übrigens ruhig unterschiedlich handhaben. Kleine Unterschiede im Erziehungsstil gibt es in jeder Familie. Auch leibliche Eltern sind sich nicht immer einig. Meist ist ein Elternteil etwas strenger und der andere etwas nachgiebiger. Das ist in Ordnung.

Viele Konflikte sind nicht hausgemacht, sondern werden von außen in die Familie getragen. Bei Patchworkfamilien ist diese Gefahr noch größer, wie Norbert und Waltraud feststellen mussten. Die beiden sind seit eineinhalb Jahren ein Paar und haben jeweils zwei Kinder. Immer wieder gibt es Probleme mit ihren Familien. Norberts Schwester lädt zu Festen nach wie vor Norberts Ex-Freundin ein. Waltrauds Exmann mischt sich in die Urlaubsplanung ein. Norberts Mutter schenkt Waltraud Kochbücher und bekrittelt bei jeder Gelegenheit, dass sie „immer dasselbe“ kocht.

Hier müssen Grenzen her: Wer darf wobei mitreden? Wer hat überhaupt ein Stimmrecht? Bei Fragen, die das Kind betreffen, ist die Meinung des getrennt lebenden Elternteils sicherlich relevant. Die Urlaubsplanung der neuen Familie hingegen geht ihn nichts an. Oder: Wenn das Kind bei der Großmutter übernachtet, entscheidet diese, was auf den Tisch kommt. Kommentare zu den Kochkünsten der Mutter sind aber unerwünscht.

Mischt sich jemand, der keinen „Beratungsauftrag“ hat, ständig ein, dann konzentrieren Sie sich auf die Kernfamilie. Ein Paar, das sich miteinander sicher und stabil fühlt, kann unerwünschte Aussagen leichter ignorieren.

Norbert und Waltraud geben einander immer das Gefühl: Wir beide ziehen an einem Strang. Statt zu beschwichtigen, fühlen sie sich in den anderen ein und suchen Lösungen. Norbert spricht unter vier Augen mit seiner Schwester und bittet sie, seine Ex-Freundin alleine zu treffen. Wenn seine Mutter zu Besuch kommt, kocht ab sofort er. Waltraud bespricht mit dem Vater ihrer Kinder nur Themen, bei denen seine Meinung gefragt ist. Aus dem Urlaub bekommt er eine nette Ansichtskarte.

 


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