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Mobbing im Klassenzimmer….

von Elisabeth Lederer

…wenn die Schule zum Kriegsgebiet wird.
Tanja (Ann.) will nicht mehr in „die“ Schule. Sie ist oft krank. Klagt regelmäßig über Bauchschmerzen und Kopfweh. Die Noten werden immer schlechter, da hilft auch keine Nachhilfe oder Aussicht auf Belohnungen für gute Noten. Das lebenslustige Mädchen ist nur noch ein Schatten seiner selbst, zieht sich immer mehr zurück. Die Eltern sind ratlos. Was ist passiert? Ist das Gymnasium doch zu schwierig für die Tochter? Ist sie etwa krank, oder ist das einfach nur die Pubertät? Liebeskummer? Trotz Bemühen und Nachfragen bleibt Tanjas Wesenswandel ein Rätsel. Der Hausarzt stellt Stresssymptome fest, möglicherweise ist der Druck in der Schule zu hoch. Es folgt also das Gespräch mit dem Klassenvorstand. Tanja, berichtet er, sei eine ganz gewöhnliche Durchschnittsschülerin, auffällig sei bloß, dass sie sich nicht in den Klassenverband einfügt, meist abseits bleibt.
Was niemand weiß, Tanja kann nicht mehr richtig schlafen und sich auch nicht mehr konzentrieren. Am Weg zu Schule würde sie am liebsten heulen und sich in der Klasse unsichtbar machen. Am besten gar nicht da sein. Denn Tanja wird von ihren MitschülerInnen gemobbt. Bei Gruppenarbeiten wird sie maximal geduldet, sie spürt die Ablehnung der anderen. In der Pause wird sie gemieden. Hinter ihr wird getuschelt. Beleidigende Sprüche verunstalten die Wand des Mädchenklos. Nur, das kann sie niemandem erzählen, nicht einmal den Eltern. Es ist zu peinlich, zu demütigend.

Was, wenn mein Kind gemobbt wird?

Mobbing ähnelt einem Guerillakrieg, findet im Verborgenen statt, nicht auf offenem Feld, wo alle zusehen können. Es ist eine unterschwellige, eine psychologische Kriegsführung, bei der das Opfer immer weiter ins Abseits gedrängt wird. Deswegen ist das Geschehen schwer nachzuvollziehen, und Betroffene können sich kaum wehren.
Oft wollen Kinder und Jugendliche, die von Mobbing betroffen sind, sich nicht einmal den Eltern anvertrauen, obwohl das Verhältnis zueinander gut ist. Anzeichen, wie im Fallbeispiel oben beschrieben, müssen von Eltern ernst genommen und hinterfragt werden.
Leistungsabfall in der Schule, gesundheitliche Beschwerden und emotionaler Rückzug sind klassische Hinweise dafür, dass ein Problem vorliegt. Finden Sie im Gespräch mit dem Lehrpersonal heraus, wie es Ihrem Kind im Klassenverband geht. Bringt Ihre Tochter/ Ihr Sohn Freunde mit heim? Gibt es in der Klasse beste FreundInnen? Wenn dem nicht so ist, sollten Sie dem unbedingt nachgehen.
Denn der Mensch ist ein soziales Wesen und hat das natürliche Bedürfnis Teil einer Gruppe zu sein, sowie sich über den Status innerhalb dieser Gruppe zu definieren. Für junge Menschen, deren Selbstbild noch nicht so gefestigt ist, ist das Gruppengefügen, und vor allem die eigene Rolle darin, von essentieller Bedeutung. Aus der Gruppe ausgestoßen zu werden ist tödlich, das wusste schon der Neandertaler. Alleine konnte man sich nicht so gut gegen Gefahren schützen und ernähren. Heute lauert kein Säbelzahntiger mehr vor dem Höhleneingang, dafür der soziale Tod, wird man aus der Gruppe ausgeschlossen. Demütigungen durch den Gruppenverband, nicht erwünscht zu sein, ist für die junge Seele (auch für Erwachsene) ein traumatisches und nicht zu unterschätzendes Erlebnis. Das Verständnis und die Zusammenarbeit aller Betroffenen, Eltern und Lehrpersonal ist gefragt.
Kinder und Jugendliche verfügen über einen natürlichen Gerechtigkeitssinn, im ersten Schritt wäre ein aufklärendes Gespräch anzusteuern, so die Parteien offen dafür sind. Den Opinionleader (MeinungsführerIn) der Klasse ins Boot zu holen und an seine/ ihre Hilfestellung zu appellieren kann sehr hilfreich sein, ebenso der Einbezug einer Fachkraft, wie SchulpsychologInnen oder MediatorInnen.
Ein Zurechtweisen und Druckausüben auf die „Mobber“ und deren Eltern ist kontraproduktiv, dadurch entsteht Gegendruck, dessen Last zuletzt der betroffene Schüler/ die betroffene Schülerin tragen wird.
Ist die Situation zu verfahren, dann ist der Schutz des Opfers oberstes Gebot. Im Zweifel muss die Klasse, vielleicht sogar die Schule gewechselt werden. Mit Reden oder Ermahnen der „Mobber“ ist einer ausgewachsenen Mobbingsituation auf Dauer nicht beizukommen. Selbst wenn die Angriffe daraufhin eingestellt werden, der/ die betroffene Jugendliche wird sich in dieser Umgebung nie wieder wohlfühlen.

Von Löwen und Lämmern. Was wir unsere Kinder lehren.

Was Mobbing unter Kindern und Jugendlichen betrifft liegt das Vorbeugen in Erwachsenenhand. Was Eltern ihren Kindern mitgeben, und was sie über den Umgang mit den Mitmenschen vorleben, ist maßgeblich dafür, wie die Kinder später miteinander agieren und, wie sie sich in ihrer Umwelt zurechtfinden.
Natürlich kann Mobbing alle treffen, doch Persönlichkeiten, die von daheim eine gute Portion Selbstvertrauen mitbekommen haben, sind in sich gefestigter. Sie tun sich leichter damit, offen auf andere zuzugehen, können schneller Freundschaften schließen. Das macht sie stärker gegen Angriffe, denen wohl alle Kinder und Jugendlichen in ihrer Schulzeit einmal ausgesetzt sind. Ein gutes Selbstbewusstsein lässt Kränkungen abprallen, oder sie gehen zumindest nicht so tief. Auch wissen sich Kinder und Jugendliche mit einem gesunden Selbstbild besser zur Wehr zu setzen und suchen sich eher Hilfe. Demütigungen nehmen sie nicht so einfach hin. Ein guter Rat an alle Eltern ist, Stärken unterstützen und bei etwaigen Schwächen fördernd eingreifen, nicht aber dramatisieren. Ihr Kind ist perfekt, wie es ist. Einzigartig. Das sollte es auch fühlen.
Wird zuhause viel gestritten und ermahnt verunsichert das die Kinderseele. Und wo, wenn nicht zuhause bei den Eltern, soll man sich denn sicher fühlen? Hier wird das Vertrauen zu sich selbst und den Mitmenschen gelernt.
Leben Eltern vor, dass es in Ordnung ist, über andere Mitmenschen, Nachbarn, Kollegen oder Verwandte schlecht zu reden, dann werden auch diese Werte von den Kindern integriert. Wie sich Kinder dann also anderen gegenüber verhalten, hat zu einem gewissen Teil auch damit zu tun, was die Eltern vorleben.
Den eigenen Kindern Respekt und Höflichkeit anderen gegenüber vorzuleben kann nie falsch sein.
Sollten sich Eltern einmal mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, dass ihr Kind ein anderes schlecht behandelt, ist es nicht unangebracht zu hinterfragen, ob man vielleicht gelegentlich ein ähnliches Verhalten vorlebt.

Denn sie wissen „gar“ nicht, was sie tun.

Auch der Konsum von bestimmten Fernsehsendungen ist zu hinterfragen. Sieht Ihr Kind Sendungen, wo es normal scheint, sich über andere lustig zu machen? Davon gibt es leider eine Menge. Der Schaden anderer mag manchmal belustigend sein, aber das reale Leben ist eben keine Sitcom oder Mangacartoon. Im richtigen Leben ist der Schmerz der Betroffenen sehr real. Kinder und Jugendliche sollten diesen Unterschied zumindest kennen. Nehmen Sie offen Stellung zu  „schlechten“ Scherzen im Fernsehen.
Sowohl bei Kindern, wie auch bei Erwachsenen, ist es oft so, dass „Mobbern“ gar nicht bewusst ist, was sie da tun. Das dieses Verhalten nicht adäquat ist und andere verletzt. Manche Mobber haben, wenn sie gefragt werden, schon guten Gründe für ihr Verhalten. Vielleicht haben sie sich selbst angegriffen gefühlt. Oder lassen ihren eigenen Frust an jemandem anderen, meist einem/ einer Schwächeren aus, um sich selbst besser zu fühlen. Mobber sind auch meist nicht alleine. Sie fühlen sich stärker, wenn sie mit anderen gegen einen gemeinsamen „Feind“ vorgehen. Hier fragt sich, worin der Frust des Kindes begründet ist. Oft sind sie selbst in irgendeiner Form Opfer. Gerade Kinder und Jugendliche suchen den Gruppenverband, oft schließt sich eine Gruppe nur deshalb zusammen, weil es einen gemeinsamen „Feind“ gibt.
Das macht es zwar nicht besser, aber es ist wichtig zu wissen, dass Kinder und Jugendliche, die anderen auf diese Art zusetzen, deshalb nicht schlecht oder notwendigerweise schlecht erzogen sind. Auch hier gibt es Hintergründe, die es zu beleuchten und zu bearbeiten gilt. Kinder und Jugendliche, die mobben, haben sehr oft selbst Probleme, Ängste und Sorgen, und benötigen die Unterstützung aller Beteiligten.

LehrerInnen als DirigentInnen des Klassengefüges

Das Berufsbild von PädagogInnen hat sich stark gewandelt. Der klassische Frontalunterricht ist Vergangenheit. Dadurch ist die Unterrichtsgestaltung für die LehrerInnen zwar deutlich aufwändiger geworden, darin liegt aber auch eine große Chance. LehrerInnen empfinden sich heute oft auch als Teil der Klasse/ Gruppe. Sie bekommen Stimmungen und Veränderungen im Klassengefüge sehr nahe mit und können regulierend eingreifen. In offenen Gesprächen zwischen dem Lehrpersonal, Eltern und Schülern, lassen sich Probleme und Sorgen der Kinder eruieren und bearbeiten. Wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihr Kind mit irgendetwas zu kämpfen hat, ist es immer gut, das Gespräch mit dem Klassenlehrer/ der Klassenlehrerin zu suchen. Sie verbringen einen Gutteil der Tage mit den Kindern, erleben den Klassenverband mit und können oft Licht ins Dunkel bringen.


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