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Papas ante portas

von Franz Bicek

Die Väter stehen vor der Tür- nicht drohend, wie weiland Hannibal vor den Toren Roms, sondern bereit, Ihre Aufgaben in den Familien zu übernehmen. Die Zahl derjenigen Männer, die sich nicht länger in der Rolle als Frühstücks- oder Sonntagsväter sehen wollen ist stetig im Steigen begriffen.

Als „Neue Männer“ werden sie bezeichnet, doch sind sie wirklich so neu? Bereits aus dem Jahre 1846 ist ein Satz von Adalbert Stifter erhalten, indem er feststellt, dass die Liebe des Mannes zum eigenen Kind ein Urgefühl wäre, so ursprünglich und elementar wie die Liebe der Frau. Wie traurig, wenn Konventionen, Vorurteile, Klischees und Ängstlichkeiten einen Mann davon abhalten, sich ganz diesem Urgefühl hinzugeben! Das Geschenk einer intensiven Beziehung zu den eigenen Kindern ist in der Tat elementar, großartig und beglückend und wiegt die vielen Belastungen, die durch ein Leben mit Kindern entstehen, bei weitem auf.

Doch wie kann eine solche Beziehung gelingen? Was hilft einem Mann ein Vater zu werden?

Am Anfang, das heißt in den Wochen nach der Geburt, stehen die meisten Männer ja ziemlich hilflos neben dem Kinde. Während die Mutter Ernährung und meistens Pflege übernimmt, getraut sich der Vater oft nicht einmal das winzige Wesen anzugreifen.
Ich hatte bei meinen drei Kindern das große Glück, in den ersten Wochen nach der Geburt zuhause zu sein. Nicht nur, dass ich meiner Frau, die nach der Geburt erholungsbedürftig war, in dieser Zeit zur Seite stehen konnte, bahnte sich auch schon ganz zart die Bindung zu dem Kind an. Ich durfte es halten, tragen, wickeln, baden und mich immer wieder über seine pure Existenz freuen. Vielleicht ist man(n) in den Tagen rund um und nach der Geburt besonders empfänglich für das kleine Wesen, das einem da anvertraut wird, ich weiß es nicht. Die Veränderung, die es mit einem Manne anstellt, ist jedoch umwerfend und wunderbar. Es gibt wohl weniges, das einen so sehr ergreifen kann.

Im Laufe der Wochen, Monate und Jahre hat sich diese Bindung weiterentwickelt und gefestigt. Mein Beruf als Volksschullehrer gibt mir dankenswerterweise viel Zeit mit und für die Kinder. Zeit fürs Spielen, Kochen, Essen, Waschen, bei der Mathe- Hausübung helfen, wickeln, Baby in den Schlaf singen, umgeschüttete Säfte wegwischen, Diskussionen mit vierjährigen Mädchen um die richtige Kleiderwahl, Staubsaugen, Zähneputzen überwachen (die härteste Aufgabe des Tages…), Geschichte vorlesen, sich freuen über friedliche, schlafende Kinder. Zeit, die mit Kindern verbracht wird ist unglaublich schön- und unglaublich anstrengend. So schnell können Eltern gar nicht saubermachen, als dass die Kinder nicht wieder die ganze Wohnung verwüsten! So viel Schlaf können Eltern gar nicht haben, als dass sie ähnlich viel Energie wie ihre Kinder haben.

Zeit ist also ein wesentlicher Faktor um mit Kindern glücklich zu sein! Zeit brauchen Vater und Kind- und zwar schon von Anfang an.

Zeit brauchen allerdings auch die beiden Eltern. Mit dem Kind verändert sich das Familienleben elementar! Die Bedürfnisse der Erwachsenen werden zweitrangig, Tages- und Lebensrhythmus verändern sich. Der Haushalt wird zum Problem. Haushalte mit Kindern sind ziemlich leicht erkennbar- Designermöbel gibt es nur höchst selten, zerbrechliche Dinge wandern in immer höhere Regale und allenthalben stolpert man über Spielzeug.

Zu Gedanken über die partnerschaftliche Haushaltsführung hat man dann gar keine Gelegenheit mehr- klarerweise werden die Aufgaben nach ganz individuellen Mustern geteilt.
Die Zeiten, wo die Mutter hübsch Haushalt und Kinder in Ordnung hielt und dem Hausherrn einen gemütlichen Abend bescherte, sind gottseidank vorbei.

Zeit für die Eltern bedeutet aber auch, dass es Kinderbetreuungseinrichtungen geben muss, die flexibel organisiert sind. Immer mehr „alleinerziehende“ Eltern, das heißt, solche ohne Unterstützung durch Großeltern, vertrauen auf die Betreuung durch ausgebildete Pädagogen. Dabei werden starre Schlusszeiten zum Problem. Von vielen Arbeitgebern wird eine Flexibilität erwartet, die Eltern oft nicht haben können. Wenn ein Kind um 12 Uhr von der Krabbelstube abgeholt werden muss, dann wollen und müssen Eltern um diese Zeit dort sein. Und wenn die Welt untergeht!

Allerdings ist es ja kein Naturgesetz, dass Kinderbetreuungseinrichtungen (und Schulen) ihre Schlusszeiten nicht mit den Arbeitszeiten der Eltern koordinieren können. Die momentane Entwicklung ist allerdings erfreulich- und es wird auf die Bedürfnisse der Eltern immer mehr eingegangen.

Zuletzt brauchen Väter noch jede Menge Geduld. Geduld mit sich selber und ihrer Familie. Vieles von dem, was dem Mann selbstverständlich war, muss dem Vater zweitrangig sein. Kinder sind in den unpassendsten Momenten anstrengend, werden grundsätzlich kurz vor einer Urlaubsreise krank und wollen ausgerechnet dann nicht schlafen, wenn ein wichtiger Abendtermin ansteht.

Geduld braucht man auch mit Vätern. Sie können eben oft keine Abendtermine wahrnehmen, es ist schwierig mit ihnen nach der Arbeitszeit auf ein Bier zu gehen und nicht selten müssen sie schnellstens nach Hause zu den Kindern, um die Mutter abzulösen.

Nicht immer haben Männer die Zeit, die Möglichkeit und die Geduld um ihr „Vatersein“ auch wirklich zu leben. Oftmals steht ihnen der Beruf im Weg, denn ein Maurer, der abends erledigt nach Hause kommt, hat oft nicht mehr viel Kraft für seine Kinder.
Dennoch wollen auch Männer ihren Anteil am Leben ihrer Kinder. Jede Maßnahme, die ihnen dieses Vorhaben erleichtert oder gar erst ermöglicht ist zu begrüßen!

Es gibt keinerlei biologische Prägung, die verhindert, dass ein Mann ein liebevoller und engagierter Vater wird. Es gibt höchstens soziologische Probleme- und die können wir ändern. Macht den Vätern die Tore auf!


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