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Politscher Extremismus: Warum fühlen sich Jugendliche von rechtsextremen Gruppen angezogen? Wie sollen Eltern reagieren?

von Mag Verena Fabris

Rechtsextremismus ist kein neues Phänomen, doch die Erscheinungsweisen und Strategien rechtsextremer Gruppierungen haben sich in den letzten Jahren verändert. Das typische Outfit eines Skinheads mit rasiertem Kopf und Springerstiefeln ist ein überkommenes Klischee. Gruppen wie die „Identitären“ in Österreich präsentieren sich nicht als brutale Schlägergruppen, sondern als moderne Kraft für Freiheit, Heimat und Tradition. Ein neues Feindbild, das die „Identitären“ mit anderen rechtsextremen Gruppierungen vereint, ist der „Islam“ – wie Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands 2011 in einem Interview mit Ö1 ausführte.
Viele rechte, antisemische und rassistische Einstellungen sind im Mainstream der Gesellschaft – auch unter Jugendlichen – verankert. So war in einer Studie des Institutes für Jugendkultur von 2011 beinahe die Hälfte der jungen Wiener und Wienerinnen der Meinung dass „in diesem Land schon viel zu viele Türken leben“. Für 18,2% hatten „Juden nach wie vor zu viel Einfluss auf die Weltwirtschaft“. Und mehr als jede/r Zehnte (11,2%) stimmte der Aussage zu, Adolf Hitler habe für die Menschen auch viel Gutes getan.

Wann wird aus rechten Einstellungen eine rechtsextreme Gesinnung?

Unter politischem Extremismus werden Ideologien verstanden, die Ordnungen, Regeln und Normen des demokratischen Verfassungsstaates ablehnen. Die Formen von Extremismus sind vielfältig. Unterscheiden kann man nach der Art der eingesetzten Mittel (z.B. Legitimation von Gewalt) und nach den politischen Zielen. Gemeinhin wird bei politischem Extremismus zwischen Rechts- und Linksextremismus unterschieden. Rechtsextremismus wird als Sammelbegriff für neofaschistische, neonazistische oder ultra-nationalistische Ideologien verwendet. Das rechtsextreme Weltbild ist gekennzeichnet durch

  • Nationalismus
  • Fremdenfeindlichkeit
  • Behauptung der „Natürlichkeit“ sozialer Differenz und von natürlichen Hierarchien, es zählt das Recht des Stärkeren
  • völkische Ideologie: Konstruktion des Volkes als organisches und homogenes Ganzes
  • Antisemitismus, Rassismus
  • Sexismus
  • Verherrlichung des NS-Regimes und Relativierung bis zur Leugnung des Holocausts
  • Streben nach einer autoritären politischen Ordnung
  • Überbetonung militaristischer Werte

Rechtsextremismus ist in Österreich, anders als in Deutschland, nicht strafbar. Nur was unter den Paragrafen des Verbotsgesetzes fällt, ist ein Strafdelikt.
Mit dem Begriff „Neonazismus“ werden innerhalb des Rechtsextremismus jene Denkweisen bezeichnet, die ein klares Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus enthalten und auf die Errichtung eines totalitären Führerstaats nach dem Vorbild des „Dritten Reiches“ ausgerichtet sind.

Was macht rechtsextreme Ideologien für Jugendliche attraktiv?

Jugendliche fühlen sich aus unterschiedlichen Gründen zu extrem rechten Szenen hingezogen. Wie alle extremistischen Bewegungen bieten rechtsextreme Gruppierungen Identität und Orientierung, die Jugendlichen in der Phase der Adoleszenz Halt geben können. Jugendkulturelle Motive der Rebellion und der Provokation, das Erlebnis gemeinsamer Freizeitgestaltung in Verbindung mit oft übermäßigem Alkoholkonsum mischen sich mit politischen Beweggründen. Dabei steht die Politik – zumindest in der Anfangsphase – nur selten im Mittelpunkt. Zentral sind das Bedürfnis nach Anerkennung und das Gemeinschaftsgefühl. Die Zugehörigkeit zu einer angeblich elitären, mutigen und kämpferischen Gruppe oder einer „Herrenrasse“ vermittelt ein Identifikationsangebot, das insbesondere in einer von Unsicherheiten geprägten Lebensphase wirksam werden kann. Oft gibt es einen Bruch in der Biographie der Jugendlichen, Probleme in der Familie, mit FreundInnen oder in der Schule. Manchmal kann eine gescheiterte Jobsuche ein auslösendes Element sein.
Zentral in der Ideologie rechtsextremer Gruppen ist ein übersteigertes Männlichkeitsbild, das vor allem bei jungen Männern, die sich ohnmächtig fühlen, eine Faszination ausüben kann. Es gibt klare hierarchische Ordnungen und Regeln. Wenn man die Regeln befolgt, wird man zu einem Teil der Gruppe und erfährt eine Anerkennung, die man bisher vielleicht noch nie erfahren hat.
Musik spielt in der rechtsextremen Szene eine bedeutende Rolle. Über die Liedtexte wird die Ideologie emotional vermittelt. Jugendliche, die verunsichert sind, fühlen sich durch die in den Liedern angesprochene Abwertung vermeintlich andersartiger, schwächerer Menschen selbst aufgewertet und bekommen eine Erklärung für ihre eigene, unzufrieden stellende Lebenslage.

Was kann auf rechtsextreme Einstellungen hinweisen?

Es gibt keinen Katalog an Eigenschaften, die eindeutig auf eine rechtsextreme Gesinnung schließen lassen. Dennoch gibt es Verhaltensweisen, die auf den Prozess der Radikalisierung hinweisen:

  • Er/sie hört einschlägige Musik.
  • Er/sie trägt Kleidung mit rechtsextremen Symbolen (diese können vom eindeutigen „88“ für „Heil Hitler“" bis zum unauffälligen „Thor Steinar“-Pullover oder der CONSDAPLE-Jacke reichen).
  • Er/sie schränkt den Kontakt mit bisherigen Freund/innen ein oder zieht sich ganz von seinem/ihrem bisherigen Umfeld zurück.
  • Er/sie besucht häufig einschlägige Seiten und Foren im Internet.
  • Er/sie wird zunehmend aggressiv, wenn es um politische Einstellungen geht, gibt offen rassistische oder antisemitische Äußerungen von sich, macht Anspielungen auf das Dritte Reich oder die germanisch-heidnische Vergangenheit.

Was können Eltern tun?

Zentral ist es, in Beziehung mit seinem Kind zu bleiben. Eltern sollten sich Zeit nehmen für Gespräche und den Versuch herauszufinden, welche Motive der rechtsextremen Orientierung zugrunde liegen. Es ist gut, sich klar von rechtsextremen Aussagen und Gedanken abzugrenzen, aber dabei sollten Eltern immer vermitteln, dass sie ihr Kind als Person wert schätzen. Auch wenn sich Eltern provoziert fühlen, ist es wichtig, ruhig und sachlich zu bleiben. Die ideologische Einstellung des Sohnes/der Tochter darf nicht zum Mittelpunkt der Beziehung werden. Hilfreich sind Angebote für positive gemeinsame Erlebnisse mit der Familie und FreundInnen außerhalb der rechtsextremen Szene.
Eltern sollten auch nicht davor zurück scheuen, sich Hilfe zu holen und sich Informationen über rechtsextreme Ideologien zu beschaffen. Im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes gibt es diesbezüglich kompetente Ansprechpersonen. Eine erste Anlaufstelle für Eltern, die Hilfe suchen, ist die Beratungsstelle Extremismus. In der Beratung werden die Eltern unterstützt, ihre Situation besser einschätzen und bewältigen zu können. Sie werden darin bestärkt, die Beziehung zu den Jugendlichen aufrecht zu erhalten. Die BeraterInnen unterstützen direkt und indirekt dabei, dass die Jugendlichen wieder Vertrauen finden und ihnen Perspektiven und Alternativen eröffnet werden. Im persönlichen Beratungssetting geht es schließlich auch darum, die hinter der extremistischen Gesinnung liegenden Bedürfnisse und Problemlagen zu erkennen und zu bearbeiten.


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