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Prävention psychischer Erkrankungen

von Priv.-Doz. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein

Psychische Erkrankungen entstehen als Folge vieler verschiedener, zusammenwirkender Faktoren. Das wichtigste Organ in diesem Zusammenhang ist das Hirn, welches einerseits durch die genetische Grundausstattung in seinen Rahmenbedingungen definiert wird und andererseits die Umwelt, die mit ihren Einflüssen über die Interaktion zwischen Individuum und Umwelt einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Menschen hat.
Der Mensch ist ein soziales Wesen und als solches ist seine wichtigste Entwicklung innerhalb seiner kleinen Beziehungswelt, die ihn von Geburt weg begleitet.
In der frühesten Kindheit geht es im Wesentlichen um die Entwicklung einer sicheren Bindung an die Bezugspersonen. Im Spiegel der Eltern lernt das Kind sich und seine Emotionen zu verstehen und grundlegend zu regulieren. Es geht weiters um die Unterstützung der sich rasch entwickelnden mentalen, kognitiven, motorischen und sensorischen Fähigkeiten, deren Hauptmerkmal das wiederholte Üben, Durchführen, Lernen, Neubeginnen, Scheitern, wieder Durchführen darstellt.
Aus diesem Grund ist es wichtig als Eltern die Lösungen nicht vorzugeben, sondern die Kinder dazu anzuleiten, selbst Lösungen zu entdecken und zu finden, ihre Kreativität zu nützen, Fehler sollen erlaubt sein, auch ein Scheitern ist o.k..
Perfektionismus ist in diesem Alter – wie in jedem anderen auch – Gift.
Im Kleinkindesalter geht es um die Exploration der Welt, die Motorik erlaubt das Herumlaufen, Springen, Klettern etc.  Die nähere und entferntere Welt wird erkundet und erforscht. Auch hier gilt es den Entdeckerkreis der Kinder zu unterstützen, ihr Risikoverhalten im richtigen Sinne zu unterstützen, nicht zu ängstlich und zu besorgt zu reagieren und ihnen Möglichkeiten zu geben, sich zu erproben. Gleichzeitig geht es auch um die ersten Sozialkontakte mit Gleichaltrigen und die Integration in eine kleine Gruppe, um das Miteinander, den Austausch mit den anderen Kindern und gleichzeitig auch die ersten Trennungen von zu Hause und das Aushalten des Getrenntseins von Vater und Mutter.
Im Vorschulalter geht es um die Entwicklung des sozialen Verständnisses, der Empathie, des „Sich-Einfühlen-Könnens“. Zu diesem Zeitpunkt brauchen die Kinder sehr viel Erklärung über die Welt des anderen. Das Nachfragen, warum macht wer was, ist ein wichtiger Ausdruck dieses Interesses am anderen und hilft auch dabei, die Kinder selbst zu verstehen und auch die Steuerung der eigenen Emotionen zu unterstützen.
Das Schulalter hat zwei wesentliche Entwicklungsaufgaben. Einerseits die Erbringung von Leistung und andererseits die Integration in die Peer-Group.
Beide dieser Faktoren sind von den Eltern intensiv zu unterstützen und zu fördern. Immer mit dem Ziel, dass das Kind das Gefühl hat, diese Aufgaben selbst meistern zu können.
Die Pubertät zeichnet sich durch eine Vielfalt verschiedenster Zustände aus, einerseits das körperliche Wachstum und die Reifung, die Entwicklung der Geschlechtsreife, die Entwicklung der Geschlechtsidentität betreffend und andererseits durch eine ausgeprägt emotional schwankende Zeit, in der die Eltern sehr viel Halt geben müssen bei gleichzeitig maximaler Unterstützung der Selbstständigkeit, der freien Entwicklung und wieder verbunden mit einer hohen Bereitschaft der Eltern, Fehler ihrer Kinder zu akzeptieren, auch Fehlentwicklungen manchmal gelassen zu betrachten.
Nach der Pubertät folgt eine Phase, die heute als „emerging adulthood“  bezeichnet wird: die Jugendlichen sind noch nicht erwachsen, aber auch nicht mehr jugendlich, sondern irgendwo mitten drin. In dieser Phase gilt es, die Ablösung von zu Hause, das Selbstständig werden, die Unabhängigkeit und die Beziehungsfähigkeit zu unterstützen und gleichzeitig, dort wo Hilfe nötig ist, auch Hilfe und Unterstützung anzubieten.
Einflussfaktoren auf die psychische Entwicklung:
Die seelische Entwicklung wird heute als ein höchst interaktives Modell betrachtet auf das verschiedenste Faktoren einen Einfluss haben. Einerseits spricht man dabei von Risikofaktoren und andererseits von Schutzfaktoren.
Risikofaktoren sind all jene Faktoren, die sich belastend auf die Entwicklung des Kindes und seiner Beziehungen auswirken, wie Gewalt, Missbrauch, Misshandlung; die Benachteiligung durch ökonomische Not, Mobbing oder Verfolgung etc..
Schutzfaktoren sind sichere Bindung an die primären Bezugspersonen, ein Aufwachsen in einer sicheren Umgebung mit gut strukturiertem Alltag und einer möglichst konfliktfreien Erziehung, die als sehr unterstützend erlebt wird; langfristige Bezugspersonen außerhalb der Familie; gute Intelligenz; neugieriges und prosoziales Temperament.
Aus dem Zusammenspiel der genetischen Rahmenbedingungen, der interaktiven Entwicklung des Kindes in seiner Umwelt und den verschiedenen Einflussfaktoren, wie Schutz- und Risikofaktoren entwickelt sich für jeden Menschen ein eigenes nur ihm typisches Entwicklungsprofil. Die Auswirkungen dieser Faktoren finden ihren Niederschlag in der Entwicklung neuronaler Strukturen im menschlichen Gehirn. Das National Scientific Council on the Developing Child  in Harvard hat diesen Prozess auf Basis des momentanen Forschungsstandes so zusammengefasst:

  1. die Entwicklung des Menschen basiert auf Prozessen des Gehirns in Interaktion mit seiner Umwelt, vor allem aber durch den ununterbrochenen Prozess der Hirnentwicklung.
  2. die Interaktion von Genen und Erfahrungen formt im wahrsten Sinne des Wortes die Vernetzung / Circuits des sich entwickelnden Gehirns und entwickelt sich im Wesentlichen durch die gegenseitige Beeinflussung im Rahmen der Erwachsenen-Kind-Beziehung, dies vor allem in den ersten Lebensjahren.
  3. Skills führen zu Skills: die hierarchische Entwicklungsstruktur des Gehirns baut auf einfachen Circuits auf und durch die Erfahrung werden immer komplexere Verschaltungen und damit entsprechend höhere Skills erworben
  4. Kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten sind untrennbar mit einander verbunden und damit auch Lernen, Verhalten und physische wie  psychische Gesundheit über das gesamte Leben
  5. Tolerabler Stress ist entwicklungsfördernd, toxischer Stress, vor allem in den frühen Jahren, kann das Gehirn und andere Organe schädigen und zu lebenslangen Problemen  führen in Bezug auf Lernen, Verhalten, soziale Beziehungen und eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit.
  6. Die Plastizität des Gehirns und die Fähigkeit zur Veränderung vermindert sich über die Zeit, d.h. die Dinge zur rechten Zeit zu lernen spart Anstrengung und Kosten für das Individuum, aber auch für die Gesellschaft

Die Prävention von psychischen Erkrankungen muss sich daher an diesen Erkenntnissen orientieren und einerseits die Reduktion von Risikofaktoren beinhalten und andererseits die Anleitung der Kinder im Umgang mit schwierigen und belastenden, stressigen, beängstigenden Lebenssituation unterstützen. Je besser die persönlichen Copingstrategien entwickelt sind, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit eine psychische Erkrankung zu entwickeln.


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