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Rituale im Alltag – Nahrung für das Urvertrauen

von Mag. Anna Ebenbauer

Morgens, mittags, abends: jede dieser Zeiten hat im Leben mit kleinen und größeren Kindern ihre eigenen Herausforderungen. Feste Gewohnheiten und Rituale im Familienalltag können dazu sehr hilfreich und bereichernd sein.

Kinder wünschen sich Stabilität und Sicherheit

Kinder brauchen, besonders wenn sie noch sehr klein sind, immer wieder die gleichen  Gewohnheiten und Fixpunkte im Alltag beim Aufwachen, Kuscheln, Vorlesen, Essen, Verabschieden, Trösten. Wenn wir als Erwachsene etwas davon vergessen oder verändern, und wenn es auch nur ein Wort einer Geschichte ist, so werden uns die Kinder darauf aufmerksam machen.

Jede Familie hat ihre eigenen festen Gewohnheiten, die zunächst dem Zweck dienen, nicht immer neu entscheiden zu müssen, wie wir z. B. den neuen Tag beginnen. Liebgewonnene Gewohnheiten werden im Alltag zu Ritualen, die über das Gewöhnliche hinausweisen und mehr zum Ausdruck bringen, als das bloße Tun.

Rituale nähren das Vertrauen ins Leben

Die Wiederkehr von Vertrautem  im Ritual gibt den Kindern Halt, Sicherheit und Orientierung. Kinder erfahren im Ritual Geborgenheit und Aufgehobensein in der Gemeinschaft. Ihr Vertrauen ins Leben wird auf diese Weise weiter genährt.

Heraus aus den Betten – Morgenrituale

Der Morgen, der wochentags in vielen Familien  von einem „Beeil dich“ geprägt ist, bedarf einer besonderen Aufmerksamkeit.
Gerade Kinder, die morgens gerne trödeln, brauchen eine vorgegebene Struktur als Stütze, aber auch Freiraum dazwischen.
Für die Aufweckzeit ist deshalb zu berücksichtigen, wie viel Zeit auch jeder wirklich braucht, um gut außer Haus gehen zu können.
Kleine Kinder, die noch zu Hause sind, können mit ihren Müttern genießen, dass der Tag in ihrem eigenen Rhythmus beginnen kann.
Ideen für Morgenrituale: Aufwachlied, Fingerspiel (Kommt eine Maus…), Kuscheltier weckt auf, mit Streicheln und Küssen aufwecken.
Ein Morgenlied für kleine Kinder: Heraus aus den Betten, heraus, heraus, die liebe Frau Sonne, die lacht dich ja aus. Sie geht schon spazieren auf Wiesen und Flur und denkt sich, wo bleiben die Kinder heut nur!

Begrüßen und Verabschieden

Kinder brauchen in den Übergangssituationen des Ankommens und Weggehens einen guten Kontakt zu uns, der sich durch körperliche Berührung am besten herstellen läßt: eine Umarmung, ein Händedruck, ein Kuß, ein wohlwollender Blick. Beim Begrüßen können wir die Freude darüber zeigen, dass die Kinder wieder wohlbehalten zu Hause sind.
Das Verabschieden im Kindergarten fällt einigen Kindern ( und mitunter auch Müttern) schwer. Umso wichtiger ist ein stabiles Ritual, das die Qualität der Beziehung zum Ausdruck bringt: ich hab dich lieb, ich komme wieder und ich anerkenne deinen Abschiedsschmerz. Wenn Kinder sehr stark klammern oder weinen ist das nie ein Erpressungsversuch, ihr Klammern bedeutet vielfach, dass sie  ihre „Geborgenheitsbatterien“ wieder aufladen möchten. Kinder gehen gerne von uns weg, wenn sie dazu alt genug und „satt“ an Halt und Zuwendung sind.

Für längere Zeiten des Getrenntseins kann das „Mondritual“ sehr hilfreich sein: Der Mond ist von allen Orten gleich sichtbar. Eltern und Kinder können, wenn jemand für einige Tage weg von zu Hause ist, miteinander vereinbaren, dass abends jeder seine Botschaften, Wünsche oder Grüße zum Mond schickt und der andere kann sie dann bildlich gesprochen, von dort entgegennehmen.

Heile, heile Segen – Traurigkeit und Schmerz

Auch für den Trost gilt: es hilft den Kindern nicht, ihnen den Schmerz oder die Trauer wegreden zu wollen. Ein Trostritual beinhaltet: ich bin bei dir, du bist nicht allein, ich halte dich, ich anerkenne deinen Schmerz („ja, das tut jetzt wirklich weh!“), ich summe oder singe etwas Beruhigendes für dich.

Abend- und Einschlafrituale

Der Abend ist eine ganz besondere Zeit
Das Abendessen ist in vielen Familien die einzige gemeinsame Mahlzeit. Diese könnte dankbar genossen und zum gegenseitigen Austausch und Erzählen genützt werden. Die Kinder können erfahren, was „Feierabend" bedeutet:  loszulassen von den Ereignissen des Tages u. bei sich selbst ankommen.

Was schief gelaufen ist, kann zu dieser Zeit wieder zurecht gerückt werden. Mit der Grundstimmung „abends ist alles wieder gut“ erfahren die Kinder Sicherheit und Gehaltensein in der Gemeinschaft.
Das Dunkelwerden macht vielen Kindern Angst. Die Reize, die den ganzen Tag auf das Kind eingeströmt sind, müssen verarbeitet werden. Kleinkinder sind abends müde und quengelig oder hellwach und aufgedreht. Der Übergang vom Wachsein zum Schlafen fällt deshalb vielen kleinen Kindern schwer. Alles, was abends als Ritual eingeführt wird, sollte auf die Beruhigung aller Beteiligten ausgerichtet sein.

Der Mond ist aufgegangen

Singen ist eine wunderbare Möglichkeit, miteinander zur Ruhe zu kommen. Nicht umsonst gibt es so viele Wiegen- u. Schlaflieder: Guten Abend, gut Nacht; Weißt du wie viel Sternlein stehen; Guter Mond, du gehst so stille; Der Mond ist aufgegangen; Schlaf mein Kind, ich will dich loben;

Von den vielen Mond- und Sterneliedern inspiriert, lieben meine Kinder auch das wirkliche Mond- und Sterneschauen am Nachthimmel: zu jeder Jahreszeit  schauen wir immer wieder gerne, ob  der Mond bereits aufgegangen ist und welche Sterne besonders hell leuchten. Wir atmen den Duft der Nacht und nehmen wahr, dass der Tag wirklich zu Ende ist und wir uns der Nachtruhe anvertrauen dürfen.
Kinder lieben auch Baden, Geschichten Vorlesen, sie mögen Berührung und Körperkontakt beim Kuscheln.
Das familiäre Abendritual kann mit einem Abendgebet als Zuspruch und Segen für das Kind abgeschlossen werden.

Rituale im Alltag geben uns die Möglichkeit die schnell voranschreitende Zeit bewusster zu erleben und präsent zu sein, indem wir mit unseren Kindern immer wieder innehalten an den Übergängen des Tages.
Rituale durchbrechen damit den Alltagstrott, regen unsere Sinne an und öffnen Fenster für das nicht Alltägliche.

Tipps für die Umsetzung

  • Um persönliche Rituale zu finden, kann es hilfreich sein, die eigenen Rhythmen und Gewohnheiten im Familienalltag  bewusst wahrzunehmen.
  • Verfeinern Sie diese Gewohnheiten darauf hin, was ihnen Struktur, Halt und Geborgenheit gibt.
  • Überlegen Sie, welche Übergänge und Nahtstellen im Tagesgeschehen holprig oder konfliktbeladen verlaufen. Ein einfaches Ritual kann Ihnen und ihren Kindern in solchen Situationen sehr hilfreich sein.
  • Beziehen Sie auch Ihre Kinder mit ein: Kinder sind meist sehr erfinderisch und wissen oft sehr genau, welches Ritual sie unterstützt und ihnen gut tut. Aufgesetzte Rituale, die nicht authentisch sind, werden von Kindern meist boykottiert.
  • Haben Sie Mut zum spielerischen Ausprobieren von Ritualen. Es zeigt sich dann ganz von selbst, was für ihre Familie passt.

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