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Sprechen ist nicht gleich Sprache

von Dr. Verena Krausneker

Der Sehsinn ist jener Sinn, der bei Ihrem gehörlosen Kind den Hörsinn ersetzen kann, der dem Kind die meisten Informationen bringt und der bei gehörlosen Menschen speziell gut ausgebildet wird. Über den Sehsinn können sie von Anfang an mit Ihrem Kind kommunizieren.
Es gibt viele verschiedene Arten und Abstufungen von Hörstörungen. Man bezeichnet Menschen mit Hörstörungen im Alltag meist als ‚hörgeschädigt’ oder ‚schwerhörig’ oder ‚gehörlos’.

Welche Form der Hörstörung bei Ihrem Kind vorliegt, erfahren Eltern durch die Hörtests und die Beratung durch ÄrztInnen. Dieses Wissen ist wichtig, um mögliche technische Unterstützung gut auf Ihr Kind und seine Bedürfnisse und Möglichkeiten abstimmen zu können (Auch zusätzliche Charakteristika, zum Beispiel eine Auswirkung auf den Gleichgewichtssinn, dessen wichtigstes Organ sich auch im Ohr befindet, müssen durch eine medizinische Diagnose festgestellt werden).
Sowohl das Ohr und seine Funktionsweisen als auch alle derzeit in verschiedenen Altersstufen möglichen Tests werden im Ratgeber „Diagnose Hörgeschädigt“ von Karin Kestner und Olaf Fritsche sehr gut und verständlich für Eltern beschrieben (siehe www.kestner.de/n/elternhilfe/elternhilfe-einfuehrung.htm).

Hören reicht nicht

Als ‚gehörlos’ bezeichnet man all jene Menschen, die normal laut gesprochene Sprache ohne technische Hilfsmittel nicht ausreichend hören. Das bedeutet, dass diverse Geräusche und insbesondere gesprochene Sprache nicht über das Ohr wahrgenommen werden. Kinder lernen Sprache, Sprechen (und Denken) aber, indem sie tagtäglich aufnehmen, wie andere Menschen sich unterhalten.
Ein gehörloses Kind kann gesprochenes Deutsch nicht ‚nebenbei’ nur durchs Zuhören erwerben. Wenn ein Kind nicht genug hört und es daher keinen verständlichen sprachlichen Input hat, kann sein so genannter ‚natürlicher Lautspracherwerb’ nicht ohne weiteres stattfinden. Gehörlosigkeit hat daher eine große Auswirkung auf den Spracherwerb des Kindes.

Je später man feststellt, dass das Kind keinen verständlichen sprachlichen Input hat, desto länger bleibt das Kind ohne Sprache und es verzögert sich der Beginn des Spracherwerbs. Eine vollständige Sprache zu bekommen und zu entwickeln ist jedoch für die geistige Entwicklung eines Menschen unbedingt notwendig. Das Fehlen von sprachlichem Input wirkt sich sehr negativ auf die Gesamtentwicklung eines Kindes und sein restliches Leben aus.

Das bedeutet: Der sprachliche Input, der für die Entwicklung unserer geistigen Fähigkeiten, unserer Denkfähigkeiten und für unser Fühlen wichtig ist, muss uns rechtzeitig – möglichst von Anbeginn unseres Lebens – zur Verfügung stehen. Der Mensch ist vor allem in den ersten Lebensjahren in einem außerordentlichen Maße fähig, Sprache zu erwerben. Je später der Spracherwerb beginnt, desto mehr Zeit ‚geht verloren’, in der Erfahrung gesammelt und Wissen erlangt werden könnte.

Es ist also wichtig, dass möglichst früh klar ist, ob und wie viel ein Kind hört. Die medizinische Information ist notwendig, um mit dem sprachlichen Aspekt von Gehörlosigkeit richtig umgehen zu können.

Sprachenvielfalt

Sprache ist – wie eben festgestellt wurde – grundlegend für die vollständige Entwicklung eines Menschen. Es ist dabei wichtig zu verstehen, dass ‚Sprache’ nicht ‚Sprechen’ bedeutet.
Es gibt tausende (ca. 6000) verschiedene menschliche Sprachen auf der Welt, die in gesprochene Sprachen und gebärdete Sprachen eingeteilt werden können. (Sogenannte ‚Pfeiffsprachen’, ‚Tiersprachen’ oder ‚Programmiersprachen’ zählen nicht dazu.) Zumindest eine dieser tausenden Sprachen muss jedem menschlichen Kind zugänglich gemacht werden. Meist geschieht dies ganz einfach, indem die Sprache(n) der Eltern rund um das Kind verwendet und so ohne Anstrengung weitergegeben werden. Geschieht dies nicht, hat das weit reichende negative Konsequenzen für einen Menschen.

Kommunikation ermöglichen

Sprachliche Kommunikation bedeutet, dass wir spannende Informationen austauschen und dass wir unsere Gefühle und Wünsche ausdrücken können. Kommunikation bedeutet auch, dass wir Kontakt zu anderen Menschen halten und pflegen. Das ist für ein positives Selbstwertgefühl und Selbstbild wichtig. Es ist für die Entwicklung eines Kindes unbedingt notwendig, dass es Kommunikation als etwas Sinnvolles, Angenehmes, Positives, in jeder Hinsicht hilfreiches und erfreuliches erlebt.
Ein hörendes Kind erlebt und erlernt Sprache ganz einfach, weil erwachsene Menschen ganz normal mit ihm reden und auch rund um das Kind herum dauernd miteinander reden.

Ein gehörloses Kind kann die vielen Dinge, die um es herum gesprochen werden, jedoch nicht hören. Sie stellen also keine große Hilfe auf dem Weg zu einem sprachkompetenten Menschen dar. Weder der informative noch der positive emotionale Aspekt von Kommunikation können für ein hochgradig schwerhöriges oder gehörloses Kind über eine Lautsprache, die es nicht ausreichend hören kann, erlebt werden. Damit ein gehörloses Kind aber keine Verspätungen im Spracherwerb und keine negativen Konsequenzen durch mangelnden sprachlichen Input erlebt, muss man ihm andere Wege eröffnen. Der Weg zur Sprache muss einem gehörlosen Kind über das sehen – also visuell – bereitet werden.

Auch wenn Ihr Kind gehörlos ist, ist es wichtig, dass es so bald wie möglich Kommunikationserfahrungen zu machen beginnt. Wenn Sie damit warten zu kommunizieren, bis Ihr Kind genau ausgetestet, mit Hörgeräten versorgt ist oder CI-implantiert ist und dann auch noch darauf warten müssen, ob diese technische Unterstützung für Ihr Kind gut funktioniert… dann gehen unter Umständen wertvolle Jahre der Kommunikation und Sprachentwicklung verloren.

Dieser Verlust ist emotional und geistig sowohl der des Kindes als auch der Verlust der Eltern – da eine leichte und altersangemessene Kommunikation in all der Zeit nicht erlebt wird. Auch, wenn Sie, die Eltern, noch nicht wissen, wie sich Ihr Kind entwickeln wird, welche technischen Hilfsmittel sich für Ihr Kind als sinnvoll erweisen werden und welchen Weg der Förderung sie gehen wollen: Kommunizieren Sie von Anfang an!

Sehen kann das Hören ersetzen

Sie stellen sich wahrscheinlich die Frage, wie für Ihr gehörloses Kind sprachliche Kommunikation gestaltet sein könnte, damit sie überhaupt wahrnehmbar ist und für das Kind und seine Bedürfnisse nutzbar wird.
Der für Kommunikation wichtigste Sinn neben dem Hörsinn ist der Sehsinn. Sehr viel an Wissen wird über die Augen aufgenommen und in unserer Gesellschaft wird viel über das Sehen kommuniziert (Körpersprache, Mimik, Farben, Bilder, Aussehen, Kleidung, Fernsehen usw.). Der Sehsinn ist jener Sinn, der bei Ihrem gehörlosen Kind den Hörsinn ersetzen kann, der dem Kind die meisten Informationen bringt und der bei gehörlosen Menschen speziell gut ausgebildet wird. Über den Sehsinn können sie von Anfang an mit Ihrem Kind kommunizieren. Bedenken sie: Ihr Kind kann zwar wenig oder nicht hören, aber es kann sehr gut sehen und fühlen. Machen sie sich also alle vorhandenen Sinne zu nutze!

TIPP:

Speziell für gehörlose Kinder, die ihren Spracherwerb gut mit Gebärdensprache meistern können, und ihre Eltern hat der Österreichische Gehörlosenbund vielfältige Angebote: Treffen, Vorträge, Kinderbücher, Elternratgeber, siehe www.oeglb.at/kinder


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