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Trennung bedeutet „nur“ Veränderung

von Mag. Michael Thaler

Elternbildung
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In den meisten Fällen ist eine Trennung oder Scheidung für die ganze Familie ein schwerwiegendes, kritisches Lebensereignis und stellt für alle eine erhebliche emotionale Belastung dar. Dabei wird von allen Familienmitgliedern, insbesondere von den Kindern, eine große Anpassungsleistung verlangt, da eine Trennung oder Scheidung der Eltern oft Veränderungen der Lebensbedingungen mit sich bringt.

In diesem Beitrag möchte ich den Fokus auf die Väter legen: Wie gehen Väter mit einer Trennung oder Scheidung um? Was hilft, das Schicksal anzunehmen und ein aktiv getrenntlebender Vater zu werden? Dabei möchte ich von praktischen Erfahrungen im Zuge meiner langjährigen Tätigkeit als klinischer Psychologe in der ifs Familienberatung berichten.

Meine Erfahrungen und unterschiedliche Studien belegen, dass ein hoher Anteil von Vätern und Männern den Umgang mit Trauer anders wie Mütter bzw. die Frauen im Allgemeinen bewältigt. Trennung/Scheidung bedarf eines Trauerprozesses, denn man verabschiedet sich von einer gelebten und gewünschten Familienstruktur. Eventuell beinhaltet dieses Lebensereignis auch eine Veränderung hinsichtlich Wohnort, Arbeitsplatz, Freund*innen und Verwandten. Ganz sicher bringt eine Trennung eine Veränderung im Kontakt zu den eigenen Kindern mit sich – und diesbezüglich darf und soll auch getrauert werden.

Diese Trauer benötigt einen Raum, einen Rahmen, welchen Männer ganz oft anders gestalten als Frauen. Immer wieder erlebe ich, dass Männern hierfür ein soziales Netzwerk fehlt, wo sie ernstgemeinten Halt, Trost und Unterstützung finden. Aber genau dies braucht man in solchen Situationen. Personen, die einem zuhören, die Emotionen wie Traurigkeit, Ärger/Wut, Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit aushalten. Personen, die nicht sofort einen kompletten Lösungsweg parat haben. Das hätten manche Männer zwar gerne, ist aber – gerade in einer krisenhaften Zeit – nicht umsetzbar und auch selten sinnvoll. Trauerprozesse folgen keinem vorgegebenen Lösungsweg, sie gestalten sich ganz individuell.

Ich als Berater biete den Männern einen Rahmen zur Trauerbewältigung, zur Neuorientierung in einer nun veränderten Lebenssituation und zur Perspektivenentwicklung – gerade für die Rolle des Vaters: Wie kann ich Kontakt zu meinen Kindern halten? Wie gelingen mir die emotionale Distanzierung zu meiner Ex-Frau und ein gleichzeitiges Aufbauen einer konstruktiven Elternebene? Gerade hier liegt gemäß meiner Erfahrung der sogenannte „Schlüssel zum Erfolg“. Es benötigt eine Auseinandersetzung mit dem Grund bzw. den Gründen des Scheiterns der Paarbeziehung. Das ist oftmals gar nicht so einfach. Speziell schwierig wird es, wenn kein klar erkennbarer Grund besteht. Wenn „man sich auseinandergelebt hat“, wenn „die Liebe nicht mehr vorhanden ist“. Hier habe ich oftmals erlebt, dass Männer sich schwer tun, die Trennung/Scheidung zu akzeptieren. Denn aus ihrer Sicht wäre eine Weiterführung der Paarbeziehung ja gewünscht gewesen. Klar ist, dass sich im Prozess des Sich-Trennen-Wollens immer eine Person aus der Paarbeziehung emotional mehr damit befasst hat. Vermutlich hat diese im Vorfeld des ausgesprochenen Trennungswunsches schon mehrfach geäußert, dass sie/er unglücklich ist. Wenn diese Signale vom Gegenüber nicht wahrgenommen werden, dann entsteht ein innerlicher Distanzierungsprozess zur Partnerin/zum Partner. Dies führt dann im Trennungs-/Scheidungskontext zum „emotionalen Vorsprung“ auf Paarebene. Und genau hier habe ich viele Männer erlebt, denen die Trennung/Scheidung zu schnell ging. Solche, die sich räumlich schon von Frau und Kindern getrennt hatten, emotional aber noch sehr stark an der Paarbeziehung hingen und somit in eine starke Überforderung, in eine Hilflosigkeit gelangen. In solch einem emotionalen Erleben kann man nicht gut in die Rolle eines aktiv getrenntlebenden Vaters finden. Dies gelingt nach meiner Erfahrung erst, wenn die Auseinandersetzung mit dem Scheitern der Ehe, dem Geschehenen stattgefunden hat. Dann kann ein emotionaler Abschluss gelingen und Zukunft gestaltet werden. Dazu gehört auch ein respektvolles, wertschätzendes Begegnen auf Elternebene.

Um die Rolle eines aktiven Vaters leben zu können, spielen natürlich die Rahmenbedingungen eine ganz wesentliche Rolle. Ist es mir zeitlich und örtlich möglich, mich aktiv vor Ort als Vater einzubringen? Wenn im Zuge der Trennung/Scheidung plötzlich die persönlichen Kontaktmöglichkeiten stark reduziert wurden, erschwert dies einiges. In solchen Fällen stellt die Nutzung von Telefon oder sozialen Medien ein wichtiges Instrument dar. Ich kann mich auch über diese Kanäle bei meinen getrenntlebenden Kindern sichtbar machen und in Kontakt bleiben. Auch der Austausch auf Elternebene (was für Kinder einen großen Stellenwert hat!) kann dadurch sichergestellt werden. Oder beispielsweise bietet das Nutzen eines Online-Tagebuches allen Familienmitgliedern die Möglichkeit, das tägliche Erleben der Kinder festzuhalten. Gerade Kinder schätzen es sehr, wenn sie hier für sie wichtige Tageserlebnisse festhalten und dem abwesenden Elternteil übermitteln können. Ich erlebe sehr oft, dass Väter schildern, dass sie seit der Trennung/Scheidung zu wenig vom Alltag ihrer Kinder mitbekommen und sich seit der Verwendung eines Online-Tagebuches wieder etwas näher bei den Kindern fühlen. Im Gegenzug schätzen auch die Mütter dieses Tagebuch, da sie so während der Kontaktzeiten der Kinder beim Vater mehr Informationen erhalten, als die Kinder nach der Rückkehr schildern.

Wenn es die Rahmenbedingungen zulassen, dann erlebe ich den Großteil der Väter als sehr bemüht und gewünscht involviert im Leben ihrer Kinder. Solche, die ihre Kinder auch abseits der vereinbarten Kontaktzeiten spontan kontaktieren und gemeinsame Zeit (telefonisch oder persönlich) verbringen. Väter, die sich mit hoher Verbindlichkeit in Kindergarten, Schule oder Verein einbringen und im Wechsel oder gemeinsam mit den Müttern sichtbar werden. Väter, die anstehende Feste ihrer Kinder auch zu ihrer Aufgabe machen. Genau darin liegt dann auch der Erfolg bei allen: Die Kinder erleben ihren Vater trotz stattgefundener Trennung/Scheidung als verfügbare Bezugsperson, als verfügbares Familienmitglied. Und dem Vater ergeht es ebenso…

 


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