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Trennung und Scheidung – eine vertraute Welt gerät aus dem Gleichgewicht

von Mag.a Yvonne Seidler

Trennung oder Scheidung ihrer Eltern bedeutet für Kinder und Jugendliche, die es gewohnt waren, mit Mutter und Vater zusammenzuleben – zumindest kurzfristig – den Zusammenbruch ihrer vertrauten Welt.

Die Entscheidung ihrer Eltern konfrontiert sie mit einer für sie fremden Welt, verbunden mit Veränderungen in vielen Bereichen. Auf diese Veränderungen muss reagiert werden. Diese Reaktionen sind Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, die der Wiedererlangung des seelischen Gleichgewichtes dienen und können in allen Ebenen auftreten:

Verhalten: Aggressivität, Weinerlichkeit, Rückzug, Angepasstheit, Regression, „Nicht“-Reaktion, Suchtverhalten, diverse Ängste, …

Körperliche Ebene: diffuse Schmerzen unterschiedlichster Art, Bettnässen, Nägelbeißen, Ess- und Schlafstörungen, …

Kognitive Ebene: Konzentrationsschwankungen („lernen scheint unmöglich“), Verzögerung in der Sprachentwicklung, …

Reaktionen und Erleben der Kinder

Verlauf des Trennungsprozesses unterschiedlich, aber folgendes erleben sie ähnlich:

Eigene Sichtweise

Kinder haben eine eigene Sichtweise davon, wer sich von wem trennt. Sie erleben es als großen persönlichen Verlust, wenn ein Elternteil plötzlich auszieht und empfinden die Trennung der Eltern vorrangig als Trennung von sich selbst: „Die Mama/ der Papa hat mich verlassen!“, „Er/sie mag mich nicht (mehr)“. Kinder erleben in massiver Weise, dass Eltern Entscheidungen treffen, ohne sie mit einzubeziehen. Dies zu erkennen, ist schmerzlich und führt dazu, dass ihre Position in der Familie in Frage gestellt bzw. neu definiert werden muss.

So ist es nachvollziehbar, dass sich Kinder oft Sicherheiten verschaffen, indem sie in die Entwicklungsstufe zurückgehen, aus der sie gerade entwachsen sind (Mithilfe bei der Hausarbeit, Einschlafritual, Schnuller..). Sie signalisieren damit: „ich brauche Sicherheit und Vertrautes um mich“ und dies ist verbunden mit Geduld und Gelassenheit seitens der Eltern, die gerade selbst durch eine Lebenskrise gehen.

Andere Informationen

Kinder erhalten andere, wenn nicht weniger Informationen über die Vorgänge rund um die Trennung oder Scheidung. Eltern wollen ihren Kindern „soviel wie möglich ersparen“ und zögern, diese rechtzeitig und ausreichend zu informieren. Kinder besitzen aber ein ausgeprägtes Wahrnehmungsvermögen. Wenn diese Wahrnehmungen nicht mit den Informationen übereinstimmen, kommt es zu Irritation und es bleibt genug Raum für Fantasien und Folgerungen des Kindes, die oft lange unwidersprochen mitgeschleppt werden.

Um sie nicht zu verwirren, kann man für Kinder in Worte fassen, was diese ahnen und ihnen erzählen, in welcher Situation sich die Familie befindet. Für Kinder ist es wichtig zu erkennen: „Was ich spüre, ist richtig!“. Auch die Möglichkeit, aktiv Fragen zu stellen und sich wichtige Informationen zu holen, wird für Kinder dadurch erleichtert.

Kinder fühlen sich mitverantwortlich

Da Kinder ein Teil der Familie sind und sich auch so fühlen, beginnen sie, ihre „Mitbeteiligung“ zu suchen. Welches Verhalten, welche Situation könnte dazu geführt haben, dass ihre Eltern sich so verändert haben. Sie machen sich auf die Suche und glauben, auch bald fündig geworden zu sein z.B.: „weil ich schlechte Schulnoten habe, streiten sie…“

Mit Unterstützung der Eltern aber auch in pädagogischen Kindergruppen, kann ein Prozess beginnen, der entscheidend zur Verarbeitung der Situation beiträgt: zu erkennen, dass das eigene Handeln Grenzen hat. Schritt für Schritt lernt das Kind, sich keinesfalls für die Trennung der Eltern verantwortlich zu fühlen und somit auch keine Schuld zu tragen.

Mamas und Papas Welt

Für Kinder beginnt nach der Trennung der Eltern ein Leben in zwei voneinander getrennten Welten. Sie müssen lernen, sich in “Mamas Welt” und in “Papas Welt” zurechtzufinden. Da sie aber beide lieben, geraten sie in einen massiven Loyalitätskonflikt. Sie spüren die mögliche Verunsicherung der Mutter, wenn ein Besuchswochenende beim Vater bevorsteht. Sie können erst beruhigt zum Vater gehen, wenn sie sich vergewissert haben, dass sie sich um die Mutter keine Sorgen zu machen brauchen. Auch den Vater nach einem Besuch alleine zurückzulassen, fällt ihnen zunächst schwer.

Für die Eltern ist es anfangs ebenfalls nicht leicht, die Besuchsregelung zu akzeptieren und zu fördern. Ist doch dies ein Schnittpunkt, wo man dem Vater /der Mutter des Kindes wieder (in irgendeiner Form) begegnet; und das gerade in der Zeit, in der man dabei ist, sich von dieser Frau / von diesem Mann zu lösen!

So wie es für die Eltern neu ist, ihre Kinder dem anderen Elternteil für eine bestimmte Zeit zu überlassen, so lernen Kinder, dass es o.k. ist, von einem zum anderen Elternteil zu wechseln, und zu beiden eine Beziehung zu pflegen. Durch die Versicherungen ihrer Eltern, dass sie nach wie vor von beiden Elternteilen geliebt werden, und dass auch sie beide Elternteile lieben dürfen und ausreichend Kontakt haben dürfen, kann sich dieser Konflikt verringern.

Wenn Kinder sich der Liebe ihrer – getrennt lebenden Eltern – sicher sind, erleichtert dies die Bewältigung der vielfältigen Ängste und Sorgen maßgeblich und sie können sich erlauben, mit mehr Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft zu gehen.


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