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Unerfüllter Kinderwunsch – darf ich mich zu diesem Thema überhaupt äußern, nachdem wir ja mit einem Kind gesegnet sind?

von Renate Prade

Wenn ich als Mädchen bzw. junge Frau an meine Zukunft dachte, hatte ich kein genaues Bild davon, was ich einmal beruflich machen möchte. Aber ganz klar sah ich mich als Mutter von drei bis vier Kindern (mit einem Mann natürlich). Letzteres hat sich schon recht früh erfüllt. Mein Mann und ich sind auch nach 27 Jahren sehr glücklich miteinander. Zu unserer großen Freude kam einige Jahre nach unserem Zusammensein unser Sohn plan- und wunschgemäß zu uns. Dann wurde alles anders als erträumt.

Noch ganz erfüllt vom Glück mit unserem Baby wollten wir bald darauf ein
2. Kind. Was beim ersten Mal so unkompliziert funktionierte, ging nun nicht in Erfüllung. Als sich auch nach Jahren vergeblichen Bemühens, vielen Enttäuschungen und großer Trauer dieser Wunsch nicht erfüllte, begann eine wahre Odyssee an Behandlungen. Es gab nichts, was wir nicht versucht hätten. Von alternativen Methoden (Bachblüten, Akupunktur, Homöopathie, Cranio-Sakral-Therapie,…) bis hin zur klassischen Behandlung (Hormone, Laparoskopie bis hin zur künstlichen Befruchtung) haben wir alles – leider vergeblich – versucht.
Das, was bei unserem Sohn so einfach und unkompliziert funktioniert hatte, schien nun einfach nicht zu klappen. Je mehr, vor allem ich mir ein Kind wünschte, desto mehr schien sich mein Körper dagegen zu wehren.
Nach der Geburt unseres Sohnes war aufgrund eines nicht gleich bemerkten Plazentarestes in der Gebärmutter eine Küretage gemacht worden. Leider hatte der behandelnde Arzt diese sehr „tiefschürfend“ ausgeführt, so dass sich auch mehrere Jahre nach der Geburt die Gebärmutterschleimhaut nur sehr dünn aufbaute. Dieses Problem versuchten wir durch eine mehrmonatige Hormonbehandlung aber auch durch homöopathische Medikamente zu lösen.

Im Laufe der Jahre verklebten beide Eileiter immer mehr. Myome kamen dazu. Das alles gipfelte in einer schweren Unterleibsentzündung, die so massiv war, dass ich operiert werden musste. Dabei wurden beide Eileiter und ein Eierstock entfernt. Trotzdem hoffte ich auf wenigstens noch ein weiteres Kind. Auch für unseren Sohn war das nicht immer leicht. Oft war ich in Gedanken mehr bei meinem Wunschkind als bei ihm. Er tat einiges, um sich wieder in mein Blickfeld zu rücken. Dafür bin ich ihm heute (so schwer es für alle war) sehr dankbar, da er sicher der Auslöser dafür war, dass ich professionelle Hilfe in Form von Beratung und Psychotherapie in Anspruch nahm.

Über viele Jahre setzte ich mich mit meinem intensiven Kinderwunsch, seinen möglichen Ursachen und Auswirkungen auseinander.
Im Laufe der Zeit wurde es dann auch möglich, mich auf ein Leben mit „nur“ einem Kind und alternativen Lebensformen zum Muttersein auseinander zu setzen.

Ein erster größerer Schritt war die Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin. Dieser Ausbildung folgten und folgen noch einige weitere, und meine berufliche Weiterentwicklung rückte immer mehr in den Vordergrund. Etwas, das zu Beginn der Kinderwunschbehandlung noch nicht einmal denkbar war, nahm immer mehr Gestalt an – ich darf glücklich und erfüllt leben, auch wenn ich meine ursprünglichen Vorstellungen von meinem Leben gänzlich umstellen muss.

Heute gehe ich ganz in meinem Beruf auf, der mich erfüllt und ausfüllt.
Unsere Ehe hat diesen Herausforderungen gut Stand gehalten. Ich konnte immer wieder erfahren, welch großes Glück ich mit diesem Mann an meiner Seite habe. Er war und ist für mich da, wenn ich ihn brauchte und brauche. Gemeinsam haben wir uns auf die Herausforderungen aber auch Freuden des Lebens eingelassen und sind miteinander gewachsen. Ich hoffe, dass wir noch viele erfüllte Jahre erleben dürfen.
Unser Sohn hat sich prächtig entwickelt. Er ist ein einfühlsamer, junger Mann geworden, der offen auf andere Menschen zugeht und sich kritisch mit sich und der Welt auseinandersetzt. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir ihn haben.

Manchmal tauchen noch Reste der alten Sehnsucht nach einem weiteren Kind auf – vielleicht aus Gewohnheit? Ich weiß es nicht.
Aber es tut nicht mehr so weh. Der Schmerz hat sich verwandelt. Ein großes Potenzial ist frei geworden, das ich heute in meiner Arbeit mit den Menschen umsetzen kann.

Aus dem Abstand heraus kann ich sagen, dass ich diese Erfahrungen, so schmerzhaft sie für mich waren, nicht missen möchte. Sie haben mich reifen lassen und Verständnis in mir geweckt für Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden.
Es war ein langer, oft mühsamer und trauriger Weg. Aber es hat sich ausgezahlt, sich mit mir und meinen Themen auseinander zu setzen. Für das alles bin ich heute sehr dankbar und auch demütig. Demütig gegenüber dem, was das Leben uns vorenthält aber auch schenkt. Dahinter verbirgt sich für mich eine große Weisheit, Gott. Es geht nur darum sich darauf einzulassen. Das erfordert Hingabe, Mut, Vertrauen, Zeit und die Unterstützung von wohlmeinenden und liebevollen Menschen.


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