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„Vater werden ist nicht schwer – Vater sein dagegen sehr…“

von Peter Steingruber, MSc

… diese alte „Volksweisheit“ bestätigt sich immer wieder aufs Neue.
Das Rollenbild des Vaters ist eng mit dem Selbstbild als Mann verwoben. Dazu gibt es einen theoretischen und einen alltäglichen Zugang zum eigenen Geschlecht und dessen Rolle. Gut erkennbar ist dies bei Straßenbefragungen,  wenn Männer aller Altersschichten nach deren Meinung  zum Thema „Übernehmen von Verantwortung in der Kindererziehung und der Haushaltsführung “ befragt werden. 
Quer durch alle Bevölkerungsschichten und Alterssegmente sind sich die Männer einig, dass sie sich zu gleichen Teilen an der Kindererziehung und Haushalt beteiligen sollten.
Im normalen Leben zeigt sich ein Zusammenhang zwischen den ursprünglichen Ideen, wie das Leben als Familie gelebt werden kann und soll, und der Anzahl der geborenen Kinder. In einer Studie wurde der Zusammenhang zwischen elterlicher Kooperation und Anzahl der Kinder beobachtet. Vereinfacht  zusammengefasst darf behauptet  werden, dass die klassische Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen immer ausgeprägter gelebt wird  je mehr Kinder geboren wurden.
Beim ersten Kind gelingt die gemeinsame Kooperation und Aufgabenverteilung noch am besten, ab dem Zweitgeborenen  nimmt diese jedoch  stetig ab. Über die Gründe der Veränderung kann nur spekuliert werden:  Das Familienmanagement  mit mehreren  Kindern erfordert  klare und genaue Organisation und Struktur. Frauen, die einen individuellen beruflichen Werde-  und Karriereplan entwickelt haben, empfinden  dies meist als Eingriff  in ihre persönlichen Entwicklungschancen. In Paartherapien verbalisieren diese Mütter dann vielfach: „So war unsere Familienplanung nicht vereinbart  – wir hatten eine Teilung  aller Aufgaben in der Kindererziehung  besprochen.“  Diese Erkenntnis nach nicht vereinbarter und damit nicht  geglückter Familienplanung führt zu großen Differenzen und Streitpotenzialen. Betroffene Mütter  entwickeln das Gefühl  nicht ernst genommen, übervorteilt  und ausgetrickst zu werden.  Väter wiederum empfinden diese Vorwürfe als ungerecht, empfinden sie ihrerseits doch Optimierungsdruck nach möglichst hohem Einkommen und  dem Anspruch möglichst viel Zeit zuhause, also  für die Familie da zu sein. Diese sehr verständlichen Gefühle der Ohnmacht, sowohl der Mütter als auch der Väter,  dem Gefühl unter den vielfältigen Anforderungen  zu  zerbrechen führt  oftmals  zu dem Zustand der „Erosion der Liebe“ und markiert oftmals „den Anfang vom Ende“…
In der Männerforschung wurde vor einigen Jahren festgestellt, dass es drei große Gruppen von Männern gibt:

  • Die konservativen Männer mit klassischen Rollenbildern von Familien und Paarbeziehung
  • Die verunsicherten Männer die zwischen den Welten umher wandern aber keine fixe Wertehierachie  verinnerlicht und abrufbar entwickelt haben
  • Die modernen Männer mit neuen Idealen,  betreffend Familie und Paarbeziehung

Die Gruppe der konservativen Männer  fühlt sich meist in seiner Rolle sicher. Alles ist und bleibt  so wie es seit jeher war. Dieser Männertyp hat für sich eine Berechtigung zur Fortführung der  konservativen Rollenaufgaben entwickelt. Den  Umgang mit den Kindern beschreiben sie als wichtig, aber  gleichzeitig empfindet sich der Vater als oberste Instanz für Moral und Ordnung. Der Umgang mit Babys und Kleinkindern wird als eher belastend und verunsichernd, die gesamte Familie jedoch als positive Einheit erlebt. Die Aufgaben dieses  Mannes sind für ihn klar definiert:  das System Familie zu erhalten, zu stützen und nach „außen“ zu schützen.
Die verunsicherten Männer machen den Großteil der Männer aus. Diese Gruppe pendelt immer wieder zum Teil planlos zwischen den anderen Positionen hin und her. In emotionalen Stresssituationen neigen diese Männer zu erlebten und abgespeicherten Interventionen ihrer eigenen Kindheit. Oft beobachtet  man ein inhomogenes Welt- und Erklärungsbild zu den Themen Elternschaft, Partnerschaft und Kindererziehung. Diese nicht fix verankerten Wertebilder bergen große Problemfelder, da die Umgebung letztendlich die Position des Partners oder des Vaters nicht sicher beschreiben kann, da er immer wieder nicht vorhersehbar schwankt. Die Verunsicherung der Väter und Männer führt so auch oft zu Verunsicherungen und Destabilisierung familiärer Beziehungen.
Die modernen Männer sind jene Männer, die in Familien ihr Recht auf Beziehung zu ihren Babys, Kleinkindern und Kinder sehen und ausleben wollen.
Sie schieben ihre Kleinkind stolz auch alleine in den Park und scheuen sich nicht die Kinderpflege gut und sicher zu übernehmen. Die Bindungsforschung hat die Wichtigkeit des Vaters in der Lebenswelt der Babys durch verschiedenste Untersuchungen ausgearbeitet. So wurde beobachtet, dass Babys die eine sichere Bindung zu ihren Vätern haben, mehr und länger lachen als Kinder die keine sichere Bindung zu ihren Vätern haben. Die gelingende Triade (Verbindung zwischen Mutter –Kind –Vater) bringt dem Kind nicht nur eine weitere Alternative an Bindungsmöglichkeiten und Vielfalt, sondern auch eine weitere Bindungsperson die Sicherheit und Schutz aber auch Nähe und Zärtlichkeit bietet. Der moderne Vater mischt sich bewusst und interessiert in das Leben seiner Familie ein, um unterstützend und  liebevoll verfügbar zu sein.
Da sich eine Familie aber nicht nur aus Männern formiert, sondern meist  aus einem (Liebes-) Paar entsteht,  gibt es umgekehrt ebenso ähnliche Gruppierungen von Frauen, also Mütter die sich eher im konservativen, traditionellen Rahmen zuhause fühlen. Mütter die verunsichert  in ihrer Rolle als Frau und Mutter und zwischen den Positionen „umher wandeln“, bis hin zu Müttern die moderne Familienkonstellationen bevorzugen.
In der Praxis wird es meist problematisch, wenn verschiedenste Elterntypen aufeinander treffen und es so zu Mischformen an Ideologien und Wertanschauungen kommt,  die unausgesprochen sind und bleiben oder sogar nicht bewusst wahrgenommen werden. 
In Befragungen von Müttern und Vätern, welche Dinge ihnen im Umgang mit ihren Kindern besonders wichtig sind, gibt es große geschlechtsspezifische Unterschiede. Mütter geben tendenziell stärker Situationen an, in denen sie Ihre Babys und Kinder  vor allem versorgen, umsorgen, liebkosen, verwöhnen, pflegen und mit ihnen kuscheln. 
Väter geben eher bewegungsorientierte Spiele an wie: in die Höhe werfen und fangen, kitzeln, abfangen spielen, blödeln, Abenteuer erleben.
Man kann aus diesen unterschiedlichen Zugängen zu eigenen Kindern gut sehen, dass  es für unsere Kinder absolut Sinn macht zwei Elternteile zu haben, die jeweils ihre Stärke ausleben (dürfen).   
Paare kümmern sich  vor der Geburt ihres ersten Kindes meist kaum um ihre eigenen Ideen und Geschichten und dies kann zu sehr problematischen Situationen führen. In der Fachliteratur wird darauf hingewiesen, dass  sich viele Eltern vor einer beginnenden Elternschaft  kaum mit ihrer eigenen Kindheit, in Retroperspektive,  auseinander gesetzt haben. So kommt es immer wieder zu einem Phänomen das sich „die eigenen Geister im Kinderzimmer“ nennt. Damit ist gemeint, dass Eltern in belastenden Situationen intuitiv  und manchmal, auf Grund suboptimaler Erlebnisse, auch falsch reagieren. Wenn Eltern mehr über eigene „Schwachstellen“ und „wunde Punkte“  Bescheid wüssten, könnten sie  in Konfliktsituationen mit ihrem Nachwuchs eigene vergangene Wunden und Verletzungen aus dem aktuellen Konflikt heraus halten.
Ein Beispiel: Eine junge sehr bemühte Mutter kontaktiert mich, da ihr drei jähriger Sohn außer Rand und Band ist. In der Arbeit mit der Kindesmutter wird klar, dass das Verhalten  ihres Sohnes sie an eine Situation als Kind erinnert,  in der ihr Vater besonders gemein und gewalttätig agiert hat. Im Gespräch wird klar, dass sie, wenn ihr Sohn sich tobend auf den Boden wirft einerseits seinen Zorn und seine Verzweiflung nur schwer ertragen kann und zusätzlich die Ohnmacht und das Ausgeliefert- sein wieder erlebt und dadurch in einer Härte reagiert, die sie sonst strikt ablehnen würde.  Hier reagiert die Mutter aus einer „alten“ Verletzung heraus. Als ihr das klar wird, ist es möglich sich der Auseinandersetzung ihrer „Kinderzimmer-Geister“ zu widmen und in der Folge dem kleinen Sohn adäquat als Bindungs- und Bezugsperson zur Verfügung zu stehen.
Immer mehr Eltern wünschen sich eine bessere Vorbereitung auf das Projekt Familie. Wenige Programme erreichen Mütter und Väter. Eines, das bereits gut evaluiert und erforscht ist, nennt sich „SAFE® – Sichere Ausbildung für Eltern“. Das Programm startet  in der Schwangerschaft und hat zum Ziel, Wissen über die Notwendigkeit einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind als optimale Entwicklungsvoraussetzung  für das Baby zu vermitteln, und beim Aufbau dieser unterstützend zur Seite zu stehen.
Männer werden manchmal als „beratungsresistent“  beschrieben – bei diesem Programm zeigt sich, dass Männer gerne ein „Manual“  – eine Anleitung bekommen würden,  wie das mit ihren Kindern so funktionieren könnte. Da SAFE® auch einen edukativen Charakter hat,  befriedigt es den Wunsch der Väter nach einem Plan. Ebenso wird den individuellen Bedürfnissen und Vorstellung viel Raum gegeben. Somit wird die Entwicklung zur Familie noch bewusster als „Gemeinsames“ empfunden.
Die „moderne“ Familie braucht nicht nur beziehungsbereite Väter und Mütter sondern auch ein hohes Maß an Anpassungsbereitschaft an diese neue Lebenswelt. Dazu ein Beispiel aus der Praxis:
Ein junger Vater möchte gerne die Karenzzeit für seine Tochter nutzen und hat große Sorgen ob er es wohl „richtig“ macht. In der Zusammenarbeit gewinnt er immer mehr Vertrauen in sich und  seine Tochter, die ihm schon rückmeldet ob er es gut macht. In einer Familiensitzung sagt die Kindesmutter mit Tränen in den Augen: „Ich war so stolz, dass er die Karenzzeit wirklich macht. Aber mir war nie bewusst was ich dann alles verliere… Ich werde bei ihrem ersten Schritt nicht dabei sein, mich bei den nächsten Worten nicht als erstes mit ihr freuen können…“
Dieses Beispiel zeigt,  wenn Männer etwas „übernehmen“ müssen Frauen auch etwas „abgeben“ – und das kann sehr weh tun…
Daher ist es wichtig unsere(werdenden) Mütter und Väter in ihrer Kompetenz zu stärken, ein Erziehungsteam zu werden und sich im Notfall auch Unterstützung durch Fachkräfte zu holen, um dieses schwierige aber lohnende Projekt erfolgreich zu meistern und genießen zu können. 
Es zahlt sich aus!!


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