Zum Inhalt Zum Menü
Farbiger Bogen Farbiger Bogen Ei Schwerpunktthemen Zahnrad Lupe Share on Twitter Twitter Logo Share on Facebook Facebook Logo Share via E-Mail E-Mail Pfeil lang Pfeil nach unten Pfeil nach links Pfeil nach rechts Karte mit Marker Newsletter Links Bestellservice Literaturtipps Studien Elternbildung Login/Logout Hand Schließen Marker mit Hand YouTube Ei-Rahmen für Bilder info forum head helpdesk home info list logout message student task upload add burger burger_close courses delete download edit check link media preview preferences-elearning image share play-store-icon app-store-icon

Wirbelsäulengymnastik bei Kindern – kann das überhaupt Spaß machen?

von Mag. Barbara Massatti

Der Aufbau der Wirbelsäule

Um die Wirbelsäule, ihre Beweglichkeit aber auch ihre Schwachpunkte besser zu verstehen, sollte man sich den Aufbau der Wirbelsäule vor Augen führen.
Man kann die Wirbelsäule in fünf Abschnitte unterteilen: Hals, -Brust, -und Lendenwirbelsäule, das Kreuz, – und das Steißbein. Die Wirbelsäule ist doppelt gekrümmt: Die Halswirbelsäule weist, von der Seite betrachtet, eine Biegung nach hinten auf, die Brustwirbelsäule wölbt sich nach vorne. Die Lendenwirbelsäule biegt sich wiederum nach hinten und Kreuz- und Steißbein krümmen sich erneut nach vorne.
Insgesamt haben wir 24 bewegliche Wirbelkörper (7 Hals-, 12 Brust, – und 5 Lendenwirbelkörper). Die einzelnen Wirbel sind durch Gelenke miteinander verbunden, dazwischen liegen die Bandscheiben. Die Bandscheiben besitzen keine Blutgefäße, sie können nur Bewegung ernährt werden, durch Beugen und Strecken gelangen die Nährstoffe in die Bandscheibe.
An den Wirbelkörper schließt sich der Wirbelbogen an, dadurch entsteht ein Hohlraum, den man Wirbelkanal nennt. Im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark, die Verbindung des Nervensystems zum Gehirn. Zwischen den Wirbel treten die Nerven aus, die zu den Armen und Beinen führen.
Schließlich ist die Wirbelsäule noch mit Bändern und Muskeln umgeben, die die Beweglichkeit und Stabilität der Wirbelsäule gewährleisten und die Verbindung zum Rumpf herstellen.

Hauptfunktionen der Wirbelsäule

  • Bewegungsfunktion: die Wirbelsäule und die dazu gehörende Muskulatur ermöglicht uns vielfältige Bewegungen um die zentrale Achse
  • Belastungsaufnahme und Weiterleitung von Belastungen
  • Stütz- und Stabilisierungsfunktion: die Wirbelsäule bzw. die dazu gehörende Muskulatur hilft uns Balance zu finden und zu halten
  • Schutzfunktion: Schutz des Rückenmarks

Bewegungsmöglichkeiten der Wirbelsäule

Vorwärts- und Rückwärtsneigung
Seitwärtsneigung
Drehbewegung

Warum leiden Kinder und Jugendliche immer häufiger an Rückenschmerzen?

Natürlich kann man diese Frage nicht  pauschal mit Bewegungsarmut und einseitigen Belastungen beantworten. Manche Kinder haben beispielsweise eine angeborene Fußfehlhaltung oder Wirbelsäulenverkrümmung.
Doch diese Fehlhaltungen sind nicht Hauptursache für die immer häufiger werdenden Rückenschmerzen und Haltungsschwächen unserer Kinder.
Viel mehr zeichnet sich die Tendenz ab, dass der Alltag unserer Kinder von Bewegungsarmut und einseitigen Belastungen gekennzeichnet ist.

  • Stundenlanges Sitzen in Schulen auf meist „rücken-unfreundlichem“ Schulmobiliar.
  • Die Freizeit wird immer häufiger vor dem Computer, Playstation oder dem Fernseher verbracht, ebenfalls meist auf rückenschädlichen Mobiliar.
  • Schulwege werden immer seltener zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt sondern mit dem Auto oder dem Bus zurück gelegt.
  • Der Schulsport wird immer mehr vom Stundenplan gedrängt und fällt anderen, „wichtigeren“ Fächern zum Opfer
  • Und schließlich spielen wir Eltern eine entscheidende Rolle, wenn es um eine gesunde, funktionsfähige Wirbelsäule unserer Kinder geht, denn Kinder kopieren das Verhaltens- und Bewegungsmuster von uns Eltern. All zu oft tritt Sport und Bewegung bei uns Eltern durch den Alltagsstress in den Hintergrund und so verlieren leider auch unsere Kinder die Freude an der Bewegung [siehe auch Kempf/Fischer 2004, S 28ff].

Wie entstehen nun  Rückenschmerzen?

Einerseits bewirkt das stundenlange Sitzen, dass sich die Gelenke der Wirbelsäule eben über Stunden in einer Fehlstellung befinden. Die Bandscheiben werden falsch belastet, einzelne Muskeln bzw. Muskelareale werden überbelastet, während andere wieder gar nicht belastet werden. Die belastete Muskulatur ermüdet, vor allem im Hals-, Nacken, und Lendenwirbelsäulenbereich. Die Schultern fallen immer weiter nach vor und nach unten, es kommt zu Verspannungen der Muskulatur und schließlich zu Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich, die sich dann entlang der gesamten Wirbelsäule fortsetzten.
Andererseits führt der allgemeine Bewegungsmangel dazu, dass die Muskulatur des Körpers schwach wird. Dies betrifft natürlich auch die gesamte Muskulatur der Wirbelsäule bzw. des Rückens und die Folge schwacher Muskulatur sind Haltungsschwächen.

Zu den Haltungsschwächen zählen Rundrücken, Hohlrücken, Hohlrundrücken, muskulär bedingte Skoliosen und Fußschwächen.
Haltungsschwächen wiederum führen zu Verformungen an Knochen, Gelenksfehlstellungen, Degenerationen von Sehnen und Bändern, und damit zu möglicherweise irreparablen Haltungsschäden.

…..und noch etwas zu Haltungsschwächen

Haltungsschwache Kinder haben oft starke Beeinträchtigungen in ihrem Bewegungsleben und –erleben. Das heißt, ihre Bewegungsleistung ist vor allem bei Geschicklichkeits- bzw. Koordinationsübungen herabgesetzt. Diese Kinder können z.B. nicht rückwärts laufen oder balancieren und sie können sich bei Stürzen nicht gut abfangen. Die Koordinationsmängel und Bewegungsunsicherheiten führen zwangsläufig dazu, dass sich die Kinder noch weniger zutrauen und sich zurückziehen. Die Entwicklung des Selbstwertgefühls und der Selbstsicherheit, die bei Kindern häufig an ihre körperlich-motorischen Fähigkeiten geknüpft sind, wird empfindlich gestört. Es zeigt sich auch, dass diese Kinder bei schulischen Leistungen Schwächen aufweisen und oft Schwierigkeiten beim Schreiben, Lesen und Rechnen haben.

Es macht sich daher in vielerlei Hinsicht bezahlt, Kindern eine möglichst vielfältige Bewegungserfahrung in verschiedenen Situationen mit unterschiedlichen Materialien zu ermöglichen, sodass Kinder sich einerseits körperlich gut entwickeln können, andererseits aber ihrer kognitiven Fähigkeiten verbessern, Selbstsicherheit gewinnen, Körperwahrnehmung erlernen und ganz allgemein Spaß daran haben, sich zu bewegen.

Eine gute Möglichkeit, Kindern diese Bewegungserfahrungen machen zu lassen, bietet ein gut geleitetes Wirbelsäulentraining. Hier wird auf spielerischem Weg rückenfreundliches Bewegungsverhalten erlernt und verinnerlicht.

Zielsetzungen eines Wirbelsäulentrainings für Kinder:

  • Verbesserung bzw. Erhalt der Beweglichkeit
  • Verbesserung bzw. Erhalt der Gewebselastizität
  • Verbesserung bzw. Erhalt der koordinativen Fähigkeiten
  • Verbesserung der Selbsteinschätzung der körperlichen Fähigkeiten
  • Optimierung des Gelenks, -Muskel, – Knochenstoffwechsel
  • Verbesserung der Ernährungssituation der Bandscheiben
  • Verletzungsprophylaxe
  • Prophylaxe von Fehlbelastungen
  • Lösen von Verspannungen    

Inhalte eines Wirbelsäulentrainings für Kinder:

  1. Ankommen, Einstimmung auf die Stunde und Körperwahrnehmung
  2. Mobilisieren der Wirbelsäule
  3. Koordinations, – und Gleichgewichtsübungen
  4. Kräftigung der Wirbelsäulenmuskulatur
  5. Dehnen
  6. Ausklang: je nach Uhrzeit entweder Aktivierungsspiele oder diverse Entspannungstechniken

Bei all diesen Inhalten wird auf den spielerischen Aspekt größten Wert gelegt.  Kinder merken nichts davon, dass sie eigentlich ein Training für ihre Wirbelsäule absolvieren, sondern haben einfach Spaß an den vielfältigen Bewegungsabläufen und freuen sich, wenn sie selbst ihre Fantasien in all diese Bewegungsspiele mit einbauen können und so den Unterricht mitgestalten können.
Somit wäre auch die eingangs gestellte Frage, ob Wirbelsäulentraining Kindern denn Spaß machen kann, beantwortet.

Eine weitere Möglichkeit unseren Kindern Freude an Bewegung zu vermitteln und so den ganzen Körper fit zu halten, wäre einfach mit ihnen in die Natur zu gehen und gemeinsam Sport zu treiben oder auch einfach nur herumtoben. Mein Appell an alle Eltern lautet daher, raus in die Natur, egal ob wandern, spazieren, walken, Ball spielen, schwimmen, Rad fahren, skaten, klettern…..usw.
Eine gute Gelegenheit, alle Muskeln zu trainieren und die koordinativen Fähigkeiten zu fördern, bieten gut ausgebaute Kinderspielplätze. Und wenn das Wetter nicht mitspielt, kann man auch zu Hause einiges tun, um in Bewegung zu bleiben. Zum Beispiel gute Musik auflegen und dazu tanzen, oder Seilziehen, Gleichgewichtsübungen auf Gleichgewichtsplatten, usw. Das macht nicht nur den Kindern Spaß und hält sie fit, sondern ist auch für uns Erwachsene eine schöne, erlebnisreiche Zeit.


Kommentare

Derzeit gibt es noch keine Kommentare zu dieser Stimme


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Mehr erfahren