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„Alles Super Nanny?!“ – Studie zeigt differenziertes Bild der Doku-Soap

Markus liegt am Boden und setzt zum nächsten Schrei-Konzert an. Mit einer Lautstärke, die man einem Achtjährigen nicht zutrauen würde. Er ist der mittlere Spross einer sechsköpfigen Familie. Sein Stiefvater Norbert hat eigenwillige Erziehungsmethoden entwickelt: Wenn Markus „spinnt“, wird er ins elterliche Schlafzimmer gesperrt. Er reagiert mit Geschrei: „Du Volltrottel!“

Die erste Szene der ATVplus-Doku-Soap „Die Super Nannys“ wirkt so überzeichnet, dass man gleich an Fiktion denkt. Aber diese Familie gibt es, und ihre Probleme sind nicht gestellt. Als rettender Engel tritt „Super-Nanny“ Sandra Velásquez auf – mit Rat wie: „Sie müssen Ihren Kindern Grenzen setzen, ihren Tagesablauf strukturieren.“

„Unser überraschendes Ergebnis: Die Super-Nannys sind besser als ihr Ruf“, sagt Jürgen Grimm vom Wiener Institut für Publizistik, der mit einem Team das Sendeformat erforscht: „Die Super-Nannys setzen einen Trend fort, den wir unterhaltungsbasiertes Orientierungs-Service für Zuschauer nennen.“ Grimm sieht eine Veränderung in der Medienlandschaft: „Immer öfter werden Informationen vermittelt, die den lebensweltlichen Alltag betreffen.“ Der Trend „Erziehungsfernsehen“ zeige den offenbar bestehenden Beratungs-Bedarf.

Zunächst wurde die österreichische Sendung mit den gleichnamigen Sendungen aus England und Deutschland verglichen. Die Untersuchung wird erst ausgearbeitet, doch Grimm erkennt bereits eine Tendenz: „Die Super-Nannys auf ATVplus haben die schlechteste Sendungsqualität.“ Der Unterschied zur englischen Produktion mit der besten Machart: Die lief bereits 2004 in der öffentlich-rechtlichen BBC, moderiert von der britischen Entertainerin Jo Frost, die zwar Erfahrung im Babysitting, aber keine pädagogische Ausbildung hatte. In den Sendungen im deutschsprachigen Privatfernsehen sind die Nannys ausgebildete Expertinnen. „Österreich liegt bei der professionellen Qualitat der Beratungsleistungen aber klar vor Deutschland“ betont Grimm.

In einer Online-Befragung von rund 1600 Zuschauern wurden die Erziehungsstile der beiden Nannys von Sozialpädagogin Sabine Edinger und Psychologin Sandra Velásquez bewertet. Weiters wurden Gruppendiskussionen mit Familien aus den Sendungen, den Super-Nannys und Experten durchgeführt. „Bei den Beratungseinrichtungen der Stadt Wien gab es vereinzelt die Meinung, die Super-Nannys seien eine inkompetente Konkurrenz, die mehr schade als helfe.“ Insgesamt aber, so Grimm, gab es überdurchschnittlich viele positive Bewertungen. Experten von Hilfseinrichtungen bestätigten, dass seit dem Sendungs-Start (März 2004) mehr Menschen offizielle Hilfe suchen würden: „Es pusht den Zustrom der Jugendämter.“ Die Sendung führe also zum Abbau von Beratungs-Barrieren. „Der Zuschauer realisiert, dass es nicht nur um eine virtuelle Sendung geht: Er erkennt sein eigenes Problem und wird motiviert, sich ebenfalls helfen zu lassen.“

Die österreichischen Kinderfreunde kritisierten am Donnerstag mit ihrer Studie „Alles super, Nanny?“, dass die Kinder in den öffentlichen Raum gezerrt würden. Sie beriefen sich auf ihre – nicht repräsentative – Online-Befragung, bei der zwei Drittel angegeben hatten, die Sendung aus voyeuristischen Gründen zu sehen. Grimm sieht das nicht nur negativ: „Schaulust und Orientierungsleistung müssen keinen Widerspruch bedeuten. Wenn mir das Zusehen Spaß macht, heißt das nicht, dass ich nicht auch andere Motive haben kann“. Er möchte die Gefahren von Sozial-Voyeurismus nicht außer Acht lassen, es scheine aber, „dass die positiven Merkmale der Sendung eindeutig überwiegen“. Und er hofft auf regen Diskurs nach Publikation der Studienergebnisse.

(Quelle: diepresse.com, ANNA-MARIA WALLNER 10.04.2006)

hier können Sie die Studie downloaden (PDF, 91KB)
www.kinderfreunde.at

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