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Jugendsexualität

Seit fast 30 Jahren analysiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Einstellungen and Verhaltensweisen von Jugendlichen in Bezug auf Aufklärung, Sexualität and Verhütung – die erste Studie fand 1980 statt, „Jugendsexualität 2010“ ist die siebente Studie der Trendreihe. Befragt wurden 2.810 Jugendliche deutscher Staatsangehörigkeit im Alter zwischen 14 und 17 Jahren sowie deren Eltern. Zusätzlich wurden 732 Jungen and Mädchen mit ausländischer Staatsangehörigkeit befragt, die zusammen mit Jugendlichen aus der Hauptstichprobe (Jugendliche deutscher Staatsangehörigkeit mit Migrationshintergrund) als Stichprobe „Jugendliche mit Migrationshintergrund“ separat ausgewertet wurden.

Eltern heute: Starke Partner für deutsche Jugendliche
Bei den Jugendlichen deutscher Staatsangehörigkeit haben sich im Langzeitvergleich enorme Veränderungen ergeben – 1980 konnten lediglich 28% der Jungen im eigenen Elternhaus einen Ansprechpartner für ihre sexuellen Fragen finden, heute sind es mit 62% fast so viele wie bei den Mädchen (67%). Die aktuelle Rate von Eltern, die ihre Kinder selbst aufklären, ist die höchste bisher gemessene der Zeitreihe: Eltern von Mädchen haben zu 78% und Eltern von Jungen zu 67% die Aufklärung ihres Kindes selbst in die Hand genommen, in aller Regel (rund 90% der Fälle) sukzessive als entwicklungsbegleitende Informationen und nicht – wie früher vor allem für Jungen nicht selten üblich – in einem einmaligen Gespräch.

Elternhaus bei MigrantInnenfamilien weniger aktiv
Als Bezugsperson fur die Sexualaufklärung sind nach wie vor in erster Linie die Mütter gefragt, auch von den männlichen Jugendlichen. Jugendliche mit Migrationshintergrund, insbesondere Jungen, finden bei der Sexualaufklärung insgesamt sehr viel weniger Rückhalt im Elternhaus als Jugendliche deutscher Staatsangehörigkeit. Das zeigt sich bereits bei der Frage, ob die Eltern bei der Aufklärung eine wichtige Rolle gespielt haben. Aber auch als Vertrauenspersonen für sexuelle Fragen fungieren die Elternin Migrantenfamilien weniger häufig: Von den Mädchen beziehen sich knapp die Hälfte (48%), von den Jungen sogar nur ein Drittel (33%) auf sie. Zum Vergleich: Deutsche Jugendliche sehen zu rund zwei Drittel in mindestens einem ihrer Elternteile eine vertrauenswürdige Bezugsperson. Neben der besten Freundin/dem besten Freund sind Eltern eine wichtige Stütze, vor allem für die Jüngeren. 17% der Mädchen und 22% der Jungen mit Migrationshintergrund haben niemanden, mit dem sie im Vertrauen sexuelle Themen bereden können (deutsche Mädchen: 8%, deutsche Jungen: 18%).

Eigene Einschätzung der Jugend: Allgemein aufgeklärt, im Detail Defizite
Das Gros der 14- bis 17-Jährigen heute hält sich selbst allgemein für ausreichend aufgeklärt. Mehr als 80% sind es unter Mädchen und Jungen deutscher Staatsangehörigkeit, weniger unter Jungen (72%) und Mädchen (lediglich 67%) mit Migrationshintergrund. Dennoch gibt es etliche Themen, zu denen die Jugendlichen auch heute noch Informationsbedarf haben. Ein Viertel der Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit und über 30% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund würden beispielsweise gerne mehr zum Thema Verhütung erfahren. Noch größer ist der Informationsbedarf zu Geschlechtskrankheiten und sexuellen Praktiken sowie – von Seiten der weiblichen Jugendlichen – zu Schwangerschaft/Geburt und Schwangerschaftsabbruch. Bei Mädchen deutscher Staatsangehörigkeit steht auch das Thema sexuelle Gewalt weit oben auf der Liste. Jugendlichen aus MigrantInnenfamilien ist das Thema Liebe und Zärtlichkeit auffällig wichtig. Mädchen mit Migrationshintergrund, generell unsicherer als andere Jugendliche, würden zu vielen der Themen gerne mehr wissen wollen.

Verhütungsberatung in deutschen Familien weit verbreitet
69% der Mädchen und 58% der Jungen deutscher Staatsangehörigkeit sind von ihren Eltern zum Thema Empfängnisverhütung beraten worden. Die Angaben der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bleiben weit hinter diesen Anteilen zurück: Mädchen 51%, Jungen sogar nur 41 %. Speziell in der Gruppe der türkischen Mädchen (31%) und Jungen (36%)sind es noch weniger sowie parallel bei den Jugendlichen muslimischen Glaubens (ebenfalls jeweils rund ein Drittel). Hinzu kommt: Von den Mädchen und Jungen ausländischer Herkunft ist ein knappes Fünftel mit der Beratung nicht zufrieden gewesen (Anteil der Unzufriedenen bei Jugendlichen deutscher Herkunft im einstelligen Bereich). Liegen sexuelle Erfahrungen vor, wurden die Jugendlichen häufiger beraten.

Verhütungsempfehlung: Für Mädchen zunehmend auch das Kondom
Ob mit oder ohne Migrationshintergrund, den Jungen wird von ihren Eltern zur Verhütung das Kondom nahegelegt, für Mädchen geht die Empfehlung mehrheitlich zur Pille. Auffällig ist allerdings: Die ausschließliche Ausrichtung auf die Pille ist nicht mehr die Regel. In jedem fünften Fall ist die Empfehlung zur Pille ergänzt worden um den Rat, auch ein Kondom zu benützen. Und immerhin jeder dritte Elternteil – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – sieht die beste Empfehlung für die Töchter im Kondom allein.

Von zunehmend größerer Bedeutung: Schule als Vermittlungsinstanz
Der Zugang zu schulischer Sexualaufklärung ist mittlerweile nahezu flächendeckend und unabhängig von Geschlecht und Migrationsstatus der Jugendlichen gewährleistet. Mindestens drei Viertel der Jugendlichen geben an, dass ihre Kenntnisse über Sexualität, Fortpflanzung und Verhütung (unter anderem) aus dem Schulunterricht stammen – keine andere Quelle der Sexualaufklärung wird häufiger genannt. Und rund vier von fünf Jugendlichen geben an, das Thema Empfängnisverhütung behandelt zu haben. Lehrkräfte sind für Jungen die wichtigsten Personen ihrer Sexualaufklärung gewesen. Von den Jungen deutscher Staatsangehörigkeit werden Lehrer und Lehrerinnen ähnlich häufig genannt wie die eigene Mutter, für Jungen mit Migrationshintergrund ist die Schule sogar der wichtigste Ort der Aufklärung.

Frauenarztbesuch: Zunehmend auch von 14-Jährigen
Für Mädchen hat Schule keine so starke Bedeutung wie für Jungen, weil ihnen eine zusätzliche Quelle für Informationen zur Verfügung steht, auf die Jungen nicht zurückgreifen können: die Gruppe der Ärzte, in der Regel wohl Gynäkologen und Gynäkologinnen. Für jeweils ungefähr drei von zehn Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund sind Ärzte die präferierten Wissensvermittler für noch offene Fragen. Ihre Bedeutung hat für Mädchen in den vergangenen vier Jahren noch zugenommen. Gut die Hälfte der 14- bis 17-jährigen Mädchen hat bereits schon einmal eine gynäkologische Praxis aufgesucht. Von 2005 auf 2009 ist die Zahl speziell unter den 14-Jährigen gestiegen: von 28% auf 34% bei den deutschen Mädchen, und von 22% auf 29% bei den Mädchen mit Migrationshintergrund. Liegen eigene sexuelle Erfahrungen vor, so waren die Mädchen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – in rund neun von zehn Fällen beim Frauenarzt. Unter sexuell noch nicht aktiven Mädchen gaben in erster Linie Fragen rund ums Thema Menstruation den Anlass für einen Erstbesuch in einer frauenärztlichen Praxis. Unter den sexuell erfahrenen Mädchen liegt der Schwerpunkt der Motivation eindeutig auf dem Thema Verhütung.

Beratungsstellen – ein kleiner, aber wichtiger Baustein unter den Beratungsangeboten
11% bis 14% aller Jungen und Mädchen haben schon einmal eine Beratungsstelle aufgesucht, um sich dort über Verhütung informieren zu lassen. Einige Indizien sprechen dafür, dass Beratungsstellen fur bestimmte Jugendliche, die sonst nicht unbedingt gut mit Informationen versorgt werden, eine wichtige Anlaufstation sind. So geben z.B. drei von zehn Jungen aus MigrantInnenfamilien, die schon einmal eine Beratungsstelle zur Verhütungsberatung aufgesucht haben, an, es sei kurz vor dem ersten Mal gewesen und sie hatten vorab informiert sein wollen – das sind doppelt so viele wie unter Mädchen und unter deutschen Jungen.

Unterschiedliche Verhaltensmuster bei sexuellen Kontakten von Mädchen and Jungen mit Migrationshintergrund
Jungen aus Migrantenfamilien sind früher und damit auch insgesamt häufiger sexuell aktiv als ihre deutschen Geschlechtsgenossen, Mädchen mit Migrationsgeschichte sind insgesamt sehr viel zurückhaltender als Mädchen deutscher Staatsangehörigkeit. Die größten Unterschiede werden bei den Mädchen im Alter von 16 Jahren sichtbar (Anteil sexuell Erfahrener unter deutschen Mädchen: 50%, unter Mädchen mit Migrationshintergrund: 27%), aber auch im Alter von 17 ist von den Mädchen mit Migrationshintergrund gerade einmal die Hälfte sexuell aktiv, während es ansonsten zwei Drittel und mehr sind. Es sind in erster Linie die jungen Frauen muslimischen Glaubens, parallel dazu auch diejenigen mit türkischer Staatsangehörigkeit, die nur in äußerst geringem Umfang in jugendlichem Alter sexuelle Aktivitäten entwickeln.

Unterschiedliche Gründe für Zurückhaltung bei sexuellen Kontakten
Erste Kuss- und Körperkontakte ja, aber noch kein Geschlechtsverkehr: Ein Hauptgrund hierfür ist bei allen Jugendlichen das Fehlen des richtigen Partners oder der richtigen Partnerin. Ansonsten unterscheiden sich die Begründungen aber je nach Geschlecht und Herkunft. Mädchen mit Migrationshintergrund begründen ihre Zurückhaltung häufig damit, zu jung dafür zu sein – das ist bei ihnen mit 48% der meistgenannte Aspekt. 34% beziehen sich auch darauf, einen engen Kontakt zum anderen Geschlecht vor der Ehe nicht richtig zu finden, unter Mädchen muslimischen Glaubens geben sogar 59%  diese Antwort. Eine Einstellung, die ihre Geschlechtsgenossinnen deutscher Herkunft (7%) kaum teilen – Jungen ebenso wenig. Auch die Angst, dass die Eltern davon erfahren könnten, ist vor allem für die Mädchen mit Migrationshintergrund ein Argument zur Zurückhaltung (26%, ansonsten 7-13%). Für Jungen dafür relevanter als für Mädchen ist die eigene Schüchternheit und die Angst, sich ungeschickt anzustellen. Jungen mit Migrationshintergrund stehen zusätzlich besonders oft vor dem Problem, dass ihre Partnerin sich weigerte (23%).

Sexuelle Gewalt ist Mädchen nicht unbekannt
13% der Mädchen deutscher Herkunft und 19% der Mädchen mit Migrationshintergrund sind schon einmal in die Situation geraten, sich gegen unerwünschte sexuelle Annäherungen zur Wehr setzen zu müssen. Betroffen sind vor allem sexuell aktive Mädchen (deutsch: 22%, Migrationshintergrund: 30%), aber auch Mädchen ohne Geschlechtsverkehr-Erfahrung sind nicht davor gefeit (9% bzw.15%). In der Hälfte der Fälle (49%) gelingt es den Mädchen deutscher Staatsangehörigkeit, die Übergriffe abzuwehren. Mädchen mit Migrationshintergrund widersetzen sich den Repressionen von männlicher Seite stärker (58%). Bei den sexuell erfahrenen Mädchen kam es aber in jeder vierten Übergriffssituation (24% bzw. 25%) zum Geschlechtsverkehr. Erschreckend ist: Aus der kleinen Gruppe deutscher Mädchen, die mit ihrem ersten Sexualpartner kaum oder nicht bekannt waren, berichten 43%, schon einmal Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Jungen berichten nur vereinzelt von sexueller Gewalt (max. 3%).

Verhütung beim ersten Mal: Positive Trends zu verzeichnen
Die beiden erfreulichsten Trends bei Jugendlichen deutscher Staatsangehörigkeit: Erstens hat sich das Verhütungsverhalten der Jungen, das bis dato immer schlechter war (Ausnahme: 1996), dem der Mädchen angeglichen. Und zweitens ist der heutige Wert der Nicht-Verhütenden bei beiden Geschlechtern mit je 8% der niedrigste bisher gemessene and weit vom Ausgangswert entfernt: 1980 war der Anteil mit 20% (Mädchen) bzw. 29% (Jungen) um ein Vielfaches höher als heute. Eine Rolle dürfte dabei spielen, dass immer mehr Jungen ihren ersten Geschlechtsverkehr mit einer festen Partnerin erleben. Mit Ausnahme des Jahres 1998, wo kurzzeitig ein Rückgang auf 40% zu verzeichnen war, stieg der Anteil kontinuierlich von 41% 1980 auf heute 58%. Auch bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund hat sich das Verhütungsverhalten – hier im Vergleich zu 2005 – verbessert. Bei den Mädchen sank der Anteil Nicht-Verhütender von 19% auf 12%, bei den Jungen sogar noch sehr viel deutlicher von 34% auf heute 18%. Damit ist das Verhütungsverhalten der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, vor allem das der Jungen, aber immer noch weit entfernt von dem der deutschen Jugendlichen. Sicherlich eine der Ursachen bei den Jungen: Nur eine Minderheit der Jungen mit Migrationshintergrund (40%) erlebt ihren ersten Geschlechtsverkehr innerhalb einer festen Partnerschaft, nicht selten ist die erste Sexualpartnerin nur eine flüchtige Bekannte oder völlig unbekannt.

Selbst einmal Kinder haben? Ja, aber bloß nicht jetzt schon
Zur Lebensperspektive gehören Kinder dazu, das ist zumindest für die Mädchen bereits in jungen Jahren klar: Mehr als drei von vier Mädchen deutscher Staatsangehörigkeit und mehr als vier von fünf Mädchen aus MigrantInnenfamilien entscheiden sich explizit für die Antwortkategorie „ich möchte einmal Kinder haben“. Für Jungen scheinen diese Überlegungen noch weit(er) weg zu sein – sie antworten doppelt so häufig wie die Mädchen mit „weiß nicht“. Eine explizit negative Haltung gegenüber Kindern haben Jungen wie Mädchen nur zu einem verschwindend kleinen Teil (4-7%). Eine Schwangerschaft im jetzigen jugendlichen Alter wäre für die Mehrzahl der 14- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen allerdings „eine Katastrophe“, für Jugendliche mit Migrationshintergrund noch mehr als für Jugendliche deutscher Staatsangehörigkeit.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, http://www.bzga.de/studien

Info: Österreichische Studie: Das erste Mal. Sexualität und Kontrazeption aus der Sicht der Jugendlichen. Eine Untersuchung im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung von Bettina Weidinger, Wolfgang Kostenwein und Gabriele Drunecky.
http://www.oegf.at/dokumente/erstesmalstudie.pdf

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