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ÖIF: ‚Herausforderung Mannsein‘

Die Aufweichung traditioneller Geschlechterrollen kann für Männer befreiend sein, führt aber momentan eher zur Überforderung. Neben Selbstverständlichkeiten wie Geldverdienen, Karriere machen und sich ehrenamtlich betätigen, soll sich der Mann von heute auch um die Kinder kümmern, im Haushalt mithelfen, ein einfühlsamer Partner sein, der auch „rangehen kann“, und dabei seinen Humor bewahrt. Beim Stammtisch gilt er dann als „Weichei“, weil er keine Zeit mehr für seine Kollegen hat. Vielleicht sollte Mann sich am Wochenende doch einmal frei nehmen und ein Männerseminar zur Orientierung besuchen, um sich selber als Mann neu zu definieren?

Einseitige Werte

Viele Männer orientieren sich an einseitigen Werten. Für Status, Geld und bestimmte Prestigeobjekte tun Männer alles. Auch definieren sie sich über äußerliche Kriterien von Männlichkeit. Die große Nachfrage an Potenz-mitteln oder Penisverlängerungen im Internet zeugt aber auch von fehlen-dem Selbstvertrauen.

Opfer ihrer Männlichkeit

Das Mannsein in Form ungesunder und riskanter Lebensweise wirkt zerstö-rerisch auf einen selbst und auch auf andere. Sich von dieser Lebensweise zu emanzipieren, sollte das Ziel der Männer sein. „Männeremanzipation“ bedeutet, dass Männer weniger Opfer ihrer Frauen sind als ihrer eigenen Männlichkeit.

Männer in Konkurrenz

Der erste Kontakt unter Männern ist mehr von Rivalität als von Brüder-lichkeit geprägt. Es braucht oft viel, bis Männer sich öffnen. Zumindest dann kommen sie schnell auf den Punkt, wie es in Männerseminaren und -gruppen oft sichtbar wird, weiß der Autor und Männerarbeiter Hofer aus seinen Erfahrungen zu berichten.

Investition Beziehung

Die hohen Erwartungen in die Partnerschaft führen vermutlich zu mehr Krisenanfälligkeit und zu höheren Scheidungsraten als früher: In Öster-reich sind in 80% der Scheidungsfälle Frauen die treibenden Kräfte. Von Männern wird heutzutage mehr erwartet, als nur das Geld ins Haus zu bringen. Er soll sich auch innerhalb der Familie einbringen. Männer müssten aber auch mehr in die Beziehung selbst investieren, ist der Autor überzeugt.

Verantwortung für Väter

Männer nehmen zals Väter zunehmend Betreuungsaufgaben wahr. Aber dennoch gibt es viele Väter, für die sich das Vatersein schwierig gestaltet. Einige schaffen es nicht, nach einer anstrengenden Arbeitswoche noch ein liebevoller Vater zu sein. Oder sie haben nie gelernt, mit Zärtlichkeit, Gefühlen, Spiel und Kindern umzugehen. Andere reduzieren sich selbst auf das Kinderzeugen und Geldverdienen. Geschiedene oder getrennte Väter ziehen sich oft aufgrund von Versagensgefühlen zurück. Die Vaterrolle kann nicht ausgeübt werden, wenn es Scheidungsvätern erschwert wird, ihre Kinder zu sehen.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss auch zu einem Thema der Väter werden, so Männerexperte Hofer. Dafür sind wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen notwendig, um das Vatersein zu unterstützen. Erfahrungen zeigen, dass eine gute Beziehung zum Vater wichtig für das Selbstbewusstsein der Kinder ist.

Herausforderungen an die Männerarbeit

Die Männerarbeit beinhaltet Bereiche wie Beratung, Bildung und Begegnung. Eine Beratungsstelle nehmen Männer aber Erst in Anspruch, wenn das Problem schon sehr groß ist. Sie kommen nicht in die Beratung, um zu hören, was sie alles falsch machen, das wissen sie selber: Sie möchten als Männer angenommen und ernst genommen werden. Ein offenes Gespräch von Mann zu Mann und solidarisches Zuhören sind wichtig. Gut gemachte Männer-bildung kann der Anstoß zur Veränderung sein – privat wie gesellschaft-lich. Sie sollte sowohl hochschwellig (Seminare, Workshops) als auch niederschwellig (Vorträge, Aktivitäten) angeboten werden.

In Männergruppen wird besonders der Bereich der Begegnung positiv erlebt. Hier wird Solidarität unter Männern gelebt. Es wird über Dinge gespro-chen, die sonst unausgesprochen bleiben.

Apropos Sprache: Männer bevorzugen eine klare, verständliche Sprache. Es sollte spürbar sein, dass Männerarbeiter selber Männser sind. Auch darf Männerarbeit nicht moralisieren, denn das führt nicht zu Veränderung, sondern zu Rückzug oder Widerstand. „Die Gretchenfrage an jeden Männer-arbeiter lautet daher: ‚Liebst du die Männer, oder willst du es ihnen zeigen?’“69

Quelle: Newsletter „beziehungsweise 14-15/05“ des ÖIF
Literatur: Markus Hofer. Mann sein. Zu Risiken und Nebenwirkungen. In: Hannes Krall (Hrsg.): Jungen- und Männerarbeit. Bildung, Beratung und Begegnung auf der „Baustelle Mann“. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2005. S. 59-69

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