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Die Bedeutung des Vaters in den ersten Lebensjahren

von Mag. Harald Anderle

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Vater-Kind-Beziehung in der Fachliteratur vorwiegend in der Ablösungsphase des Kindes von der Mutter und in der Geschlechtsidentität von Buben in der Pubertät eine Rolle gespielt hat. Dieser Umstand hat sich auch in der Rea-lität gespiegelt und Väter hatten oft die Haltung, dass kleine Kinder hauptsächlich die Mutter benötigen und sie frühestens aktiv gebraucht werden, wenn die Kleinen mit einem Ball spie-len können.
Beobachtungen und Studien mit Neugeborenen und Kleinkindern haben jedoch ganz andere Ergebnisse geliefert: Bereits im Mutterleib nimmt das Kind die Stimme des Vaters wahr und kann diese später von anderen Stimmen unterscheiden.

Säugling reagiert auf den Vater anders

Wenn wir nun der Frage nachgehen, welche Rolle der Vater für ein neugeborenes Kind spielt, ist bemerkenswert, dass schon in dieser frühen Phase eine besondere Beziehung zu beobachten ist. Nähert sich die Mutter dem Säugling und nimmt dieser ihre Nähe, den Ge-ruch und ihre Stimme wahr, verlangsamt sich seine Pulsfrequenz und die Motorik wird ruhi-ger. Wenn der Vater sich dem Säugling nähert, so beschleunigt sich Puls und Motorik und er hebt die Schultern, wie wenn er einen Sprung machen möchte. Das könnte bedeuten, dass die Mutter in dieser frühen Lebensphase beim Kind Sicherheit und Geborgenheit auslöst, der Vater hingegen Aktivität und Neugier. Beide Impulse sind wesentlich für die Entwicklung ei-nes Menschen. Auch Erwachsene brauchen Phasen der Ruhe und Phasen der Aktivität.

Väter sind anders

Der Vater ist für kleine Kinder oft weniger vorhersehbar in seinem Verhalten als die Mutter, die sehr vertraut ist. Väter nehmen die Kleinen auf, balgen sich mit ihnen herum und sind allgemein nicht so vorsichtig in ihrem Umgang. Dadurch wird das kleine Kind zunächst irri-tiert und es kann bei Überforderung auch weinen, sodass die Mutter zu Hilfe kommt. Ande-rerseits lernt das Kind Neues kennen, sich anders zu spüren und die eigenen Grenzen be-reits sehr früh erfahren. Das hat Folgen. Auch draußen in der Natur traut der Vater dem Kind häufig einiges zu, lässt es auf Bäume klettern oder macht mit ihm ein Lagerfeuer. Wichtig ist dabei, dass der Vater Zeit alleine mit dem Kind verbringt, denn nur so kann der Unterschied im Umgang spürbar werden und vom Stil der Mutter unterschieden werden.
Wenn Väter Kleinkinder in die KITA oder den Kindergarten bringen, werden diese häufig als weniger klammernd erlebt und lassen den Papa dann auch wieder leichter gehen. Beobach-tungen haben ergeben, dass solche Kinder bei Anwesenheit des Vaters eher bereit sind, neue Spielsachen auszuprobieren und sich auch weiter aus der Sicherheitszone der Be-zugsperson zu entfernen. Wenn der Vater den Raum verlässt, suchen sie diesen häufiger lediglich durch Blickkontakt, wenn die Mutter geht, fangen sie hingegen leichter an zu wei-nen. Dies weist auch auf die Bedeutung des Vaters in Bezug auf die Ablösung des Kindes hin.

Spaßkämpfe mit dem Vater

Kinder jeden Alters lieben es, mit dem Vater herumzutollen und Spaßkämpfe zu führen. In-zwischen weiß man, dass solche Spiele dem Kleinkind schon sehr früh eine Ahnung von Fairness und Grenzen aufzeigen. Wenn der Vater beispielsweise „Stop“ sagt und das Spiel unterbricht, wenn er einen Schlag auf die Nase bekommt, lernt das Kind, dass es Grenzen wahren sollte und probiert dann auch aus, eigene Grenzen zu signalisieren. Es lernt dies auf diesem Weg sehr früh, unmittelbar im Spiel und ohne auf sprachliches Verstehen angewie-sen zu sein.

Unterschiede in der Kommunikation

Es lässt sich während der ersten 6 Monate eindeutig erkennen, dass das Kind seinen Vater von seiner Mutter unterscheiden kann und mit beiden Eltern auf verschiedene Art zu kom-munizieren vermag. Während Mütter dabei eine visuelle Stimulation beim Kind bevorzugen und ihm alles zeigen, wählen Väter oft die taktile und kinästhetische Stimulation.
Die Mutter ist für das Kleinkind meist beschützender, sanfter und in ihrem Verhalten vorher-sehbarer. Der Vater ist fordernder und nicht so vorhersehbar in seinem Verhalten für das Kind. Das wirkt sich auch auf das Sprachverhalten des Kindes aus.

Vater und Sprachentwicklung

Während sich Mütter in der Regel sehr mit den ersten Lauten des Babys und den ersten Sprechversuchen befassen, sind auch hier die Väter oft anders. Mütter wählen eine kindge-rechte Sprache, damit das Kleinkind sie je nach Alter und Entwicklungsstand auch verstehen kann. Väter sind nicht so „kindgerecht“ und nennen Dinge beim Namen, auch wenn sie das Kind noch nicht versteht. Ein „Gabelstapler“ heißt dann einfach so und wird vom Vater auch so genannt. Das Kind wird hier sehr früh schon gefordert und das fördert höchstwahrschein-lich auch sein Ausprobieren von neuen Lauten und schließlich Worten.

Väter erziehen geschlechtsspezifischer als Mütter

Väter sind im Durchschnitt mit ihren Söhnen strenger und fordern Disziplin in Sport und Spiel, sie spielen auch wilder und direktiver mit einem Sohn. Mit der Tochter sind sie vorsich-tiger und unterstützender. Auch heute noch fördern Väter bei den Söhnen den Umgang mit der dinglichen Welt, nehmen sie beim Reparieren des Autos oder beim Holzspalten mit. Die Töchter werden eher im Umgang mit anderen Menschen gefördert und auch unterstützt. In-teressanterweise geben weibliche Führungskräfte häufig an, dass ihre Väter sie nicht ge-schont haben und ihnen Dinge zugetraut hätten in der Kindheit, die normalerweise den Bu-ben vorbehalten bleiben. Das habe sie gestärkt und motiviert, im Beruf besonderen Ehrgeiz zu entwickeln.

Väter und Schulleistung

Es ist nachgewiesen worden, dass Kinder mit Schulschwierigkeiten bessere Chancen haben, damit zurecht zu kommen, wenn sie vom Vater regelmäßig Unterstützung und Ermutigung erfahren. Die Forscher sind sich nicht im Klaren an was es liegt: Hat es damit zu tun, dass das Kind den Vater dabei als präsent und positiv zugewandt erlebt oder hat es mit der Fä-higkeit von Männern zu tun, Wissensinhalte besonders sachlich, nüchtern und entkoppelt von der Beziehungsebene zum Kind zu behandeln.

Spätere Auswirkungen einer positiven Vater – Kind – Beziehung

Wissenschaftler fanden heraus, dass Kinder, die während ihrer Kindheit eine stabile und tragfähige Vaterbeziehung hatten, Vorteile im späteren Leben haben:

  • Höhere Resistenz gegenüber Stress und Belastungen während der Schulzeit.
  • Höhere kognitive Entwicklung bei Buben und höhere intellektuelle Fähigkeiten bei Mädchen.
  • Größere Toleranz und Verständnis für Andersdenkende im Erwachsenenalter.
  • Höhere Wahrscheinlichkeit einer Langzeitpartnerschaft.
  • Soziale Ressourcen können eher genutzt werden.
  • Hohe Teamfähigkeit in Schule und im Berufsleben.

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