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Die Geschwisterrolle in der Patchwork-Familie

von Mag. Veronika Richter

Elternbildung
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Elternbildung

Kinder sind von Natur aus klassische „Sippenmenschen“. Sie genießen es, sich gut aufgehoben zu wissen im Kreise von Menschen, bei denen sie willkommen sind, die sie lieben und fördern. Je mehr Personen um sie herum sind, desto besser. Für Erwachsene mit mitteleuropäischen Wurzeln hingegen ist das Leben in einer Sippe keine erstrebenswerte Familienform.

Die Patchworkfamilie definiert sich als Familie, in der außer den gemeinsamen Kindern eines Paares auch die Kinder aus früheren Beziehungen der Eltern leben, gelegentlich auch nur zeitweise.

Diese Familienform ist keine Erfindung der heutigen Zeit, es gab sie schon immer. Man nannte sie Stieffamilie. In früheren Zeiten ersetzte die Stiefmutter/der Stiefvater den verstorbenen Elternteil, die in diese Ehe mitgebrachten Kinder waren die Stiefkinder.

Leider hat, was mit „Stief“ beginnt, kein gutes Image. Denken wir nur einmal an Märchen, in denen eine Stiefmutter vorkommt, z.B. an Schneewittchen und an die Stiefschwestern in „Aschenputtel“.

Verwendet man im allgemeinen Sprachgebrauch den Ausdruck jemanden stiefmütterlich behandeln, meint man damit, ihn oder sie schlecht behandeln. Dieses Vorurteil macht nicht gerade Mut, sich auf ein derart komplexes Familiensystem einzulassen.

Sehen wir die moderne Stieffamilie also neu: chancen- und -facettenreich, aber auch risikobehaftet!

In der Patchworkfamilie von heute wird nicht ein Elternteil ersetzt, sondern es kommt ein zusätzlicher Elternteil dazu, der aus seiner früheren Beziehung auch Kinder haben kann. Daher spricht man auch von „Bonus- Eltern“. Selbst wenn die Familienvergrößerung nur zum Wochenende oder im Urlaub stattfindet, spricht man bereits von einer Patchworkfamilie.

Eltern sind mit Eifersucht und Konkurrenzdenken des eigenen Kindes konfrontiert:Elternbildung

Wenn z.B. der leibliche Sohn mit seinem Vater weniger Zeit verbringen kann als sein Stiefbruder.

Wenn das Kinderzimmer geteilt werden muss und die Spielsachen für alle da sein sollen. Da haben eindeutige die Kinder den Vorteil, die „vor Ort“ sind, gegenüber dem Kind, das beim anderen Elternteil lebt und nur alle zwei Wochenende in dieser Familie verbringt.

Wenn das Stiefkind bevorzugt behandelt und das eigene Kind in seiner Wahrnehmung ständig gemaßregelt wird.

Wenn die Kinder als Gruppe mit „ihr“ angesprochen werden und nicht mehr als Einzelwesen gesehen werden.

Eltern sollten zu jedem Kind eine einzigartige Beziehung aufbauen und dies auch in Worten und Taten sichtbar machen.

Das Kind erwartet sich berechtigterweise eine besondere Stellung im Herzen seiner leiblichen Eltern.  Daher ist es sinnvoll, manchmal allein mit dem eigenen Kind etwas zu unternehmen.

Das ist der größte „Spagat“ für Eltern: einerseits dem eigenen Kind die Vorzugsrolle zu lassen und andererseits sich dem Stiefkind liebevoll zu zuwenden, um sein Vertrauen zu gewinnen.

Einige Originalzitate von Kindern, denen es in einer Patchworkfamilie gut geht:Elternbildung

„Bis jetzt habe ich immer meine Lieblingsspielsachen weggeräumt, wenn die Kinder meiner Stiefmutter zum Wochenende kamen. Jetzt haben die beiden eine ganze Kiste voll von ihren Spielsachen mitgebracht und mich eingeladen, mitzuspielen. Ich glaub‘, ich brauch nichts mehr zu verstecken!“   Sandra, 10 Jahre

„Heuer im Sommer wird es urcool. Mama, Franz, meine Halbschwester und ich fahren zwei Wochen ans Meer. Und danach sind Papa und ich auf Segeltour“.  Matthias, 11 Jahre

„Im August fahre ich zu Oma aufs Land, meine Stiefgeschwister sind auch da, weil mein Papa und Laura einmal ein paar Tage allein Urlaub machen wollen. Mir passt das, weil bei den Großeltern haben wir alle viel Spaß“ Leon, 12 Jahre

„Ich lass euch diesen Nachmittag allein, ich mach mit meinem Sohn einen Vater-Sohn-Tag. Gehen wir dann am Abend alle gemeinsam zur Pizzeria?“  Ein Vater zu seiner zweiten Frau und deren Kindern.

Eine kleine Anekdote aus meiner über 20-jährigen Praxis als Gruppenleiterin für „Rainbows“: Als wir das Thema „Familie“ hatten, fragte mich ein Bub, ob Stiefgeschwister untereinander heiraten können, was ich mit „ja“ beantwortete. Daraufhin überlegte er kurz, welche seiner beiden Stiefschwestern eventuell in Frage kommen könnte und kurz darauf hatte er schon eine Entscheidung getroffen. Das Kind lebte in einer doppelten Patchworkfamilie, da sich seine Eltern schon vor seiner Geburt getrennt hatten und jeweils neue Familien gegründet hatten.

Wie Stiefgeschwister miteinander auskommen hängt also wesentlich davon ab, wie die Erwachsenen mit der Situation umgehen. Und die Basis für ein gutes Miteinander schaffen die Erwachsenen. Dafür braucht es: jede Menge guten Willen, Mut zum Chaos, Mut, Krisen durchzustehen, Flexibilität, Ehrlichkeit, Geduld, Einfühlungsvermögen, Kommunikation und jede Menge Humor.

Dann stehen die Chancen gut, die Ziele der Patchworkfamilie zu erreichen, im Übrigen dieselben, wie in der Herkunftsfamilie auch: Alle Familienmitglieder sollen sich in ihrer Position wohlfühlen, auch wenn es zuweilen drunter und drüber geht und die Konfliktwogen manchmal hochgehen. So können aus Stiefgeschwistern „Bonus-Geschwister“ werden und wichtige, vertrauenswürdige Bezugspersonen sein, die oft in lebenslanger Freundschaft miteinander verbunden sind.

 


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