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Eltern-Kind-Konflikte

von Christine Kügerl

Der Satz: „Zum Streiten gehören immer zwei“, gilt auch für Konflikte in der Eltern-Kind-Beziehung. Eltern beeinflussen durch ihr Verhalten die Häufigkeit und den Verlauf von Konflikten. Wenn sie die eigene Situation und die des Kindes ernst nehmen, sich um eine realistische Gestaltung des Alltags bemühen und so Überforderung und Stress vermeiden, können unnötige Konflikte verhindert werden. Die eigene Einstellung spielt ebenfalls eine große Rolle. Wenn Eltern ihr Kind/ihre Kinder als eigenständige Menschen sehen, die ihre eigenen Gestaltungsideen einbringen und ernst genommen werden wollen, wird es ihnen leichter fallen Kompromisse zu finden. Die Einstellung von Eltern, dass nur sie zu bestimmen und die Kinder nur zu folgen haben, erschwert die Entwicklung von Kompromissfähigkeit. Wenn sich in einer Familie alles nur um die Kinder drehen würde, also die Eltern sich ständig nach den Wünschen und Ideen der Kinder richten würden, käme es ebenfalls zu einer Art Diktatur durch die Kinder und zu fehlender Konfliktfähigkeit auf beiden Seiten.
Familienleben ist nur mit Konflikten und mit der Entwicklung von Kompromiss-fähigkeit von Eltern und Kindern befriedigend möglich. Die Konfliktfähigkeit entwickelt sich bei Kindern erst und Mütter und Väter können sie dabei unterstützen. So sind Konflikte nicht nur anstrengend und nervend sondern gleichzeitig eine große Entwicklungschance. Daher möchte ich auf die Entwicklungsphasen vom Kleinkind bis zur Pubertät kurz eingehen.

Konflikte mit kleinen Kindern

Kleinkinder entdecken ihre Willenskraft und wollen diese einsetzen. Dabei fehlt ihnen jedoch noch die Erfahrung, was wirklich geht, was gefährlich ist und was einfach nicht möglich ist. Eltern von kleinen Kindern haben vieles zu tun und oft entsteht Stress. So kommt es täglich mehrmals zu kleinen Auseinandersetzungen, da sich der Wille des Kindes mit den Notwendigkeiten oder den Vorstellungen der Eltern nicht vereinbaren lässt. Solche Situationen sind ganz normal und Kinder sind in diesem Alter nur sehr begrenzt fähig, Konflikte zu lösen. Sie kämpfen meist lautstark, wenn ihnen etwas „gegen den Strich geht.“ In diesem Altern reagieren Kinder in Konfliktsituationen mit Flucht – sie versuchen sich zurückzuziehen oder auf stur zu schalten, oder mit Kampf durch schreien und toben. Im dritten und vierten Lebensjahr lernen sie zunehmend nachzugeben, sich unterzuordnen. Sie tun dies auf der Basis von Vertrauen, dass sie zu ihren Eltern aufgebaut haben. So nach dem Motto: „Mama und Papa haben mich lieb und sorgen für mich. Vermutlich hat es einen Sinn, dass ich jetzt etwas nicht bekomme/nicht darf. Also vertraue ich ihnen und bin kooperativ.“

Was hilft

  • ist Stressvorbeugung. Überlegen Sie, was wirklich wichtig ist und gemacht werden muss, welche Grenzen notwendig sind und wie Sie dem Alltag einen gewissen Rhythmus geben können. Gleichbleibende Abläufe und Grenzen geben kleinen Kindern Sicherheit und helfen ihnen beim Lernen. Dadurch werden Konflikte seltener.
  • In Konfliktsituationen tut es gut, wenn man sich vom Zorn und dem Widerstand des Kindes nicht anstecken lässt, (ich weiß, das ist leichter gesagt als getan) sondern selbst ruhig und bestimmt bleibt. Nehmen Sie die Konfliktreaktionen des Kindes nicht persönlich. Konflikte sind für Sie und das Kind anstrengend und es hat noch nicht so viel Übung.
  • Durch rechtzeitige Ankündigung oder spielerische Motivation lassen sich manche Konflikte entschärfen.Überlegen Sie, welche Anpassungsleistungen ihr Kind erbringen kann und vermeiden Sie Überforderungen.
  • Geben Sie die Rahmenbedingungen bei der Tagesgestaltung, Schlafenszeit, Essen usw. vor. Wenn kleine Kinder ständig auswählen dürfen oder mitbestimmen können, sind sie ebenfalls überfordert.
  • Erkennen sie die Kompromissbemühungen ihres Kindes und seine Versöhnungsangebote. Z.B. kommen viele Kleinkinder nach einem lautstarken Konflikt zu Mama oder Papa und sagen: „lieb haben!“ Damit will das Kind die Beziehung wieder ins Lot bringen und ist dankbar, wenn es hört: „ja, ich hab Dich lieb und Du hast mich auch lieb.“ Nach diesem Satz soll der überstandene Konflikt nicht wieder aufgerollt werden.
  • Es lässt sich nicht immer alles lösen. Manche Konflikte kann man nur aushalten. Z.B. das Schreien des Kindes aushalten und es trotzdem sorgfältig und ruhig im Autositz anschnallen, wenn man vom Spielplatz nach Hause fährt.
  • Konflikte sind ärgerlich und Kinder versuchen diesen Ärger mit Schreien und Strampeln los zu werden. Achten Sie darauf, dass sich das Kind nicht verletzen oder etwas zerstören kann. Geben Sie ihm aber etwas Zeit, seine Wut loszuwerden. Ab und zu hilft Ablenken. Auf das Kind einreden, hilft meist nicht und verstärkt die Wut und damit das Geschrei. So nach dem Motto: „Wenn ich schon nachgeben muss, dann muss ich zumindest Schreien dürfen.“ Bleibt die Umgebung ruhig, lassen Wut und Ärger meist am schnellsten nach.
  • Sich selbst Pausen und Auszeiten organisieren. Kindererziehung ist echte Arbeit und braucht Erholungszeiten. Nützen Sie die Schlafenszeit Ihres Kindes möglichst oft für die eigene Erholung. Bauen Sie sich ein Beziehungsnetz auf in dem auch ihr Kind/ihre Kinder gut aufgehoben sind. So können sie immer wieder kurze Zeiten ohne Kind verbringen.

Fähigkeit zur Konfliktdelegation

Zwischen drei und fünf Jahren werden Kinder sprachlich immer kompetenter und sie verstehen Regeln und Zusammenhänger besser. Bei den Konfliktstrategien kommen zu Flucht, Krampf und Unterordnung nun auch die Delegation und die Kompromissfähigkeit hinzu. Unter Delegation versteht man das Bemühen eines Konfliktbeteiligten die Lösung des Konfliktes nach außen zu delegieren. Eltern sagen dazu oft „ausspielen“. Z.B. hat das Kind einen Konflikt mit dem Papa, es kommt mit ihm nicht weiter und geht zur Mama und beschwert sie über den „gemeinen“ Papa. Das Kind hofft, mit der Mama zu einer besseren Lösung zu kommen. In solchen Situationen ist es sinnvoll dem Kind keinen Vorwurf zu machen, sondern mit ihm gemeinsam zum Vater geht und beide zu bitten die Sache direkt zu klären. Es würde das Kind irritieren, wenn die Mutter eine andere Entscheidung trifft als der Vater und es ist auch nicht sinnvoll, wenn die Mutter vor dem Kind, dem Vater etwas anderes vorschlägt. Der Vater kann jedoch sehr wohl von sich aus, seine Entscheidung nochmals überdenken und eine andere Möglichkeit vorschlagen, wenn er z.B. vorschnell etwas verboten oder verlangt hat.

Verhandlungsfähigkeit beginnt

Durch die zunehmenden sprachlichen Fähigkeiten beginnen Kinder in Konfliktsituationen mit den Eltern zu verhandeln. Nun braucht es kurze und klare Begründungen. Wenn ein Kind versteht, warum etwas wichtig oder verboten ist, wird es leichter, sich daran zu halten.

Schimpfwörter

Trotzdem entsteht bei Kindern und auch bei den Erwachsenen Ärger und Wut bei unterschiedlichen Vorstellungen und Konflikten. In solchen Situationen werfen sich die Kinder nun nicht mehr auf den Boden oder schreien schrill, sondern sie benützen Schimpfwörter um ihrem Ärger Luft zu machen. Eltern können diesen „Wutausdruck“ wie ein pfeifendes Ventil verstehen und einfach nicht beachten. Oder sie übersetzen das Schimpfwort in das Gefühl, z.B. bei „Mama, Du blöde Kuh!“ – Mama: „ich verstehe, dass aufräumen für Dich blöd ist, aber es ist jetzt wichtig!“
Auch im Kindergartenalter sind die beschriebenen Möglichkeiten des Kleinkindalters hilfreich. Zusätzlich ist wichtig, nicht zu lange zu diskutieren. Wichtige Regeln sollen klar formuliert und von allen Familienmitgliedern eingehalten werden.
Nach einigen Monaten ist wieder zu überlegen, ob die Regeln noch passen oder an die zunehmenden Fähigkeiten des Kindes angepasst werden müssen.

Konflikte in der Pubertät

In der wichtigen Zeit der Pubertät haben Mütter und Väter oft das Gefühl, dass die Konflikte mit ihrem Kind zunehmen. Real werden meist die Volkschuljahre entspannter wahrgenommen, da die Kinder schon eine gewisse Selbständigkeit haben und trotzdem noch gerne viel gemeinsam mit den Eltern machen wollen.
In der Pubertät sind die Kinder und Jugendlichen zunehmend um Eigenständigkeit bemüht. Dadurch wollen sie erneut viel selbst bestimmen und hinterfragen gewohnte Regeln. Für Eltern ist dies eine neue Herausforderung. Das Kind/der Jugendliche ist „groß“ geworden und gleichzeitig braucht er/sie nochmals eine gehörige Portion Engagement von den Eltern. Mütter und Väter haben den Eindruck, dass nun alles hinterfragt wird, was schon so gut geklappt hat. Häufige Streitthemen sind die Schule, das Fortgehen, Freunde, gemeinsame Familienaktivitäten. Im Streit reagieren Jugendliche gefühlsmäßig meist heftig, da sie sehr kritisch und gleichzeitig empfindlich sind. Da das Einfühlungsvermögen vom Anfang bis Pubertätsmitte reduziert ist, sind sie im „Austeilen großzügig“, wodurch es immer wieder zu Kränkungen bei den Eltern kommt.

Was hilft in Konfliktsituationen:

  • Wenn sich Eltern bisher immer wieder um Kompromisse bemüht haben und gleichzeitig Anpassung bei wichtigen Dingen von ihrem Kind gefordert haben, dann haben Kinder und Eltern Erfahrungen gemacht, die nun helfen.
  • Nach wie vor ist es wichtig, die konfliktbedingten Äußerungen von Kindern und Jugendlichen nicht persönlich zu nehmen. Sehr wohl können jedoch Mütter und Väter einen taktvollen Umgang einfordern und deutlich machen, welche Schimpfwörter und Beleidigungen sie nicht billigen.
  • Das gemeinsame Aushandeln von Regeln erhört die Bereitschaft von Jugendlichen, diese einzuhalten. Den Rahmen geben immer noch die Eltern vor und der sollte möglichst stabil sein.
  • Denke Sie ab und zu an die eigene Pubertät zurück und überlegen Sie, was ihnen damals bei Konflikten mit den Eltern gut getan hat oder was Sie gebraucht hätten.

Wir streiten nur noch…

Manchmal tun sich Kinder mit der Entwicklung von Konfliktkompetenz sehr schwer. Sie gehen bei jeder Anforderung der Eltern in Opposition und bei kleinen Kindern löst ein Trotzanfall den nächsten ab oder die Eltern haben den Eindruck, dass ihr Kind gar nicht aus dieser Phase heraus kommt. Wenn Eltern mit älteren Kindern und Pubertierenden den Eindruck haben, dass nur mehr gestritten wird, sie ihr Kind nicht verstehen können und das Familienklima immer schlechter wird, ist es sinnvoll, eine Familienberatungsstelle aufzusuchen. Dort kann die individuelle Familiensituation mit einer Fachkraft besprochen und analysiert werden. Dabei werden Handlungsmöglichkeiten erarbeitet, die den Familienalltag und die Eltern-Kind-Beziehung wieder verbessern. Eine geförderte Familienberatungsstelle in ihrer Nähe finden Sie auf www.familienberatung.at


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