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Entwicklungsförderung von Frühchen

von Mag.a Barbara Tüchler

Elternbildung
Elternbildung
Elternbildung

Von einem „Frühchen“ spricht man, wenn ein Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Eine regelrechte Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Je früher die Geburt stattfindet, desto unreifer ist das Baby in der Regel entwickelt.

Was heißt das?

  • Frühgeborene sind kleiner und haben ein geringeres Geburtsgewicht
  • sie haben weniger Fettpölsterchen und daher weniger Schutz vor der Außenwelt
  • die Atmung ist häufig unreif und unregelmäßig
  • es fällt ihnen meist schwer die Körpertemperatur zu halten
  • Such- Saug- und Schluckreflex sind häufig schwächer ausgebildet, was stillen und füttern erschwert und in der ersten Zeit häufig Infusionen oder Nasensonden nötig macht
  • Sie sind aufgrund der Unreife meist anfälliger für Infektionen
  • Frühchen sind häufig berührungs- licht- und lärmempfindlicher als reif geborene Kinder

Daher spricht man bei Frühgeborenen von einem „erhöhtem Entwicklungsrisiko“. Das ist auch der Grund, warum betroffenen Familien Begleitung und Unterstützung – v.a. in den ersten Lebensmonaten – angeboten wird.

Je früher man Beratung bzw. Therapie bei Unsicherheiten oder kleinen „Fehlentwicklungen“ anbietet, desto besser ist es für die weitere Entwicklung des Kindes.

Aber auch für Eltern bedeutet die Frühgeburtlichkeit eine große Herausforderung. Viele Ängste, Unsicherheiten und Fragen prägen die ersten Wochen.

Eine gelungene Eltern-Kind-Bindung ist die Voraussetzung für eine möglichst gute Entwicklung des Kindes. Daher ist es sehr wichtig, Eltern in diesen herausfordernden Zeiten möglichst früh zu begleiten, zu beraten und zu unterstützen, damit die Eltern-Kind-Bindung gut gelingen kann.

Ein wichtiger Begriff bei der Beurteilung der Entwicklung von Frühchen ist das „korrigierte Alter“. Das bedeutet, dass das Kind für alle Entwicklungsschritte in den ersten 2 Lebensjahren jene Zeit, die es zu früh geboren wurde, als Gutschrift bekommt.

Wenn z.B. ein Baby in der 32. Schwangerschaftswoche geboren wird, ist das 8 Wochen zu früh. Diese 8 Wochen werden dann bei Entwicklungskontrollen bis zum 2. Geburtstag abgezogen – d.h. das Kind sollte z.B. mit 8 Monaten den Entwicklungsstand eines 6 Monate alten Kindes erreicht haben.

Was bedeutet Frühgeburtlichkeit für die Entwicklung des Kindes?Elternbildung

Der Start ins Leben beginnt für das Baby und die Eltern ganz anders als geplant.

Die erste Zeit ist geprägt durch eine plötzliche, ungeplante, belastende Geburt, strenge Routinen und medizinische Maßnahmen im Krankenhaus.

Kuscheln und Stillen sind oft nicht oder nur eingeschränkt möglich, weil das Baby im Inkubator oder im Wärmebett liegen muss, oft auch „verkabelt“ ist (Sauerstoffgabe, Überwachungsmonitor, etc.).

Eltern können häufig aufgrund medizinischer Notwendigkeiten ihrer elterlichen Intuition nicht nachgehen – z.B. den Säugling in den Arm zu nehmen.

Das Baby leistet in den Wochen des „Nachreifens“ im Krankenhaus großartige Arbeit – es trinkt oder wird sondiert, verdaut, beginnt zunehmend seine Atmung und Körpertemperatur zu regulieren – und dass alles um Wochen früher als eigentlich geplant.

Die meiste Zeit schläft es und es gibt wenig Blickkontakt und Interaktion.

Für Eltern sind die ersten Wochen eine große Herausforderung – so wie das Baby schon viel früher als geplant Aufgaben übernimmt, werden auch Mutter und Vater viel früher Eltern.

Dieser Umstand bringt Ängste, Sorgen, Unsicherheiten und viele Fragen mit sich.

Vor allem auch dann, wenn ein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig wird und es noch jüngere Geschwister zu versorgen gibt.

Wenn der ersehnte Tag des Heimkommens da ist, bedeutet das eine große Umstellung für die ganze Familie.

Mit all dem, was in den ersten Wochen schon geschafft wurde, geht es jetzt darum:

  • Einen gemeinsamen Alltag zu finden.
  • Dem eigenen Gefühl wieder zu vertrauen.
  • Herauszufinden, was der Familie und dem Baby guttut.
  • Sich gut kennenzulernen und einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.
  • Als Familie zusammenzufinden.

Das Heimkommen ist der eigentliche Beginn für die kindliche Spielentwicklung, weil davor das Nachreifen und medizinische Maßnahmen den größten Stellenwert haben.

Wie können wir Eltern unser Kind in der Entwicklung bestmöglich begleiten?Elternbildung

Nehmen Sie sich viel Zeit, ihr Baby zu beobachten und gut kennenzulernen und einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.

Gerade Frühgeborene brauchen in den ersten Wochen oft mehr Halt und Geborgenheit um gut anzukommen und das Erlebte zu verarbeiten.

Erlauben Sie sich und Ihrem Kind, sich diese Zeit zu nehmen – Sie versäumen nichts.

Ihr Baby braucht von Beginn an Ihre Hilfe, um sich und die Welt verstehen zu lernen.

Sie können Ihr Neugeborenes in den ersten Wochen und Monaten nicht verwöhnen.

Wenn Ihr Baby weint oder schreit, braucht es möglichst rasch Ihre Unterstützung. Es weiß noch nicht zu unterscheiden, was Hunger, was Schmerz, was Alleinsein bedeutet. Es weiß nur, dass es sich nicht gut anfühlt.

Wenn Sie als Eltern erkennen, dass z. B ihr Kind Hunger hat und entsprechend reagieren, lernt es zunehmend, die Bedeutung des unguten Gefühls zu interpretieren (z.B. dieses schlechte Gefühl bedeutet Hunger).

In den ersten Wochen braucht ein Säugling viel Körperkontakt.

Sprechen Sie viel mit Ihrem Baby.

Gestalten Sie Ihren Tag so, dass es sich für Ihre Familie gut anfühlt.

Babymassage jeder Art ist eine gute Unterstützung.

Haben Sie keine Angst davor, etwas falsch zu machen. Eltern können nur raten, warum ihr Baby weint – Sie werden mit der Zeit ihren kleinen Schatz immer besser verstehen können, immer besser „lesen“ lernen.

Und Ihr Kind wird lernen, immer eindeutigere Zeichen zu setzten, was es braucht.

Oft erhält man in der ersten Zeit viele, viele gut gemeinte Ratschläge.

Sehen Sie es als „Speisekarte“. Sie selber entscheiden, was bzw. ob Sie davon etwas probieren wollen.

Und meist weiß man auch erst, ob etwas gut ist oder nicht, wenn man es einfach mal versucht und fühlt, ob dieses Angebot passt oder nicht.

Trauen Sie sich zu experimentieren – Ihr Kind gibt Ihnen garantiert Rückmeldung, ob es das gut findet oder nicht.

Diese erste Zeit ist meist sehr, sehr anstrengend für die Eltern. Holen Sie sich Hilfe von Familie, Freunden oder auch von Institutionen.

Nur wenn es Ihnen gut geht, geht es auch Ihrem Baby gut.

Ab etwa dem 3. Lebensmonat (korrigiertes Alter! – s. Einführung) beginnt die eigentliche Spielentwicklung.

Ihr Baby hat gelernt halbwegs stabil am Rücken zu liegen. Es kann beide Hände zusammenführen, die Finger öffnen. Jetzt ist die Zeit, wo Spielzeug zunehmend spannend wird.

Jedes Kind hat sein Entwicklungsprogramm in sich.

Es braucht kein spezielles Frühchen-Spielmaterial oder extra viel Training.

Es braucht „nur“ die Möglichkeit alles ausprobieren und Schritt für Schritt entwickeln zu können – und zwar im eigenen Tempo.

Und manchmal ist es am Schwersten, die Geduld zu haben und abzuwarten, bis das Kind alle Voraussetzungen erarbeitet hat, um zum nächsten Entwicklungsschritt zu kommen.

Eltern dürfen die Kinder bei ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen, indem sie die Umgebung so gestalten, dass das Kind nach seinen Möglichkeiten explorieren (entdecken) kann.

Wichtig ist es von Beginn an, einen Spielbereich am Boden mit einer z.B. Matte anzubieten.

Ein aufgestellter Spiegel ist oft ein gutes Hilfsmittel, um die Bauchlage ein wenig spannender zu machen.

Ich empfehle eine Kiste oder Box aufzustellen, wo ein paar Rasseln, unterschiedliche kleine Bälle, Knistersachen, Fühltücher etc. zum Entdecken gesammelt werden.

Ihr Baby braucht immer nur 1 bis maximal 2 Spielmaterialien. Wenn diese langweilig werden, tauscht man sie gegen andere aus der Kiste aus.

Zu viele Sachen sind nicht empfehlenswert, da das Kind dann meist abgelenkt ist und sich nicht so gut auf eines konzentrieren kann (Überreizung).

Ein Grundsatz, den ich den Eltern gerne mitgebe ist „weniger ist mehr“.

Erlauben Sie Ihrem Kind Pausen, wenn es lieber kuscheln möchte.

Es gibt Tage, da geht nicht viel. Auch das ist ok.

Kinder möchten die Welt ihrer Eltern entdecken und daran teilnehmen. Meist sind Gegenstände von Mama und Papa viel interessanter als Spielsachen.

Schauen Sie die Dinge des Alltages genauer an – eine z.B. kleine Plastik-Mineralwasserflasche gefüllt mit Reis oder Nudeln, oder ein Wäschenetz gefüllt mit Kastanien, etc. – sind herrliche Spielsachen.

Fernseher, Tablet und Handy sind in den ersten 3 Lebensjahren nicht einzusetzen – außer zum aktiven Kontaktaufnehmen mit z.B. Großeltern oder Verwandten/Bekannten.

Kinder brauchen Zeit, um ihre Welt zu „be-greifen“ – und zwar mit allen Sinnen (hören, riechen, sehen, schmecken, fühlen).

Das ist ganz wichtig für die Gesamtentwicklung Ihres Kindes.

Zu guter Letzt: Vertrauen Sie Ihrem Gefühl. Sie sind die Expert:innen für Ihr Baby.

Welche institutionellen Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für mein frühgeborenes Kind und mich?Elternbildung

Es gibt in den einzelnen Bundesländern teilweise unterschiedliche Angebote.

Österreichweit gibt es nach der Entlassung nach Hause das Angebot von Entwicklungskontrollen in größeren Abständen in den entsprechenden Geburtsspitälern.

Erfahrungsgemäß erhalten die Eltern bei der Entlassung auch einen Überblick von Zusatzangeboten in der Region. Wenn nicht, fragen Sie bitte danach.

Ein besonderes Angebot gibt es in Wien – das WIENET-Programm (s. Punkt 4).

Dies ist für alle Familie mit Hauptwohnsitz Wien möglich. Voraussetzung ist eine Zuweisung des Geburtsspitales und das schriftliche Einverständnis der Eltern.

Zugewiesen werden z.B. Frühgeborene ab der 32. SSW, Mehrlingsgeburten, Kinder mit Geburtskomplikationen (z.B. Asphyxie (Atemprobleme) und dystrophe Kinder (zu kleine).

In vielen Geburtsspitälern gibt es nach der Entlassung das Angebot MOKI (mobile Kinderkrankenpflege). Hier werden Familie die ersten Wochen nach der Geburt zu Hause unterstützt – zu Themen wie Stillen/Füttern, Gewichtszunahme, Handhabe eines Heimmonitores, Handling, Lagerung, etc. Bitte fragen Sie vor der Entlassung danach.

Ein weiteres Angebot ist die mobile Frühförderung und Familienbegleitung.

Im Falle einer Frühgeburtlichkeit hat dieses Angebot präventiven Charakter.

Hier gibt es in den unterschiedlichen Bundesländern und Bezirken verschiedene Trägerorganisationen.

Dabei handelt es sich um ein heilpädagogisches, aufsuchendes Unterstützungsangebot.

In Wien und Burgenland ist dieses Programm kostenlos, in den anderen Bundesländern wird ein Antrag auf Kostenzuschuss gestellt. Meist liegt der Selbstbehalt pro Einheit bei 15 bis 18 Euro.

Bitte fragen Sie im Krankenhaus vor der Entlassung danach oder erkundigen Sie sich im Internet.

Ein weiteres Angebot stellen die Frühen Hilfen dar.

Das ist für Familien gedacht, wo die Geburt des Babys einige zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt. Es handelt sich dabei um ein „Case Management“ – die Fachkräfte haben einen guten Überblick über regionale Angebote und unterstützen die Familie bei der Organisation und Umsetzung.

Leider gibt es dieses Angebot noch nicht flächendeckend in ganz Österreich.

Bitte fragen Sie im Krankenhaus vor der Entlassung danach oder erkundigen Sie sich im Internet.

In manchen Geburtsspitälern und Bezirken gibt es Selbsthilfegruppen für betroffene Familien. Die Info darüber erhält man meist im Geburtsspital oder von Kinderärzt:innen

Wiener Netzwerk Entwicklungsbegleitung (WIENET)- ein Vorsorgeprogramm in Wien am Standort Zentrum für Entwicklungsförderung der Wiener Sozialdienste, in 1200 Wien, Dresdnerstrasse 47 (ZEF 20)Elternbildung

Das WIENET –Programm ist ein spezielles Angebot in Wien zur Vorsorge für Babys, die ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsauffälligkeiten aufweisen.

Es besteht eine Kooperation von mehreren Institutionen – einerseits von Seiten der Finanzierung FSW (Fonds Soziales Wien) und ÖGK (Österreichische Gesundheitskassa), andererseits von den Trägern der durchführenden Ambulatorien (Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung GmbH und der VKKJ Wien gGmbH).

Zuweisungsgründe sind z.B. Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburten ab der 32. SSW, Dystrophie (zu klein), Mehrlingsgeburten, Asphyxie (Atemnot).

Das Angebot ist für die Familien gratis (über die ECard) und wird flächendeckend über Ambulatorien für Entwicklungsförderung angeboten.

Eine Zuweisung vom Geburtsspital, das schriftliche Einverständnis der Eltern und ein Hauptwohnsitz in Wien sind Voraussetzung für die Begleitung durch das regional zuständige Ambulatorium.

In Folge möchte ich die Durchführung des Wienet-Programmes im Ambulatorium für Entwicklungsförderung der Wiener Sozialdienste in der Dresdnerstrasse 47, 1200 Wien (ZEF 20) vorstellen.

Bitte beachten Sie, dass die Umsetzung des Programmes in der Verantwortung der einzelnen Ambulatorien liegt und daher Unterschiede in der Durchführung bestehen können.

Im ZEF 20 haben sich nach vielen Jahren Erfahrung folgende Strukturen entwickelt:

Regeltermine werden als Kombinationstermine mit jeweils zwei Berufsgruppen angeboten

  • Erstvorstellung mit 3 Monaten – Ärzt:in und Heilpädagoge:in mit der Expertise frühkindliche Entwicklung und Bindung
  • Folgetermin mit 6 Monaten – Ärzt:in und Physiotherapeut:in
  • Folgetermin mit 1 Jahr – Ärzt:in und Psychologe:in
  • Folgetermin mit 1,5 Jahren – Ärzt:in und Logopäde:in
  • Folgetermin mit 2 Jahren – Ärzt:in und Psychologe:in
  • Zusätzlich können vor Schuleinschreibung und mit 8 Jahren weitere Termine bei Bedarf stattfinden.

Hie wird großer Wert auf die fachliche Expertise mit Blick auf die jeweilige Entwicklungsaufgabe und Themenstellung gelegt.

Das 4-Augen-Prinzip ermöglicht eine Begleitung und Unterstützung in höchster Qualität.

Das Ziel ist, den Familien bestmögliche, individuelle, fachliche Expertise in den ersten Lebensmonaten zu bieten, da die ersten 2 bis 3 Entwicklungsjahre die wichtigste Zeit für die Gesamtentwicklung des Menschen sind.

Bei allen Regelterminen besteht die Möglichkeit, Folgeberatungstermine zu bestehenden Fragen und Problemen in Anspruch zu nehmen.

Wenn Bedarf an intensiverer Begleitung oder Therapie vorhanden ist, wird dies nach Möglichkeit im ZEF 20 abgedeckt, oder es werden die Eltern unterstützt, sich einen Therapieplatz extern zu organisieren.

Inhalt sind einerseits umfassende Untersuchungen mit dem Ziel der Feststellung des jeweiligen Entwicklungsstandes des Kindes, sowie eingehende Beratungen zu aufkommenden Themen und Sorgen der Eltern in den ersten Lebensmonaten und -jahren.

Großer Wert wird auf eine individuelle, ganzheitliche Unterstützung und Begleitung der gesamten Familie gelegt.

Das übergeordnete Ziel ist die Förderung einer guten Eltern-Kind-Bindung als Basis für eine gesunde kindliche Entwicklung sowie Beratung der Eltern bezüglich altersadäquater Förder- und Spielideen im Alltag.

 

 


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