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Erste Hilfe – Tipps und Empfehlungen für stürmische Zeiten

von Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack

Das Auseinanderbrechen der Familie ist für Kinder zunächst ein massiver Einschnitt in ihr Leben. Der Verlust, die Unsicherheit, die Trauer und der Neubeginn kosten den Kindern viel Energie. Trotzdem sollte die Entscheidung für oder gegen eine Trennung unabhängig von den Kindern getroffen werden. Eine konfliktreiche Beziehung ohne liebevollen Umgang miteinander hat auf die langfristige psychische Entwicklung von Kindern zumeist schädlichere Auswirkungen als eine Trennung. Auch macht es keinen Sinn mit der Trennung zu warten, in der Hoffnung, dem Kind würde es, wenn es älter ist weniger ausmachen – ein günstiges Scheidungsalter gibt es nicht. Eltern können ihren Kindern nicht allen Kummer rund um die Trennung ersparen, sie können ihnen allerdings dabei helfen, die neue Familiensituation anzunehmen. Patentrezepte gibt es nicht, allgemeingültige Lösungen auch nicht. Jede Familie, jedes Kind ist individuell. Nachfolgende Tipps sollen Anregungen sein, die Trennungssituation im Sinne aller Betroffenen – speziell aber der Kinder – bestmöglich zu gestalten.

Tipp 1: Ganz egal, wie alt Ihr Kind ist: Sagen Sie ihm, dass Sie sich trennen werden und wie sein Alltag nach der Trennung sein wird.

Kinder brauchen ehrliche, verständliche und altersgemäße Information, warum sich die Eltern trennen. Ohne Erklärungen sind sie stark verunsichert und machen sich ihre eigenen Gedanken und Phantasien. Diese sind meist beunruhigender als die Realität. Warum? Kinder suchen oftmals die Schuld bei sich selbst. Aber: Die Verantwortung für die Trennung liegt immer bei den Eltern – niemals bei den Kindern.

Kinder brauchen auch Klarheit darüber, wie sich ihr Alltag nach der Trennung gestaltet: Wo werde ich wohnen? Wann und wo werde ich Mama oder Papa sehen, wenn sie oder er auszieht? Was wird nach der Trennung gleich bleiben?

Daher:

  • Wenn Sie es schaffen, sprechen Sie gemeinsam mit dem Kind über die bevorstehende Trennung und vermeiden Sie gegenseitige Schuldzuweisungen.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie die nächste Zukunft aussieht, z.B. wo es wohnen wird, wie oft es den anderen Elternteil sehen wird. Beantworten Sie seine Fragen, um Ängsten vorzubeugen.

Tipp 2: Vermeiden Sie gemeinsame Aktivitäten in der Trennungszeit.

Gemeinsame Unternehmungen und Feste mit Mama und Papa in der Trennungszeit könnten im Kind immer wieder die Hoffnung wecken, dass alles wie früher wird und die Eltern noch einmal zusammenkommen. Dies ist ein großer Wunsch des Kindes und es wird dann immer wieder enttäuscht.

Auch später sollte überlegt werden, ob Familienfeste gemeinsam gefeiert werden.

Daher:

  • Wie ein Fest gefeiert wird, entscheiden die Eltern. Die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder sollen aber berücksichtigt werden.
  • Für die Kinder muss immer klar sein, dass die Eltern getrennt sind und dies auch bleiben. Egal in welcher Konstellation letztlich gefeiert wird, wichtig ist, dass beide Eltern den Kindern zeigten: „Ich bin für dich da.“
  • Klarheit bei diesem Thema gibt Ihrem Kind Sicherheit.
  • Finden Sie neue Rituale für Feste und Feiern mit Ihrem Kind.

Tipp 3: Fixe Papa-Tage und Mama-Tage geben Ihrem Kind Sicherheit.

Es ist wichtig für Ihr Kind, dass es zu beiden Elternteilen möglichst viel Kontakt hat. Oder Sie wählen überhaupt ein Modell, bei dem Ihr Kind abwechselnd bei beiden Elternteilen lebt (Doppelresidenz).

Fixe und klare Zeiten helfen Ihrem Kind, sich besser auf die gemeinsame Zeit mit dem anderen Elternteil einzustellen. Ihr Kind muss über diese Vereinbarungen informiert werden. Vor allem jüngere Kinder sollen auf die Zeit mit Mama/Papa vorbereitet werden. Zu wissen, wann „Papa-Tag“ oder „Mama-Tag“ ist, gibt Sicherheit. Wenn Ihr Kind in der Pubertät ist, sollte es die Kontaktzeiten mitgestalten können, da auch andere Aktivitäten (z.B. Freund*innen treffen) wichtig werden.

Daher:

  • Vereinbaren Sie fixe Zeiten, in denen Ihr Kind jenen Elternteil sieht, der ausgezogen ist! So kann es sich darauf einstellen.
  • Passen Sie die Zeiten entsprechend an (z.B. nach Alter des Kindes oder wenn sich die Lebensumstände ändern).
  • Wichtig: Ihr Kind braucht Zeit mit beiden Eltern!

Übrigens: Wenn Ihr Kind nach einem Aufenthalt beim Vater oder bei der Mutter weinerlich, gereizt oder aggressiv zurückkommt, lassen Sie sich nicht verunsichern. Jedes Mal, wenn das Kind bei seinem Vater ist, muss es sich von der Mutter trennen, und nach jeder verbrachten Zeit mit dem Vater muss sich das Kind auch wieder von ihm trennen. Das ist nicht leicht für ein Kind. Von der vereinbarten Regelung soll deshalb nicht abgegangen werden.

Tipp 4: Entlasten Sie ihr Kind aktiv in seinem Gefühl, zwischen beiden Eltern zu stehen.

Kinder fühlen sich beiden Elternteilen verbunden, wollen es beiden recht machen und geraten daher in Loyalitätskonflikte. Ihrem Gefühl nach stehen sie zwischen den Welten ihrer Eltern – der Mamawelt und der Papawelt. Eltern können diese Konflikte abschwächen, indem sie ihren Kindern vermitteln, dass sie nach wie vor Mama UND Papa lieben dürfen und zu keinem von beiden „halten“ müssen.

Daher:

  • Vermeiden Sie es, vor Ihrem Kind schlecht über den anderen Elternteil zu reden.
  • Denken Sie daran, dass der auch der andere Elternteil das Beste für das Kind will.

Tipp 5: Achten Sie gut auf sich selbst. Gönnen Sie sich auch im Alltag Zeit für sich.

Eine Trennung zu bewältigen, verlangt von allen Beteiligten viel Kraft. Wer sich ein Bein bricht, geht zum Arzt, wer ein Beziehungsende erlebt, glaubt oft, alleine damit fertig werden zu müsssen. Stimmt nicht! Scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Und: Gönnen Sie sich auch im Alltag immer wieder einmal eine Auszeit, um Energie zu tanken. Denn: Geht es den Eltern gut, gibt das auch den Kindern Mut.

Daher:

  • Nutzen Sie das Angebot professioneller Hilfe.
  • Suchen Sie eine Beratungsstelle auf, wenn Sie die Situation zu sehr belastet.
  • Auch wenn es manchmal schwerfällt: Genießen Sie die kinderfreie Zeit und tun Sie etwas für sich.

Tipp 6: Zeit lassen – Zeit geben – kleine Schritte gehen.

Veränderungen brauchen Zeit, Gelassenheit, Toleranz und Geduld. Die Umbruchsituation ist für alle Beteiligten neu.

Daher:

  • Geben Sie Ihrem Kind, Ihrem/r Ex-PartnerIn und sich selbst genug Zeit!
  • Setzen Sie nicht sich selbst und auch nicht andere unter Druck, alles richtig machen zu müssen!

Tipp 7: Ihr Kind muss auf die Trennung reagieren. Haben Sie Verständnis für seine Gefühle – diese sind gesund, normal und wichtig.

Kein Kind nimmt die Veränderung des familiären Zusammenlebens so hin, als ob nichts wäre. Folgende Gefühle können bei Kindern auftreten, wenn die Eltern sich trennen:

  • Angst, dass auch der andere Elternteil weg geht
  • Wut darüber, dass sich die Eltern trennen
  • Trauer, weil sie ihre vertraute Familie verloren haben
  • Hilflosigkeit, weil sie spüren, dass sie die Situation nicht ändern können

Wenn ein Kind diese Gefühle nicht zeigen darf, kann es zu Aggressionen oder Rückschritten in der Entwicklung führen. Ebenso können Schulschwierigkeiten, auffälliges Verhalten, der Rückzug des Kindes oder psychosomatische Beschwerden auftreten.

Helfen Sie Ihrem Kind dabei, seine Gefühle auszudrücken! Das hilft Ihrem Kind, die Situation zu bewältigen.

Tipp 8: Geben Sie Ihrem Kind Zeit, sich an Ihren neuen Partner/Ihre neue Partnerin zu gewöhnen.

Liebe und Anerkennung lassen sich nicht erzwingen. Nur die wenigsten Kinder werden Mamas neuen Freund oder Papas neue Freundin sofort ins Herz schließen. Im Gegenteil: Ihr Kind kann Ihrem neuen Freund zeigen, dass es ihn ablehnt. Schwierig wird die Situation vor allem dann, wenn Ihr Freund die Rolle als neuer Partner zu schnell einnimmt und sich von Ihrem Kind automatisch Zuneigung erwartet. Dasselbe gilt natürlich auch für die neue Freundin vom Papa.

Daher:

  • Ihr Kind soll Ihren neuen Freund/Ihre neue Freundin erst dann kennenlernen, wenn es damit einverstanden ist. Ihr neuer Partner soll sich dem Kind nicht als Mutter oder Vater, sondern als IHR Partner und als Freund des Kindes nähern.
  • Wenn Eltern eine neue Partnerschaft eingehen, so darf die Beziehung des Kindes zur leiblichen Mutter/zum leiblichen Vater nicht darunter leiden. Untersuchungen haben gezeigt: Je besser der Draht zum getrennt lebenden Vater ist, desto eher können Kinder den neuen Partner der Mutter akzeptieren.
  • Sind die Positionen und Haltungen klar, nämlich dass der Papa der Papa ist und der Stiefvater der Stiefvater, dann ist auch für das Kind meist alles okay.
  • Verbringen Sie ausreichend Zeit mit Ihrem Kind allein – ohne die neue Partnerin/den neuen Partner. Ihr Kind braucht diese gemeinsame Zeit nur mit Ihnen!

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