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Die Enkelgeneration – Funktion und Bedeutung der Großeltern für die Enkelkinder

von Mag.a Barbara Mödritscher

Die Sicht der Enkelkinder ist bis jetzt eher selten dargestellt worden. Die meisten Studien weisen darauf hin, dass die Beziehung zwischen Großeltern und Enkel von den meisten als eine bereichernde, positive Beziehung erlebt wird. Mehrere Studien, die mit jüngeren Erwachsenen durchgeführt wurden, zeigten die Wichtigkeit der Großeltern für dieses Lebensalter. Ein die Generationen überdauerndes Merkmal ist das Bindungsverhalten der Enkelkinder gegenüber den Großeltern. Bindungsverhalten wird nicht nur gegenüber den Eltern, sondern bei positiven Familienbeziehungen auch zu den Großeltern aufgebaut. Das Vorhandensein zusätzlicher Bezugspersonen hat für die Kinder große Vorteile.

In der Literatur lassen sich nur wenig gesicherte Aussagen finden, welche Faktoren die Gestaltung und das Erleben dieser Beziehung mitbestimmen. In einer amerikanischen Untersuchung, in der 391 jugendliche Erwachsene zur Qualität ihrer Beziehungen mit ihren engsten Großeltern befragt wurden, stellten sich folgende wichtige Merkmale heraus: große, emotionalen Nähe, ein starkes Gefühl von den Großeltern erkannt zu werden und auch diese zu kennen. Seitens der Großeltern das Gefühl, einen Einfluss auf das Leben des Enkelkindes zu haben und eine unabhängige oder verlässliche Großeltern- Enkelkind- Beziehung, die durch die Generation der Eltern nicht beherrscht aber unterstützt wird. Von den Befragten stuften lediglich vier Prozent die Beziehung zu den Großeltern als „nicht sehr nahe“ ein. Immerhin 43 Prozent stuften sie als „sehr nahe“ ein und elf Prozent bezeichneten sie sogar als „intime Nähe“. Zur Vermittlung der Kommunikation zwischen Großeltern und Enkelkindern durch die Eltern gaben 27 Prozent „meistens“ an, 27 Prozent „selten“ und 46 Prozent „ziemlich oft“. Nicht unbedingt ausschlaggebend für diese Kriterien war geografische Nähe. Kontakthäufigkeit bedingt durch räumliche Nähe bedeutet nicht automatisch eine intensive Beziehung zueinander zu haben.

In Österreich haben 96 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren zumindest noch einen am Leben befindlichen Großelternteil. Bei 42 Prozent leben noch alle vier, bei weiteren 29 Prozent drei Großelternteile. Bei 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren ist zumindest ein Urgroßelternteil noch am Leben. Fast zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen haben regelmäßigen Kontakt mit ihren Großeltern. 31 Prozent der Großeltern sehen mindestens ein Mal pro Woche ihre Enkel. Diese Treffen finden häufiger mit den Großmüttern mütterlicherseits statt. 14 Prozent der Großeltern sehen die Enkel ein Mal im Monat.

Im Blick auf die Enkel- Generation belegt die Forschung bezüglich der Funktionen von Großeltern folgendes:

 Großeltern als Lehrer
„Die Erfahrung von Mehrgenerationen spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Die von Enkeln und Großeltern gemeinsam verbrachte Zeit bietet den Großeltern die Chance, ihren Enkel spezifische Lern- Erfahrungen zu vermitteln. Dabei geht es nicht nur darum, dass Großeltern aus früheren Zeiten berichten können und so eine gewisse Kontinuität repräsentieren.“

Großeltern als zusätzliche stabile Bezugspersonen
erweitern das Erfahrungsfeld und erhöhen die Selbst-Sicherheit des Kindes. Dies dürfte einer der wichtigsten Beiträge von Großeltern sein.

Großeltern fungieren als emotionale und soziale Unterstützung bei familiären Krisen
Die Situation von Familien nach Trennungen oder Scheidungen kann vermehrt durch psychische, emotionale und finanzielle Belastungen gekennzeichnet sein. Besonders in elterlichen Trennungssituationen sind Großeltern manchmal die Konstante, die bei Kindern soziale und emotionale Unterstützungsfunktionen übernehmen.

Großeltern als Bewahrer
der familiären Tradition und Hüter familiärer Geschichten und Mythen. Sie können das Erleben von Geschichtlichkeit, Zusammenhalt und familiärer Geborgenheit bestärken, solange diese Geschichten in der neuen Generation weitererzählt, umgeformt und neu ausgestaltet werden können. Lebensgeschichtliche Erzählungen und die Tradierung des familialen Gedächtnisses sind wesentliche Bestandteile in der Beziehung zwischen Großeltern und Enkelkindern.

Großeltern als religiöse Erzieher
Laut Schweitzer wurde dieses Thema noch nicht genügend systematisch erforscht. Er geht aber davon aus, dass Großeltern für die religiöse Erziehung der Enkelkinder wichtig sind. Die empirischen Befunde zeigen entweder Kontinuität der (auch religiösen) Erziehung über Generationen hinweg. Oder aber sie vollziehen einen totalen Bruch damit, wie es die 1968er Generation gezeigt hat. Insbesondere ist hier an den Wandel des (auch religiösen) Erziehungsstils zu denken. Dabei ist zu bedenken, dass von der Gestalt der jeweiligen Familiendynamik nicht nur die Wirksamkeit religiöser Erziehung abhängt, sondern auch, ob sie sich als hilfreich oder weniger hilfreich erweist.

Großeltern üben Toleranz
Toleranz ist in bestimmten Fällen ein notwendiger Ausgleich zu elterlichen Haltungen, die andere Aufgaben in der Erziehung ihrer Kinder haben als Großeltern. Wo Eltern und Kinder einander immer wieder in die Haare geraten, können Großeltern oft mit mehr Abstand vermitteln und helfen.

Großeltern als Betreuungspersonen
übernehmen in vielen jungen Familien unentgeltliche, unersetzliche und unbezahlbare Betreuungsaufgaben. Nach dem Österreichischen Mikrozensus 1999 erhielten Ende der 1990er Jahre von den Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ein Viertel nahezu täglich oder mindestens einmal wöchentlich Hilfe von den Großeltern. Seit 1. Jänner 2009 können für ArbeitnehmerInnen Kinderbetreuungskosten bis Euro 2.300 (pro Kalenderjahr und Kind bis zum 10. Lebensjahr) steuerlich abgesetzt werden. Die Betreuung kann in einer privaten oder öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtung oder durch eine pädagogisch qualifizierte Person erfolgen. Diese Qualifikation kann durch eine Ausbildung zur Kinderbetreuung und Kindererziehung im Mindestausmaß von acht Stunden auch von Großeltern nachgewiesen werden. Dazu werden von der Katholischen Elternbildung spezielle Großelternseminare angeboten.

Großeltern als Ressource kulturellen Kapitals
In der Untersuchung von Fthenakis sehen es 80 Prozent der Großeltern mütterlicherseits und 69 Prozent väterlicherseits als Aufgabe, kulturelle Traditionen an das Enkelkind weiter zu geben.

Großeltern und materielle Unterstützung
Zum Image der Großeltern gehört es, dass sie Geschenke mitbringen, die Lieblingsspeise der Enkelkinder kochen, usw. Dieser materielle Aspekt ist eine Basis der psychischen Beziehung und des Bindungsverhaltens. Problematisch wird es, wenn Kinder mit Geschenken überhäuft werden. Hier ist die Kreativität der Großeltern gefragt, um Kinder mit anderen, nicht materiellen aber doch eindrucksvollen Geschenken zu verwöhnen.

Großeltern und finanzielle Unterstützung
Die neuere empirische Forschung weist nicht nur eine nach wie vor überwiegende enge Beziehung zwischen den Generationen nach, sondern ebenso ein Erbringen beträchtlicher Versorgungsleistungen auch in finanziellen Belangen. Es zeigt sich, dass die materiellen Transferleistungen, sowohl zu Lebzeiten als auch über Erbschaften, erheblich sind und hauptsächlich von den älteren zu den jüngeren Generationen gehen. Auch ist es nach Scheidungen nicht ungewöhnlich, dass die Großeltern ihren Besitz ausdrücklich den Enkelkindern überlassen oder ihnen zuschreiben.

Großeltern als Vorbeugung negativer Altersstereotype
Es gibt Hinweise darauf, dass Kinder mit engen und guten Kontakten zu Großeltern ein eher positives Bild vom Alter aufweisen. Kinder ohne entsprechende Kontakte neigen dagegen eher zu stereotypen Vorstellungen.

Großeltern als Tor zur Welt
der älteren Menschen machen mit körperlicher Gebrechlichkeit und dem Tod bekannt.

Großeltern als Sozialisationsbrücke und Wertevermittler
Laut Krappmann können Großeltern während der Säuglingsphase und der Kindheit von Enkeln wichtige Sozialisationsbrücken sein. Damit ist gemeint, „das Personen, die einem Kind nah und vertraut sind und sich doch etwas anders als die erste Bezugsperson des Kindes verhalten, eine Brücke in die noch unbekanntere soziale Welt darstellen“. Unter günstigsten Umständen kann diese Brückenfunktion auch während der Pubertät bedeutsam sein. „Bereits die Tatsache, dass Enkel mit Älteren darüber reden und streiten können, wie die Welt zu beurteilen und die Familie zu organisieren sei, ist von großer sozialisatorischer Bedeutung. Offenbar kann auch eine engagierte Auseinandersetzung ohne Zwang entgegen verbreitetem Erziehungspessimismus eine Werttradition sichern.“ Am Besten gelingt ihnen dies, wenn Großeltern unaufdringlich, die Werte des Enkels akzeptierend, ihre eigenen Werte vermitteln wollen und sich um eine persönlich gestaltete Beziehung zu ihren Enkeln bemühen.

 

(Auszug aus der Arbeitsmappe „Mit Achtung und Respekt kompetente Eltern – Wie Elternbildung gelingen kann“, Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich, 2010. S2.21 – 2.27)

 


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