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Herausforderung Patchworkfamilie – was kommt auf uns zu?

von Dr. Gundl Kutschera

Patchworkfamilien sind mutig und versuchen neue Wege zu finden, die dann glücklich enden, wenn alle Beteiligten Neues über gleichwertiges menschliches Miteinander, Beziehungen lernen und bereit sind umzudenken.

Definition
Unter einer Patchworkfamilie wird eine Partnerschaft verstanden, bei der mindestens einer der Partner ein oder mehrere Kinder mit in die Beziehung bringt. Es muss also weder eine neue Ehe eingegangen werden, noch müssen beide Partner Kinder haben oder gemeinsame Kinder zeugen, um von einer Patchworkfamilie zu sprechen.  Das Zusammenkommen einer Patchworkfamilie ist sehr unterschiedlich: Tod eines Ehepartners, Scheidung bzw. Trennung. Dadurch können sich natürlich noch besondere Herausforderungen ergeben. Ein Unterschied zur klassischen Kernfamilie (Eltern und leibliche Kinder) ist zudem, dass eben diese, die Kernfamilie, in aller Regel langsam wächst und alle Familienmitglieder Zeit haben in ihre Rollen zu schlüpfen. Patchworkfamilien sind hier deutlich „schneller“, quasi über Nacht entsteht eine neue Familie, in der es schon bestehende Rollen, verteilte Aufgaben, Regeln und Abläufe gibt. Auch die Art und Weise des Zusammenlebens kann sehr unterschiedlich sein: Wenn der Patchworkfamilie ein Todesfall eines Partners vorangegangen ist, so kann es sein, dass die gesamte Patchworkfamilie in einem Haushalt lebt. Bei vorangegangene Trennungen sind es zumeist zwei Haushalte. Daraus ergeben sich natürlich wiederum unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Ich will hier die Herausforderungen einer Patchworkfamilie aus Sicht der Kinder und Jugendlichen und aus Sicht der Eltern näher erläutern. Vorweg, alle diese Thematiken sind nicht nur in einer Patchworkfamilie wiederzufinden, sondern auch in der klassischen Kernfamilie.

Aus Sicht des Kindes und des Jugendlichen
Trennung, Scheidung und Verlust sind für Kinder in jedem Alter ein einschneidendes Erlebnis und hinterlässt emotionale Wunden. Zumal einer Trennung im Vorfeld schon eine Phase von Konflikten und Spannungen vorrangeht. Gerade kleine Kinder im Kindergarten- und Volkschulalter fühlen sich oft schuldig und als Grund für die Schwierigkeiten/Trennung der Eltern. Je nach Persönlichkeit des Kindes äußern Kinder aber auch den Wunsch, dass sich die Eltern trennen mögen, weil sie die Spannungen nicht mehr aushalten können. Und umgekehrt, fragen sich viele Jugendliche, teils unter Tränen, warum sich die Eltern nicht getrennt und den Spannungen so ein Ende gesetzt haben. Natürlich kennen die Kinder und Jugendlichen nicht alle Auswirkungen einer Trennung und können so ihre Eltern unter Umständen nicht nachvollzeihen. Aber Spannungen ist schon ein guter Punkt, der für eine Patchworkfamilie sprechen kann. Durch die größere Gruppe ist man den Spannungen nicht alleine ausgeliefert, bzw. gibt es ein „zweites Zuhause“ wo man sich „hinflüchten“ kann.

Kinder und Jugendliche in dieser Phase des Umbruchs wünschen sich das Gefühl geliebt zu werden. Die Trennung der Eltern und das Erleben der neuen Paarbeziehung kann den Gefühlshaushalt ziemlich durcheinanderbringen. Die Gewissheit, dass die Eltern-Kindbeziehung bleibt – mit ihrer Nähe und Intensität, bringt Sicherheit für das Kind. Gerade, wenn in der Zeit vor der Patchworkfamilie eine sehr enge Eltern-Kindeinheit vorgeherrscht hat, ist es wichtig, dass hier ein sanfter Übergang in die neue Konstellation stattfindet. Hier hilft es, sich seiner Rollen bewusst zu sein, dass nämlich neben den individuellen Bedürfnissen, natürlich die Bedürfnisse als Mann/Frau wichtig sind, aber eben auch die Elternrolle. Und diese Elternrolle muss von der Qualität aufrechterhalten werden, auch wenn durch die neue Beziehung mit unter weniger Zeit vorhanden ist.

Die Kinder finden sich oftmals in einem Loyalitätskonflikt zwischen dem/der neuen PartnerIn, sozialer Elternteil, und leiblichen, getrennten Elternteil wieder und sind sprichwörtlich innerlich zerrissen. Vorallem wenn der andere Elternteil als schwächer empfunden wird, versuchen Kinder diesen zu stärken, indem sie schlecht über den sozialen Elternteil sprechen. Da ist es auch ganz normal, wenn wieder alte Wunden, die scheinbar schon verheilt waren, wiederaufleben.

Bei Jugendlichen geht es vermehrt um einen Autoritätskonflikt. Erkenne ich die Autorität des neuen sozialen Elternteils an? Entwicklungspsychologisch ist es ganz normal, dass Jugendliche in diesem Alter gegen die Eltern rebellieren, Grenzen austesten. Sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen darf nicht das Gefühl erzeugt werden, der/die neue PartnerIn ersetzt denn leiblichen Elternteil. Manche Kinder/Jugendlichen sprechen den sozialen Elternteil mit Mama oder Papa an, manche nicht. Natürlich muss der/die PartnerIn in der neuen Familie sich auch eine zuhause schaffen und darf und soll „mitreden“, es empfiehlt sich gerade zu Beginn, dass die eigentliche Erziehungsarbeit vermehrt der leibliche Elternteil übernimmt.
In diesem Gefühlsdurcheinander brauchen Kinder und Jugendlichen Platz und Zeit für ihre Gefühle und Verständnis dafür. Hier können kompetente Stellen hilfreich sein, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, ihren Platz in der neuen Familie zu finden.

Aus Sicht der Eltern
Aus Sicht der Eltern ist mit dem Zustandekommen einer neuen Patchworkfamilie zum einen die Erfüllung der neuen Paarbeziehung im Vordergrund, gleichzeitig die Konfrontation mit den Kindern und Ex-PartnerIn. Für das neue Paar ändern sich viele Rollen. Die individuelle Rolle – den eigenen Platz in der neuen Familie finden, die Mann/Frau Rolle – die Bedürfnisse als Paar, die Eltern Rolle – entweder neu in diese Rolle finden, bzw. sich mit der Situation leibliche und soziale Elternschaft klar zu werden. Wie kann ich mein eigenes und das Kind meines Partners lieben. Wie schaffe ich Gleichheit im Umgang, auch wenn die Liebe zum eigenen Kind stärker ist. Nicht zuletzt ändert sich auch die Rolle im Umfeld – ExpartnerIn, Großeltern, Freundeskreise, usw.

Patchworkfamilie bedeutet sanftes, behutsames Vorgehen mit Geduld. Wenn dies nun vielleicht alles nach Arbeit klingt, keine Angst, ich komme noch zu den Vorteilen. Eltern sehen sich aus meiner Erfahrung in folgendem Dilemma: Ja, es gibt reale Herausforderungen – nicht zuletzt organisatorische – aber auch emotionale Herausforderungen. Mit emotionalen Herausforderungen meine ich die eigenen Vorstellungen, wie es sein soll. Von der Paarbeziehung über die Beziehung mit den Kindern, hin zum Umgang mit dem zweiten leiblichen Elternteil, daneben die eigene Arbeit usw. Gerade die Beziehung zum leiblichen Elternteil wird oft als wichtig zum Gelingen der Patchworkfamilie beschrieben.

Oftmals sind es Ängste auf beiden Seiten, die die leiblichen Eltern und auch sozialen Eltern in eine Eifersucht aber auch einen ständigen Vergleich zwischen ihnen führt: Wer ist besser, wen mögen die Kinder lieber, kann ich vertrauen, usw.. Diese Fragen gibt es nicht nur in der Patchworkfamilie, jedoch oftmals in zugespitzter Form. Die Erfahrungen aus der alten Familie haben auch Einfluss auf die jetzige: Entweder wiederholt man alles, damit diesmal der Traum funktioniert oder aber sie hängen wie ein Damoklesschwert über der Familie. Deshalb ist es ganz wichtig, dass die eigenen Rollen für sich und gemeinsam als Paar geklärt werden. Klarheit und gemeinsames Vorgehen schafft Stabilität und schafft Platz für ein schönes Familienleben. Gemeinsam mit dem zweiten leiblichen Elternteil Regeln besprechen und gemeinsam Lösungen finden. Offenheit und lösungsorientierter Umgang mit Konflikten statt „Verdrängen“ sind die Basis für ein gutes Zusammenleben. Da jede Familie einzigartig ist, gibt es wenige Patentrezepte. Deshalb zögern sie nicht, sich kompetente Unterstützung zu suchen.

Vorteile
Die Vorteile einer Patchworkfamilie ist abgesehen davon wieder eine Familie zu haben, in einem sozialen, familiären Gefüge eingebunden zu sein, gerade die größere Anzahl an Bezugspersonen. Diese können diese Familienform sehr lebendig und stabil machen. Stabil nämlich dann, dass Spannungen und Konflikte von mehreren Leuten auf- und abgefangen werden können. Vermutlich wird der Großfamilie, in welcher Form auch immer, die Zukunft gehören. Kinder und Jugendliche lernen viel über Miteinander – deren Vielfalt, Kompromisse einzugehen und Lösungen in Konflikten zu finden.


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