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Kinder aus Regenbogenfamilien in der Schule

von MA Tanja Allerberger

Kindern aus Regenbogenfamilien geht es gut. Das zeigen viele Studien (vgl. auch den entsprechenden Artikel auf dieser Seite). Vor allem im Kontext Schule gibt es jedoch auch Erfahrungen mit Diskriminierung. Um hier eine Veränderung herbeizuführen, braucht es Bewusstseinsbildung auf allen Ebenen von pädagogischer Arbeit.

In der Schule wird – wie auch im Kindergarten – Vielfalt sichtbar. Um diese Vielfalt als Chance und als Bereicherung verstehen zu können, braucht es Lehrpersonen, die das auch vermitteln und vorleben. Im Gegensatz zu anderen Diversitätsbereichen, wo bereits Konzepte implementiert wurden, um der Vielfalt der Gesellschaft adäquat zu begegnen, gibt es im Bereich „sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ noch Entwicklungsbedarf. Lehrende sollten daher im Zuge ihrer Ausbildung bzw. ihrer beruflichen Sozialisation auch Regenbogenkompetenz erwerben.

Regenbogenkompetenz
Als Regenbogenkompetenz wird die Fähigkeit bezeichnet, als pädagogische Fachkraft mit den Themen „Sexuelle Orientierung“ bzw. „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ professionell und diskriminierungsfrei umzugehen. Dieser Umgang hat für viele Kinder und Jugendliche Bedeutung: Für Kinder, die aus Regenbogenfamilien kommen ebenso wie für Jugendliche, die selbst gleichgeschlechtlich lieben. Für Kinder und Jugendliche, die sich vielleicht in der Zukunft in eine Person des selben Geschlechts verlieben gleichermaßen, wie für Menschen, die sich nicht in die binäre Geschlechterordnung einordnen lassen (wollen) und für all jene, die in ihrem persönlichen Umfeld Kontakt zu LGBTIQ*-Personen haben. Die Etablierung der Regenbogenkompetenz als eine weitere Diversitätspädagogik – neben der Interkulturellen Pädagogik, der Geschlechts- bzw. Gendersensiblen Pädagogik oder der Inklusiven Pädagogik –  in der pädagogischen Arbeit und Ausbildung hat also durchaus Berechtigung.

Welche Kompetenzen beinhaltet Regenbogenkompetenz?
Regenbogenkompetenz zu haben bedeutet, spezifische Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen aufzuweisen. Im Bereich der Fachkompetenz gehört hierzu ein Grundwissen zu LGBTIQ*-Themen sowie zu Lebensrealitäten und gesetzlichen Grundlagen. Dazu gehört zum Beispiel die Unterscheidung zwischen sexueller Orientierung und sexueller Identität, Wissen zum Thema Coming-out sowie Wissen über die rechtliche Lage von Regenbogenfamilien. Auch Verweisungswissen, wie zum Beispiel ein Kennen von Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche, die nach Beratung zu LGBTIQ*-Themen suchen zeichnet Fachkompetenz im Sinn von Regenbogenkompetenz aus.

Im Bereich der Sozialkompetenz geht es darum, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Bereich von Kommunikation und Kooperation um den Blickwinkel auf LGBTIQ*-Aspekte zu erweitern.  Als Beispiel ist hier die Überprüfung der eigenen Kommunikation hinsichtlich der Abbildung von Vielfalt bzw. heteronormativer Aspekte ebenso zu nennen wie eine Reflexion des Umgangs mit homophoben oder sexistischen Witzen, Beleidigungen und Äußerungen. Ein aktives Mitdenken und Mitberücksichtigen von Kindern aus Regenbogenfamilien in der alltäglichen Kommunikation zählt ebenso zum Bereich der Sozialkompetenz.

Selbstkompetenz im Sinne von Regenbogenkompetenz zu haben bedeutet, eigene Gefühle, Vorurteile und Werte in Bezug auf sexuelle und geschlechtliche Vielfalt reflektieren zu können.
Dazu gehört zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und mit eigenen Moral- und Wertvorstellungen und eine Überprüfung etwaiger Spannungen zwischen der persönlichen Werthaltung und einer professionellen pädagogischen Haltung. Auch die Erweiterung des eigenen Werte- und Normenkonstrukts durch die aktive Beschäftigung mit dem Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und die Auseinandersetzung mit Regenbogenfamilien ist hier zu nennen.

Und schließlich brauchen Pädagog*innen Methodenkompetenz. Das beinhaltet, sich darüber Gedanken zu machen, wie das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in den Unterricht eingebaut werden kann – was im Übrigen im „Grundsatzerlass Sexualpädagogik“[1] explizit vorgesehen ist. Hierbei ist zwischen der direkten und der indirekten Thematisierung zu unterscheiden. Die erstere spricht Unterschiedlichkeit direkt an, das geschieht zum Beispiel durch die Auswahl eines Kinderbuchs oder eines Entwicklungsromans mit einer schwulen Hauptfigur, die Thematisierung von Inter* und Trans* oder im Rahmen von Übungen zu Diversität im Sinn des sozialen Lernens. Bei der indirekten Thematisierung haben Unterschiede selbstverständlich und alltäglich nebeneinander Platz, ohne dass gesondert darauf hingewiesen wird. Dies kann in einem Mathematik-Textbeispiel mit einem homosexuellen Paar ebenso der Fall sein wie bei einem Auftrag für einen Stammbaum, in dem von Elternteilen statt von Vater und Mutter die Rede ist. Auch eine Leseecke mit Kinder- bzw. Jugendbüchern, in denen vielfältige Familienformen abgebildet sind entspricht der indirekten Thematisierung.

Was braucht es noch?
Damit Regenbogenkompetenz wirksam wird braucht es außerdem einen institutionellen Kontext, der Pädagog*innen mit Regenbogenkompetenz unterstützt. Dazu gehören z. B. themenspezifische Fortbildungsangebote, eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und ein Bekenntnis zu einer vorurteilsbewussten und diskriminierungsfreien Arbeit innerhalb der Institution.

Die Basis: Eine professionelle pädagogische Haltung
Eine professionelle pädagogische Haltung ist der Boden, auf dem Regenbogenkompetenz entwickelt werden kann. Dieses Muster von Einstellungen, Werten und Überzeugungen, das wie ein innerer Kompass ein Urteilen und Handeln von pädagogischen Fachkräften ermöglicht und dabei einerseits Stabilität und andererseits Kontextsensibilität mit sich bringt, entwickelt sich laufend weiter und ist ein Prozess, der sich durch eine permanente Integration neuer Lebenserfahrungen auszeichnet. Im Zusammenhang mit Regenbogenfamilien bedeutet das zum Beispiel, dass Pädagog*innen im Sinne der Kontextsensibilität überprüfen sollten, wie sie Mitgliedern aus Regenbogenfamilien begegnen – und im Sinne der Stabilität, dass sie dabei keine Unterschiede zu Mitgliedern aus anderen Familienformen machen.

Zusammengefasst bedeutet das …
Damit Bildungseinrichtungen für Kinder aus Regenbogenfamilien, aber auch ganz allgemein für  LGBTIQ*-Personen und deren Angehörige diskriminierungsfrei erlebt werden können, muss auf unterschiedlichen Ebenen gehandelt werden. Auf der Ebene der Pädagog*innenausbildung sollte sowohl der Entwicklung einer professionellen pädagogischen Haltung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als auch eine Implementierung des Themas sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in die Curricula stattfinden, damit Regenbogenkompetenz entwickelt werden kann.Auf der Ebene der Bildungseinrichtung braucht es Menschen, die im Sinne einer vorurteilsbewussten und diskriminierungsfreien Pädagogik handeln. Dazu gehört z. B. das Einschreiten bei homophoben Sprüchen, aber auch das prinzipielle Sichtbarmachen, Thematisieren und Enttabuisieren von LGBTIQ*-Themen im pädagogischen Alltag.

Für alle Beteiligten erleichtert werden diese Prozesse, wenn es Verbündete auf unterschiedlichen Ebenen gibt. Personen auf der Ebene der Schulaufsicht, die Wert auf Diskriminierungsfreiheit legen. Direktor*innen, die für entsprechende Fortbildungen sorgen und im Leitbild auf Vorurteilsbewusstsein achten. Kolleg*innen, die hinschauen und nicht wegschauen, wenn homophobe Schimpfwörter verwendet werden. Eltern, denen wichtig ist, dass ihre Kinder in einer offenen Gesellschaft aufwachsen und die das auch in der Schule abgebildet sehen wollen. Und – last but not least – Vereine, die einerseits ein Sprachrohr für die Interessen von Regenbogenfamilien sind und die andererseits pädagogischen Fachkräften beratend zur Seite stehen können.

 


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