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Lerndialoge – Begabungsförderung im Gespräch

von MMag. Dr. Birgit Hartel

Begabung – was ist das eigentlich?

Begabt ist, wer ungewöhnliche oder neue Leistungen erbringt oder von der / dem erwartet werden kann, im Erwachsenenleben herausragende Leistungen zu erbringen. Anders gesagt: Begabte Kinder lernen schneller und leichter – sie sind den Gleichaltrigen voraus. Sie freuen sich über neue Aufgaben und bevorzugen anspruchsvolle Herausforderungen. Als Erwachsene können sie zu Expertinnen und Experten ihres Interessensgebiets werden. Begabungen zeigen sich im Sport, in der Kunst, im akademischen Bereich und auch im zwischenmenschlichen Umgang miteinander – als soziale Begabung. Manche Kinder zeigen in mehreren Gebieten Begabungen, manche nur in einem.

Es muss aber zwischen Stärken und Begabungen unterschieden werden: Jedes Kind hat Stärken und Interessen, die von seiner Umwelt wertgeschätzt werden sollen. Aber nicht von jedem Kind können in seinem späteren Leben herausragende Leistungen erwartet werden. Und das ist auch nicht notwendig. Viel wichtiger ist es, sein Kind gut zu kennen und zu wissen, wofür es sich begeistert – und diese Begeisterung weiter anzufachen. Denn egal ob Stärke oder Begabung: Grundsätzlich kann jedes Interesse von Eltern unterstützt werden. Dazu möchte ich eine Methode der Begabtenförderung vorstellen, die aber nachweislich für alle Kinder und jedes Interesse förderlich ist.

Begabung und Lernen – wie hängt das zusammen?

Aus Interviews mit erwachsenen Expertinnen und Experten ist bekannt, dass jahrelanges Lernen im jeweiligen Interessensgebiet die Basis für herausragende Leistungen ist. Zum Erfolg trägt auch das „Lernen Lernen“ bei, die Fähigkeit also, sein Lernen zu organisieren und zu optimieren. Mit Beginn des Schulalters sollten sich begabte Kinder daher einerseits immer mehr auf ihr Interessensgebiet konzentrieren und andererseits das Lernen lernen.

Die gute Nachricht ist: Lernen lernen kann jeder und jede. Wir können daher alle Kinder in ihren Interessen fördern, indem wir mit ihnen in „Lerndialogen“ über ihr Lernen sprechen und sie zum Nachdenken darüber anregen. Auch alle individualisierenden Lernformen in der Schule, wie offenes Arbeiten, Wochenplanunterricht oder Stationenbetrieb, gelingen nur, wenn Kinder ihr Lernen selbstständig organisieren können.

Lerndialoge – Eltern und Kinder im Gespräch

Die deutsche Psychologin Kristin Gisbert sagt, Kinder können ab dem Kindergartenalter darüber nachdenken, „dass, was und wie sie lernen“. Zumindest sollten sie bis ins Volksschulalter:

  • ein Lernziel formulieren und eine Idee entwickeln können, wie sie dieses Ziel erreichen können (Planung),
  • eine Lernhandlung selbstständig durchführen und bei Schwierigkeiten eine Lösung finden können (Überwachung) und
  • den Lernprozess daraufhin bewerten können, was gut und was weniger gut gelungen ist (Bewertung).

Eltern können die Entwicklung dieser Fähigkeiten durch Gespräche mit Kindern unterstützen. In so genannten Lerndialogen richten sie gezielt Fragen an Kinder, die die Themen „Planung“, „Überwachung“ und „Bewertung“ des Lernens aufgreifen. Das Lernen selber wird zum Gesprächsthema!

Planung

Für einen Lerndialoge eignet sich ein entspannter Moment, wenn Zeit und Muße für ein Gespräch mit dem Kind gegeben ist. Er könnte beispielsweise so beginnen:

  • Was möchtest du noch lernen? („Du kennst dich mit Fotographie ja schon richtig gut aus, was möchtest du hier noch dazulernen?“)
  • Was ist dein Ziel für heute? („Du hast gesagt, du möchtest bis Sonntag einen Handstand können, was möchtest du dann heute dafür lernen?“)

In der Planungsphase wird geklärt, welches Ziel angestrebt wird und wie dieses Ziel erreicht werden kann. Alle Ziele sollen möglichst konkret und positiv beschrieben werden: „Ich löse meine Rechenhausübung vollständig und richtig bis 3 Uhr.“ Unterstützung brauchen vor allem junge Kinder dabei, sich nicht zu große Ziele in zu kurzer Zeit zu stecken. Eltern können helfen, indem sie mit ihren Kindern realistische Teilziele formulieren: „Ich finde das großartig, dass du eine eigene Geschichte schreiben willst. Was wäre denn ein erster Schritt dafür?“ oder „Was hältst du davon, zuerst die Handlung in wenigen Stichworten aufzuschreiben?“

Wem das Formulieren realistischer Ziele noch schwer fällt, wird am besten zunächst als Zeitdetektiv tätig: „Wann mache ich was und wie lange brauche ich dafür?“. Zum Beispiel kann ein leerer Stundenplan dafür genutzt werden, um aufzuschreiben, wie viel Zeit tatsächlich für die Rechenhausübung oder das Lesen eines Internetbeitrags benötigt wird. Auch die Zeit, die für das Sammeln, Herrichten und anschließende Wegräumen der benötigten Materialien (z.B. gespitzte Bleistifte, Wörterbuch) benötigt wird, zählt zur Arbeitszeit!

Steht ein positives Ziel fest, wird überlegt, welche Teilschritte in welcher Reihenfolge erledigt werden und welche Materialien oder andere Personen für die Zielerreichung benötigt werden, z.B. das Rechenbuch, ein gestimmtes Instrument, eine Person, die helfen kann oder ein aufgeräumter Arbeitsplatz. Folgende Fragen können Kinder dabei unterstützen:

  • Wie kannst du dein Ziel erreichen?
  • Wen oder was brauchst du, um dein Ziel erreichen zu können? („Manchmal tauchen Schwierigkeiten beim Lernen auf. Wo kannst du dir Hilfe holen, wenn du bei deiner Zeichnung nicht weiterkommst?“)

Überwachung

Nach der Planung des Lernziels geht es in die Umsetzung. Es ist wichtig, den eigenen Lernprozess zu überwachen, um Schwierigkeiten rechtzeitig zu erkennen und meistern zu können. Hiermit ist nicht gemeint, dass Eltern ihre Kinder überwachen! Es kann aber sinnvoll sein, Kinder beim selbstständigen Überwachen ihres Lernprozesses mit Fragen zu begleiten:

  • Kannst du dein Ziel noch erreichen, wenn du so weitermachst? („Du hast jetzt sehr lange die spanische Eröffnung geübt, kannst du dein Tagesziel, drei verschiedene Schacheröffnungen auszuprobieren, bis 18.00 noch erreichen?)
  • Passen deine Lernstrategien noch für dich?

Werden Abweichungen vom Ziel oder vom Plan erkannt, muss das Ziel oder der Weg zur Zielerreichung korrigiert werden. Eltern können mit folgenden Fragen unterstützen:

  • Wer oder was könnte dir helfen, dein Ziel doch noch zu erreichen?
  • Welche anderen Lösungen fallen dir ein? („Im Lexikon hast du keine Antworten auf deine Fragen zur Schwerkraft gefunden, wo könntest du noch nachsehen?“)

Bewertung

Wenn das Lernziel erreicht wurde, reflektieren Eltern und Kind, ob der Weg zur Zielerreichung erfolgreich war. Das Bewerten trägt dazu bei, sein Lernen auf Dauer zu verbessern. Kinder werden durch Fragen angeregt, darüber nachzudenken, ob sie ihre Planung umsetzen konnten, worin sie erfolgreich waren und was sie beim nächsten Lernprozess anders machen wollen:

  • Wer oder was hat dir dabei geholfen, dein Ziel zu erreichen?
  • Was fiel dir leicht, was fiel dir schwer?
  • Welche Schwierigkeiten gab es, und wie bist du damit umgegangen?

Die Antworten auf diese Fragen sollen helfen, die nächsten Lernziele noch realistischer zu planen und umzusetzen. Auf die Bewertung folgt also die Formulierung neuer Lernziele!

Wann und wie oft?

Wie bei allem Neuen gilt: Probieren Sie die Lerndialoge zunächst bei einer klar abgegrenzten Aufgabe aus, etwa einer Rechenhausübung oder einem mittelschweren Musikstück. Beherrscht Ihr Kind das Grundprinzip, können die Lerndialoge zunehmend in komplexeren oder neuartigen Situationen angewandt werden. Das Ziel ist es, herausfordernde Lernprozesse damit übersichtlicher zu gestalten. Damit steigt auch die Motivation, sich schwierige Themen zuzutrauen. Für Routineaufgaben eignen sich die Lerndialoge nicht, da dafür mehr Zeit benötigt wird als für die eigentliche Tätigkeit. Die Lerndialoge sollten auch nicht durch zu häufige Anwendung ihren Reiz verlieren. Nach einigen Übungsgelegenheiten sollten Kinder in der Lage sein, ihre Lernprozesse zunehmend alleine zu organisieren, indem sie sich mit Fragen aus den Lerndialogen eigenständig anleiten.

Schlussbemerkung

Lerndialoge können jedem Kind helfen, sich zu einem besseren und selbstbewussteren Lernenden zu entwickeln. Manchmal tragen aber früh erlebte Schicksalsschläge (z.B. Trennung der Eltern), Teilleistungsschwächen (z.B. Lese-Rechtschreib-Schwäche) oder Kränkungen („Frag nicht so viel!“) dazu bei, dass Kinder die Begeisterung fürs Lernen verlieren. Beobachten Sie bei Ihrem Kind eine geringe Freude am Lernen, können die genannten Gründe eine Rolle spielen. Sie können Ihr Kind unterstützen, indem Sie realistische Erwartungen an seine Fähigkeiten stellen und in einem gemeinsamen Gespräch nach den Ursachen forschen. Eine sensible Beobachtung des Kindes oder im Fall des Falles auch die Unterstützung von Psychologinnen oder anderen Professionisten können dazu beitragen, seine Interessen wieder zu wecken und bestmöglich zu begleiten.


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