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Mädchen, Buben und Technik: „Nur kein Drama bitte!“

von Mag.a Mag.a Dr.in Anita Thaler

Wir haben in den letzten Jahrzehnten in Österreich großartige Erfolge in der Chancengleichheit von Mädchen und Buben, von Frauen und Männern erzielt. Bei allem was noch zu tun bleibt, bei all den berechtigten Ängsten vor einem Backlash, antifeministischen Strömungen und Sexismus auf sozialen Medien, so lohnt es sich doch einen Blick darauf zu werfen, was sich in unserer Gesellschaft zum Positiven verändert hat. Nicht nur gibt es, neben dem Girls’ Day, an dem Mädchen Einblicke in technische Berufe eröffnet werden, auch den Boys’ Day, um Buben Möglichkeiten für pädagogische und pflegerische Berufe aufzuzeigen. Nein es gibt auch zunehmend Väter, die Elternkarenzzeiten in Anspruch nehmen, Frauen, die als Rektorinnen (technischen) Universitäten vorstehen, Frauen , die in Fernsehserien Superheldinnen spielen und Österreich hat 2019 eine Bundeskanzlerin. Außer diesen beispielhaft aufgezählten Errungenschaften, zählt die chancengleiche Beteiligung von Mädchen an der Schulbildung zu den wichtigsten Erfolgen der letzten Jahrzehnte. Es schließen mittlerweile sogar schon etwas mehr junge Frauen höhere Schulen mit Matura und Universitätsstudien ab als junge Männer.

Aber nach wie vor gibt es in technischen Ausbildungsberufen und vielen technischen Studienrichtungen (nicht allen! Architektur ist z.B. eine Ausnahme) mehr junge Männer als junge Frauen. Deshalb taucht immer wieder die Frage auf: Interessieren sich Mädchen überhaupt für Technik?

Nicht nur aus Beobachtungen und Erfahrungen aus Technik-Bildungsprojekten (“Code Studio“ zum Beispiel, in dem Mädchen eigene Spiele programmieren lernten: https://www.ifz.at/Media/Dateien/Downloads-IFZ/Frauen-und-Technik/Code-Studio_Evaluation_Endbericht-2015) , sondern mit Ergebnissen aus einer aktuellen Studie kann diese Frage mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet werden. In dieser Studie[1] wurden Kinder aus Volkschulen und Neuen Mittelschulen befragt, wie sehr sie sich für Technik interessieren. Und siehe da zwischen Mädchen und Buben aus der Volksschule gab es keinen Unterschied in der Ausprägung ihres Technikinteresses, sie finden alle Technik ziemlich spannend.

Aber in der Gruppe der NMS-Jugendlichen gab es einen Unterschied zu beobachten, im Teenageralter ist das Interesse an Technik bei Buben deutlich höher als bei Mädchen. Wenn man die NMS-Jugendlichen mit den Volksschulkindern vergleicht, dann könnte man sagen, dass Buben rund um die Pubertät sich mehr und mehr und Mädchen weniger und weniger für Technik interessieren.

Das heißt die Frage, die wir uns stellen sollten ist nicht, ob Mädchen sich für Technik interessieren (die Antwort ist: grundsätzlich ja!) oder ob Mädchen technische Kompetenzen erlernen können und wollen (die Antwort aus diversen Projekten – z.B. https://www.akademietraunkirchen.com/kids4wearables.html – und Studien lautet: eindeutig ja!). Die Frage, die wir uns als PädagogInnen und Eltern stellen sollten, lautet: Wie können wir das Interesse an Technik und Naturwissenschaft bei Mädchen über die Pubertät hinaus erhalten? Anders gefragt: Wie können wir die Einflüsse minimieren, die Mädchen (und auch etlichen Buben!) die Freude an Technik und Naturwissenschaft trübt und nimmt? Wie so oft gibt es keine einzige richtige Antwort und es hängt selbstverständlich auch von den jeweiligen Individuen ab, aber es ist auffällig, dass das Technikinteresse in jüngeren Jahren bei Mädchen und Buben noch gleich ist und erst rund um die Pubertät dann so auseinandergeht. Was also tut sich in diesen Jahren? Neben vielen körperlichen und psychologischen Veränderungen nimmt im Teenageralter auch die Bedeutung von Peers, also gleichaltrigen FreundInnen zu, Fragen zur Geschlechtsidentität und sexuellen Ausrichtung werden sehr bedeutsam (https://www.researchgate.net/publication/270959109_aber_ich_bin_nicht_schwul_
Erfahrungsbericht_aus_dem_partizipativen_Bildungsforschungsprojekt_transFAIRmation
) und das Dazugehören zu für die jeweiligen Jugendlichen wichtigen Gruppen wird zentral.

Auch die Rolle von Gesellschaft, Politik, Werbung und Medien ist nicht zu unterschätzen, speziell was Mädchen und Buben von Kindesbeinen über die (leider oft stereotypen) Rollen von Frauen und Männern unbewusst mitbekommen. Kinder lernen sehr stark am Modell, d.h. sie ahmen schon als Babys ihre Eltern und nahestehende Personen nach. Und so lernen Kinder schon früh, welche Tätigkeiten eher von Männern gemacht – also männlich – und welche Tätigkeiten eher von Frauen ausgeübt werden – also weiblich sind. Wenn es in der Pubertät also darum geht zur Gruppe der als weiblich geltenden Mädchen zu zählen, dann werden (zum Teil unbewusst) eher Interessensgebiete verfolgt, die in unserer Gesellschaft, in den Medien und von den Peers als weiblich besetzt gelten (und oftmals auf die Repräsentation von Weiblichkeit beschränkt sind). Dasselbe kann man natürlich auch bei vielen Buben beobachten und es lohnt sich auch der Frage nachzugehen, warum Pflege von Kindern, Kranken und Alten (übrigens sehr krisensichere Jobs mit Zukunft!) weiblich besetzt ist und wie wir mehr junge Männer für diese Berufsfelder gewinnen können.

Zurück zu den Mädchen und der Technik. Der Einfluss von Medien kann nicht so ohne weiteres ausgeschaltet werden. Aber Eltern und Lehrende können besonders bei Kindern in jungen Jahren darauf achten, welche versteckten Botschaften über Geschlechter und Sexualität in Büchern, Filmen und Serien vermittelt werden (z.B. https://www.researchgate.net/publication/258997891_How_To_Pull_A_Vampire’s
_Tooth_Heterosexual_norm_in_Stephenie_Meyer’s_The_Twilight_Saga_and_its_pedagogical_implications
). Wichtig ist es besonders Jugendlichen nicht einfach Filme oder Serien zu verbieten, sondern diese gemeinsam anzuschauen bzw. zu besprechen. Warum gefallen gewisse Charaktere und warum nerven andere? Wäre es denkbar, dass der männliche Held von einer Frau gespielt wird, wäre ein Vater zuhause bei den Kindern denkbar? Neben diesen ersten Fragen können zunehmend auch solche zu verschiedensten Männlichkeiten und Weiblichkeiten gestellt werden oder bewusst Fernsehserien mit älteren oder lesbischen Frauen, Transgenderpersonen, etc. ausgesucht werden, um stark einschränkende Rollenbilder nach und nach aufzubrechen. Je vielfältiger Geschlechterbilder und damit einhergehende Identitäten in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen werden, umso freier können sie selbst ihre ganz persönliche Identität ausformen, ganz nach ihren eigenen Stärken und Interessen. Und je mehr Rollenvorbilder wir ihnen zeigen, aus unterschiedlichsten Berufen und Bildungsmöglichkeiten, je mehr sie aktiv kennenlernen, umso eher können sie aufgrund ihrer eigenen Vorlieben und wahren Interessen entscheiden und sind nicht nur auf die von ein paar Medien und Peers aufgestellten Wegweiser „Mädchen“ oder „Bub“ angewiesen.

Eltern bzw. enge Bezugspersonen brauchen jedoch Unterstützung in diesem wichtigen Vorhaben, einem oft gehörten Ausspruch zufolge braucht es immerhin ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Unter anderem kann auch im naturwissenschaftlichen und technischen Unterricht vieles getan werden, um die Chancengleichheit von Mädchen und Buben zu erhöhen (https://www.researchgate.net/publication/258997941_Geschlechtergerechte_Technikdidaktik). Eine wesentliche Erkenntnis aus Projekten mit Schulen lautet: „Kein Drama, bitte!“ – gemeint ist das Dramatisieren von Geschlecht. Niemand mag aufgrund eines Merkmals von anderen abgesondert und als etwas „Spezielles“ vielleicht sogar „Förderwürdiges“ behandelt zu werden. Kinder lesen nicht besser, wenn man betont, dass jetzt einmal diese eine Gruppe, die bekanntermaßen nicht so gut liest, als erstes dran kommt. Genauso ist es mit Geschlecht. Weder Buben noch Mädchen mögen offensichtlich geschlechterbasiertes Verhalten im Unterricht. Das heißt nicht, dass geschlechtersensibler Unterricht nicht wichtig wäre, ganz im Gegenteil. Es muss nur behutsam und auf eine reflektierte Art erfolgen. Also zum Beispiel, wenn Kinder in Paaren an Computern sitzen und Programmieren lernen, dann wäre ein dramatischer und außerdem geschlechterstereotyper Zugang, die Mädchen an den Computer zu setzen und jeweils einen Buben daneben (das machen wir nicht). Der reflektierte Zugang sagt, es wäre viel sinnvoller, dass alle, die schon einmal programmiert haben am Sessel neben (!) dem Computer sitzen und diejenigen, die das Programmieren zum ersten Mal ausprobieren, dürfen sich direkt vor den Computer setzen. So hat jedes Anfängerkind die Chance es einmal selbst zu probieren und jedes erfahrene Kind daneben kann lernen verbal Hilfestellungen zu geben – alles ganz ohne Drama um das Geschlecht.

[1] Michaela Jahrbacher und Anita Thaler vom IFZ werten gerade die Ergebnisse ihrer Evaluationsstudie zum Projekt „Kids4Wearables“ aus, Ende des Jahres werden diese veröffentlicht werden: www.ifz.at.


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