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Mehr Qualität im Familienleben

von Dr. Luitgard Derschmidt

Für die meisten Österreicher und Österreicherinnen ist Familie nach wie vor der wichtigste Wert für ein glückliches Leben. Das beweisen alle Wertestudien, auch die neueste, die 2018 vom IFES (Institut für empirische Sozialforschung) durchgeführt wurde. Das bedeutet wohl, dass wir uns alle von der Familie viel erwarten: Geliebt werden, angenommen sein, ohne dauernd etwas leisten zu müssen, es miteinander gut haben, einfach glücklich, harmonisch und  zufrieden leben zu können. Je mehr die Arbeitswelt stressig und anstrengend ist, je mehr man sich dort unter Druck fühlt, desto mehr sehnt man sich nach einem Ort, wo es anders ist. Im Beruf wird man meist nach Leistung bewertet, in der Familie will ich geliebt werden, ohne dauernd etwas leisten zu müssen. Im Beruf wird natürlich das, was ich kann, gefragt, in der Familie will ich als Person gefragt sein, weil ich „ich“  bin. Im Beruf bin ich austauschbar, weil dort hauptsächlich mein Können, meine Funktion gebraucht wird  und diese muss ersetzt werden können, wenn ich in Pension gehe. In der Familie erhoffe ich,  als einmalig erkannt zu werden, dazuzugehören, Heimat zu haben.

Diese Erwartungen und Ansprüche muss die Familie aber erst einmal erfüllen.  Es geht also nicht um das Familienleben an sich, es geht um die Qualität des  Familienlebens.

Was erwarten wir uns von der Familie, was macht uns glücklich?

Die meisten Menschen wünschen sich Liebe, Geborgenheit, Harmonie, Zusammenhalt, das Gefühl sich aufeinander verlassen, miteinander durch dick und dünn gehen zu können. Für Kinder bedeutet Geborgenheit Nestwärme.  Fehlt ihnen diese, so hängt ihnen das meist ihr Leben lang nach.

Liebe

Liebe ist ein vielgebrauchtes Wort. Sie wird oft auch verschieden verstanden. Liebe bedeutet nicht, dass wir voneinander abhängig sind, sondern, dass wir Freude aneinander haben und uns gegenseitig wohl wollen. Liebe bedeutet auch nicht, alles gut zu heißen, was der/die andere tut. Liebe bedeutet: dich mag ich, so wie du bist. Ich mag nicht alles, was du tust, aber dich als einzigartigen Menschen, dich mag ich einfach. Diese Zusage brauchen Kinder dringend. Meine Zuneigung zu dir ist nicht davon abhängig, wie brav du bist, welche Leistungen du bringst. Nichts ist für Kinder schlimmer als Sätze, wie: „wenn du das oder das machst, beziehungsweise nicht machst, dann mag ich dich nicht mehr“  es  muss immer heißen: Dich mag ich auf jeden Fall, aber ich wünsche mir, oder auch:  ich will, dass du das und das tust, weil du es brauchst, aber auch weil ich es brauche. Auch wenn du das nicht willst und dich  ärgerst.

Wir  müssen dazu  lernen, den Ärger der Kinder auszuhalten, wenn man ihnen etwas aus guten Gründen verbietet oder nicht gibt. Sie müssen sich auch ärgern dürfen! Auch das ist Liebe.

Übrigens: Beziehungen unter Erwachsenen, wenn sie auf Liebe aufbauen, funktionieren auch nicht, wenn man einander dauernd Bedingungen stellt. Ich liebe dich,  weil du so schön bis, weil du so reich bist oder weil du ein tolles, großes Auto hast, weil du das und das kannst oder tust … Wir wissen alle, dass wir so nicht geliebt werden wollen, sondern dass ich als Person für den oder die anderen wertvoll bin.

Geborgenheit

Geborgenheit ist nicht ganz leicht zu definieren. Leichter ist es, diesen Begriff zu umschreiben. Er heißt auch möglicherweise für jeden und jede ein bisschen etwas anderes. Geborgenheit heißt nicht Gemütlichkeit, es bedeutet viel mehr:  Sicherheit und Schutz, Nähe, Vertrauen, Wärme, Zufriedenheit, auch Körperkontakt, Zärtlichkeit –  man muss die Zuneigung auch spüren können-, innere Ruhe und Zusammengehörigkeit.

Eine Jugendliche formulierte auf die Frage, wie sie Geborgenheit definieren würde, das so: „Um mich geborgen zu fühlen, brauche ich das Gefühl der Sicherheit,  dass mir nichts passieren kann und Wohlbefinden, also dass für mich gesorgt wird und einen Ort, wo ich mich zuhause fühle.“

Aber: Wenn Eltern dauernd alles in Frage stellen, sich einmal so und einmal ganz anders entscheiden, wenn sie auf einmal ganz andere Dinge für wichtig und richtig halten und einfordern, beziehungsweise erlauben, wird sich bei den Kindern so etwas wie Unsicherheit einstellen. Manche Dinge müssen klar, eindeutig und immer gleich  sein. Das gibt Halt.

Dafür braucht es in der Familie  Traditionen, Regeln und Rituale. Diese müssen grundsätzlich gelten, damit wir uns alle auskennen. Sie müssen sicher sein, aber nicht starr. Unter bestimmten Umständen, bei besonderen Anlässen, können sie aber auch außer Kraft gesetzt werden. Regeln und Rituale müssen sich im Laufe der Zeit verändern. Die Kinder werden größer, manches passt dann nicht mehr und selbst für uns Erwachsene sind manche Rituale zuweilen sehr hilfreich und dann wieder völlig unpassend.

Harmonie

Auf meine Frage: „Was bedeutet für dich Harmonie in der Familie?“ habe ich  immer wieder die Antwort bekommen: „Wenn man sich nicht streitet“. Aus meiner Erfahrung stimmt das überhaupt nicht. Die Mitglieder einer Familie sind oft sehr unterschiedlich und um gut zusammenzuleben, ist es wichtig, dass alle in ihren Anliegen  ernst genommen werden. Alle Familienmitglieder sind eigenständige Persönlichkeiten, auch schon ganz kleine Babys. Und da sind einfache verschiedene Meinungen, unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche normal und wenn man ehrlich miteinander umgeht, sind Auseinandersetzungen unausweichlich. Harmonie bedeutet keinesfalls, die Unterschiede zuzuschmieren, oder alles nach einem Willen (meistens nach dem Willen des oder der Mächtigsten) zu ordnen. Harmonie bedeutet vielmehr auf der Basis eines grundsätzlichen gegenseitigen Wohlwollens sich auch einmal kräftig  zu streiten, sich ehrlich   auseinanderzusetzen, eine für alle akzeptable Lösung zu finden und sich wieder zu versöhnen. Ohne Sieger und Verlierer! Harmonische Musik zum Beispiel geht uns dann besonders zu Herzen, wenn es Reibungen gibt, die sich in Wohlklang auflösen. Wenn es immer so ohne Reibungen dahingeht, lässt sie einen kalt und wird fad. So ähnlich ist es auch in der Familie.  Harmonie bedeutet die Reibungen, die normal und keine Zeichen mangelnder Zuneigung sind, auszuhalten und sie miteinander – auch Kinder müssen zu Wort kommen können-  wieder in „Wohlklang“ zu verwandeln. Übrigens: Reibungen erzeugen auch  Wärme!

Die Sehnsucht, die hinter dem Begriff Harmonie steckt,  ist eine Mischung aus verschiedenen Wünschen: nach grundsätzlicher Annahme, nach der Sicherheit, dass diese Annahme nicht sofort wieder zurückgezogen wird, auch wenn ich Fehler mache und nach einem grundsätzlichen wertschätzenden Wohlwollen.

Gemeinsamkeit in der Familie:

Gemeinsamkeit wünschen wir uns in unserer Familie manchmal mehr, manchmal weniger. Das gibt Zusammenhalt. Genauso muss auch Platz für Individuelles sein. Es ist für das Wohlbefinden aller Familienmitglieder wichtig, wenn ihre jeweilige Privatsphäre respektiert und ernstgenommen wird.

Primar Merl, der Leiter der Abteilung für Kinder und Jugendpsychiatrie der Kinderklinik Linz  sagt aus seiner Erfahrung, was Kindern  heute oft abgeht: „Familien tragen viel dazu bei, wie Menschen werden. Gibt es zum Beispiel keine gemeinsamen Zeiten, keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr, ist auch keine Gelegenheit mehr da, über den Tag, die Schwierigkeiten zu reden. Die Kultur der aktiven Auseinandersetzung mit den anderen geht verloren“. Genau diese Zeiten wären wichtig, weil Kinder so die nötige Geborgenheit bekommen und sich hier den Schutz holen, den sie brauchen, wenn sie in Schwierigkeiten sind.

Familie ist Privatsache? – Familien unter Druck

Familie ist Privatsache wird gesagt und wir würden uns gewaltig aufregen, wenn sich der Staat oder irgendeine Macht in unser Familienleben einmischten. Dieses Gesetz ist heilig. Aber wenn wir genauer hinschauen, dann mischen sich doch viele ein. Da ist einmal die Arbeitswelt. Es gibt Arbeitszeiten, die es fast nicht mehr erlauben, daneben auch noch ein Familienleben zu haben. Nicht umsonst werden familienfreundliche Betriebe ausgezeichnet. Nicht umsonst gibt es Bemühungen um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen UND Männer.

Es gibt politische Entscheidungen, wo keineswegs das Wohl der Familie im Vordergrund steht, sondern wo immer die Anliegen der Wirtschaft wichtiger sind. Ich weiß schon, eine gut funktionierende Wirtschaft ist nötig, aber doch nur deshalb, damit es den Menschen gut geht.

Auch im finanziellen Bereich sind Familien häufig sehr belastet. Sie können oft sehr schwer mit dem Geld auskommen, das ihnen zur Verfügung steht. Wohnungen zum Beispiel, in denen Familien mit Kindern  gut leben können, muss man sich einfach leisten können usw.usw.

Gesellschaftliche Zwänge wirken oft in Familien hinein. Wichtige öffentliche Termine wegen eines wichtigen familiären Termins nicht  wahrzunehmen, kommt meist nicht gut an.

Familienleben funktioniert anders als die Trends der Gesellschaft. Um die Wirtschaft anzukurbeln ist es wichtig zu konsumieren. Das bedeutet zu kaufen, zu verbrauchen und dann wegzuwerfen. In der Familie kann man die wichtigen Dinge nicht kaufen, man sollte sie auch keinesfalls aufbrauchen und schon gar nicht wegwerfen. Genau das Gegenteil ist wichtig. Da gilt es bewusst genau gegen den Trend der Gesellschaft zu leben. Dasselbe gilt bei der Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit. In der Familie geht es darum, wachsen zu lassen, Geduld und Zeit aufzubringen und sich an und mit den Entwicklungen der Kinder aber auch von uns Erwachsenen zu freuen. Schritt für Schritt und Stufe für Stufe. Ich will alles sofort geht nicht und bringt uns um die schönsten Erfahrungen im gemeinsamen Leben.

Ich zähle das alles auf, nicht um die vielen Schwierigkeiten aufzuzeigen,. Die erleben Eltern ohnehin. Mir geht es vielmehr darum, die Realität bewusst zu machen. Ich möchte ermuntern, sich die eigene Situation anschauen, zu erkennen, wie viel Schönes und hilfreiches im Familienleben gerade in unserer heutigen Zeit steckt und zu überlegen, wie schaffen wir unter den derzeitigen Lebensbedingung, für mich und für uns als Familie, das was für uns wichtig ist, herauszuholen. Manches lässt sich nicht ändern, Anderes kann man selbst bewusst verbessern. Wichtig ist aber, dass man erkennt, dass nicht ich/oder wir es einfach nicht schaffen, dass wir nicht gut genug sind, sondern dass die Rahmenbedingungen von außen einfach schwierig sind. Aus meiner Erfahrung nimmt das schon viel Druck weg. Ein schöner Spruch von dem man nicht weiß, von wem er stammt, heißt:

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Akzeptieren und loslassen können, diese Fähigkeiten sind in unseren Familien, in unseren Beziehungen permanent gefragt  und wollen gelernt und kontinuierlich weiter entwickelt werden. Auch im Zusammenhang mit dem Druck, unter dem viele Familien leiden. Da gibt es gibt weit überzogene Erwartungen von der Gesellschaft an die Familie, die  einfach nicht erfüllbar sind. Da gibt es  aber auch Erwartungen, die die Eltern an sich selbst stellen. Natürlich möchte man ein guter Vater, eine gute Mutter sein, aber was bedeutet das? Überzogene Mutterbilder werden uns dauernd suggeriert, wir tragen sei aber auch in uns, und reflektieren sie einfach zu wenig ehrlich. Ist eine gute Mutter, auch ein guter Vater jemand, der sich selbst dauernd unter Druck setzt, um alles Mögliche und Unmögliche  zu erfüllen und noch unterzubringen, oder jemand, wo vielleicht nicht alles so ganz perfekt läuft und es  dafür  mehr Fröhlichkeit, mehr Gelassenheit und mehr Zeit füreinander gibt und Eltern und Kinder miteinander manchmal auch unbeschwert Spaß haben können? Der zeitliche Druck, unter dem heute so viele Menschen stehen, ist ja nicht wegzuleugnen. Zeitdruck, Organisations- und Leistungsdruck beherrschen vielfach unsere Gesellschaft. Die Zeit, die wir in unseren Familien für einander und miteinander brauchen, müssen wir uns geziegelt nehmen und auch manchmal konsequent Prioritäten setzen. Wir leben nicht in einer familienfreundlichen Gesellschaft wir müssen selbst an ihrer Familienfreundlichkeit arbeiten.

Für viele Familien besteht auch ein Immenser finanzieller Druck. Wir wünschen uns, unseren Kindern  viele schöne und gute Dinge geben zu können. Da gibt es Angebote in den Schulen, die Geld kosten, da gibt es darüber hinaus auch viele Freizeitangebote, die gut, aber auch teuer sind. Auch hier muss man unterscheiden können und sich über das Leistbare freuen, das Unleistbare klar benennen und sich nicht dafür schämen. Da gibt es nichts, wofür man sich schämen muss! In der Werbung zum Beispiel  werden uns Dinge vorgegaukelt, die uns das Leben erleichtern, wenn wir nur das richtige Produkt kaufen. Dann wird es in der Wohnung immer sauber sein, mit einer bestimmten Süßigkeit am Frühstückstisch werden wir alle glücklich sein, bestimmte Nahrungsmittel lassen uns alle immer gesund bleiben  usw. Dass das nicht stimmt, wissen wir eigentlich ohnehin, aber trotzdem erweckt es den Eindruck, das alles wäre ganz leicht zu schaffen, wenn wir nur die richtigen Sachen kaufen. Und Kindern muss man das noch einmal besonders erklären, weil gerade die Werbung auf Kinder zielt und besonders wirkt.

Die meisten Eltern möchten ihren Kindern den besten Start für ihr Leben mitgeben. Sie versuchen, sie mit allen Mitteln zu fördern. Das kann aber leicht zu einer Überforderung sowohl der Kinder als auch der Eltern führen. Enorme Anstrengungen und viel Geld werden investiert, um den Kindern die bestmögliche Ausbildung zukommen zu lassen. Leider werden heute teilweise auch schulische Aufgaben den Eltern übertragen. (Andererseits klagen Lehrer und Lehrerinnen auch oft, dass sie familiäre Rollen den Kindern gegenüber übernehmen müssen. Auch hier wären klare Unterscheidungen wichtig!) Schule wird so in der Familie zu einem übermächtigen Thema. Aus Angst um die Zukunft der Kinder drehen sich fast alle Gespräche in der Familie nur mehr um die Schule! So können Beziehungen aber nicht gut funktionieren! Und das Allerwichtigste, das Kinder für ihr Leben brauchen, kommt dabei zu kurz. Die Zuversicht und das Zutrauen an die innere Stärke der Kinder. Sie wollen aus sich selbst heraus groß und stark, tüchtig und glücklich werden und sie können das auch. Wenn sie aber immer nur die Angst vor einem allfälligen Scheitern vermittelt bekommen, verlieren sie ihre eigene unmittelbare Zuversicht.  Diese Erfolgszuversicht brauchen Kinder in allen Lebensphasen. DU schaffst es, DU  kannst es und DU musst es tun. Wir als Eltern geben dir gerne alle Hilfestellungen, die wir können.

Glück

In der Familie wünschen wir uns, glücklich zu sein. Was heißt das aber? Eine Definition:: -„Momente reines Glücks sind die, in denen wir bewusst genießen.“ Man könnte auch sagen, indem wir uns Wohlfühlen, wo es uns rundum so wirklich gut geht. Wir genießen das Beisammensein, eine gute Mahlzeit, eine schöne Aussicht usw. Da gibt es bei den einzelnen, aber auch bei den  Familien Unterschiede. Die Glücksforschung weiß: Glücklich sein bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Unsere Lebensbedingungen bzw. rein äußere Faktoren wie Wohlstand, gesellschaftlicher Status oder Alter tragen jedoch – entgegen der Meinungen vieler – nicht entscheidend zu einem langfristigen Glücksgefühl bei.  Man spürt doch, was einem, was uns gut tut und gefällt, darauf wollen wir setzen und  das wollen wir pflegen und dabei sollten wir uns nicht von anderen zu stark beeinflussen lassen.

Intakte Familie

Ein Wort noch zum Thema „Intakte Familie“. Das Wort wird öfter gebraucht und ärgert mich, wenn dabei von einer bestimmten Familienform geredet wird. Bei allen Familienformen gibt es viele, die glücklich sind und ihr gemeinsames Leben gut  meistern und Freude aneinander haben. Bei allen Familienformen gibt es aber leider auch solche, denen das nicht gelingt und die einander verletzen, weh tun und schaden. Die Familienform, Vater, Mutter, Kinder; Patchworkfamilien; Alleinerziehende; Regenbogenfamilien oder andere familiäre Zusammensetzungen  sind dabei nicht ausschlaggeben. Eine intakte Familie ist für mich eine, in der man wertschätzend und achtungsvoll miteinander umgeht, in der man immer wieder liebevolle, ermunternde  Worte füreinander findet, in der man sich auch erlauben kann, auch Fehler zu machen und einzugestehen, in der man sich entschuldigen und verzeihen kann und in der es auch nachvollziehbare Regeln und Grenzen gibt, zum gegenseitigen Schutz und der Sicherheit und auch um  zu wissen wie man dran ist.

Was können Eltern tun

Grundsätzlich geht es um eine Haltung der gegenseitigen Wertschätzung und Achtung, der Akzeptanz und Annahme der individuellen Eigenheiten,  auch der Dinge, mit denen die anderen sich vielleicht schwer tun. Das heißt nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss.  Um sich geborgen und glücklich zu fühlen, muss man erleben können, dass ich grundsätzlich okay bin, dass aber manches, was sich tue, andere stören kann und wenn ich es schaffe sollte ich aus Liebe zum anderen vermeiden Aber unsere Beziehung wird dadurch nicht in Frage gestellt.

Der Kinderpsychiater Wilhelm Rotthaus  geht in seinem Buch. „Wozu erziehen“ sogar so weit, dass er sagt, manchmal können  Eltern ihre Kinder nicht lieben, aber sie sind unbedingt verpflichtet, ihnen Wertschätzung, Achtung und Akzeptanz entgegenzubringen.  Das muss aber nicht nur gesagt werden, das muss erlebt und wirklich gespürt werden können.

  • Dazu braucht es erst einmal Zeit füreinander. In unserer heutigen Lebenssituation muss man sich diese Zeit zunehmend bewusst nehmen. Es geht nicht um die Menge dieser Zeit, sondern ihre Qualität. Es geht um Zeit, die wir wirklich miteinander  verbringen, ohne Störungen und Ablenkungen durch andere Dinge, also ohne Fernsehen, Internet und  Handy usw. Es geht darum, einander Aufmerksamkeit zu schenken. Das beginnt schon bei den Babys. Mit ihnen beim Spazieren gehen im Blickkontakt zu sein, mit ihnen zu reden ist etwas anderes als einem Handy und damit anderen Menschen die ganze Aufmerksamkeit zu schenken und das Kind so nebenbei zu lassen. Die beste Möglichkeit: einfach alle Ablenkungen ausschalten und nur füreinander da sein. Das ist oft nicht ganz leicht erreichbar. Aber man muss  Prioritäten setzen, eine solche Zeit miteinander ausmachen und sich an die Ausmachung auch halten. Wir sind uns das gegenseitig  wert! Ich bin jetzt ganz für dich/für euch da, ihr seid jetzt meine erste Priorität!

Diese Zeit muss aber dann auch gut genützt werden.

  • Wir reden miteinander und hören einander zu. Nur so kann ich wissen, wie es dir geht, was du denkst, wünscht und möchtest, was du Schönes erlebt hast , worüber du dich  freust und was deine Fragen, Schwierigkeiten und Probleme sind. Ich höre dir zu, ohne gleich die Antwort parat zu haben, ohne zu bewerten und zu urteilen. Ich nehme Anteil an dir. Ich lasse mich ganz auf dich ein. Auch nach 50igjähriger Ehe kann man da noch Neues erfahren und Kinder ändern sich sowieso immer wieder und es ist schön und wichtig, sie immer wieder kennen zu lernen.
  • Anerkennung zeigen:  Wir alle, egal in welchem Alter wünschen uns anerkennende Worte. Viele Dinge werden oft als selbstverständlich angesehen und nicht genug gewürdigt. Das gilt sowohl zwischen Erwachsenen als auch Kindern gegenüber. Wenn etwas gut gelungen ist oder nett und freundlich war, kann man das auch ruhig sagen.
  • Dankbarkeit: wichtig ist, dass man lernt dankbar zu sein und das auch einander zu sagen. Dankbarkeit ist eine Grundhaltung, die einem das Leben leichter und schöner macht. Wenn ich immer nur darauf schaue, was ich nicht habe oder nicht gut kann, mache ich es mir unnötig schwerer. Zu sehen, was mir oder anderen gelingt, was schön ist, was ich geschenkt bekomme von Menschen, der Natur oder auch von einer guten Macht. Dafür dankbar zu sein, macht das Leben wirklich leichter und gibt Kraft, auch unangenehme Dinge besser auszuhalten und nicht so wichtig zu nehmen. Probieren Sie das doch einfach einmal aus! Dabei geht es wirklich  nicht um unrealistische Idyllen, sondern um eine grundsätzlich positive Haltung.
  • Gemeinsames Tun: Wichtig ist, dass wir als Familie Dinge gemeinsam tun. Das gemeinsame Essen ist so etwas. Es ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme. Gemeinsame Unternehmungen, Ausflüge, was immer auch allen Spaß macht. Etwas gemeinsam zu erleben, verbindet. Selbst bei der gemeinsamen Haushaltsarbeit wird spürbar: alle tragen zum Miteinander bei, es ist die Sache aller. Primar Merl: „Wir leben in einer Kultur, in der man nicht mehr lernt, etwas zu erarbeiten und dann zu schätzen. Früher wurde viel gebastelt, gebaut oder gemeinsam hergestellt.“ Etwas miteinander zu erarbeiten und sich dann daran zu erfreuen, schafft Nähe und Verbundenheit. Die Hirnforschung liefert genügend Beweise, wie wichtig, gemeinsames Tun zum Beispiel auch für die Lernmotivation ist.  Der Hirnforscher Dr. Gerald Hüther nennt zum Beispiel das gemeinsame Singen “Kraftfutter für Kindergehirne“. Das gemeinsame, freie und lustvolle Singen schaffe soziale Resonanz. „Die Erfahrung von „sozialer Resonanz“ ist eine der wichtigsten Ressourcen für die spätere Bereitschaft, gemeinsam mit anderen Menschen nach Lösungen für schwierige Probleme zu suchen.“
  • Miteinander spielen: Ob es ein Fangenspiel im Garten, Verstecken spiele im Haus oder im Wald bei einem Spaziergang, ob es Brettspiele oder auch Kartenspiele sind, miteinander spielen macht allen Spaß. Es gibt heuet viele wunderbare, für Erwachsene und Kinder  spannende Spiele, die für alle lustig sind. Beim Spielen begegnet man sich auf einer anderen Ebene als sonst. Kinder sind zum Beispiel beim Memory spiel  oft viel besser als die   Man kann dabei Verlieren lernen ohne Gesichtsverlust, man kann Gewinnen lernen ohne Überheblichkeit und Triumpf über die anderen. Solche herzerwärmenden Erfahrungen bleiben oft lange in Erinnerung. Zu Spieleabenden könnte man z. B. auch gut die Freunde der Kinder aber auch die eigenen Freunde (womöglich mit Kindren) einladen.
  • Druck abbauen: Auch wenn viel Druck von außen in das Familienleben hineinwirkt, so sollte man bewusst Druck abbauen: zeitlichen Druck, indem man bestimmte Zeiten für die Familie reserviert und sich dabei nicht stören lässt. Erwartungsdruck von Seiten der Gesellschaft oder auch durch sich selbst, indem man sich einfach die Realität bewusst macht. Manches geht einfach nicht. Der Tag hat nur 24 Stunden! Dazu muss man sich von dem Gedanken trennen, perfekt sein und alles optimal machen zu können. Fehler gehören einfach dazu. Nur wer gar nichts macht, macht auch sicher keine Fehler. Kinder müssen von ihren Eltern eine gewisse „Fehlerfreundlichkeit“ lernen, sonst trauen sie sich oft nicht Dinge zu tun, die möglicherweise nicht optimal gelingen werden. Eltern müssen ihren Kindern zeigen, dass man Fehler akzeptieren muss, sie eingestehen kann und versuchen, das was schief gelaufen ist wieder gut zu machen.
  • Sich frei machen vom Druck bringt auch die nötige Ruhe und Gelassenheit, die wir selbst brauchen und die auch unsere Kinder von uns brauchen und die wesentlich zur Qualität des Familienlebens beitragen.
  • Vorbildwirkung der Eltern: Kinder lernen bewiesenermaßen viel, viel mehr durch das Verhalten ihrer Eltern als durch alle Erziehungsmaßnahmen.

„Wir können unsere Kinder noch so gut erziehen, sie machen uns ja doch alles nach!“


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