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MINT : die Welt lesen

von Dr. Reinhard Ehgartner

Kinder sind hungrig, die Welt zu entdecken- solange die Erwachsenen sie dabei begleiten und ihnen nicht den Appetit verderben. Die aktuelle MINT-Euphorie bietet die Chance, dem natürlichen Forschergeist von Kindern den Stellenwert einzuräumen, der ihrem eigenen Interesse im Erkunden der Welt entspricht.Öffentlichen Bibliotheken bieten hierzu ideale Begegnungs- und Entdeckungsräume. Für die ganze Familie!

MINT und Maker als Ausdrucksformen einer neuen Bewegun
Maker Faires in größeren Städten als Familienmagnete, aufsprießende Repair Cafés, überbuchte Angebote in den Maker-Spaces Öffentlicher Bibliotheken: Der experimentelle und gemeinschaftliche Zugang zu Naturwissenschaft und Technik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wenn Barack Obama 2014 im Weißen Haus eine Maker Faire eröffnet und von einer „nation of makers“ spricht, wird auch der politische wie bildungspolitische Aspekt erkennbar. Rund um Maker und MINT geht es nicht um die weltfremde Subkultur verschrobener Bastler, viel eher meinen manche bereits die Anzeichen der nächsten industriellen Revolution wahrzunehmen.

Wirft man einen genaueren Blick auf die Ansätze und Ideen, erkennt man sehr rasch die Chancen, die für die kindliche Entwicklung, unser soziales Leben und die Entwicklung zukunftsweisender Bildungsangebote mit dem Begriff MINT verbunden sind, denn MINT hat auch wesentlich mit lernen und lesen zu tun.

Wir lesen immer – ob wir wollen oder nicht
Die Lesekompetenz und Lesefreude von Kindern und Jugendlichen stehen im Zentrum heftiger Bildungsdiskussionen. Der Blick ist dabei meist auf ein viel zu enges Verständnis von Lesen gerichtet, nämlich auf die Fähigkeit, Texte entziffern und verstehen zu können. Aber Lesen ist viel mehr: Wir lesen und deuten Zeichen in unserer Umwelt, die Geschehnisse um uns herum, die Räume, die wir betreten, die Menschen, denen wir begegnen. Nur so können wir uns in dieser Welt orientieren und miteinander kommunizieren. Wir lesen und wir lernen immer – und können gar nicht anders.

Alle unsere Sinne sind darauf ausgerichtet, die Welt in uns aufzunehmen, sie zu deuten und entsprechend zu handeln. Dem Lesen der Umgebung im Hinblick auf mögliche Gefahren kommt hierbei ganz besondere Bedeutung zu. Mit grenzenloser Neugier ausgestattet, erschließen sich Kinder spielend und experimentierend die Welt.

Nur unter einem verengten Lesebegriff konnte es passieren, dass unsere Welt aufgeteilt wurde in Sprachbegabte und Technikinteressierte, in verträumte LeserInnen und zupackende PraktikerInnen. Entsprechende Schulzweige und Bildungskarrieren wurden entworfen, genderspezifisch wurden die Rollen verteilt.

Die aktuelle MINT-Debatte bietet die Chance, diese festgefahrenen Vorstellungen aufzubrechen.

Es lebe die MINTasie
Der von der Kinderbuchautorin Brigitte Weninger erfundene Begriff „MINTasie“ bringt die Zielsetzung Öffentlicher Bibliotheken auf den Punkt: Es geht in der Arbeit mit Kindern nicht um die Gegenüberstellung von Naturwissenschaften und Fantasie – ganz im Gegenteil: Die beiden Aspekte gehören zusammen. Dies entspricht dem Weltbild von Kindern ebenso wie dem der großen Genies. Leonardo da Vinci war als illigitimen Kind eines Notars und einer Magd die höhere Bildungder Lateinschulen und damit der Zugang zum Buchwissen der Zeit verwehrt. Er ging den Weg des lustvollen Experimentierens und selbstgeleiteten Entdeckens, er malte, entwarf fantastische Flugapparate, sezierte, plante, konstruierte und träumte.

Der Buchmarkt hat das Potential „MINTastischer“ Weltzugänge bereits erkannt und bietet Bücher in höchster Qualität. 2012 wurde mit „Gerda Gelse“(Tyrolia Verlag) erstmals nach 30 Jahren wieder ein österreichischer Titel mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Das Konzept, aus der Perspektive einer Figur heraus Sachwissen zu vermitteln und zugleich erzählerische Handlungs- und Spannungsbögen zu bieten, ist in „Willi Virus“ (Tyrolia Verlag), „Ich bau mir einen großen Bruder“ (Moritz Verlag) oder den grandiosen Bilderbüchern von Torben Kuhlmann („Lindbergh“, „Edison“ u.a.) gleichermaßen realisiert.

MINT : lesen – sprechen – tun
Unter diesem Titel entwickelt das Österreichische Bibliothekswerk MINT-Aktivitäten mit und in Öffentlichen Bibliotheken. Der Dreischritt des Titels ist Programm: Gemeinsam mit Kindern im Alter von meist 4 bis 10 Jahren steigt man in eine Geschichte oder ein erzählendes Sachbuch ein, bespricht mit den Kindern die Geschehnisse auf dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen und Vermutungen, um sich dann im letzten Schritt in Experimenten oder eigenen Lösungsversuchen dem Gegenstand zu widmen.

Die Untersuchung des eigenen Trinkwassers, die Erklärung für ein Rechenproblem, die Programmierung kleiner Roboter, das Basteln eines Flaschentornados, das Erstellen von Lesezeichen in Brailleschrift oder erste Versuche mit Elektrizität – in der Wahl der Gegenstände gibt es dabei keine Beschränkungen, denn es gibt letztlich keine uninteressanten Themen. Viel entscheidender ist es, spannende Frage zu entwickeln und ihnen konsequent nachzugehen. Nach einer erfolgreichen MINT-Stunde sind folglich mehr neue Fragen aufgetaucht, als beantwortet werden konnten.

Idealerweise werden in der MINT-Stunde einer Öffentlichen Bibliothek Dinge angegangen, die man zu Hause in der Familie weiterführen kann. Und plötzlich tauchen beim nächsten Termin auch die Eltern mit auf, weil sie wissen möchten, wieso eine Bürklammer auf der Wasseroberfläche schwimmen kann.

 


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