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Mundhygiene bei Kindern

von Dr. Verena Bürkle

Karies ist auch heute noch – fast – in aller Munde. Denn obwohl sich in den letzten Jahren viel getan hat und die Karies bei Jugendlichen und Erwachsenen stetig zurückgegangen ist, sieht es gerade bei den kleineren Kindern noch eher schlecht aus. Nur etwa die Hälfte aller Kinder unter 6 Jahren ist hierzulande kariesfrei und ist es erst einmal zu einem Loch gekommen so sind nur etwa ¼ bis die Hälfte dieser Defekte auch zahnärztlich versorgt. Darum gilt: vorsorgen ist besser als heilen!
Trotz aller Aufklärung und Kampagnen rund um die Zähne halten sich immer noch einige Mythen hartnäckig.

Mythos 1:  Karies ist erblich.

Schlechte Zähne werden einem nicht in die Wiege gelegt, auch wenn es manchmal den Anschein erweckt. Karies ist ansteckend! Die Kariesbakterien werden über Speichelkontakt (z.B. Abschlecken des Schnullers) von Mutter bzw. Vater oder sonstigen nahen Bezugspersonen auf das Kind übertragen. Die logische Konsequenz: je schlechter die Zähne der Mutter, desto mehr aktive Bakterien hat sie im Mund, desto höher die Gefahr der Übertragung auf das Kind! Oder anders herum formuliert: Je besser die Mundhygiene und die Versorgung bei der Mutter sind, desto besser sind die Chancen, dass auch das Kind später gute Zähne haben wird. Hinzu kommt, dass bei schlechten Zähnen der Mutter nicht nur eine Ansteckungsgefahr für das Kind besteht, sondern dass eine Parodontitis (Zahnfleischentzündung) bei der Mutter auch ein erhebliches Risiko für eine Frühgeburt darstellt, d.h. das Risiko für das Kind geht auch weit über die Zahngesundheit hinaus. Die Empfehlung der Zahnärzte lautet daher, dass Schwangere mindestens 2x während der Schwangerschaft zum Zahnarzt gehen sollten.

Mythos 2: Anfangs muss man die Zähnchen nicht regelmäßig putzen.

Die Kariesgefahr im Milchgebiss wird oft unterschätzt. Mit der richtigen Mundhygiene kann nämlich gar nicht früh genug begonnen werden: Kinder mit kariesfreien Milchzähnen haben eine 90% höhere Chance auf ein gesundes bleibendes Gebiss! Die ersten Zähne brechen mit etwa 6 Monaten durch. Daher ist es wichtig, dass schon ab dem ersten Zahn geputzt wird. Man kann dazu eine weiche Babyzahnbürste und einen Hauch altersentsprechend fluoridierter Kinderzahnpasta verwenden. Zuerst sollte die Zahnpasta nur abends benutzt werden, ab dem 2. Geburtstag dann 2x täglich.
Was aber, wenn die gut gemeinten Putzversuche der Eltern in wildem Gebrüll enden? Viele Eltern jammern: “mein Kind lässt sich aber nicht die Zähne putzen“ – Gegenfrage: „Fragen Sie Ihr Kind auch, ob es sich wickeln lassen möchte?“. Weder beim einen noch beim anderen wird man ein Kind traumatisieren, wenn man ihm gewisse Notwendigkeiten mit „liebevollem Zwang“ aufzeigt. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, ob man nun nebenbei singt, Geschichten erzählt oder jeden Zahn mit Namen begrüßt. Wichtig ist nur, dass tatsächlich geputzt wird auch wenn sich die Begeisterung manchmal in Grenzen hält.

Mythos 3: Mein Kind kann sich schon alleine die Zähne putzen.

Mit etwa 2-3 Jahren wollen die Kinder immer mehr alleine machen – und das dürfen sie auch um die Bewegungsabläufe zu üben. Solange die Eltern anschließend nachputzen! Die Feinmotorik einer Kinderhand ist erst mit etwa 10 Jahren (!) so weit ausgebildet, dass die Kinder alleine effektiv putzen können. Ganz wichtig ist auch die Vorbildfunktion der Eltern, die den Kindern vermittelt: Zähneputzen ist eine Norm. Sobald das Milchgebiss vollständig durchgebrochen ist, kann übrigens auch mit einer elektrischen Zahnbürste geputzt werden. Mit dem Durchbruch der bleibenden Zähne sollte man auf eine so genannte Juniorzahnpasta umsteigen, die im Fluoridgehalt den neuen Zähnen angepasst ist. Mundspülungen sind meist nur während festsitzender kieferorthopädischer Behandlung, bei extremen Engständen oder motorischen Beeinträchtigungen sinnvoll. Zahnseide dagegen gehört zur regelmäßigen Zahnpflege dazu, auch bereits im eng stehenden Milchgebiss.

Mythos 4: Die Milchzähne fallen eh mit etwa 6 Jahren wieder aus

Das stimmt – für die Schneidzähne. Diese ersten Wackelzähne treten etwa mit dem Schuleintritt auf. Bis dahin sind sie jedoch wichtig für das korrekte Erlernen der Sprache, für das Abbeißen und auch für die Ästhetik. Doch das ist nur der Anfang des Zahnwechsels. Die folgenden Jahre haben die Kinder immer gleichzeitig Milch- und bleibende Zähne im Mund, die oft für den Laien schwer zu unterscheiden sind. Die Backenzähne sind wichtig für die Kaufunktion und sind außerdem die Platzhalter für die bleibenden Backenzähne. Die letzten Milchbackenzähne fallen im Schnitt erst mit 12 Jahren aus. Das heißt wenn ein etwa 4-jähriges Kind ein Loch in einem Backenzahn hat, so benötigt es diesen noch weitere 8 Jahre! Und wer würde schon freiwillig so lange mit einem Loch im Zahn umherlaufen? Oft sind übrigens gar nicht die Schneidezähne die ersten bleibenden Zähne, sondern die sogenannten 6-Jahr-Molaren, also bleibende Backenzähne, die sich aber als „Zuwachszähne“ hinter dem letzten Milchbackenzahn einreihen, ohne dass ein Zahn dafür ausfällt. Daher werden sie oft von den Eltern übersehen und können schnell kaputt gehen wenn sie nicht mitgeputzt werden.

Mythos 5: Die Sache mit dem Fläschchen….

Der größte Feind der Milchzähne sind gesüßte Getränke in Saugerflaschen! Auch wenn es ein ganz stark verdünnter Saft ist, schadet dieser den Zähnen wenn die Flasche zum Dauernuckeln genommen wird! Die Milchzähne haben einen viel dünneren Zahnschmelz als die bleibenden Zähne und gehen deshalb viel schneller kaputt. Normalerweise kann der Speichel die Säure, die bei Zuckerkonsum im Mund entsteht, wieder neutralisieren. Hier gibt es aber 2 ganz wichtige Punkte zu beachten:

  • Der Speichel braucht mindestens eine Stunde Ruhepause! Kommt in dieser Zeit immer wieder die Flasche in den Mund, so schafft er es nicht.
  • Nachts wird praktisch kein Speichel gebildet. Daher ist alles, was in der Nacht an die Zähne kommt ein wahres Fest für alle Kariesbakterien

Mythos 6: Wir ernähren uns doch so gesund. Oder anders: mein Kind bekommt ganz wenig Süßigkeiten.

Leider ist es so, dass nicht alles was für die Ernährung gesund ist, auch für Zähne unschädlich ist. Genau wie bei dem Fläschchen liegt es an der Häufigkeit und nicht der Menge. Eine Tafel Schokolade auf einmal gegessen schadet fast nicht, die gleiche Tafel Schokolade über den Tag verteilt gegessen ist sehr gefährlich für die Zähne.
Die Bakterien unterscheiden auch leider kaum zwischen den einzelnen Zuckerarten und können den Fruchtzucker aus besonders süßem und klebrigem Obst hervorragend verwerten, gerade aus der bei Kindern so beliebten Banane zum Beispiel. Auch versteckter Zucker in Cornflakes, Ketchup, Trockenfrüchten etc ist nicht zu unterschätzen. Verzicht ist also nicht notwendig, nur der vernünftige Umgang damit.

Und wann das erste Mal zur Kontrolle?

Kinderzahnärzte empfehlen ab dem ersten Zahn – nicht weil dann schon so viel zu sehen wäre, sondern weil dann eine intensive Aufklärung über die „do´s und dont´s“ mit den Eltern durchgeführt werden kann und mögliche Schäden verhindert werden können. Die meisten Zahnärzte schauen Kinder jedoch ab etwa 2 Jahren an. Dann wird nicht nur auf die Mundhygiene, sondern auch auf die Zahnstellung und das Kieferwachstum geschaut. Ideal ist es, die Kinder zur Kontrolle zum Zahnarzt zu bringen, bevor etwas weh tut. So hat man die Chance, die Kinder langsam an den Zahnarzt zu gewöhnen und Vertrauen zu schaffen. Belohnungen sollte man vorher nicht versprechen, denn der Zahnarztbesuch ist ja etwas ganz normales! Hat alles gut geklappt, spricht natürlich nichts gegen ein kleines Geschenk im Nachhinein.

Wie kann man erste Zahnschäden erkennen?

Eine wichtige Früherkennung können Eltern bereits zu Hause betreiben: bei Kleinkindern etwa 1 Mal im Monat die Oberlippe hochziehen, die Schneidezähne mit einem Tuch kurz abtrocknen und anschauen. Zeigen sich in der Nähe zum Zahnfleisch weiße Linien auf den Zähnen, die sich nicht wegputzen lassen, so ist dies eine Kariesvorstufe! Frühkindliche Karies fängt immer (!) an den oberen Schneidezähnen an. Diese Vorstufe wird Entkalkung genannt und ist ohne Füllung heilbar. Zeigen sich jedoch bereits kleine braune Flecken innerhalb der weißen Linien, handelt es sich bereits um eine aktive Karies. Bei älteren Kindern versteckt sich die Karies oft zwischen den Zähnen und ist für den Laien kaum oder gar nicht erkennbar. Hier hilft nur die regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt.

Was tun bei Karies?

Grundsätzlich kommt es auf die Größe der Karies, den betroffenen Zahn und das Alter des Kindes an. Je jünger das Kind, desto wichtiger der Zahnerhalt. Je größer das Loch, umso mehr muss gemacht werden. Mit den neuen Kunststoffen können Milchzähne hervorragend versorgt werden. Ist der Nerv betroffen, kann eine Wurzelbehandlung Abhilfe schaffen. Diese ist bei Kindern wesentlich weniger aufwendig als bei Erwachsenen. Bei sehr stark zerstörten Backenzähnen werden häufig konfektionierte Stahlkronen eingesetzt. Diese „Ritterzähne“ schützen den Zahn rundherum oder erlauben den Erhalt, wenn dies mit einer Füllung nicht mehr möglich gewesen wäre. Kann ein Zahn nicht mehr erhalten werden, besteht die Möglichkeit einen Lückenhalter einzusetzen um den Platz für die nachfolgenden Zähne offen zu halten.
Bei kleineren Kindern oder nach schlechten Vorerfahrungen kann es schwierig werden, diese Behandlungen in Lokalanästhesie zu machen. Dann helfen manchmal nur eine Sedierung oder Narkose.
Last but not least noch ein paar Worte zu Daumen oder Schnuller:
Je schneller sie weg sind, desto lieber. Spätestens aber bis zum 3. Geburtstag, sonst drohen Zahn- und Kieferfehlstellungen.
Wenn man diese Dinge beachtet, ist Karies im Milchgebiss fast immer vermeidbar und das hat Einfluss auf das ganze restliche Leben des Kindes!


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